Democracy for the Arab World Now („Demokratie für die arabische Welt jetzt“, kurz „DAWN“) ist eine Nonprofit-Organisation mit Sitz in Washington, D.C., die sich für Demokratie und Menschenrechte in der arabischen Welt einsetzt. Sie wurde vom saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi kurz vor seiner Tötung gegründet. Die Organisation dokumentiert Menschenrechtsverletzungen, betreibt Lobbyarbeit in den USA und veröffentlicht Analysen zur politischen Lage im Nahen Osten. Ihre Arbeit konzentriert sich insbesondere auf Saudi-Arabien, die Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten und Israel/Palästina.

Gründung

Die Gründung von DAWN wurde vorbereitet vom saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi. Nachdem die saudi-arabische Regierung ihm 2016 untersagt hatte, sich öffentlich zu äußern, war er 2017 in die USA gezogen und hatte dort mit einigen Gleichgesinnten die Gründung einer neuen Organisation geplant, die Verletzungen von Menschenrechten untersuchen und offenlegen, für demokratische Reformen eintreten und Exil-Araber mobilisieren sollte. Khashoggi war gerade dabei, die Finanzierung zu organisieren und einen Beirat zusammenzustellen und hatte die Organisation bereits in Delaware registriert, als die saudi-arabische Regierung ihn 2018 töten ließ.

Nach Khashoggis Tötung war DAWN zwei Jahre weitgehend inaktiv. 2020 ernannte der Beirat Sarah Leah Whitson, die zuvor 16 Jahre lang als Executive Director der Human-Rights-Watch-Abteilung für den Nahen Osten und Nordafrika gearbeitet hatte, zum neuen Executive Director; unter ihrer Leitung wurde die Organisation neu gestartet und in den USA als Nonprofit-Organisation registriert.

Ziele und Wirken

Ziele und Arbeitsbereiche

DAWN wurde konzipiert als eine Mischung aus Denkfabrik, Menschenrechtsorganisation und Publikationsplattform. Definierte Ziele sind Das Ende der zentralen Rolle der USA durch ihre Unterstützung repressiver Regierungen in der arabischen Welt, Mobilisierung politischer Exulanten als einer wichtigen Ressource, Veränderungen hin zu Demokratie und zur Achtung der Menschenrechte in ihren Herkunftsländern zu erwirken, Rechenschaft repressiver Regierungsmitglieder und ihrer amerikanischen Unterstützer. Dafür konzentrierte sich DAWN zunächst auf Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten. 2022 wurde der Fokus zusätzlich ausgeweitet auf Israel/Palästina und für dieses Programm Michael Omer-Man (zuvor Chefredakteur des israelischen +972 Magazine) als Direktor und Adam Shapiro (International Solidarity Movement) als Advocacy Director gewonnen.

Um die aus Sicht der Organisation schädliche Rolle der USA in der arabischen Welt zu beeinflussen und Rechtsreformen zu erwirken, betreibt DAWN auch eigenen Lobbyismus. 2021 beispielsweise dokumentierte DAWN 100 Treffen mit US-amerikanischen Kongressabgeordneten oder deren Repräsentanten.

Juristische Maßnahmen

Als erste Aktivität listete DAWN die Einreichung einer Klage gegen Mohammed bin Salman und weitere saudi-arabische Staatsmänner für die Tötung von Khashoggi.Vergleiche Auch in den folgenden Jahren ging DAWN gerichtlich gegen Personen vor, die nach Ansicht von DAWN gegen Menschenrechte verstoßen haben. Ein High Profile-Fall von 2022 war beispielsweise eine Beschwerde beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gegen Eyal Toledano, der als Rechtsberater Israels nachweisbar über mehrere Jahre eine Schlüsselrolle bei Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den besetzten palästinensischen Gebieten gespielt habe. 2023 reichte DAWN insgesamt 41 Beschwerden beim IStGH ein, darunter 40 gegen israelische Soldaten, die eine wichtige Rolle bei Verbrechen im Zusammenhang mit dem Gazakrieg ab 2023 gespielt haben sollen.Vergleiche

