Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) Härtsfeld liegt im östlichsten Baden-Württemberg im Kreis Heidenheim und im Ostalbkreis und schützt mehrere nicht zusammenhängende Teile der Härtsfeld genannten Hochfläche. Es wird als abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit artenreichen Buchenwäldern, ausgedehnten Eichen-Hainbuchenwäldern sowie Wacholderheiden entlang der Waldsäume beschrieben. Das Gebiet zählt zum länderübergreifenden Netz besonderer Schutzgebiete Natura 2000 der Europäischen Union (EU). Dieses hat den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Ziel und soll dem anhaltenden Rückgang von wildlebenden Arten und ihrer natürlichen Lebensräume entgegenwirken. Das 2018 im Landesrecht festgeschriebene Gebiet beherbergt 19 Lebensraumtypen, 11 Naturschutzgebiete (NSG), Naturdenkmale und Geotope mit dem einzigen Steinbruch des Meteoriten-Gesteins Suevit in Baden-Württemberg und die stärkste für die Trinkwasserversorgung verwendete Quelle der Schwäbischen Alb. Die in den Roten Listen Deutschlands als stark gefährdet ausgewiesenen Europäischen Biber, die Fledermausart Großes Mausohr, die Gelbbauchunke, der Nördliche Kammmolch, der Juchtenkäfer, die Zierliche Tellerschnecke, die Schmale Windelschnecke und der Gelbe Frauenschuh finden sich im Schutzgebiet und werden mit individuellen Maßnahmen gehegt. Im Naturschutzgebiet Beiberg-Buchberg ist einer der wenigen Wuchsorte des Kreuzblütlers Bleicher Schöterich in Baden-Württemberg. Der Braune Eichen-Zipfelfalter zeigt im Osten des Kreises Heidenheim und dem nördlich angrenzenden Gebiet das flächenmäßig größte bekannte Vorkommen in Baden-Württemberg auf.

Geographie Lage mini|Die verstreut liegenden Areale des FFH-Gebiets Härtsfeld sind farblich unterlegt Das Gebiet liegt an der östlichen Hochfläche der Schwäbischen Alb in den Kreisen Heidenheim mit den Gemeinden Dischingen, Heidenheim an der Brenz und Nattheim sowie im Ostalbkreis mit den Gemeinden Aalen, Bopfingen, Lauchheim, Neresheim, Riesbürg und Westhausen in Höhenlagen von bis . Nach Südosten bei Kösingen und Hohlenstein dacht sich die Albplatte ab bis auf .

Beschreibung Das Härtsfeld wird häufig als „Hartes Feld“ interpretiert, da hier das Klima rau, die Böden karg, die Menschen verschlossen und die Wirtschaft besonders strukturschwach ist.Jürgen C. Tesdorpf: Härtsfeld und Ries, In: Topographischer Atlas Baden-Württemberg. Wachholtz, Neumünster 1979, ISBN 3-529-05108-X. S. 156. Das FFH-Gebiet ist mit seinen vielen verstreuten Teilgebieten kein geschlossenes und einheitliches Gebiet, sondern umfasst die Landschaftsteile im östlichsten Teil Baden-Württembergs vom Albtrauf im Norden mit Riesrand über die Albhochfläche bis hin zum beginnenden Abfall zur Donau hin. Auffällig ist die große Vielfalt an Strukturen und Arten, was in der Zahl von 11 Naturschutzgebieten mit xero- und basiphilen Pflanzengesellschaften und 19 Lebensraumtypen zum Ausdruck kommt. Der überwiegende Flächenanteil im Offenland ist in Privatbesitz. Die Magerrasen und Wacholderheiden sind im Besitz der betreffenden Kommunen.

Naturräumliche Gliederung Gemäß dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands gehört das Härtsfeld zum Naturraum 096 Albuch und Härtsfeld. Es wird naturräumlich in fünf Teileinheiten gegliedert.

096.3 Härtsfeld 096.30 Nordwestliches Härtsfeld: Waldhausen mit Teilorten, Ebnat mit Teilorten, Hülen, Nietheim und Ochsenberg 096.31 Südliches Härtsfeld: Nattheim mit Teilorten, Oggenhausen und Dischingen (nur Hauptort) 096.32 Inneres Härtsfeld: Elchingen, Dorfmerkingen mit Teilorten, Neresheim (Kernstadt), Stetten, Ohmenheim mit Teilorten, Großkuchen mit Kleinkuchen, Steinweiler und Auernheim 096.33 Nordöstliches Härtsfeld: Michelfeld, Unterriffingen mit Teilorten, Dorfen, Härtsfeldhausen, Schweindorf mit Teilorten, Kösingen mit Teilorten und Frickingen mit Iggenhausen 096.34 Härtsfeld-Randhöhen: abgetrennt durch das Egertal, mit Zeugenbergen wie Ipf und Erbisberg, jedoch ohne den schon im Vorland gelegenen Schlossberg Baldern

