Das Schiffshebewerk Thác Bà war in den 1970er Jahren eine technische Anlage zur Überwindung des Höhenunterschieds an der Thác Bà-Talsperre (Hồ Thác Bà) im Norden Vietnams, in der Provinz Yên Bái, ca. 150 Kilometer nordöstlich von Hanoi. Die Anlage war nur kurzzeitig in Betrieb und wurde aufgrund technischer Probleme stillgelegt und demontiert.

Geschichte und Technik Das Schiffshebewerk wurde in der Sowjetunion geplant, wobei die Projektierung durch den Leningrader Konzern Lenhydro in seiner Abteilung in Baku (heute Aserbeidschan) und die Fertigung der Bauteile in Saporischschja (heute Ukraine) erfolgte. Die Montage wurde vor Ort in Vietnam durchgeführt. Technisch handelte es sich um eine kleinere Ausführung des bekannten sowjetischen Schiffshebewerks am Krasnojarsker Stausee.

Die Anlage nutzte das Prinzip der Trockenförderung in Längsrichtung, bei dem die Schiffe nicht in einer wassergefüllten Kammer, sondern auf einem speziellen Transportwagen befördert wurden. Dieser war, um die Schiffe auf der schrägen Rampe in der Waagrechten zu halten, keilförmig konstruiert und konnte – anders als z. B. bei der Big Chute Marine Railway in Kanada – nur von einer Seite mit dem Schiff oder Boot befahren werden und wurde an der höchsten Stelle der Anlage mittels Drehscheibe um 180 Grad gedreht, um auch beim Abstieg auf der anderen Seite der Dammkrone waagrecht zu bleiben. Das Hebewerk war darauf ausgelegt, einen Höhenunterschied von rund 35 Metern zu überwinden. Es konnten Boote und Schiffe bis zu 60 t transportiert werden.

Die Konstruktion bestand aus: Einer langen Rampe, die ins Unterwasser (den Fluss Chay (Sông Chảy)) führte (Länge ca. 220 m). Einer kurzen Rampe, die ins Oberwasser (den Stausee (Hồ Thác Bà)) führte (Länge ca. 90 m). Einer zentralen Drehscheibe, auf der ein Maschinenhaus saß, das den Transportwagen auf Schienen mittels Stahlseilen bewegte (Durchmesser ca. 22 m).

Betrieb und Verbleib Das Schiffshebewerk hatte bereits während der Inbetriebnahme-Phase mit erheblichen Problemen zu kämpfen, insbesondere mit starker Verschlammung der Rampenbereiche. Diese Schwierigkeiten führten vermutlich zur raschen Stilllegung und Demontage der mechanischen Komponenten.

Die baulichen Überreste der Anlage sind jedoch auch heute noch sichtbar. Nördlich der Staumauer können auf Satellitenbildern (wie beispielsweise in Google Earth) die Betonfundamente der langen und kurzen Rampen sowie der kreisförmige Sockel der Drehscheibe identifiziert werden.

Quellen S. V. Seleznev, M. A. Kolosov, L. V. Ivanov: Erfahrungen mit Projektierung und Betrieb von Schiffshebewerken in Russland, übersetzt von Prof. Dr.-Ing. habil. Lattermann, in: Fachzeitschrift Binnenschifffahrt, Jg. 50, Nr. 2, 1995. Satellitenaufnahmen der Region Thác Bà-Talsperre (Google Earth/andere Kartendienste). aktuelle Fotos der Talsperre mit den Resten des Hebewerks Bild 4 und Bild 6 Projektdatenblatt der Vietnam Hydraulic Engineering Consultants Corporation auf Vietnamesisch

Kategorie:Schiffshebewerk Kategorie:Yên Bái (Provinz) Kategorie:Verkehrsgeschichte (Vietnam) Kategorie:Verkehrsbauwerk in Vietnam Kategorie:Sowjetisch-vietnamesische Beziehungen Kategorie:Wasserbauwerk in Vietnam Kategorie:Schifffahrt (Vietnam)