Jean Dohle (* 13. Dezember 1903 in Quirrenbach; † 16. Mai 1992Personalien In: Handelsblatt. 22. Mai 1992.) war ein deutscher Kaufmann und Unternehmer. Er ist Gründervater der Dohle-Handelsgruppe als Ursprung der heutigen HIT-Verbrauchermärkte.

Leben Jean Dohle wurde 1903 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Quirrenbach im Siebengebirge geboren. Von 1910 bis 1918 besuchte er die Volksschule in Eudenbach. Gleichzeitig war er als Jugendlicher während des Ersten Weltkriegs als Helfer in der Landwirtschaft, als Bote für die Gemeinde und die Apotheke, als Arbeiter in der Zünderfabrik Troisdorf sowie in Köln als Karosseriebauer tätig. Nach dem Krieg absolvierte er eine Lehre als Stellmacher und besuchte die Fortbildungsschule in Hennef, anschließend ging er wie damals noch üblich „auf die Walz“. 1924 machte er sich zunächst in der Holzbranche selbständig, ab 1927 belieferte er als Vertreter einer Margarinefabrik Krämerläden in der Region und eröffnete in Quirrenbach das „Kaufhaus Dohle“. Zu Beginn der 1930er-Jahren erweiterte Jean Dohle seine Aktivitäten und belieferte die Einzelhändler mit Produkten der Molkereigenossenschaft in Buchholz. 1933 dehnte Dohle seinen Großhandel auch auf Kolonialwaren aus.Jean Dohle – Ein Kaufmann und sein Werk. In: Siebengebirgs-Zeitung Nr. 2 vom 11. Januar 1974.

Bereits wenige Monate nach der Machtergreifung wurde Jean Dohle zum 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP, von 1934 an fungierte er als Blockleiter der NSDAP; Mitgliedschaften in weiteren NS-Organisationen folgten 1936/37.Entnazifizierung Jean Dohle, geb. 13.12.1903 (Kaufmann). In: Deutsche Digitale Bibliothek. Bei der Entnazifizierung wurde Jean Dohle 1947 als „Nazi-Aktivist und Nutznießer“ („Nazi-activist and usufructuary“) eingestuft.Entnazifizierungsakte Jean Dohle. In: Deutsche Digitale Bibliothek.

Nach dem Krieg baute Jean Dohle seine Großhandelsaktivitäten von Quirrenbach aus aus, auch eine Weinkellerei wurde dem Betrieb angeschlossen. 1953 trat Kurt Dohle, der 1935 geborene Sohn von Jean Dohle und seiner Frau Wilhelmine, in das Unternehmen ein. Dies bestand damals aus dem von Jean Dohles Frau betriebenen 30 m² großen Gemischtwarenladen sowie dem von Jean Dohle gemanagten Großhandelsbetrieb mit einem 90 m² großen Lager, einem kleinen Büroraum und einem 2,5-t-Lkw. Neben den Eltern halfen noch sechs Angestellte mit. 1955 wurde Jedo, wie der Großhandel von Jean Dohle mittlerweile firmierte, Mitglied der „Deutsche T.I.P.-Handelsorganisation“ („Treue in Partner“) bei, wo Jean Dohles Sohn Kurt 1955 seine spätere Frau Maria kennenlernte. Binnen vier Jahren kletterte der Großhandelsumsatz unter den neuen Verhältnissen von 1,8 Millionen auf 9 Millionen DM.Ein Mann der Tat. In: Lebensmittel Zeitung. 3. November 2000. 1960 fusionierten der Betrieb von Jean Dohle mit dem des Schwiegervaters seines Sohns Kurt, einem Lebensmittel-Großhandel mit Kaffeerösterei und Likörfabrikation in Quadrath. 1966 siedelte das Unternehmen nach Niederpleis um, weil die Betriebsräume in Quirrenbach trotz mehrerer Erweiterungen zu klein wurden. Lag der Umsatz der Dohle Handesgruppe 1960 noch bei 15 Millionen DM, verdoppelte er sich fortan im Durchschnitt alle fünf Jahre. Im Jahr 2000 zählte das Unternehmen, in dem Jean Dohle noch bis Ende der 1980er-Jahre als Seniorchef aktiv war, gemäß der Lebensmittel Zeitung zu den Top-Ten des deutschen Lebensmittelhandels. Wenige Jahre später lagen die Kennzahlen des Familienunternehmens Dohle bei einem Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro und 6.500 Mitarbeitern in 92 Filialen. Das Manager-Magazin listete die Familie von Jean Dohles Sohn Kurt 2017 auf Platz 91 der reichsten Deutschen auf.Die reichsten Deutschen 2017 – Top 1000 Reichenliste. In: Manager-Magazin. Ausgabe 10/2017 vom 20. Oktober 2017.

In den Jahren 1964 bis 1969, also bis zur Kommunalreform, saß Jean Dohle im Gemeinderat des damaligen Amts Oberpleis. Von 1934 bis 1978 war Jean Dohle Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Quirrenbach. Er setzte sich maßgeblich für die Wiederaufnahme des Volksschulunterrichts nach dem Zweiten Weltkrieg in Eudenbach ein und ermöglichte Ende der 1960er-Jahre mit einer Spende von 70.000 DM den Bau der Eudenbacher Turnhalle.Hansjürgen Melzer: Zurück zu den Wurzeln. In: General-Anzeiger (Bonn). 21. Mai 2016.

Ehrungen 1987 wurde Jean Dohle mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.Verleihung des Verdienstkreuzes an Jean Dohle. In: Siebengebirgszeitung Nr. 51 vom 17. Dezember 1987.

2014 wurde in Siegburg die Alte Lohmarer Straße in „Jean-Dohle-Straße“ umbenannt.Alte Lohmarer Straße heißt nun "Jean-Dohle-Straße". In: General-Anzeiger (Bonn). 9. Februar 2014. 2016 wurde ein Teilstück der Schulstraße in Eudenbach in „Jean-Dohle-Straße“ umbenannt.Öffentliche Bekanntmachung der Stadt Königswinter vom 28. September 2016. An dieser Straße befindet sich auch die „Jean-Dohle-Sportanlage“ des TuS Eudenbach.https://tus-eudenbach.de/wp-content/uploads/2016/09/Plakat_Sportplatz_2016.pdf

Einzelnachweise

Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Königswinter) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1992 Kategorie:Mann