mini|Verlauf der Klifflinie der Schwäbischen Alb Der Osten der Schwäbischen Alb wird in zwei Bodengroßlandschaften (BGL) unterteilt. Die BGL Albuch und Härtsfeld (Östliche Alb, Ostalb) im Norden wird von der südlich anschließenden Südöstlichen Alb unterschieden. Als ungefähre Grenze wurde die zwischen der Kuppenalb im Norden und der Flächenalb im Süden, von Lonsee über Altheim (Alb) nach Herbrechtingen, verlaufende Klifflinie herangezogen. Die Albhochflächen von Albuch im Westen und Härtsfeld im Osten werden durch den Talzug von Kocher und Brenz getrennt. Zur BGL Albuch und Härtsfeld gehört neben dem Steinheimer Becken auch der württembergische Teil der in der naturräumlichen Gliederung Deutschlands als eigene Haupteinheit ausgewiesenen Riesalb, die, ganz im Osten, bei Dischingen, an der Grenze zu Bayern noch einen kleinen Raum einnimmt. Auch die aus Oberjuragestein aufgebauten Gipfel- und Hangbereiche der vor dem Albtrauf gelegenen Zeugenberge wurden noch der Bodengroßlandschaft zugerechnet.

Klima Subkontinental geprägtes Klima (Cfbclimate.mapresseo.com: 48.754 10.334, Online-Kartenabruf am 2. Dezember 2025. nach Köppen/Geiger) prägt die Region. Nach Süden nehmen die jährlichen Niederschlagsmengen – bedingt durch einen Lee-Effekt der Abdachung – kontinuierlich auf 800–900 mm ab. Bei Dischingen, Ballmertshofen und Demmingen betragen die mittleren Jahresniederschläge teilweise weniger als 750 mm. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt bei Neresheim und Dischingen etwa 8,5 °C. Die jährliche klimatische Wasserbilanz nimmt nach Süden und Osten auf +400 bis +500 mm ab. Auf der Riesalb östlich von Neresheim und bei Dischingen sind es +300 bis +400 mm; bei Demmingen und Ballmertshofen liegen die Werte unter +300 mm. Eine Wetterwarte für das Gebiet liegt bei Neresheim in 552 m NN. Hier werden seit 1995 die Klimadaten erfasst und aufbereitet. Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes liegen neben Neresheim für Dischingen vor. Die Jahresmitteltemperatur liegt zwischen 6 ° und 8 °C und der mittlere Jahresniederschlag bei 700 bis 800 mm. Bestimmender Faktor für die Vegetation ist das Kleinklima. Die Südhänge heizen wesentlich stärker auf als die Umgebung und apern im Winter schneller aus. Dies gilt insbesondere für die südexponierten Felsen. mini|Klimadiagramm von Heidenheim

Geologie Einheiten und Gesteine mini|Suevit vom Nördlinger Ries mit schwarzen Schmelzgläsern, die Fragmente von Sedimentgestein einschließen Die Geologische Übersichtskarte 1:300.000 des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) stellt folgende Einheiten dar: Liegende Bankkalk-, Zementmergel- und Hangende Bankkalk-Formation (Jura) Bunte Trümmermassen (Impaktgesteine) Lösssediment (lokal Abschwemmmassen) (Quartär) Ries-Suevit (Impaktgesteine) Das FFH-Gebiet wird in der Hauptsache von Weißjuraschichten der Mergelstetten-Formation (Oberjura vor etwa 163,5 bis 145 Millionen Jahren) mit gebanktem Kalkmergelstein bis Kalkstein im tieferen Teil mit Brekzienlagen aufgebaut. Örtlich sind sie von Trümmermassen des Meteoriteneinschlags – einer Kristallinbrekzie mit Merkmalen einer Stoßwellenmetamorphose – überlagert. Verbreitet sind die Hochflächen von Bildungen des Tertiärs überlagert. Vermutlich ab der Oberkreide und während des Alttertiärs bildete sich im Bereich der Schwäbischen Alb unter tropischen Klimabedingungen ein ausgedehntes Flachrelief heraus, das von einer mächtigen Verwitterungsdecke überzogen war. Bei den wenigen noch erhaltenen Bildungen aus umgelagertem, kaolinitischem Bodenmaterial, den Bohnerztonen, handelt es sich um oft rotbraune bis ockergelbe, tonige Substrate, die in wechselndem Maße Eisenkonkretionen (Bohnerze) führen. Oft enthalten sie Beimengungen von Quarzsand, der eine hohe Verwitterungsintensität aufweist. Etwas größere Vorkommen liegen in der Umgebung von Ober- und Unteriffingen. Durch den historischen Bohnerzabbau ist das Gelände im Bereich dieser Vorkommen stark anthropogen überprägt.

