rahmenlos|rechts mini|Kirche vor dem Umbau von 1956 (1955) Die evangelisch-lutherische St. Peter- und Paul-Kirche, Billingstraße 14, in der niedersächsischen Gemeinde Südheide, Ortsteil Hermannsburg, im Landkreis Celle wurde als Chor zur Mitte des 15. Jahrhunderts und als Langhaus zur Mitte des 20. Jahrhunderts gebaut. Sie gehört zur Landeskirche Hannover, Sprengel Lüneburg, Kirchenkreis Soltau.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Südheide (Gemeinde)).Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen

Geschichte und Beschreibung Hermannsburg wurde 1059 als Heremannesburc erstmals schriftlich erwähnt. Eine erste kleine Missionskirche wurde wohl um 850 errichtet. Sie brannte 955 ab und 970 entstand südlich der alten Kirche ein romanischer Kirchenbau. Er gehörte zum Archdiakonat Ahlden in der Diözese Minden. Die Kirche hatte einen fast quadratischen Altarraum mit den Innenmaßen 4,4 × 5,6 m und ein rechteckiges Langschiff von 6,5 m Innenbreite. Der Altarraum war durch eine 1 m breite Wand vom Kirchenschiff getrennt.

mini|hochkant= 0.7| (2012) Auch der Bau brannte ab und ein gotischer Kirchenbau entstand 1450. Dieser wurde 1956/1959 vergrößert.

Pastor Ludwig Harms von der Peter- und Paul-Kirche gründete mit Anderen 1865 die Hermannsburger Mission, welche zum bis heute größtem deutschen Missionswerk wurde. Sein Bruder Theodor Harms folgte ihm in seinen Ämtern.

1866 annektierte das Königreich Preußen das Königreich Hannover und führte die Evangelische Union auch in der Provinz Hannover ein. Der Staat griff damit in die Gottesdienstordnung, Verfassung und Lehre der Kirche ein. Dagegen protestierte der Pfarrer der St.-Peter-Paul-Kirche, Pastor Theodor Harms, der deshalb von der hannöverschen lutherischen Landeskirche seines Amtes enthoben wurde. Zwei Drittel seiner Gemeindemitglieder traten daraufhin aus der Landeskirche aus („Hermannsburger Separation“) und gründeten 1878 die Große Kreuzkirchengemeinde, und es entstand die Hannoversche Freikirche.

Gebäude mini|hochkant= 0.7|Innenraum (2012) Aufgrund von Baufälligkeit und dem Wunsch nach einem größeren Kirchraum wurde die alte Kirche bis auf den Chor abgerissen und es entstand ein Neubau. Zunächst sollte nur das Kirchenschiff vergrößert werden. Bei der Bauarbeiten stürzte das Dachgewölbe ein, sodass von 1954 bis 1959 nach Plänen von Bruno Fendrich (Lübeck) ein Neubau errichtet wurde. Für diesen wurden der bisherige Dachstuhl und die alte Apsis wieder verwendet.

Die Kirche besteht heute aus dem spätgotischen östlichen Chorpolygon mit segmentbögigen Fenster und mit in Kupferblech verblendeten Strebepfeilern aus dem 18. Jh., der dreischiffige Hallenkirche als verputztes Langhaus mit Satteldach, dem etwas höherem Mittelschiff und den gestaffelten sechs Zwerchgiebeln an den Seitenschiffen, dem oktogonalen Dachreiter mit hohen Schallarkaden, vierseitig platzierter Turmuhr sowie kupferblechgedeckter Welscher Haube, Laterne und Turmspitze.Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen 2012 wurde die Kirche saniert.

Das niedersächsische Landesdenkmalamt befand u. a.: „… Zeugnis- und Schauwert für die Bau- und Kunstgeschichte sowie für Siedlungs- und Stadtbaugeschichte, wie auch aufgrund seiner städtebaulichen Bedeutung von prägendem Einfluss auf das Ortsbild ….“

Innen Der Innenraum wurde der gotischen Vorgängerkirche nachempfundenen durch Kreuzrippengewölbe auf profilierten kräftigen Pfeilern und durch große Fenster. Eine Empore trägt die Orgel. mini|hochkant=0.5|Kopie des Bronze-Kruzifix’ Bei der Neugestaltung der Kirche 1956/1959 fand man alte Grundmauern. Dabei wurde im Chorbereich ein altes Bronze-Kruzifix von 12 cm Größe, eine Arbeit im romanischen Stil aus dem 10. Jahrhundert entdeckt. Seine originalgetreue Kopie ist in der Gebetsecke im linken hinteren Teil des Kirchenschiffes ausgestellt.

