Die paraguayische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Paraguays in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Sie hat den Spitznamen Los Yacarés („die Kaimane“), nach dem Brillenkaiman (Caiman yacare). Die organisatorische Verantwortung trägt der im Jahr 1971 gegründete Verband Unión de Rugby del Paraguay (URP). Paraguay wird vom Weltverband World Rugby in die dritte Stärkeklasse () eingeteilt. Das Team gilt als die siebtbeste Nationalmannschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinent (nach Argentinien, den Vereinigten Staaten, Kanada, Uruguay, Chile und Brasilien).

Das erste Test Match fand 1970 gegen Brasilien statt. Die Mannschaft errang bei Südamerikameisterschaften noch keinen Titel und klassierte sich dreimal auf dem zweiten sowie dreimal auf dem dritten Platz. Für eine Weltmeisterschaft konnte sich die Mannschaft bislang nicht qualifizieren. Traditionell spielt Paraguay in rot und weiß gestreiften Trikots, dunkelblauen Hosen und roten Socken – also in den Farben der Flagge Paraguays.

Organisation

Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Paraguay ist die Unión de Rugby del Paraguay (URP). Der Verband wurde 1971 gegründet und ist seit 1989 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Er war außerdem im Jahr 1988 Gründungsmitglied des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONSUR (Confederación Sudamericana de Rugby; heute Sudamérica Rugby, SAR).

Die höchste Rugby-Union-Liga des Landes ist die seit 1971 bestehende Campeonato Paraguayo de Rugby mit neun Mannschaften. Einst stammten die meisten Spieler der Nationalmannschaft aus dieser Liga und waren Amateure. Seit 2020 gehören sie jedoch überwiegend dem Team Yacaré an, das an der Profiliga Super Rugby Americas teilnimmt. Diese umfasst auch Teams aus Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay. Weitere Spieler sind vor allem in Europa als Profisportler tätig.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die URP weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Paraguay über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommt Paraguay Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby In den Nachbarländern Argentinien und Brasilien spielten im späten 19. Jahrhundert insbesondere britische Einwanderer Rugby. Von dort aus gelangte der Rugbysport nach Paraguay. In dem rohstoffreichen Land arbeiteten vor allem Argentinier, Briten und Franzosen im Bergbau; diese halfen dabei, Rugby im Land zu etablieren.Bath: Complete Book of Rugby. S. 72. In den 1930er Jahren fand das erste dokumentierte Rugbyspiel in Paraguay zwischen Spielern von Cerro Porteño und Club Olimpia (den beiden größten Fußballvereinen des Landes) statt. Danach stockte die Entwicklung des Rugbysports. Erst Ende der 1960er Jahre wurde der erste offizielle Rugbyverein des Landes, Asunción Rugby Club, von zwei Briten, zwei Argentiniern, einem Niederländer und einem Neuseeländer gegründet.Chris Thau: The South American Scene in Nigel Starmer-Smith und Ian Robertson (Redakteure) The Whitbread Rugby World '89 (Lennard Books, 1988, ISBN 1-85291-038-0) S. 52 Sie spielten inoffizielle Matches im Botanischen Garten der Hauptstadt Asunción und reisten für weitere Spiele nach Argentinien. 1970 gründete sich mit dem Club Universitario de Asunción (CURDA) ein zweiter Rugbyverein in Asunción. In den 1970er und 1980er Jahren folgten weitere Vereinsgründungen. Seitdem war Rugby in Paraguay vor allem der Sport von Nachkommen europäischer Einwanderer und auch danach blieb er weitgehend der Oberschicht vorbehalten.

Erste Südamerikameisterschaften 1970 empfingen die Paraguayer für ihr erstes Test Match in Asunción Brasilien. Ein Jahr später gründete sich der Verband Unión de Rugby del Paraguay (URP) und im selben Jahr wurde die nationale Meisterschaft Campeonato Paraguayo de Rugby erstmals ausgetragen. Ebenso nahmen sie erstmals an der Südamerikameisterschaft teil. Bei dieser erlitt das Team jedoch deutliche Niederlagen gegen Uruguay, Chile und Argentinien, nur gegen Brasilien fiel die Niederlage knapp aus. In den Südamerikameisterschaften der Jahre 1973, 1975 und 1979 unterlag das Team jeweils Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay. Hingegen gelang Paraguay 1977 der erste Sieg über Brasilien, womit es den vierten Platz erreichte.

