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Die Bahāʾī-Gärten in Haifa, Israel, sind eine Grünanlage des Weltzentrums der Glaubensgemeinschaft der Bahāʾī (Baháʼí) am Nordosthang des Karmels, der den Bahāʾī heilig ist. Das Gelände dient als spirituelles Zentrum des Bahāʾī-Glaubens und als Pilgerstätte für Gläubige aus aller Welt. Zu geregelten Zeiten stehen die Gärten allen offen. Die Gärten umfassen Grabstätten wichtiger Personen der Religionsgemeinschaft, Einrichtungen von deren Weltleitung, sowie weitläufige Gartenanlagen, die in der Mittelachse stark durch Zierbauten (Freitreppen, Brunnen, Estraden) gestaltet sind und zu den Seiten hin in naturbelassene Vegetation des Hangs übergeht. Die Gärten in Haifa sind die zweitheiligste Stätte des Bahāʾī-Glaubens nach den Bahāʾī-Gärten al-Bahǧī (Bahjí) mit der Villa Bahjī in Akkon.
Namen Zur Umschrift arabischer und persischer Lettern nutzt die Glaubensgemeinschaft der Bahāʾī eine Eigentranskription. Da diese Schreibung für bestimmte arabische Buchstaben Apostrophe setzt, welche im lateinischen Schriftgebrauch aber Worttrenner sind und folglich Worte zergliedern, folgt dieser Artikel der Umschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG), die diakritische Zeichen nutzt, die Schriftsysteme wie jenes der Wikipedia als Buchstaben und nicht als Trenner erkennen. Im Artikel folgen den Namen gemäß DMG-Schreibweise je die Eigenumschriften der Bahāʾī (Baháʼí gemäß diesem Usus).
So steht neben Bahāʾī-Gärten als deutsche Übersetzung der Gartennamen die an der Eigenschreibung angepasste Übersetzungsvariante Bahá’í-Gärten. In den Landessprachen heißt die Grünanlage HaGannim haBahaʾijjim () und AlChadaʾiq alBahaʾiyya (). Der Garten ist im Eigentum der Bahāʾī-Religionsgemeinschaft, birgt Heiligtümer des Glaubens, Gräber von Persönlichkeiten des Glaubens und Verwaltungsgebäude für Gremien und Einrichtungen desselben.
Lage Die Gärten liegen am nordöstlichen Hang des Karmels in zentraler Lage der Stadt Haifa, etwas westlich vom Stadtzentrum. Sie haben ihren unteren Zugang (Untertor) an der Kikkar UNESCO ( in vollständiger Lautung) auf knapp unter 50 Meter über See. Die zentrale Achse der Bahāʾī-Gärten erstreckt sich über eine Länge von 850 Metern, besteht aus 19 Höhenetappen (18 Terrassen und die Mittellage um den Schrein des Bab) und steigt von unter 50 auf 270 Meter über See an. Auf dieser Höhe befindet sich das Obertor am Rechov Jefeh Nof (), der den Park an seinem Höhepunkt im Süden begrenzt.
Die Sderot Ben-Gurion, einst Hauptstraße oder Carmelstraße genannt durch die auslandsdeutschen Bewohner, die sie als Innerortsstraße des 1869 neu gegründeten deutschen Viertels, anfangs namens Templerkolonie (heute: HaMoschava haGermanit) anlegten, gibt den Gärten die Achse vor, die seit 1909 sukzessive entstanden. Zwei Straßen queren die Gärten, der Rechov ʿAbbas () auf Höhe von 100 Metern im Stadtteil Maʿarav Hadar (, ) und die Sderot haZijjonut () auf Höhe von 150 Metern über See.
Karmel als heiliger Berg der Bahāʾī Der Karmel ist ein heiliger Berg der Bahāʾī und die Gärten sind seine Zier. Bahāʾullāh, Gründer des Glaubens, beschreibt den Karmel, insbesondere im Lawḥ-i-Karmil () von 1891, als Gegenstand frommer Verehrung. Ein geoffenbarter Dialog zwischen Gott und dem Berg verdeutlicht die Bedeutung des Berges für die Religion. Im Lawḥ-i-Karmil heißt es unter anderem:
„Frohlocke, denn Gott hat an diesem Tage Seinen Thron auf dir errichtet und dich zum Ort der Offenbarung Seiner Zeichen und zum Anbruch des Zeugnisses Seiner Offenbarung gemacht … und liebe wahrhaftig und aufrichtig den Ort, der der Thron Seines Reiches war, wo Er wandelte, wo Seine Herrlichkeit erklang, von wo Er Seinen Ruf erhob und auf dem Er Seine Tränen vergoss.“Bahāʾullāh, “Tablets of Bahá’u’lláh Revealed After the Kitáb-i-Aqdas”, auf: Welcome to the Bahá’í Reference Library; abgerufen am 25. November 2025.