Website

2020 ging die Website dawnmena.org ans Netz. Diese Website diente DAWN in den folgenden Jahren als zentrale Publikationsplattform erstens für eigene Stellungnahmen und Pressemitteilungen, zweitens für die Stimmen politischer Exulanten, denen dort eine Plattform für freie Rede geboten werden soll, und drittens für Analysen, die in der Online-Zeitschrift Democracy in Exile veröffentlicht werden.Vergleiche Analysen stammen von Mitarbeitern und Mitgliedern des Beirats, von mit DAWN verbundenen Experten, die DAWN als „Fellows“ führt – darunter Madawi al-Rasheed, Juan Cole, Michael Lynk und Sussan Tahmasebi – und von weiteren Gastautoren.

Nach eigener Auskunft gehen auch die Mehrheit der Pressemitteilungen von DAWN über bloße Statements hinaus und bieten Analysen zur und Einblicke in die arabische Welt. Ein international rezipiertes Beispiel ist eine gemeinsame Verlautbarung von DAWN und der Digitalrechtsgruppe Social Media Exchange (SMEX), in der berichtet wurde über die Inhaftierung zweier saudi-arabischer Wikipedia-Administratoren (→ Osama Khalid) und die These vertreten wurde, unter 16 Wikipedia-Autoren aus dem arabischen Raum, die von Wikimedia im Vorjahr global gebannt worden waren, seien auch staatliche Agenten Saudi-Arabiens gewesen, die die arabische Wikipedia regierungsfreundlicher umschreiben hätten sollen. Saudi-Arabien äußerte sich nicht zu diesem Vorwurf; Wikimedia wies ihn zurück.Vergleiche

Ebenfalls bereits früh veröffentlichte DAWN drei „Gallerien“ auf ihrer Website, die in den folgenden Jahren erweitert wurden: die „Culprits Gallery“, eine kurze Blacklist, die Staatsmänner als die „Schuldigen“ entlarven soll, die sie seien,Vergleiche die „Lobbyist Gallery“ (später: „Lobbyist Hall of Shame“), eine weitere kurze Blacklist, die jene listen soll, die für die Unterstützung von Unrechtsregimes durch die USA lobbyieren;Zu einem ersten Erfolg der Lobbyist Hall of Shame vergleiche außerdem die anders geartete „Unjust Prosecutions Gallery“,Später aufgeteilt auf die Profile der untersuchten Länder: eine Liste von nach DAWNs Ansicht zu Unrecht inhaftierten politischen Gefangenen.Vergleiche

Integrity Award

Seit 2023 verleiht DAWN jährlich den „Integrity Award“ („Integritätspreis“) für Personen, die „Jamal Khashoggis Einsatz für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte verkörpern“.

Bisherige Preisträger sind: 2023: Ayman Mohyeldin und Solafa Magdy für ihren Journalismus mit Fokus auf Menschenrechte in Ägypten, 2024: Ghassan Abu-Sittah für sein medizinisches Wirken an Kriegsopfern und seinen Einsatz für Gerechtigkeit und Mehdi Hasan für seinen Journalismus über den Nahen Osten, 2025: Alana Hadid und Amed Khan, die beiden Produzenten des Films The Voice of Hind Rajab.

Finanzierung

Die Organisation finanziert sich nach eigenen Angaben durch Spenden von oft anonymen Privatpersonen und Stiftungen. Zu den bekannten Großspendern gehören die Arca Foundation, die Careth Foundation, die Ford Foundation, die Open Society Foundations, der Rockefeller Brothers Fund und die Tawakkol Karman Foundation, die DAWN auch als „institutionelle Partner“ benennt.

Einzelnachweise

Kategorie:Menschenrechtsorganisation Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2018