mini|Fort Maubara

Die Revolte von Maubara war ein Aufstand gegen die portugiesische Oberhoheit über das timoresische Reich von Maubara, ab Mai 1893.

Übersicht

Maubara war ein von einem Liurai regiertes Reich, an der Nordküste Zentraltimors, zwischen der Sawusee im Norden und den Fluss Lóis im Süden. Heute gehört das Gebiet zur osttimoresischen Gemeinde Liquiçá. Maubaras Vorherrschaft reichte bis weit nach Süden hinaus, entlang des verzweigten Systems des Lóis. Seit dem 18. Jahrhundert war es mit den Niederländern verbündet und bildete daher eine Exklave, umgeben von Reichen unter portugiesischer Vorherrschaft. Im Vertrag von Lissabon (1859) wurde es aber im Rahmen eines Gebietsaustauschs an die Portugiesen abgetreten. Die Übergabe fand 1861 statt. Im Zuge dessen wurde in Maubara die alte Herrscherfamilie der Doutels entmachtet und später nur nominell wieder als Herrscher eingesetzt. Daneben installierten die Portugiesen mit Dom Dotte (Gaspar da Costa) einen Regenten. Unter den Niederländern hatte man in Maubara mit dem Kaffeeanbau begonnen, der zu einer der Haupteinnahmequellen der portugiesischen Kolonie wurde. Allerdings schmuggelten die adligen Familien, oft mit Hilfe von Chinesischen Hakka-Händler den Kaffee über die koloniale Grenze in das niederländische Atapupu, um den portugiesischen Zöllen zu entgehen.

Ein erster Versuch der Rebellion 1886 scheiterte. Rädelsführer war Maubute (Mahabuti), der älteste Sohn des nomiellen Herrschers Dom José Calau (Nocolau, Calau Asa). Nach der Niederschlagung des Aufstands blieb José Calau zwar Herrscher, starb aber bald darauf und wurde durch die betagte Dona Maria Doutel ersetzt. Maubute, der einer Strafe entgangen war, hatte sich von seinem Vater losgesagt, weil er die Kapitulation gegenüber den Portugiesen 1886 nicht akzeptieren konnte. Maubute ging nach Cai-Cassa im Süden von Maubara. Mit Dom José Rodrigues da Silva (Mauvili), einem timoresischen Adligen in portugiesischen Dienst, begann ein Dritter, seine Ambitionen auf die Herrschaft in Maubara auszubauen.

Auslöser mini|Bauplan des Militärpostens in Gugleur (1893) mini| Francisco Duarte und Dom José Rodrigues da Silva, der Herrscher von Maubara in der Uniform eines Obersts

1893 nahmen die Spannungen in Maubara wieder zu. Anfang des Jahres einigten sich die Niederländer und Portugiesen, die Grenze zwischen den Kolonialmächten zu vermessen und man schloss ein Abkommen über Grenzen, Handel und Schifffahrt. Dies bedeutete eine direkte Bedrohung für die Schmuggeltätigkeit der führenden Familien Maubaras. Gouverneur Cipriano Forjaz (1885; 1890–1894) plante zudem einen neuen Militärposten nahe Lissa-Lara, dem Herrschersitz, und Cai-Cassa, mitten im Machtbereich der Doutels in Gugleur. Auch die erneute Ernennung von Dona Maria Doutel beruhigte die inneren Rivalitäten um die Herrschaft in Maubara nicht. Forjaz berichtete:

Da Amelia Pereira, die Witwe von Calau, bereits kurz nach ihrer Heirat mit José Rodrigues da Silva 1893 starb, kursierten Gerüchte, Silva wolle nun die alte Königin Maria Doutel heiraten, um seine Machtansprüche weiter zu stärken.

