Nero Wolfe ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die auf den Figuren aus Rex Stouts Detektivgeschichten basiert. Sie wurde 1980 von Paramount Pictures für NBC produziert und im Jahr 1981 erstmals ausgestrahlt. William Conrad verkörpert darin den genialen Detektiv Nero Wolfe, während Lee Horsley seinen Assistenten Archie Goodwin spielt. Die Verkörperung von Theodore Horstmann war Robert Cootes letzte Arbeit vor der Kamera.

Handlung Nero Wolfe genießt ein Leben kultivierter Selbstgenügsamkeit in seinem komfortablen Brownstone-Haus in Manhattan: er liest, speist, verbringt regelmäßig Stunden in seinen Dachgärten mit Pflanzen – speziell Orchideen – und beteiligt sich nur widerwillig an der Aufklärung von Verbrechen. Berühmt für seine Sesshaftigkeit verlässt sich Wolfe deshalb auf seinen Assistenten Archie Goodwin, der die Hinweise und Verdächtigen in jedem Fall zusammenträgt, während er sich mit seinem Hauskoch Fritz Brenner auseinandersetzt und mit dem Orchideenpfleger Theodore Horstmann streitet. Oft unterstützt vom freiberuflichen Detektiv Saul Panzer, versammeln Wolfe und Archie die Verdächtigen üblicherweise in Wolfes Büro und präsentieren die Lösung dem oft frustrierten Inspektor Cramer von der New Yorker Mordkommission.

Produktion Im März 1980 gehörte Nero Wolfe zu einem halben Dutzend Fernsehserien, die vom NBC‑Team um Brandon Tartikoff und Fred Silverman für die Fernsehsaison 1981 geplant waren, wie Peter Boyer von der Associated Press damals berichtete. „Die Idee ist im Fernsehen schon mehrfach erfolglos versucht worden, zuletzt von ABC“, schrieb Boyer. „Aber NBC hat einen Ansatz, der diese Version von ‚Nero Wolfe‘ sicherlich beachtenswert macht — die deutliche Möglichkeit, dass Orson Welles die Hauptrolle spielen wird.“ Die Pilotfolge sollte vom Drehbuchautor Leon Tokatyan geschrieben werden, der auch für die Drehbücher von Lou Grant bekannt war. Deeb berichtete: „William Conrad wird wahrscheinlich ins wöchentliche Fernsehen zurückkehren – in einer NBC‑Serie mit dem Titel ‚Battles‘. Er soll darin einen pensionierten Polizeichef spielen, der Kriminologie an einem College lehrt.“

Als die Dreharbeiten zur Serie im selben Jahr beginnen sollten, schrieb die Kolumnistin Marilyn Beck, dass ‚Nero Wolfe‘ ursprünglich als Starvehikel für Welles geplant gewesen sei, bis dieser verlangte, NBC solle das Konzept von einer einstündigen wöchentlichen Fernsehserie zu einer Reihe von 90‑minütigen Fernsehfilmen ändern; außerdem wolle er seine Szenen in seinem Haus in Los Angeles drehen. Rund zwanzig Jahre später berichtete der Toronto Star zur Einführung der A&E‑Serie The Nero Wolfe Mysteries aus dem Jahr 2001, Welles habe die NBC‑Produktion verlassen, weil er Dialoge nicht habe lernen können. Im September 2010 benannte der Journalist Jim Bawden hierzu die Schauspielerin Anne Baxter als Quelle, die er bereits 1977 am Filmset des Nero-Wolfe-Films für ein Oktober‑Profil der Schauspielerin im Magazin Films in Review interviewt hatte und bei dem auch über Welles gesprochen wurde. Andere Berichte behaupteten, Welles habe sich geweigert, mit den Produzenten von Paramount zusammenzuarbeiten, die „Nero Wolfe menschlicher machen“ wollten. Welles und Paramount hatten bereits zuvor kreative Differenzen über die Rex‑Stout‑Adaptionen: Paramount hatte 1976 die Rechte der Nero-Wolfe-Geschichten für Welles erworben, dieser stieg jedoch 1977 aus dem ersten Versuch von Paramount aus, ‚Nero Wolfe‘ in einem Fernsehfilm von ABC zu verkörpern. Orson Welles war ursprünglich ein großer Bewunderer der Bücher von Rex Stout; 1967 erzählte Stout dem Autor Dick Lochte, dass Welles einst eine Reihe von Nero-Wolfe-Filmen drehen wollte, was Stout jedoch ablehnte. ABC produzierte stattdessen einen Fernsehfilm mit Thayer David als Nero Wolfe und Tom Mason als Archie Goodwin, der ebenfalls als Pilot für eine Serie dienen sollte. David starb jedoch kurz nach den Dreharbeiten und noch vor der Veröffentlichung des Films, damit wurde eine Serienadaption auf Basis des Films verworfen und NBC füllte die Lücke.

