mini|Armin Falk (2019) Armin Falk (* 18. Januar 1968 in Bergisch Gladbach) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Volkswirtschaftslehre am Institut für Angewandte Mikroökonomik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Laufbahn Falk studierte Philosophie und Geschichte sowie Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. 1999 wurde er an der Universität Zürich bei Ernst Fehr in Volkswirtschaftslehre promoviert, wo er sich 2003 auch habilitierte. Seit 2003 ist Falk Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn und seit 2004 Direktor des universitären Laboratoriums für Experimentelle Wirtschaftsforschung – BonnEconLab.
Von 2003 bis 2007 war Falk Forschungsdirektor am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). 2009 war er Mitgründer des Center for Economics and Neuroscience (CENs) an der Universität Bonn, als dessen Direktor er bis 2016 fungierte. 2016 wurde Falk Vorsitzender der Geschäftsführung des neu gegründeten Institute on Behavior and Inequality (briq) in Bonn, einer Schwesterinstitution des IZA. Er leitete das briq bis Ende 2023.
Forschung Falk forscht vor allem auf den Gebieten der Verhaltensökonomik und der experimentellen Wirtschaftsforschung. Dabei verbindet er Labor- und Feldexperimente mit umfangreichen Befragungen, um ökonomische Präferenzen und Entscheidungsfindung zu untersuchen. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf Kooperation und sozialem Verhalten allgemein, darunter deren Entwicklung in der Kindheit und ihre Veränderbarkeit durch soziales Umfeld und gesellschaftliche Einflüsse.
Ökonomische Präferenzen und ihre Messung Ein zentraler Forschungsbereich Falks ist die Frage, wie Risiko-, Zeit- und soziale Präferenzen gemessen werden können. Die verlässliche Messung ist eine notwendige Grundlage für die Untersuchung, wie sich diese Präferenzen zwischen Personen und Ländern unterscheiden und wie sie mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ergebnissen zusammenhängen. Beispielhafte Arbeiten aus diesem Bereich sind das Global Preferences Survey und das zugehörige Preference Survey Module.
Kooperation, soziale und moralische Entscheidungsfindung Kooperation, Altruismus, soziale Normen und moralische Entscheidungsfindung bilden einen Schwerpunkt der Forschung Falks. Eine Studie aus dem Jahr 2013 und eine Studie aus dem Jahr 2020, an denen Falk als Koautor beteiligt war, untersuchten, wie Marktbedingungen die Bereitschaft beeinflussen, eine Schädigung Dritter zu vermeiden. Die Verfasser stellten fest, dass Marktkräfte moralisches Verhalten untergraben können. In einer Studie aus dem Jahr 2024 untersuchten Falk und Koautoren, wie altruistische Entscheidungen von der Abwägung zwischen früheren und späteren Vorteilen abhängen. Für eine 2026 veröffentlichte Studie führten Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra und Falk ein Kooperationsexperiment in 125 Ländern durch. Das Team stellte fest, dass Menschen in 124 dieser 125 Länder die Kooperationsbereitschaft anderer im Durchschnitt unterschätzten und dass diese Wahrnehmungslücke die eigene Kooperationsbereitschaft beeinträchtigt.
Bereitschaft, zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen Weitere neuere Forschungsarbeiten unter Beteiligung von Falk befassen sich mit der Frage, wie Annahmen über die öffentliche Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen die eigene Bereitschaft von Menschen beeinflussen, gegen den Klimawandel vorzugehen. Diese Arbeiten nutzen die weltweit erhobenen Befragungsdaten des Global Climate Change Survey, um zwischen tatsächlicher und wahrgenommener Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen zu unterscheiden. Eine Studie aus dem Jahr 2024 von Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra und Falk ergab, dass sich die Menschen in 125 Ländern mehrheitlich für verstärkte Klimaschutzmaßnahmen aussprachen. Zugleich wurde das Ausmaß dieser Unterstützung erheblich unterschätzt, was eine Form pluralistischer Ignoranz darstellt. Die Forschenden stellten fest, dass sich die meisten Versuchspersonen bedingt kooperativ verhielten. Wie die Forschenden in einer weiteren neueren Veröffentlichung berichten, führt vor diesem Hintergrund „das Korrigieren dieser Fehleinschätzungen“ durch Informationen über die tatsächliche Bereitschaft anderer, gegen den Klimawandel vorzugehen, „kausal zu einer höheren individuellen Handlungsbereitschaft gegen den Klimawandel und zu einer stärkeren individuellen Unterstützung klimapolitischer Maßnahmen“.
