mini|Eindruck von der im Kunsthaus Graz gezeigten Ausstellung "Waters call me home" (2025) Emilija Škarnulytė (* 2. Juni 1987 in Vilnius, damals noch Sowjetunion) ist eine international tätige Künstlerin und Filmemacherin aus Litauen. Ihre Videoarbeiten und Installationen bewegen sich zwischen Dokumentation und spekulativer Fiktion. Sie führen durch stillgelegte Kernkraftwerke, Dunkelzonen der Tiefsee, versunkene Städte und Phänomene in Zeit und Raum. Das Interesse der Künstlerin gilt der Erforschung einer „Tiefenzeit“ und unsichtbarer Strukturen der kosmischen, geologischen, ökologischen und politischen Art.

Biografie Nach der Ausbildung mit dem Schwerpunkt Grafik und nach dem Abitur 2006 an der Mikalojus-Konstantinas-Čiurlionis-Kunstschule in Antakalnis ihrer Heimatstadt studierte Emilija Škarnulytė von 2006 bis 2007 Grafik im Bachelorstudium an der Kunstakademie Vilnius, von 2007 bis 2010 an der Kunstakademie Mailand und absolvierte von 2012 bis 2013 ein Masterstudium an der Kunstakademie an der Universität Tromsø in Norwegen. Sie ist Gründerin und Co-Direktorin des Polar Film Lab und Mitglied des Künstlerduos New Mineral Collective. Sie war 2016/17 Artist-in-Residence am Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Familie In einer Quelle wird erwähnt, dass Škarnulytė in ihrer künstlerischen Tätigkeit durch professionelle Sichtweisen ihrer Mutter als Architektin beeinflusst wurde. Ihre Großmutter ist Protagonistin in ihrem Film Aldona (2015). Sie ist, nach der Expertise ihrer Ärzte wahrscheinlich in Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, erblindet. Im Film erfasst sie im Grūtas-Park tastend Skulpturen, die aus der Sowjetzeit stammen.

Das Konzept der Tiefenzeit In einem Interview erläutert Emilija Škarnulytė das Konzept ihrer Filme und Installationen. Zentral ist der Begriff der "Tiefenzeit", für den beispielsweise die geologische Zeit oder die kosmische Zeit stehen. Gemessen daran ist die Zeit der menschlichen Existenz sehr kurz. Die Erde hat Narben, die ihr aus menschlicher Tätigkeit zugefügt wurden, die Emilija Škarnulytė wiederkehrend in ihren Werken darstellt. Das Konzept der Tiefenzeit ermöglicht es, diese und auch das mögliche Ende der menschlichen Existenz mit dem Blick eines Archäologen der Zukunft zu betrachten. Ein zentrales Element dabei ist das Wasser. "Aus dem Wasser kommen wir, ins Wasser kehren wir (vielleicht) wieder zurück", sagt Emilija Škarnulytė in der Präsentation ihres Filmes "T ½" im Rahmen der Bewerbung für den Future Generation Art Prize 2019.

Szenen mit einer Meerjungfrau sind ebenfalls ein wiederkehrendes Motiv in Škarnulytės Werken. Mit dieser mythologischen Figur möchte sie den Zugang eröffnen zu einer dem Menschen fremden Welt, die aphotische Zone der Tiefsee. Mythen sind für sie Zeitkapseln wie der Bernstein, den Škarnulytė im Film zeigt und der Objekte über 50 Millionen Jahre erhalten kann. Die Themen von Škarnulytė sind naturwissenschaftlich fundiert. Sie hebt ihre jahrelange Zusammenarbeit mit Geologen, Archäologen, Meeresbiologen und Astrophysikern hervor, immer vor dem Hintergrund, dass sie Systeme und Strukturen, die mit menschlichen Sinnen nicht zu erfassen sind, besonders interessieren: neutrine Partikel, atomare Partikel, aphotische Unterwasserwelten.

Ausstellungen Škarnulytė präsentierte Werke auf der Gwangju Biennale, der Henie Onstad Triennale, der Vilnius Biennale und der Helsinki Biennale.

Einzelausstellungen (Auswahl): Kunsthaus Graz (2025/26) Kunsthalle Trondheim (2024) Kunsthaus Göttingen (2024) Ferme-Asile, Sion (2023) Tate Modern, London (2021) Kunsthaus Pasquart, Biel/Bienne (2021) National Gallery of Vilnius (2021) Künstlerhaus Bethanien, Berlin (2017) Contemporary Art Centre CAC of Vilnius (2015)

Škarnulytė repräsentierte Litauen auf der XXII. Triennale di Milano und nahm am baltischen Pavillon auf der Architekturbiennale 2018 in Venedig teil.

Filme Auswahl von Filmen: Aphotic Zone (2022), über Lebensformen in 4 Kilometer Meerestiefe. T ½ (2019), der Film, für den Emilija Škarnulytė den Future Generation Art Prize 2019 erhalten hat. T ½ ist das Kürzel für Halbwertszeit. Mirror Matter (2018) Sirenomelia (2018). Im Mittelpunkt steht eine stillgelegte U-Boot-Basis der NATO in arktischen Gewässern. Aldona (2013)

Auszeichnungen 2015: Auszeichnung von Anne und Jakob Weidemann, Norwegen 2016: Preis des jungen Künstlers vom Kulturministerium Litauens 2017: Auszeichnung von Kino der Kunst Project, Deutschland 2019: Future Generation Art Prize (100.000 USD) vom PinchukArtCentre in Kiew 2023: Ars Fennica Award.

Bibliographie

Weblinks

Einzelnachweise

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