Auch zu Beginn des Jahres kam ein portugiesischer Leutnant mit einem Beiro aus Batugade nach Maubara. Unterwegs war das Boot beschädigt worden, sodass Joaquim Augusto dos Santos, der Kommandant des Forts einem Mann namens Moncura befahl, das Boot reparieren zu lassen. Zur selben Zeit forderte Santos von Dona Maria, man solle Kalk für die Reparatur der Brücke der Hauptstraße bereitstellen. Die Königin leitete den Befehl an den Chefe von Cai-Cassa weiter. Maubute, der noch immer in Cai-Cassa lebte, erhob Einspruch. Er verlangte, dass die Einwohner zuerst für ihn ein Haus bauen müssten, bevor sie unbezahlte Arbeit für die Portugiesen an der Küste leisten dürften. Darüber gerieten der Chefe von Cai-Cassa und Maubute in einen heftigen Streit, der soweit ging, dass Maubute laut Gouverneur Forjaz vor Wut sich „den Bart ausriss, was unter den Timoresen die größte Beleidigung darstellt.“ Der Chefe wandte sich an Dona Maria Doutel und sie rief ihren Großneffen zu sich, doch der weigerte sich zu kommen. Die Königin schickte daraufhin Soldaten nach Cai-Cassa, die Maubute holen sollten, möglicherweise auf Forderung von Leutnant Santos. Die Kämpfer gingen unter weißer Fahne zu Maubute und baten ihn zum Fort Maubara zu kommen, wo „Gerechtigkeit widerfahren würde“. Maubute forderte zwei Tage Aufschub, doch der Truppführer verlangte, dass Maubute sofort mitkäme. Maubute begann daraufhin zu schießen, die Soldaten stürmten das Dorf, aber Maubute gelang die Flucht. Er floh auf die dicht bewaldete Südseite des Berges im heutigen Guiço, wo er sich mit seinen Getreuen Matias und Buru Bara versteckte. Kundschafter spürten die Männer aber auf und Santos forderte Maubute erneut auf, mit ihm zu kommen. Santos wollte ihn als friedliches Zeichen die Hand reichen, doch Maubute missverstand die westliche Geste und schlug zu, woraufhin die Soldaten das Feuer eröffneten. Matias starb, doch die beiden anderen entkamen unverletzt.

Als Gouverneur Forjaz von dem Vorfall erfuhr, entsandte er alle verfügbaren Kräfte der 1. Kompanie und 50 Moradores nach Maubara. Im Fort berieten sich die portugiesischen Offiziere mit lokalen Würdenträgern über das weitere vorgehen und entschieden, den flüchtigen Maubute gefangen zu nehmen. Dona Maria Doutel wurde über den Beschluss informiert und stellte eigene Männer für die Suche bereit. Doch die Soldaten brachen ihre Suche ab, als sie auf dem Weg eine tote Ziege fanden. Die Adligen Maubaras baten die Portugiesen daraufhin um zwei Monate Zeit, um Maubute zu fangen. Nach Zustimmung durch den Gouverneur legte Hauptmann (Capitão) Pedro Dionysio Barreiros der Königin und zehn Adligen am 6. April einen Papier vor, in dem die Unterzeichner den Ungehorsam Maubutes und der Chefes von Dair und Vatuboro bezeugten und den Portugiesen Gehorsam schworen, damit „ihre Dörfer nicht belagert und erobert werden“. Nicht im Vertrag erwähnt, aber von Forjaz in einem Bericht erwähnt, war die von Maubara zu leistende Entschädigung von 2.000 niederländischen Gulden.

Eskalation Leutnant Santos reiste mit dem Vertrag in der Tasche in die Kolonialhauptstadt Dili, um dem Gouverneur Bericht zu erstatten. Dabei erwähnte Santos, dass José Rodrigues da Silva ihm vor einiger Zeit berichtet habe, dass Maubute, sein Onkel Repreto und andere Adlige vor hätten, „von Atapupu eine niederländische Flagge zu erbitten“. Santos hatte den Bericht als nicht wichtig abgetan, aber nun wurde den Portugiesen die Bedeutung bewusst. Die Verschwörer wollten Maubara wieder unter niederländische Oberhoheit bringen. Kaum hatte Santos Maubara verlassen, begannen sie mit der Umsetzung ihres Planes. Zunächst schickten sie zwei Männer zum Regenten Dom Dotte, um mit ihm zu trinken und ihn betrunken zu machen. So stahl man die lokale Kopie des Vertrages über den Gebietstausch. Drei Gesandte reisten mit dem Dokument und Kaffee und Zigarren als Geschenk mit einem Schiff nach Atapupu, um den Niederländern Maubara anzubieten und militärische Hilfe zu erbitten. Bei einem weiteren Treffen in Dair, an dem auch mehrere Hakka-Händler teilnahmen, vereinbarte man den Beginn des Aufstands, sobald die niederländische Unterstützung sicher war. Weitere Gesandte mit Geschenken wurden in die Reiche Mau-Ubo und Cailaco geschickt, um auch hier Hilfe anzufordern. Allerdings gibt es keine Berichte, dass sich diese Reiche dem Aufstand anschlossen und der Kommandant von Atapupu schickte Gouverneur Forjaz eine Warnung, dass Gesandte aus Maubara bei ihm um eine niederländische Flagge gebeten hätten.