Älteste Inventarstücke sind das hölzerne Taufbecken und ein aus Holz gefertigter farbiger Kronleuchter, beide aus dem 18. Jahrhundert. Zur weiteren Ausstattung gehören: Altar, Kanzel, Orgel und 26 Messingleuchter. mini|hochkant= 0.7|Hammer-Orgel von 1963 Von den sechs Glocken im Dachreiter stammt die kleinste und älteste aus der vorreformatorischen Zeit (1495), die größte Glocke von 1681 und die weiteren vier Glocken von 1949.

Orgel Die große Orgel, mit 33 Registern auf drei Manualen und Pedal wurde 1963 von der Firma Emil Hammer Orgelbau errichtet.Orgelinformation Peter-Paul-Kirche

I Hauptwerk 1. Quintadena 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Koppelflöte 8′ 4. Oktave 4′ 5. Rohrflöte 4′ 6. Nasat ′ 7. Oktave2′ 8. Mixtur V–VII 9. Trompete 8′ II Rückpositiv 10. Gedackt 8′ 11. Prinzipal 4′ 12. Spitzgedackt 4′ 13. Waldflöte 2′ 14. Quinte ′ 15. Scharf IV 16. Krummhorn 8′ Tremulant III Brustwerk 17. Singend Gedackt 8′ 18. Gedacktflöte 4′ 19. Gemshorn 2′ 20. Oktave 1′ 21. Terzian II 22. Zimbel III 23. Vox humana 8′ Tremulant Pedal 24. Subbass 16′ 25. Gedacktpommer 16′ 26. Gedackt 8′ 27. Prinzipal 8′ 28. Metallflöte 4′ 29. Nachthorn 2′ 30. Mixtur IV 31. Posaune 16′ 32. Trompete 8′ 33. Oboe 4′ Koppeln: II/I, III/I, I/P, II/P, III/P Schleifladen mit mechanischer Spieltraktur und elektrischem Regierwerk

Daneben besteht eine kleine Chororgel, erbaut von Orgelbauer Ott, mit einem Manual und drei Registern.

Kirchhof und Umzu Zum Kirchenareal gehören der Kirchhof, südlich der Kirche, mit historischen Grabsteinen, altem Baumbestand und Gefallenendenkmalen, das Wohn- und Wirtschaftsgebäude Billingstraße 16 von um 1880, das alte Pfarrhaus wurde 2015 abgerissen und ein zweigeschossiger Neubau mit Satteldach entstand 2016.

Kirchengemeinde Die Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Peter-Paul Hermannsburg ist mit rund 4700 Mitgliedern (Stand 2020) die größte Kirchengemeinde am Ort. Sie gehört der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers an. Sie hat einen Posaunenchor, einen Chor, den Gospelchor Good News, einen Kinderchor, eine Kinder- und die Eltern-Kindgruppe, die „Gruppe Junge Leute“, Gesprächskreise und Projekte. Sie unterhält die Kindertagesstätte Pusteblume und Lütt Louis sowie eine Stiftung. Hauptamtlich sind zwei Geistliche, eine Diakonin, eine Sekretärin, eine Küsterin, die Friedhofsverwalter und eine Organistin tätig (Stand 2025).

In Hermannsburg gibt es auch die Große Kreuzkirche und die Kleine Kreuzkirche, beides Selbständige Ev.-Luth. Kirchen.

Literatur F. Wolff, E. Bingmann: Geschichte der Hannoverschen evangelisch-lutherischen Freikirche. Romberger, Celle 1924. G. Weiß, K. Eichwalder, G. Dehio und E. Gall: Bremen, Niedersachsen, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Deutscher Kunstverlag, München 1992, S. 689.

Weblinks

Peter+Paul Hermannsburg

Einzelnachweise

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