mini|Flugzeugingenieure Karl Schwärzler (1901–1974), Siegfried Günter (1899–1969) und Walter Günter (1899–1937) mini|V. l. n. r.: Ernst Heinkel, Siegfried Günter, Karl Schwärzler Karl Schwärzler (* 26. Januar 1901 in Linz an der Donau; † 12. April 1974 in Gauting bei München) war ein deutscher Flugzeugingenieur und langjähriger Chefkonstrukteur der Ernst Heinkel Flugzeugwerke. Er prägte die technische Entwicklung der Heinkel‑Werke von den 1920er Jahren bis in die 1970er Jahre und leistete wesentliche Beiträge zu Katapult‑ und Postflugtechnik, schnellen Verkehrsflugzeugen, Raketen‑ und Turbinen-Strahlantrieb sowie zur V/STOL‑Entwicklung.
Leben Karl Schwärzler wuchs in Innsbruck, Tirol, auf und war Sohn des Buchdruckers und Erfinders der Mechanischen Kreiderelief-Zurichtung (MKZ) Karl Schwärzler (1876–1912). Er war verheiratet und hatte eine Tochter und drei Söhne, die sich auch technisch orientierten.
Werdegang Karl Schwärzler studierte von 1916 bis 1920 am Technikum Mittweida (heute Hochschule Mittweida) und erwarb die Abschlüsse Ing. Elektrotechnik und Ing. Maschinenbau.
1921 trat Schwärzler in die Caspar‑Flugzeugwerke in Travemünde als Flugzeugkonstrukteur und Statiker ein; sein direkter Vorgesetzter war Ernst Heinkel. Nach der Gründung der Ernst Heinkel Flugzeugwerke übernahm Heinkel Schwärzler in sein Unternehmen. Von 1922 bis 1945 war Schwärzler Chefkonstrukteur der Heinkel‑Werke in Warnemünde, Rostock-Marienehe und Wien; in enger Zusammenarbeit mit Ernst Heinkel sowie den Brüdern Siegfried Günter und Walter Günter und mit Xaver Hafer wurden in dieser Zeit mehr als hundert verschiedene Flugzeugtypen konstruiert und gebaut.
Während des Flugzeugbau‑Verbots in Deutschland (1945–1954) war Schwärzler technischer Direktor der Jenbacher Berg‑ und Hüttenwerke in Tirol und entwickelte dort Seilbahnkabinen in Aluminiumbauweise, Dieselaggregate und Diesellokomotiven. Ab 1954 kehrte er in den Flugzeugbau zurück; er war Technischer Direktor, Chefkonstrukteur und Leiter der Entwicklungsabteilung in den Heinkel‑Betrieben in Stuttgart‑Zuffenhausen und München, die 1965 in VFW‑Fokker übergingen. Seit 1959 leitete er im Entwicklungsring Süd die Konstruktion und Erprobung des überschallfähigen Senkrechtstarters VJ 101. Ab 1969 wirkte er beratend an VTOL‑Transportprojekten (VC 400) und in der frühen Phase des Airbus‑Programms mit.
Wichtige Konstruktionen und technische Beiträge Heinkel He 12 – Katapultflugzeug und zugehörige Schiffskatapult‑Installationen, eingesetzt unter anderem auf dem Passagierschiff Bremen; Zweck: Beschleunigung des Luftpostdienstes für die Deutsche Lufthansa (DLH) in den 1920er/30er Jahren. Heinkel He 70 („Heinkel‑Blitz“) – schnelles Verkehrsflugzeug für die DLH, zahlreiche Rekorde 1933. Heinkel He 100 – einsitziger Jagdflugzeugentwurf; Geschwindigkeitsweltrekord 1939 mit 746,66 km/h. Heinkel He 111 – zweimotoriges Verkehrsflugzeug, später als Transport‑ und Kampfflugzeug verwendet. Heinkel He 176 und Heinkel He 178 – frühe Experimente mit Raketen‑ bzw. Strahlantrieb; Beteiligung an bahnbrechenden Versuchstypen (He 176 Raketenflugzeug 1939; He 178 erstes Düsenflugzeug 1939). Verantwortliche Mitwirkung am Übergang von Holz‑ zur Ganzmetallbauweise im Flugzeugbau und an Fertigungs‑ sowie Verbindungstechniken. Weitere Innovationen: Arbeiten an Starthilfen (z. B. Heißwasserraketen) und an frühen Schleudersitz‑Konzepten; Mitwirkung an V/STOL‑Forschung und ‑Erprobung (VJ 101).
Ehrungen Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt, 1971. Persönliche Würdigung durch Ernst Heinkel in dessen Erinnerungen Stürmisches Leben: Heinkel bezeichnete Schwärzler als „ein begnadeter Techniker“ und „ein unfehlbares Genie bei der Lösung schwieriger und scheinbar unlösbarer Konstruktionsprobleme“. Archiv‑ und Nachlassüberlieferung in luftfahrt‑ und firmengeschichtlichen Sammlungen, die Schwärzlers Arbeit dokumentieren.
Bedeutung Karl Schwärzler gilt als ein zentraler technischer Kopf der Heinkel‑Werke. Mit maßgebenden Innovationen hat er zur internationalen Entwicklung der Luftfahrt im 20. Jahrhundert beigetragen. Seine Arbeit beschleunigte die Entwicklungszyklen bei Flugzeugauslegungen, vollzog den Übergang von der Holz- zur Ganzmetallbauweise für Flugzeuge und prägte erstmalige Umsetzungen von Flugzeugtypen mit Raketen‑ und Turbinen-Strahltechniken. Mit der VJ 101 wurde der Überschallbereich für V/STOL erschlossen.
Literatur Hans Dieter Köhler: Ernst Heinkel – Pionier der Schnellflugzeuge. Eine Biographie. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1983, ISBN 3-7637-5281-1. Jürgen Thorwald (Hrsg.): Ernst Heinkel: Stürmisches Leben. Mundus-Verlag, Stuttgart 1953, DNB 451925130
Einzelnachweise
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