Am 26. Mai griffen noch vor Tagesanbruch Rebellen die portugiesischen Zollstationen in Vatuboro (Fatuboro) und Dair (Daire, Dare) an. Jede Station war mit einem europäischen Korporal und einigen afrikanischen oder marathischen Soldaten besetzt. Über ihr Schicksal gehen die Angaben auseinander. Während Gouverneur Forjaz in einem ersten Bericht meldet, ein Korporal und zwei Soldaten seien verletzt worden, erklärt er in einem späteren Schreiben, dass die zahlenmäßig unterlegenen Soldaten, nachdem ihnen die Munition ausgegangen war, von den Angreifern enthauptet worden seien. Nach den Attacken zogen sich die Rebellen in die Berge zurück und setzten eine niederländische Flagge. In einem Brief vom 27. Mai mutmaßt Forjaz:

Im ausführlicheren Bericht vom 29. August gibt Forjaz an, dass Gefangene als Grund der Rebellion die vom Militärkommandanten auferlegten Zwangsarbeiten angaben, wie Holfällen und Kalkherstellung, sowie der Hass, den Maubute und andere Rebellenführer gegen die Portugiesen hegten. Beschwerden aus Maubara gegen einen lokalen portugiesischen Offizier wegen Korruption und Amtsmissbrauch seien vom Gouverneur ignoriert worden.Katharine Davidson: The Portuguese colonisation of Timor: the final stage, 1850-1912, S. 69, Sydney 1994. Nach dem Historiker Pélissier soll der portugiesische Offizier Francisco Duarte, der in Macau durch die Berichterstattung über die Rebellion große Bekanntheit erlangte, als eigentlicher Anstifter des Aufstands gegolten haben.The case of Alferes Francisco Duarte “O Arbiru” (1862–1899), aus Geoffrey C. Gunn: New World Hegemony in the Malay World, 2000, S. 246, abgerufen am 25. März 2013. . Zitiert: René Pélissier: Timor en guerre. Le crocodile et les Portugais. (1847–1913). Éditions Pélissier, Montamets, F-78630 Orgeval 1996, ISBN 2-902804-11-3. Duarte, ein langjähriger Kolonialsoldat in Portugiesisch-Timor galt als charismatisch, mutig und gewalttätig.Panels on Southeast Asia: (PDF; 634 kB), abgerufen am 25. März 2013 Laut dem Journal A Voz do Gente habe er wahllos Geldstrafen verhängt, verlangte unbezahlte Zwangsarbeit und griff auf Gewalt und körperliche Züchtigung zurück. Es fehlen genaue Angaben, wie es zu dem Verdacht kam, jedoch sei er nach der Rebellion seines Amtes enthoben worden, nahm aber 1895 wieder an portugiesischen Feldzügen auf Timor teil. Der Historiker Douglas Kammen zitiert Gouverneur Forjaz, dass „die Hauptursachen des Aufstands der Regulus von Daire [Dair] und Vatuboro dem Einfluss und der kriminellen Anstiftung einer Person zugeschrieben wurden, deren Name noch nicht genannt wurde.“ In dem offiziellen Bericht über die Rebellion einen Monat später, schreibt Forjaz nichts mehr über den unbekannten Anstifter, jedoch findet sich bei der Beschreibung der Ursachen der Unruhen eine handschriftliche Notiz, aus der Kammen schließt, dass der Anstifter wahrscheinlich ein afrikanischer Kolonialsoldat aus Guinea war, der zu den Timoresen desertiert war:Quellen gebe an, dass afrikanische Soldaten in Timor meist aus Mosambik, selten aus Angola kamen. Angaben über Soldaten aus Guinea fehlen. Andererseits gibt es keine Angaben, ob Francisco Duarte bevor er im Alter von 31 Jahren nach Timor kam, vielleicht in Guinea oder anderen Teilen des Kolonialreiches gedient hatte. Francisco Duarte wird bei Kammen überhaupt nicht erwähnt.

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