Als das Nachbarland Argentinien sämtliche sportlichen Begegnungen mit Südafrika untersagte, bildete sich 1980 eine „Schattenmannschaft“ namens Sudamérica XV (auch Jaguares Sudamericanos genannt). Zwar setzte sie sich überwiegend aus Argentiniern zusammen, doch auch mehrere Paraguayer gehörten ihr an. Die insgesamt fünf betroffenen Verbände erkannten die Mannschaft offiziell nicht an, duldeten sie aber stillschweigend. 1980 begann die erste Südamerikatour der Springboks, der südafrikanische Nationalmannschaft, mit einer nicht als Test Match zählenden Partie in Asunción, die die Südafrikaner mit 84:6 gewannen; für die Gastgeber war es die erste Begegnung gegen eine Mannschaft von außerhalb Südamerikas überhaupt. Im Verlaufe der nächsten vier Jahre trat die Sudamérica XV achtmal gegen die Südafrikaner an, konnte aber nur ein Spiel für sich entscheiden (am 3. April 1982 in Bloemfontein).Garcia: La fabuleuse histoire du rugby. S. 611–612. Argentinien, der ungeschlagene Gewinner aller bisherigen Kontinentalmeisterschaften, verzichtete auf die Teilnahme an der Südamerikameisterschaft 1981, was den anderen Teilnehmern die Möglichkeit eröffnete, erstmals den Titel zu erringen. Gegen Uruguay und Chile resultierten jedoch deutliche Niederlagen, während mit einem Sieg über Brasilien der letzte Platz vermieden werden konnte.

Zwei Jahre später nahm Argentinien wieder teil und Paraguay belegte lediglich den vierten Platz hinter Argentinien, Uruguay und Chile; dasselbe Ergebnis erzielte das Team auch 1985 und 1987. 1985 erzielten die Paraguayer mit einem 9:9-Unentschieden gegen Uruguay ihr bestes Ergebnis gegen diesen Gegner bisher. Der International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), der damals noch sehr exklusiv war und nur acht Mitglieder zählte, beschloss im selben Jahr die Einführung der Weltmeisterschaft. Für die erste Austragung 1987 vergab der IRFB neun Startplätze durch Einladungen, wobei Paraguay unberücksichtigt blieb.

Ab den 1980er Jahren zeigte das paraguayische Rugby nicht nur einen starken Einfluss durch den Nachbarn Argentinien, sondern auch durch Frankreich, da die Fédération française de rugby mit Jean-Pierre Juanchich einen bezahlten Nationaltrainer zur Verfügung stellte. Juanchich war zuvor mit der chilenischen Nationalmannschaft beauftragt worden und übernahm danach Paraguays Junioren- und Senioren-Nationalmannschaften. 1988 empfingen die Paraguayer mit Frankreich auf deren Südamerikatour erstmals ein europäisches Team für eine nicht als Test Match zählende Begegnung und unterlagen mit 12:106. Ein halbes Jahr später wurde die Mannschaft von der Auswahl Südwestafrikas (heute Namibia) mit 0:110 deklassiert; die Begegnung wurde ebenfalls nicht als Test Match gewertet. Im Oktober desselben Jahres war die URP in Asunción eines der Gründungsmitglieder des Kontinentalverbandes CONSUR (Confederación Sudamericana de Rugby; heute Sudamérica Rugby, SAR); die anderen waren Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay. Im April 1989 wurde er Vollmitglied des International Rugby Football Board. Nach der Rückkehr der Brasilianer in den Wettbewerb mussten die Paraguayer diesen in der Südamerikameisterschaft 1989 den Vortritt lassen und landeten auf dem letzten Platz. An der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1991 nahm Paraguay nicht teil.

