mini|Ole Vig (Lithographie von I. Falander) Ole Vig, eigentlich Ole Olsen Viganaasen, (* 6. Februar 1824 in Stjørdal; † 19. Dezember 1857 in Kristiania (Oslo)) war ein norwegischer Volksbildner, Lehrer und Dichter. Er vermittelte in den 1850er Jahren einem großen, zum Teil einfachen Publikum die Idee einer gemeinsamen öffentlichen Volksschule für Kinder aus allen Gesellschaftsschichten und legte damit den Grundstein für die Schulgesetze von 1860 und 1883. Seine Schriften und seine Artikel in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Folkevennen (Volksfreund) sind von Grundtvigs lebens- und kulturbejahendem „fröhlichem“ Christentum geprägt und in einer breiten Kreisen verständlichen Sprache gehalten (aus der sich später Bokmål entwickeln sollte.) Von seinen gefühlvollen Gedichten ist Blant alle lande zu einer informellen norwegischen Nationalhymne geworden.

Ole Vig entstammte sehr ärmlichen Verhältnissen, blieb sein Leben lang arm und starb früh. Er war eine charismatische Persönlichkeit und übte einen inspirierenden Einfluss auf spätere Kulturschaffende aus, darunter Olaus Arvesen, Herman Anker, Aasmund Olavsson Vinje, Bjørnstjerne Bjørnson und Henrik Ibsen.

Leben Familie Ole Vig wurde als Sohn von Ole Olsen Viganaasen und Marit Nielsdatter Walstad auf dem Häuslerplatz (husmannsplassen) Vikmarka des Gutshofes Vikan im Værnes Sogn in der Gemeinde Stjørdal im Trøndelag geboren. Die arme Kleinbauernfamilie hatte ursprünglich vier Kinder, von denen zwei schon im Säuglingsalter starben. Ole wuchs zusammen mit der jüngeren Schwester Nikoline auf, zu der er noch als Erwachsener ein inniges Verhältnis hatte.

Mutter Marit stammte aus einer Bauernfamilie aus Store Valstad in Skatval; sie konnte lesen und war mit Büchern vertraut und hatte, wie ihr Sohn Ole, „ein sanftes Gemüt“. Von ihr lernte Ole schon als 5-Jähriger lesen, und da sie stark vom Haugianismus beeinflusst war, bildete die biblische Geschichte den Hauptgegenstand ihres Unterrichts.

Volksschule mini|Geburtsort von Ole Vig, Foto 1914 Mit sieben Jahren trat Ole in die Volksschule ein und war bald der beste Schüler. Er spielte wenig mit den Nachbarskindern, sondern „verschlang alle Bücher, die er in die Finger bekam.“ Besonders interessierten ihn ein großes Astronomiewerk und eine alte Beschreibung der Erde. Als eine Gemeindebibliothek eingerichtet wurde, überredete er seinen Vater, ebenfalls einen Beitrag zu leisten, damit er seine Leselust befriedigen könne.

Die Sonntagsschule im Pfarrhaus von Værnes, die eigentlich nur für Konfirmanden bestimmt war, durfte er bereits vor seiner Konfirmation besuchen; und er konnte mit den älteren Schülern mühelos mithalten. Mit 15 Jahren wurde er schließlich selbst konfirmiert. Propst Widerøe, der die Konfirmation vornahm, war von Oles Wissen und seiner Intelligenz beeindruckt und schug vor, Ole auf das neu gegründete Lehrerseminar in Klæbu zu schicken. Der Vater, der das Schulgeld nicht aufbringen konnte und die Arbeitskraft seines Sohnes nicht verlieren wollte, lehnte ab.

Probst Widerøe setzte am 12. Dezember 1839 in der gemeinsamen Sitzung des Gemeinderats und des Schulausschusses durch, zwei junge Männer (Ole Vig und Johan Pedersen) auf Kosten der Gemeinde in Klæbu zu Lehrern ausbilden zu lassen. Die beiden sollten innerhalb von zehn Jahren den Kredit zurückzahlen und bis zur Abzahlung als Lehrer im Dorf arbeiten.

Lehrerseminar Klæbu Ole bereitete sich im Selbststudium auf das Seminar vor und im August 1841 verließ er sein Elternhaus „in einem grauen Wollrock, mit einem Knüppel in der Hand und einem Sack auf dem Rücken.“ Er ging die vier Meilen nach Klæbu zu Fuß, um mit 23 anderen Jungen den zweiten Jahrgang der neuen Schule zu bilden. In der Schule erwies er sich als guter Schüler, aber auch als bescheiden und introvertiert. Er war sehr empfindlich und hatte schnell Tränen in den Augen. In seiner körperlichen Entwicklung war er zurückgeblieben, er war klein und zierlich. Als er mit mehr als 19 Jahren das Seminar verließ, war er noch nicht in den Stimmbruch gekommen.