Am 30. Juni 1980 meldete die Associated Press, dass William Conrad die Titelrolle in NBCs Umsetzung von ‚Nero Wolfe‘ übernehmen werde, nachdem sich Welles zurückgezogen hatte, und Ivan Goff und Ben Roberts als Produzenten fungieren. Die Musik stammte vom Filmkomponisten John Addison. Im Dezember desselben Jahres kündigte NBC schließlich an, dass ‚Nero Wolfe‘ ab Januar 1981 ausgestrahlt werde, „als ideale Alternative zur Konkurrenz in diesem Sendezeitraum“. Ein Duke kommt selten allein belegte damals laut Nielsen-Ratings Platz 2 in den Einschaltquoten.

Die Fernsehserie verlegt die Welt von ‚Nero Wolfe‘ ins zeitgenössische New York City und griff nur wenige Handlungen direkt aus den Originalgeschichten von Stout auf. Die Kulissen für Wolfes New Yorker Stadthaus entsprachen weitgehend den Beschreibungen in Stouts Romanen. In den Büchern war Wolfes Büro mit einem einzelnen roten Ledersessel für Besucher vor seinem Schreibtisch ausgestattet sowie weiteren anderen Stühlen. Die Besetzung des roten Ledersessels war in den Geschichten häufig ein Streitpunkt unter den geladenen Gästen. In der Serie waren vor Wolfes Schreibtisch hingegen zwei mit rotem Stoff bezogene Stühle platziert. Die Kulissen für Nero Wolfe wurden von John Gabriel Beckman entworfen, dessen bekannteste Arbeiten unter anderem Casablanca, In den Fesseln von Shangri-La und Die Spur des Falken umfassten. Die Pflanzenräume wurden vom Unternehmen Zuma Canyon Orchids aus Malibu in Kalifornien ausgestattet, das kurz vor Ausstrahlungsbeginn der Serie die Hybride Phalaenopsis Nero Wolfe am 11. Januar 1981 bei der Royal Horticultural Society registrieren ließ.

Obwohl die Serie im englischen Original auch als Rex Stout’s Nero Wolfe bezeichnet wurde, wichen die Drehbücher erheblich von den Originalgeschichten Stouts ab. Nur sieben der insgesamt vierzehn Folgen werden als Adaptionen von Stout‑Geschichten ausgewiesen.

Veröffentlichung Vom 16. Januar 1981 bis zum 2. Juni 1981 wurden alle vierzehn Folgen von Nero Wolfe erstmals auf dem US-amerikanischen Fernsehsender NBC ausgestrahlt. Der Fernsehfilm mit Thayer David als Wolfe wurde bereits am 19. Dezember 1979 gezeigt und wird oft als Pilotfilm zur Serie gesehen, hat aber mit der NBC-Produktion nichts zu tun.

Nero Wolfe lief zunächst am Freitagabend als Konkurrenz zum erfolgreichen CBS-Format Ein Duke kommt selten allein. Im April 1981 wurde Nero Wolfe auf den späten Dienstagabend verlegt, Wiederholungen liefen bis zum 25. August 1981.

Nero Wolfe fiel der NBC-Programmstrategie zum Opfer, die kurz nach dem Ende der Serie geändert wurde. Brandon Tartikoff wurde 1981 Präsident der Unterhaltungsabteilung des Senders und begann, die Lage des damals schwächsten Netzwerks zu verbessern. „In der Vergangenheit wurde eine Serie mit vermeintlichem ‚Breakout‘-Potenzial in einem schwachen Sendeplatz angesetzt“, sagte Tartikoff der Associated Press im Dezember 1981. „So wurde Gangster Chronicles gegen Love Boat programmiert, Nero Wolfe gegen Ein Duke kommt selten allein, Polizeirevier Hill Street gegen Fantasy Island.“ Tartikoff führte später einen neuen Ansatz ein: die Programmplanung sollte einen gesamten Abend zur Hauptsendezeit stärken, statt gegen die Hits anderer Sender anzutreten.

Im April 1996, als der Sender TV Land seinen Start hatte, wurde Nero Wolfe in dessen „Saturday Cavalcade“-Reihe großer Detektive gezeigt. 1999 war die Serie zudem Teil eines Nachmittagsblocks von TV Land als Gegenprogramm zu den Seifenopern der großen Netzwerke und wurde zusätzlich in den frühen Morgenstunden ausgestrahlt.