Auch ʿAbdul-Bahāʾ (bürgerlich: ʿAbbas Afendi; 1844–1921), Bahāʾullāhs (Bahá’u’lláh) Sohn und Nachfolger, spricht von der Heiligkeit des Berges und von seinen Reisen dorthin mit seinem Vater. Er erläutert auch die Gründe für die Wahl dieses Berges und stützt seine Ausführungen auf biblische Ereignisse:
„In jenem Jahr wurde das Tabernakel Bahāʾullāhs, das ‹Tabernakel der Herrlichkeit›, auf dem Berg Karmel errichtet, ‹dem Berg Gottes und seiner Weinberge›, dem Haus Elijas, den Jesaja als ‹den Berg Gottes› beschrieb, ‹und zu dem alle Völker strömten›.“Vgl. ; abgerufen am 25. November 2025.
Der Standort der Gärten wurde vom Gründer des Glaubens, Bahāʾullāh, gewählt, der ihn als die Heimat des Propheten Elijas und als den vom Propheten Jesaja als Berg Gottes beschriebenen Ort ansah, zu dem die Völker in der Endzeit strömen würden.
Gliederung Die Grünanlage gliedert sich in fünf Bereiche: Zentral und als erstes angelegt wurde (1) der Schrein des Bab mit Garten in der Mittellage westlich flankiert vom Bahāʾī-Pilgerhospiz Reception Centre (Sderot haZijjonut 82) und östlich durch das Orientalische Pilgerhospiz (Rechov Schifra 14). Daran schließt sich südöstlich oberhalb der ab 1932 angelegte (2) Grabmalgarten an, wo Mitglieder der Familie Bahāʾullāhs ihre letzte Ruhestätte fanden. Darüber erstreckt sich (3) der Bahāʾī-Bogen vierer im Halbkreis errichteten Einrichtungen der Bahāʾī-Weltleitung, die von 1953 bis 2001 erbaut wurden. (4) Oberhalb und (5) unterhalb der Mittellage um den Schrein entstanden zwischen 1987 und 2001 je neun Terrassen, wurde als jüngste und best zu erkennende Ergänzung der Grünanlage namensgebend, als Bahāʾī-Terrassen und Hängende Gärten.
Schrein des Bab mit Garten Nachdem Anhänger die sterblichen Überreste des hingerichteten Seyyed ʿAli Muhammad Schirazis (1819–1850), genannt der Bāb (Báb), Vorbote des Bahāʾītums, jahrelang vor seinen Häschern verborgen gehalten hatten, war sein Leichnam Ende des 19. Jahrhunderts schon aus Täbris nach Akkon überführt worden. Um ihn zur ewigen Ruhe zu betten, ließ ihm ʿAbdul-Bahāʾ (bürgerlich: ʿAbbas Afendi; 1844–1921), Sohn und Nachfolger Bahāʾullāhs (Stifter des Bahāʾī-Glaubens), in Mittellage des nordöstlichen Karmelhangs 1909 ein Mausoleum erbauen, Schrein des Bab genannt.
mini|links|Einst Gartenhaus Shoghi Effendis, dann bis 1957 Archiv, Orientalisches Pilgerhospiz (1957–1974), zuletzt Baubüro für Hossein Amanat und Fariborz Sahba, 2012 Den Garten am Schrein (Zugang von den Sderot haZijjonut 75) gestaltete Shoghi Effendi nach der Manier des Nishat Bagh in Jammu und Kashmir. Er ließ Zypressen und Orangenbäume pflanzen, wie in Schiras, der Heimat des Bab. Shoghi Effendi weilte oft im Gartenhaus 100 Meter südöstlich des Schreins und schmückte den Garten drum herum mit Skulpturen, wie Vasen, Pfauen, Adler und anderen Motiven.Eunice Braun und Hugh E. Chance (Mitw.), Krone des Karmel: Die Bahá’í-Religion und das Heilige Land [‹A Crown of Beauty›, 1982; engl.], Oxford, Eng.: George Ronald und ‹Nationaler Geistiger Rat der Bahá’í in Österreich›, 1983, S. 9. ISBN 978-3-900443-04-7. Während Pfauen für ewiges Leben stehen und Adler die Überwindung des Irdischen sowie die Unsterblichkeit symbolisieren, haben viele andere Motive keine spezifisch religiöse Bedeutung, sondern fanden just Gefallen in den Augen Shoghi Effendis. Über die Jahre entwickelte sich daraus eine Sammlung von Skulpturen. Im östlichen Teil der Mittellage um das Mausoleum wurde die Anlage um einen artenreichen Kakteengarten erweitert.