Im Frühjahr 1843 legte Ole Vig die Abschlussprüfung mit der Bestnote und der Bemerkung „außergewöhnliche Fähigkeiten“ ab. Als er acht Jahre später seinen Gedichtband Norske Bondeblomster veröffentlichte, widmete er diesen seinen „geliebten Lehrern“ Bischof Hans Jørgen Darre und Kand. theol. Nikolay Ulstad „mit der ganzen Liebe eines dankbaren Schülers“.

Eine höhere formale Ausbildung hat Ole Vig nicht mehr erhalten, was er später bedauernd kommentierte: Thi det blev min Lod at savne Plads iblandt de Lærdes Navne Savne endog Artium.Denn es wurde mein Los, zu vermissen Einen Platz unter den Namen der Gelehrten Sogar Artium zu vermissen.

Hauslehrer mini|Ole Vig, Foto um 1850 Kurz vor der Abschlussprüfung besuchte Rektor Fredrik Bugge aus Trondheim das Seminar, um für seinen Schwager, Probst H. G. Magelssen in Åfjord in Sør-Trøndelag, einen guten Hauslehrer zu finden. Bugge beriet sich nicht mit den Lehrern, sondern beobachtete den Unterricht und entschied sich für Ole Vig. Probst Magelssen hatte eine große Bibliothek mit historischen und literarischen Werken und vor allem den Schriften von N. F. S. Grundtvig, die den neuen Hauslehrer brennend interessierten:

„Hier fand er etwas, das Licht auf die Rätsel des menschlichen Lebens werfen konnte. Grundtvigs kraftvolle, aber heitere Verkündigung des christlichen Glaubens und der Vaterlandsliebe, seine Forderung nach Volksnähe, dem Schutz der Muttersprache und des nordischen Geistes hatten eine enorme Bedeutung für Ole Vig.“ Er fühlte sich nach seinen eigenen Worten „belebt durch den Glauben und die Hoffnung auf das Erwachen des norwegischen Volksgeistes aus seinem Schlaf“ und sehnte sich danach, sein Volk zu wecken und zu erleuchten.

Kristiansund 1845 erhielt Ole Vig eine Stelle als Andenlærer (Zweiter Lehrer) an der Kirkelandets Almueskole in Kristiansund, einer kirchliche Volksschule, an der sein guter Freund und Grundtvigianer Lorents Schancke bereits Lehrer war. Nach zweieinhalb Jahren wechselte Ole 1848 als Tredielærer (Dritter Lehrer) an die Städtische Bürgerschule (Byens Borgerskole).

In Kristiansund wurde Vig zu einer öffentlich bekannten Persönlichkeit. Er nahm aktiv an einer Vielzahl von Missions- und Lehrertreffen teil und gründete 1850 einen örtlichen Lehrerverein, dessen Vorsitzender er selbst wurde. Im selben Jahr nahm er als Delegierter an einer Konferenz der Lehrer des Stiftamtes Trondheim teil. Im Handwerkerverein, wo er jeden Sonntagabend Vorträge zur Geschichte seines Vaterlandes hielt, wurde er Sekretär. Er veröffentlichte seine ersten Gedichte in einer Lehrerzeitschrift.

Seine praktischen Erfahrungen verhalfen Ole Vig zu klaren Vorstellungen von der Schule der Zukunft, die für alle, d. h. für die Landbevölkerung, sein sollte und statt der Lateinschule mit ihrem Auswendiglernen eine alternative Pädagogik in der Sprache des Volkes anbieten würde.

Poetisches Werk mini|Ole Vig: Liv i Norge. Vinteraftenslæsning for den norske Ungdom. Kristiansund 1851. 1851 trat Ole Vig mit zwei Büchern als poetischer Schriftsteller in Erscheinung. Der kleinformatige Band Liv i Norge ist nach den Worten des Untertitels eine „Winterabendlektüre für die norwegische Jugend“ und er machte Vigs Namen landesweit bekannt. Er gibt darin eine ganzheitliche spirituelle Interpretation des Lebens, und zwar in einer aus der nordischen Mythologie entlehnten Bildersprache. Die Sammlung Norske Bondeblomster (Norwegische Bauernblumen) „enthält wunderschöne Gedichte, die eine sanfte und warme Gefühlswelt offenbaren“ (so Henrik Jæger). Aus ihr „sind mehrere Lieder zu echten Volksliedern geworden.“

Ole Vigs Lieder und Gedichte wurden zu seiner Zeit viel gelesen und gesungen, aber nur sein patriotisches Blandt alle Lande i Øst og Vest (Unter allen Ländern im Osten und Westen) hat mit der Melodie des Dänen Hans Matthison-Hansen als eine „alternative“ Nationalhymne überlebt. Das Gedicht wurde erstmals 1854 in Salmer og Sange til Brug ved Skolelærer-Møde (Hymnen und Lieder für den Gebrauch bei Lehrerkonferenzen) veröffentlicht. Im selben Jahr erschien auch das gemeinsam mit seinem Freund Ludvig Mathias Lindeman verfasste Sange og Rim for det norske Folk (Lieder und Reime für das norwegische Volk).

