Die Arrauschildkröte oder Arrau-Schienenschildkröte (Podocnemis expansa) ist die größte Halswender-Schildkröten (Pleurodira) und die größte Süßwasserschildkröte Lateinamerikas. Die Art ernährt sich hauptsächlich von Pflanzen und nistet typischerweise in großen Gruppen an Stränden.

Lebensraum links|mini|hochkant|Der Lebensraum der Arrauschildkröte in Südamerika Arrau-Schildkröten kommen in den Einzugsgebieten des Amazonas, Orinoco und Essequibo in Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Guyana vor. Gelegentlich werden einzelne Exemplare auf Trinidad gesichtet. Sie leben in Flüssen, Teichen, Süßwasserlagunen und überschwemmten Wäldern.

Merkmale Arrau-Schildkröten können ein Gewicht von bis zu 90 kg und eine Panzerlänge von bis zu 1,07 m erreichen. Die meisten Tiere sind deutlich kleiner: Die durchschnittliche Panzerlänge eines ausgewachsenen Weibchens beträgt 64–71 cm, die eines ausgewachsenen Männchens 40–50 cm. Neben ihrer insgesamt kleineren Panzerlänge lassen sich Männchen auch an ihrem längeren Schwanz im Vergleich zu den Weibchen erkennen.

Die Arrau-Schildkröten sind braun, grau oder olivgrün, wobei die genaue Farbe je nach den auf dem Panzer wachsenden Algen variiert.

Verhalten Die Art ist hauptsächlich tagaktiv.

Nahrung mini|Sonnenbaden in Kolumbien Erwachsene Arrau-Schildkröten ernähren sich fast ausschließlich pflanzlich. Sie fressen Früchte, Samen, Blätter, Hülsenfrüchte und Algen. Sie fressen auch Süßwasserschwämme, Eier und Aas (z. B. tote Fische). In Gefangenschaft gehaltene Exemplare fressen auch Fleisch.

Fortpflanzung und Lebensweise mini|Jungtier Kurz vor Beginn der Brutsaison wandern die Arrau-Schildkröten zu bestimmten Eiablageplätzen. An manchen Orten nisten sie in großen Gruppen an Stränden, wodurch das Risiko durch Fressfeinde angegriffen zu werden, kleiner ist. An manchen Stränden nisten bis zu 500 Weibchen. Die Paarung findet im Wasser statt. Während und kurz vor der Brutsaison sonnen sich die Tiere häufig, typischerweise in Gruppen. Man vermutet, dass die zusätzliche Wärme den Eisprung der Weibchen beschleunigt. Außerhalb dieser Zeit ist die Art in der Regel nicht an Land. An Land ist sie meist sehr scheu und zieht sich bei kleinsten Anzeichen von Gefahr ins Wasser zurück.

Das Weibchen legt durchschnittlich 75–123 Eier (die Anzahl variiert je nach Region), die nachts in ein 60–80 cm tiefes Nest am Strand platziert werden. Die Eier werden während der Niedrigwasserzeit gelegt und schlüpfen mit dem Anstieg des Wasserspiegels. Steigt der Wasserstand zu schnell oder zu früh, wird das Nest überflutet und die Tiere sterben im Ei. Solange die Nester nicht von Fressfeinden ausgegraben werden, ist die Schlupfrate in der Regel hoch und liegt im Durchschnitt bei 83 %.

Die Eier schlüpfen nach etwa 50 Tagen und das Geschlecht der Jungtiere hängt von der Nesttemperatur ab (Weibchen bei höheren, Männchen bei niedrigeren Temperaturen). Beim Schlüpfen sind die Jungtiere etwa 5 cm lang. Unmittelbar danach streben sie zum Wasser. Dort werden sie jedoch von vielen Fressfeinden entdeckt, sodass nur etwa fünf Prozent überleben und erwachsen werden. Beim Schlüpfen locken die Weibchen die Jungtiere mit Lauten an. Sie bleiben eine Zeit lang gemeinsam in den überfluteten Wäldern beziehungsweise im Wasser. Lautäußerungen scheinen eine wichtige Rolle im Sozialleben der Schildkröte zu spielen. Neben dem Laut, mit dem sie die Jungtiere anlockt, wurden während der Nistzeit vier weitere Laute dokumentiert: einer während der Wanderung, einer vor dem Sonnenbaden, einer beim nächtlichen Nisten und schließlich einer im Wasser nach dem Nisten. mini|Anlage zur Aufzucht von Arrau-Schildkröten in Venezuela In freier Wildbahn können sie ein Alter von 20 Jahren oder mehr erreichen. In Gefangenschaft gehaltene Exemplare werden meist mindestens 25 Jahre oder deutlich älter. Basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen wurde geschätzt, dass die größten Exemplare möglicherweise bis zu 80 Jahre alt werden.

Schutzstatus und Zoohaltung Die Arrau-Schildkröte ist weit verbreitet und wurde 1996 von der IUCN nicht als insgesamt gefährdet eingestuft. Ihr Bestand ist jedoch in freier Wildbahn deutlich zurückgegangen. Ein Entwurf der IUCN-Artenschutzkommission (Fachgruppe Schildkröten und Süßwasserschildkröten) empfahl 2011, sie als vom Aussterben bedroht einzustufen. Die Art erreicht die Geschlechtsreife eher später, einige Quellen gehen davon aus, dass Weibchen mit 4–8 Jahren geschlechtsreif werden. Andere Experten sagen, dass sie erst mit etwa 17 Jahren geschlechtsreif werden. Ihr Sozialverhalten, insbesondere an bestimmten Niststränden, macht sie und ihre Eier anfällig, von Menschen entwendet zu werden. mini|Arrauschildkröte im Zoo Krefeld

Neben der Jagd und dem Sammeln ihrer Eier stellen Umweltverschmutzung, Lebensraumverlust und Staudämme, die zur Überflutung von Nistplätzen führen können, weitere Bedrohungen dar. Mehrere Länder in ihrem Verbreitungsgebiet haben Gesetze zum Schutz der Art erlassen, doch die Jagd und das Sammeln von Eiern geht trotz Verboten weiter. Es wurden mehrere Schutzprojekte gestartet. Beispielsweise wurden in Brasilien 54 Niststrände geschützt. In Kolumbien stehen Strände, die von mehr als 1.000 Weibchen genutzt werden, unter Schutz. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden in Venezuela Tausende von Eiern gesammelt, um sie sicher auszubrüten, die Jungtiere zu unterstützen und anschließend freizulassen, wenn sie nicht mehr gefährdet sind.

In vielen Farmen im Brasilien werden Arrauschildkröten gezüchtet. Sie leben dort, teilweise für Schutzzwecke und teilweise für kommerzielle Zwecke. Die Tiere sind weltweit auch in zahlreichen Zoos zu finden, auch in Deutschland in Leipzig und Krefeld beispielsweise. In den Zoos werden sie auch weiter gezüchtet.

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Einzelnachweise

Kategorie:Schildkröten