Zu Beginn der 1990er Jahre steigerte sich Paraguay in der kontinentalen Meisterschaft. Nachdem das Team 1991 den vierten Platz belegt hatte, erreichte es 1993 nach seinem ersten Sieg über Chile überhaupt den dritten Platt hinter Argentinien und Uruguay. Letzteres Turnier diente gleichzeitig als erste Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaft 1995. Mit ihrem Abschneiden erreichten die Paraguayer jedoch nicht die nächste Runde.

1995 errangen sie abermals den dritten Platz. Die Südamerikameisterschaften 1997 und 1998 verliefen mit dem vierten Platz für Paraguay enttäuschend. In der zwischendurch ausgetragenen Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1999 musste Paraguay Niederlagen gegen Chile und Uruguay hinnehmen.

Im neuen Jahrtausend Ab 2000 fanden die Südamerikameisterschaften jährlich statt, doch die Kräfteverhältnisse auf dem Kontinent schienen unverrückbar zu sein. Argentinien, Uruguay und Chile waren unüberwindbare Gegner, lediglich gegen Brasilien gelangen der Mannschaft Erfolge. Einige Tage vor dem Start der Südamerikameisterschaft 2000 zog der Verband seine Nationalmannschaft mit der Begründung zurück, dass sie nicht konkurrenzfähig sei. Ein Jahr später erlitten die Paraguayer deutliche Niederlagen gegen Uruguay, Chile und die argentinische Reserve-Auswahl. Im Rahmen der Südamerikameisterschaft 2002 kassierten die Yacarés bis heute ihre höchste Niederlage: 0:152 gegen Argentinien. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2003 bezwangen die Paraguayer Brasilien, unterlagen aber Chile, womit sie die folgende Runde verpassten.

Vor Beginn der Südamerikameisterschaft 2003 gewann Paraguay ein Qualifikationsspiel gegen Brasilien um die Divisionseinteilung, weshalb es in der Division A verbleiben konnte. Dennoch erfolgte nach Niederlagen gegen alle drei Teilnehmer in der Meisterschaft der Abstieg in die Division B. In dieser errangen die Paraguayer 2004 und 2005 jeweils den ersten Platz. Die Südamerikameisterschaft 2005 zählte teilweise als zweite Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2007, in der Paraguay Brasilien bezwang, jedoch Chile unterlag.

Danach nahmen sie jedoch erst wieder 2008 an der kontinentalen Meisterschaft teil und mussten in der Division B nur Brasilien den Vortritt lassen, womit die Mannschaft in die höchste Division des südamerikanischen Turnieres aufstieg. Die Südamerikameisterschaft 2008 zählte gleichzeitig als erste Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2011, dort erreichte jedoch nur Brasilien als Gruppenerster die nächste Runde.

Die Südamerikameisterschaften der Jahre 2009, 2010 und 2011 beendeten die Paraguayer jeweils auf dem vierten Platz hinter Chile, Uruguay und Brasilien. Während dieser Turniere spielte der nach Paraguay ausgewanderte Australier Alex Sharman in fünf Test Matches für seine neue Heimat. Für die Südamerikameisterschaft 2012 wurde das Team wieder in die Division B eingeteilt, die es ungeschlagen auf dem ersten Platz abschloss. Damit traf es zu Beginn der Südamerikameisterschaft 2013 im Platzierungsspiel auf Brasilien, verblieb mit der Niederlage jedoch in der Division B, die das Team gewann und damit den Aufstieg erreichte. Da das Platzierungsspiel gleichzeitig Teil der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2015 war, versäumte Paraguay erneut das Hauptturnier.

Aktuelle Entwicklung Ab 2014 nahm Argentinien aufgrund seines Wechsels in das Südhemisphärenturnier The Rugby Championship nicht mehr mit seiner dominanten Nationalmannschaft am jährlichen kontinentalen Turnier teil. Im selben Jahr erreichten die mit Brasilien und Chile tabellenpunktgleichen Paraguayer aufgrund ihrer besseren Spielpunktedifferenz erstmals den zweiten Platz hinter Uruguay. Sie konnten diese Leistung jedoch nicht fortsetzen und erreichten 2015 nur den dritten Platz hinter Chile und Uruguay. Die Turniere 2016 und 2017 verliefen mit dem jeweils vierten und letzten Platz noch enttäuschender. Diese dienten gleichzeitig als Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2019, womit die Paraguayer auch diese versäumten.