Ludwig Berndl (* 6. Juli 1878 in Groß Haselbach, Niederösterreich; † 1946 in Orselina, Schweiz) war ein österreichischer Publizist in Berlin, Wien und Orselina.
Leben und Wirken Ludwig war ein unehelicher Sohn der Arbeiterin Maria Berndl, später verheiratete Mayer Schmidt.Wolzogen, 2023, S. 31, mit einigen biographischen Angaben Er studierte seit 1904 Philosophie in Bern und widmete sich besonders dem altindischen Samkhya. Bei einer Reise nach Moskau lernte er Deborah Friedmann kennen, die er mit nach Bern brachte und dann heiratete. 1908 begegnete er dem Schriftsteller Gustav Landauer, mit dem ihn seitdem eine lebenslange Freundschaft verband, und mit dem er sich in seinen anarchosozialistischen und pazifistischen Ideen bestärkte. 1912/13 lebte er in dessen Nähe in Hermsdorf bei Berlin.
Ludwig Berndl widmete sich mit seiner Frau Dora vor allem der Herausgabe und Übersetzung von Werken von Leo Tolstoi. Dazu reiste er mehrmals in das Tolstoi-Archiv nach Moskau und auf dessen ehemaliges Gut Jasnaja Poljana. In den 1920er Jahren wohnten die beiden in Wien in der Thurmergasse 11.Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1925, Sp. 51, auch weitere Jahre und Wiener Adressbuch 1928 zogen sie wieder nach Berlin-Hermsdorf. 1932 emigrierten sie nach Orselina im Tessin, wo sie unter ärmlichen Verhältnissen lebten.Hanna Delf (Bearb.), Gustav Landauer. Fritz Mauthner. Briefwechsel 1890–1919, Beck, München 1994, S. 442, 8, mit einigen biographischen Angaben, Ludwig Berndl schrieb über ihre schwierige Situation in der Schweiz in seinen Briefen an Margarete Susman (im DLA Marbach)
Publikationen (Auswahl) Ludwig Berndl gab einige Werke von Leo Tolstoi heraus, er übersetzte mehrere mit seiner Frau und veröffentlichte zwei eigene Schriften. Außerdem schrieb er Artikel für Der Sozialist von Gustav Landauer, Zukunft, Pester Lloyd und weitere Zeitungen und Zeitschriften. Verfasser Der Todsucher. Bluette in drei Aufzügen, Pierson, Dresden 1901 Über das Sâmkhya. Versuch der Wiederherstellung der Sâmkhya-Philosophie, München 1921, Dissertation
Herausgeber Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 2 Bände, Müller, München 1912, 1913 (Digitalisat) Leo N. Tolstoi, Krieg und Frieden, 2 Bände, Diederichs, Jena 1924Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 15. Oktober 1924, S. 13974; Verlagsanzeige über die Bände durchgesehen durch Ludwig Berndl Leo N. Tolstoi, Anna Karenina, Diederichs, Jena 1925 Leo N. Tolstoi, Auferstehung, Diederichs, Jena 1925
Übersetzungen mit Dora Berndl
Leo N. Tolstoi, Nachlaß. Novellen und Dramen, 2 Bände, Diederichs, Jena 1912, mehrere Neuauflagen, auch einzelner Erzählungen Leo Tolstojs Briefwechsel mit der Gräfin A. A. Tolstoj 1857–1903, G. Müller, München 1913 Leo Tolstoi, Der Durchreisende und der Bauer, Friedens-Armee, Zürich 1917 Leo Tolstoi, Göttliches und Menschliches. Erzählungen aus dem Nachlaß , Diederichs, Jena 1928, Neudruck 2024 (Digitalisat) Leo Tolstoi, Der lebende Leichnam, Diederichs, Jena 1928 Leo Tolstoi, Briefe an seinen Freund Wladimir Tschertkow aus den Jahren 1883 bis 1886, Züst, Winterthur 1950
Literatur Hanna Delf von Wolzogen (Hrsg.): Gustav Landauer. Briefe 1899–1919. V&R unipress, Göttingen 2023. S. 31, und öfter, mit vielen biographischen Informationen
Weblinks Ludwig Berndl Personenlexikon, ÖNB Literatur von und über Ludwig Berndl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Texte von Ludwig Berndl Deutsches Literaturarchiv Marbach
Einzelnachweise
Kategorie:Publizist Kategorie:Übersetzer aus dem Russischen Kategorie:Österreicher Kategorie:Österreichischer Emigrant in der Schweiz Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Lew Nikolajewitsch Tolstoi Kategorie:Geboren 1878 Kategorie:Gestorben 1946 Kategorie:Mann