Geotope

Die Geotope sind im Geotop-Kataster Baden-Württemberg dokumentiert und umfassen Steinbrüche, Aufschlüsse, Gruben, Bergrücken, Quellen, Dolinen, Felsgruppen, Baumgruppen und Höhlen.

Geomorphologie Die Hochflächen zeigen ein deutlich flacheres und ausgeglicheneres Relief als der Kuppenalb-Bereich. Dies hat mit dem Altflächencharakter der geringeren Zertalung und der Verschüttung mit tertiärem Feuersteinlehm zu tun. Am ausgeprägtesten ist dieser Relieftyp im Nordwesten des Härtsfelds, während im übrigen Gebiet eine flachkuppige Landschaft mit verzweigten, im Westen zu Brenz und Lone, im Osten zur Egau gerichteten Trockentalsystemen vorherrscht. Ganz im Osten und Südosten, wo die Albhochfläche durch miozäne Riesauswurfmassen überprägt wurde, ist ein flachwelliges bis kuppiges Hügelland ausgebildet. Der Ipf ist ein Zeugenberg der Schwäbischen Alb des Unteren Oberjura, benachbart liegt der kleinere Berg Schnittbühl, der eine paraautochthone Scholle in der Kraterrandzone ist. Die Trockentäler Dossinger Tal, Ohmenheimer Tal, Nördlinger Tal und Krätzental im Einzugsbereich der nach Süden entwässernden Egau zeigen die Verkarstung an, und die offenen Hänge und Kuppen mit landwirtschaftlicher Nutzung deuten auf Kalkverwitterungslehme hin. Im Wald zwischen Unterriffingen und Dorfmerkingen treten eine Reihe von Quellen im sonst meist quellenarmen Gebiet aus. Dies liegt an Resten der alten Lehmdecke.

Böden Im flächenmäßig dominierenden Waldmeister-Buchenwald (LRT 9130) beherrschen tief entwickelte Parabraunerden, bei denen Tonminerale und Eisenoxide entlang von Makroporen mit dem Sickerwasser in den Unterboden verlagert werden, den Untergrund. Örtlich findet sich unter Stauwassereinfluss Pseudovergleyung und mit Bohnerzen vergesellschaftete Terra-fusca-Parabraunerde. Das Ausgangsmaterial sind lösslehmreiche Fließerden und Lösslehm, zum Teil über periglazial umgelagertem Rückstandston der Karbonatgesteinsverwitterung. Im Hainsimsen-Buchenwald (LRT 9110) findet sich Braunerde-Pelosol auf lösslehmhaltiger Fließerde mit Pseudogley-Braunerde als Begleitboden. Kaum Unterschiede weisen die Böden im Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (LRT 9160) auf: hier finden sich Pelosol, Braunerde-Pelosol, Pseudogley-Braunerde-Pelosol, Pseudogley-Pelosol, Pelosol-Braunerde und Pelosol-Parabraunerde. Die Böden sind meist mittel und mäßig tief entwickelt. Kalkmagerrasen wie südlich von Katzenstein (LRT 6210) gründet auf Böden mit geringer Mächtigkeit wie der Rendzina, der Terra fusca-Rendzina und Braunerde-Rendzina. Die Böden sind flach bis mittel tief entwickelt. Ähnliche Verhältnisse begründen die Kalktrockenrasen (LRT 5130) auf mittel bis stark humoser Pararendzina und Rendzina. Magere Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) können in ebenen bis schwach geneigten Talsohlen der Egau und kleinerer Nebenbäche im Nördlinger Ries auf kalkhaltigem Braunem Auenboden-Auengley und Auengley-Brauner Auenboden gründen.

Flora und Fauna Arten von gemeinschaftlichem Interesse und Maßnahmen zur Bestandsentwicklung Arten von gemeinschaftlichem Interesse gehören zu den im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgelisteten Arten, für die nach den Gesetzen der Europäischen Union besondere Schutzgebiete eingerichtet werden müssen. Den Biber (Castor fiber) findet man an und in den Zu- und Abläufen des Härtsfeldsees. Der Kammmolch (Triturus cristatus) wurde ausschließlich in einem Waldgebiet nordwestlich von Oberriffingen aufgefunden.

Großes Mausohr