mini|202px|Pfau und Vasen an der seewärtigen Seite des Schreins des Bab, 2013 mini|202px|Haus Nr. 10, Rechov haParsim, 1926 erbaut, 2006 Shoghi Effendi, Enkel und Nachfolger ʿAbdul-Bahāʾs, beauftragte seinen Schwiegervater William Sutherland Maxwell den Schrein prächtig auszubauen, was dann von 1949 bis 1953 geschah. Maxwell umbaute das ursprüngliche Mausoleum im Erdgeschoss mit einem Arkadengang von 28 rosafarbenen Granitsäulen aus Baveno, worüber sich ein flachgedecktes Dach erhebt. Die Beschaffung und Vorbereitung der italienischen Natursteine besorgte Ugo Giachery. In der Mitte des Flachdachs erhebt sich ein achteckiges Zwischengeschoss, das acht schlanke minarettartike Spitztürmchen aus Chiampo-Marmor zieren, ebenfalls durch Giachery beschafft. Darauf setzt der elf Meter hohe Tambour mit 18 Fenstern auf. Auf ihm thront die vergoldete Kuppel des Schreins, die aus 12.000 feuerglasiert vergoldete Ziegel in fünfzig verschiedenen Formen und Größen aus den Niederlanden besteht. Die statischen Arbeiten dieser diffizilen Konstruktion verantwortete Alfred Neumann, Professor des Technions, den erkrankten Maxwell löste Leroy Ioas (1896–1965) ab. Zum Andenken an den Architekten Maxwells wurde das seewärtige Mittelportal des Schreins nach ihm benannt.
Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Bahāʾī-Gebäude – wie jene im persischen Viertels um den Rechov haParsim in Haifa und die erste Bauphase des Schreins des Bab – zeigen deutlich Formen lokalen orientalischen Stils. Das so genannte zweite Westliche Pilgerhospiz im Rechov haParsim 10 diente unter anderem folgenden Gremien: Internationaler Bahāʾī-Rat (1951–1963), Universales Haus der Gerechtigkeit (1963–1983) und Internationales Lehrzentrum (1983–2000). Die ab 1944 entworfenen Baupläne und errichteten Gebäude, wie der Oberbau des Schreins des Bab, kombinieren klassizistische und orientalische Elemente. Klassizismus wurde gewählt, da er als Inbegriff vollkommener Schönheit gilt, die ihre Werte auch im Wandel architektonischer Moden bewahrt, während die Integration architektonischer und stilistischer Elemente verschiedener Kulturen in den Bauwerken und Gärten Ausdruck des Bahāʾī-Universalismus sind. Der Schrein des Bab mit seiner vergoldeten Kuppel ist schon von Weitem zu erkennen und wird nachts beleuchtet.
Grabmalgarten Der GrabmalgartenAngelehnt an englische Vorlagen lautet die Schreibung Grabmal-Gärten in Veröffentlichungen des Bahāʾī-Weltzentrums. Vgl. Willkommen im Bahá’í-Weltzentrum, Haifa: Baháʼí World Centrem 2001, S. 5. bildet einen Parkfriedhof für Mitglieder der Familie Bahāʾullāhs (Baha’u’llahs). Der halbkreisförmige Grabmalgarten ist an seiner Südseite halbrund umschlossen vom Bogen (siehe dort) und nördlich begrenzt von einer Stützmauer oberhalb der am Hang darunter verlaufenden Hauptstraße Sderot haZijjonut. Begraben sind dort Asiyih Chanum Navvab (Ásíyih Khánum Navváb / ; 1820–1886), erste Gattin Bahāʾullāhs, und beider jüngster Sohn, Mirsa Mihdi (Mirzá Mihdí / ; 1848–1870), in zwei benachbarten Grabmalen in Form siebensäuliger Monopteroi aus weißem Carrara-Marmor.
Einzeln stehende Grabmale zieren die Ruhestätten der Schriftstellerin Bahiyyih Chanum (Bahíyyih Khánum / ; 1846–1932), beider einzige Tochter, Munīrih Chanum (Munirih Khánum / , geb. ; 1847–1938), Gattin ʿAbdul-Bahāʾs, und Rūḥiyyih Chanum Rabbānī (Rúhíyyih Khánum / , geb. Mary Sutherland Maxwell; 1910–2000), Witwe Shoghi Effendis. Das Grab Bahiyyih Chanums ziert ein neunsäuligerDie Ziffer Neun symbolisiert im Bahāʾītum Vollkommenheit und Vollständigkeit, da sie die höchste im Zahlensystem Abdschad darstellt. Monopteros aus weißem Carrara-Marmor. Die Grabmale befinden sich im Mittelpunkt des Grabmalgartens nördlich vom Universalen Haus der Gerechtigkeit. Shoghi Effendi, Urenkel Bahāʾullāhs, ließ sie zwischen 1932 und 1939 anlegen.Peter Smith, A Concise Encyclopedia of the Baháʼí Faith, Oxford, Eng.: Oneworld Publications, 2000, Seite wie gesondert angegeben. ISBN 978-1-85168-184-6. Die Grabmale sind herausragende Beispiele der Bahāʾī-Architektur.
Bahāʾī-Bogen