Im deutschen Sprachraum wurde der Film erstmals am 17. April 1982 im ZDF ausgestrahlt. Im Jahr 1983 folgten vom 28. Mai bis 27. August dann dreizehn Folgen der Fernsehserie mit Conrad und Horsley in veränderter Ausstrahlungsreihenfolge im ZDF. Im selben Jahr zeigte auch der ORF die um eine Folge gekürzte Staffel. Die sechste Folge, To Catch an Dead Man, wurde weder synchronisiert noch auf einem deutschsprachigen Fernsehsender ausgestrahlt. Im Jahr 1985 wurde die Serie erneut auf dem ZDF wiederholt. Ab 1987 wurde Nero Wolfe dann unter anderem bei Sat.1, ProSieben, dem Kabelkanal (heute: Kabel Eins), TV München und ab 2002 im Bezahlfernsehen mehrfach wiederholt, zuletzt im Jahr 2009. Am 22. September 2005 zeigte ORF 1 eine Wunschfolge der Serie im Rahmen der Sendung Play It Again, Chris in dessen Nachtprogramm.

Im Jahr 2017 veröffentlichte Visual Entertainment die gesamte Serie als DVD-Video-Boxset unter dem Titel Rex Stout’s Nero Wolfe: The Complete Series im englischen Original für den US-amerikanischen Markt (Region 1). Am 5. April 2019 veröffentlichte der deutsche Distributor Alive unter der Marke „Fernsehjuwelen“ alle Folgen, inklusive des Fernsehfilms mit Thayer David als Nero Wolfe, in synchronisierter Fassung auf DVD-Video (FSK 12). Das vier Medien umfassende Boxset mit dem Titel Nero Wolfe – Gesamtedition: Alle 14 Folgen plus Pilotfilm enthält ebenfalls die sechste Folge, To Catch an Dead Man, im Originalton mit deutschen Untertiteln.

Rezeption William Conrad in einem Interview mit Associated Press (30. Juni 1980) – „Ich liebe die Romane seit 25 Jahren […] Und ich liebe seinen Lebensstil. Ich muss nicht mehr rennen. Meine armen Füße schmerzen immer noch von all dem Rennen, das ich in Cannon machen musste.“ Donn Downy, The Globe and Mail (1981) – „Wolfe verstieß gegen die meisten Regeln seines wohlgeordneten Universums, vermutlich aufgrund des fehlgeleiteten Wunsches der Drehbuchautoren, die Figur gefälliger zu machen. Dabei wird er zu einem gewöhnlichen Privatdetektiv, der zwar dicker und wohlhabender ist als die meisten, aber keineswegs klüger oder exzentrischer. Die Drehbuchautoren Peter Nasco und David Knapp schwächen die Figur fast von Beginn an: Wolfe bespricht tatsächlich einen Fall während der heiligen Stunden im Gewächshaus, er lächelt und verlässt in der letzten Szene sogar sein geliebtes Stadthaus in Manhattan, um einen Jungen im Krankenhaus zu besuchen, der von einem Auto angefahren wurde. Stout, dem man niemals Sentimentalität vorwerfen konnte, ließ den Jungen bereits im zweiten Kapitel sterben. Doch die Verfehlungen enden hier nicht. […] Unter diesen Einschränkungen wirkt William Conrad als Wolfe jedoch recht überzeugend und liefert eine solide Leistung, sodass die Fehler bei den Autoren liegen, nicht beim Schauspieler.“ Peter Boyer, Associated Press (1981) – „Ich weiß, ich weiß, die Serie verblasst im Vergleich zu Detektiv Rockford – Anruf genügt. Aber ich habe sie ein paar Mal ausprobiert und denke, dass darin eine gute Fernsehserie steckt, wenn auch verdeckt durch einige alberne Drehbücher. Nero Wolfe hat einige sehr wertvolle Vorzüge: Sie ist erwachsen, sie hat zumindest die groben Umrisse eines Krimis und sie hat eine charismatische Hauptfigur. Diese Figur ist natürlich der wunderbar exzentrische Wolfe aus den Romanen von Rex Stout, ein rundlicher, sesshafter Gelehrter, der sich um Orchideen kümmert und andere die körperliche Arbeit erledigen lässt. NBC und die Produzenten können sich die Figur natürlich nicht anrechnen, aber sie hatten immerhin den guten Sinn, William Conrad zu engagieren, der perfekt für die Rolle geeignet ist. Conrad scheint die Rolle zu genießen.“ Los Angeles Times (1981) – „Nicht ganz Rex Stouts ‚Nero Wolfe‘, aber dennoch den meisten Krimiserien weit überlegen […] Sicherlich hat die Dienstagabend-Serie eine Qualität, die mehr wert ist als alle Dukes, die jemals aus Hazzard kamen.“