Aus einem Abstand von 80 Jahren urteilte der Literaturkritiker Kristian Elster mit Sympathie, aber auch fachlicher Strenge: „Wie Ivar Aasen sah Ole Vig seine Aufgabe darin, den Menschen, von denen er abstammte, das Geschenk zu machen, das er selbst erworben hatte: Wissen und Aufklärung. Er war wie geschaffen für die Arbeit im Dienste der Volksaufklärung: klug, klar, geduldig, aufgeweckt, voller Glauben und Zuversicht. […] Seine Gedichte sind gleichmäßig und gefühlvoll, aber nicht besonders bedeutend.“

Reise nach Dänemark mini|Das Vorbild: Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783–1872) Im Sommer 1851 unternahm Vig seine einzige Auslandsreise. Den größten Teil des Wegs nach Kopenhagen ging er zu Fuß, fuhr aber in Dänemark zum ersten Mal mit der Eisenbahn, die es in Norwegen noch nicht gab. Zweck der Reise war, das Vorbild Grundtvig zu besuchen, „den Mann, den ich nach Luther für den größten halte, der seit den Tagen der Apostel auf Erden gelebt hat“. Ole Vig hörte nicht nur Grundtvig predigen, sondern konnte auch sechs Stunden im persönlichen Gespräch mit ihm verbringen.

Unterwegs besuchte Vig in Østre Toten den Pfarrer Fredrik Nannestad Wexelsen (1818–1896), einen führenden Grundtvigianer, den er 1849 bei der Feier des 10-jährigen Jubiläums des Klæbu-Seminars kennengelernt hatte. Auf der Insel Seeland suchte er die Sorø Akademi auf, um Bernhard Severin Ingemann zu treffen, der dort als Lektor (zeitweise auch als Rektor) beschäftigt war. Und auf dem Rückweg traf er in Kristiania den Volksaufklärer J. Friis, einen der Gründer der „Gesellschaft zur Förderung der Volksbildung“, der ihm anbot, Sekretär dieser Gesellschaft zu werden.

Auf der mehrere Wochen langen Wanderung durch Norwegen konnte Ole Vig – wie er selbst erzählte – viele aufschlussreiche Erfahrungen über das Leben des Volkes und seine Sprache sammeln.

Marie Wexelsen mini|Marie Wexelsen (1832–1911), Foto um 1870 Vig knüpfte enge Beziehungen zur Familie Wexelsen in Toten. Hier traf er auch zum ersten Mal Wilhelm Andreas Wexels, den Residierenden Kaplan der Vår Frelsers Kirche in Christiania und „Norwegens Grundtvig“, der ein Onkel von Fredrik und dessen Schwester Marie war. Diese Schwester, die spätere Schriftstellerin Marie Wexelsen, wurde Oles einzige und unglückliche Liebe. Er war von dem schönen und aufgeweckten Mädchen fasziniert und besuchte den Familienbesitz Sukkestad in Toten viele Male. Schließlich fasste er Mut und schrieb Marie Wexelsen einen Brief, in dem er seine tiefsten Gefühle für sie zum Ausdruck brachte und am Ende um ihre Hand anhielt. Marie lehnte freundlich, aber bestimmt ab.

Obwohl Marie eine herzliche Freundschaft zu Ole empfand, reichte diese nicht für eine Ehe aus. Einiges deutet darauf hin, dass sie seine Liebe insgeheim erwiderte, aber obwohl ihre Eltern, der Glashüttendirektor und Gutsbesitzer Wexel Hansen Wexelsen und seine Frau Marie Louise geborene Wexels tolerant waren, „war es vielleicht ein zu großer Schritt, einen Knecht aus Stjørdalen zu heiraten.“ Auch das Aussehen könnte eine Rolle gespielt haben; Ole Vig war kein stattlicher Mann.

Ole und Marie blieben beide unverheiratet und ihre Freundschaft hielt ein Leben lang. Nach Oles Tod soll Marie gesagt haben: „Ich bin im Grunde genommen Witwe nach Ole Vig“.

Redakteur von Folkevennen mini|Ole Hartvig Nissen (1815–1874), Ole Vigs Arbeitgeber bei Folkevennen