Bildung, kindliche Entwicklung und Ungleichheit Ein weiterer Forschungsbereich Falks untersucht die Entwicklung ökonomischer Präferenzen sowie kognitiver und nichtkognitiver Fähigkeiten bei Kindern. Gemeinsam mit anderen Forschenden der Universität Bonn entwickelte Falk das Bonner Interventions-Panel, eine Längsschnittstudie, die Kinder vom Grundschulalter bis ins Erwachsenenalter begleitet und eine randomisierte Mentoringintervention – Balu und Du – umfasst. Anhand dieses Datensatzes untersuchten Falk und Team, wie die Entwicklung von Kindern durch den sozioökonomischen Status (SoS) ihrer Familien und durch die mit der Mentoringintervention verbundene Veränderung des sozialen Umfelds geprägt wird. Falk und sein Team dokumentierten, „dass Kinder aus Familien mit hohem SoS intelligenter, geduldiger und altruistischer sowie weniger risikofreudig sind“ als Kinder aus Familien mit niedrigem SoS. Die Forschenden stellten außerdem fest, dass die Mentoringintervention die Prosozialität der Kinder erhöhte, wobei die Wirkung bei Kindern mit niedrigem SoS am stärksten war, und dass die Intervention die Bildungsentscheidungen dieser Kinder verbesserte.
Verhaltensorientierte Arbeitsmarktökonomik Falks Forschung zu Arbeitsmärkten und Organisationen untersucht unter anderem, wie Autonomie, wahrgenommene Fairness und soziale Vergleiche Anstrengung, Motivation, Beschäftigungsverhältnisse und die Lohnbildung beeinflussen.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Begutachtete Aufsätze in Fachzeitschriften
Datensätze und Erhebungsinstrumente
Buch
Mediale und öffentliche Rezeption Falks Forschung zur öffentlichen Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen floss in öffentlichkeitswirksame Initiativen zur Klimakommunikation ein. The 89 Percent Project, ein weltweites journalistisches Projekt von Covering Climate Now, führt die Studie von Andre et al. (2024) und den zugehörigen Global Climate Change Survey unter seinen Quellen auf.
Dieselbe Studie inspirierte auch We Are The Majority, eine Videokampagne der Climate Acceptance Studios.
Auszeichnungen und Mitgliedschaften Seit 2021: Fellow der Econometric Society 2015–2019: Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) für Institutions and Morality 2011: Yrjö-Jahnsson-Preis der European Economic Association Seit 2009: Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Seit 2009: Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste 2009: Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2009–2013: Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) für Understanding Preferences: Measurement, Prevalence, Determinants and Consequences 2008: Hermann-Heinrich-Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik Seit 2007: Fellow der European Economic Association
Sonstiges Im Jahr 2022 kursierten Behauptungen über Falk, die als Vorwürfe des „Machtmissbrauchs“ und „Fehlverhaltens“ interpretiert wurden. Kurz darauf beauftragte das briq eine unabhängige Untersuchung durch eine „anerkannte“ Rechtsanwaltskanzlei mit „umfassender Erfahrung bei der Durchführung entsprechender Untersuchungen“. Nachdem die Kanzlei die Person, von der die Behauptungen stammten, kontaktiert hatte, mehrere potenzielle Quellen befragt hatte und zahlreiche Dokumente und Nachrichten ausgewertet hatte, erklärte das briq im März 2023, die Vorwürfe hätten sich „nicht bestätigt“ und Falk sei „vollständig rehabilitiert“. Die Universität Bonn führte zeitgleich eine eigene Untersuchung durch. Im März 2023 teilte sie mit, es lägen ihr „trotz ausdrücklicher Aufforderung, Hinweise zu geben, und trotz aktiver Kontaktaufnahme durch die Universität“ „keine Erkenntnisse vor, die die in den sozialen Medien erhobenen Vorwürfe untermauern“. Sie betrachtete Falk als „in vollem Umfang von den erhobenen Vorwürfen entlastet“.
Im November 2023 wurde ein Zusammenschluss von briq und IZA angekündigt, Falk sollte die Leitung der vereinigten Einrichtung übernehmen. Diese Ankündigung führte zu einem offenen Brief von Mitgliedern des IZA-Netzwerks, die mit dem Austritt aus dem Netzwerk drohten, sollte Falk die Leitung übernehmen: Die Unterzeichner nähmen keine Haltung zu den der Öffentlichkeit bis dahin nicht bekannten Anschuldigungen ein, aber die Reaktion Falks auf die Vorwürfe habe ihn damals „das Vertrauen und die Wertschätzung seiner Kollegen gekostet“. Falk selbst wies dabei die Anschuldigungen gegen seine Person gegenüber der Süddeutschen Zeitung als „vollkommen haltlos“ zurück.
Weblinks
Deutsche Website von Armin Falk an der Universität Bonn Englische Website von Armin Falk an der Universität Bonn Publikationsprofil von Armin Falk bei Google Scholar Publikationsprofil von Armin Falk bei RePEc
Einzelnachweise
Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Ökonom (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) Kategorie:Leibnizpreisträger Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste Kategorie:Mitglied der Econometric Society Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Mann