Canary Mission ist ein 2015 gestartetes anonymes Online-Projekt, das Dossiers über Personen veröffentlicht, die nach Ansicht der Betreiber „Hass gegen die USA, Israel und Juden an amerikanischen Universitäten“ verbreiten.Vergleiche zum Beispiel Stand 2025 enthält die Datenbank über 5000 Profile, überwiegend von US-amerikanischen Studierenden und Akademikern. Investigative Recherchen haben enge Verbindungen zur israelischen Organisation Aish nahegelegt.

Wissenschaftliche Analysen haben die Mechanismen des Projekts systematisiert und dabei Blackmarking, Silencing-Effekte und gezielte Einschüchterung festgestellt. Dokumentiert ist die Nutzung durch israelische Grenzbehörden, das FBI und ab 2025 durch weitere US-Behörden für Visa-Entzüge.

Das Projekt ist umstritten. Unterstützer wie Daniel Pipes argumentieren, es dokumentiere legitime Sicherheitsbedenken und signalisiere, dass Kritik an Israel Konsequenzen haben könne. Kritiker bezeichnen das Projekt als Blacklisting im Stil der McCarthy-Ära.

Entstehung und Hintergrund

Canary Mission wurde im Frühjahr 2015 gestartet und veröffentlichte zu Beginn Dossiers zu 54 palästinasolidarischen Professoren und vor allem Studierenden mit dem erklärten Ziel, potentielle Arbeitgeber der Letzteren davon abzuhalten, sie einzustellen.Vergleiche das Promotionsvideo von 2015: Stand 2025 ist die Menge an Dossiers auf über 5000 angewachsen – die meisten davon zu Personen wohnhaft in den USA, außerdem grob 400 zu kanadischen Personen.

Die Betreiber der Seite sind anonym und haben ihre Spuren durch Verschleierung von Betreiberdaten und Finanzflüssen zusätzlich anonymisiert. Bereits im Gründungsjahr wurden jedoch erste Spuren aufgedeckt und in den folgenden Jahren um weitere ergänzt, die auf enge Verbindungen zur israelischen ultraorthodoxen Missions-Bewegung Aish hindeuten – darunter insbesondere personelle Überschneidungen zwischen Aish und der israelischen Nonprofit-Organisation Megamot Shalom, die nach diesen Recherchen als Frontorganisation von Canary Mission fungiert. Projektleiter wäre in diesem Fall Rabbi Jonathan Bash. Bash und weitere Mitarbeiter von Megamot Shalom haben Verbindungen zu Canary Mission dementiert oder nicht kommentiert.Besonders Bereits zuvor Ergänzend Vergleiche knapp zum Beispiel

Funktionsweise und Inhalt

Ein vollständiges Dossier bei Canary Mission ist aufgebaut aus: Name, Profilbild und personenbezogenen Daten Einer Kurzbiographie Nach Interpretation von CM belastenden Kurzzitaten, Screenshots und Fakten zur jeweiligen Person – letztere grob sortiert nach Kategorien wie „Terrorismusunterstützung“, „Amerikahass“, „BDS“ Links zu Web-Präsenzen und Social-Media-Profilen.Vergleiche beispielsweise das Profil des Soziologen Nathan Kalman-Lamb, der sich mehrfach zu seiner Listung und den Konsequenzen geäußert hat: Kalman-Lamb zu seiner Listung:

Was als „belastend“ gilt und zur Listung bei Canary Mission führen kann, ist definiert in der „Ethics Policy“. Unter anderem gehört dazu: Antisemitismus gemäß der Antisemitismus-Definition des US-Außenministeriums (einem Derivat der umstrittenen IHRA-Definition) „Unterstützung von Terrorismus, Terroristen oder Terrororganisationen“ „Aufstachelung zu Gewalt oder Hass gegenüber Juden, Israel oder Unterstützern Israels“ Verschiedene Formen der Unterstützung von BDS.

Kritiker dieser Kriterien argumentieren, sie seien zu weit gefasst. Das Committee on Academic Freedom der Middle East Studies Association und das aktivistische Polis Project urteilen, mit dieser Policy werde letztlich auf jeden abgezielt, der in irgendeiner Weise israelische und/oder US-amerikanische Nahost-Politik kritisiere, sich für Menschenrechte von Palästinensern einsetze oder für die BDS-Bewegung engagiere.Ähnlich

Historische Einordnung

Canary Mission steht in einer längeren Reihe von Watchlists mit ähnlichem politischen Profil: 1983: Der Text Pro-Arab Propaganda in America der ADLDazu vergleiche und 1984: Der Text The AIPAC college guide von AIPAC.Dazu vergleiche Beide listeten vor allem „pro-arabische“ oder „anti-israelische“ Professoren. 2000: Die S.H.I.T. List („Self-Hating and/or Israel-Threatening List“), die beinahe 8000 „selbsthassende oder Israel bedrohende“ Juden verzeichnete,Vergleiche 2002: Das Projekt Campus Watch von Daniel Pipes, das speziell israelkritische Nahostwissenschaftler in den Blick nimmtDazu vergleiche 2017: Die Datenbank zu Unterstützern akademischer Boykotte Israels der AMCHA Initiative.Zu dieser vergleiche

Das Committee on Academic Freedom und die Bridge Initiative nennen in dieser Reihe außerdem unter anderem die Medienkritik-Projekte CAMERA und HonestReporting, die neben reiner Medienkritik auch Dossiers zu einzelnen Journalisten veröffentlichen. Ähnlich wurden in der 2017 gestarteten App Act.il für pro-israelische Internetaktivisten Dossiers von BDS-Aktivisten gesammelt.

Auswirkungen und Folgen

Die Techniksoziologin Alice Fox hat die Ziele und Folgen einer Listung 2025 unter den Begriff „Follower Weaponization“ („Einsatz von Followern als Waffe“) gebracht und zu drei negativen Konsequenzen systematisiert.Sehr ähnlich

Blackmarking

Bereits die bloße Aufnahme auf die auch für Suchmaschinen hochsichtbare Website führe zu negativen Konsequenzen, was durch die Verwendung abwertender Begriffe wie „Antisemit“ oder „Babymörder“ noch verstärkt werde.Vergleiche dazu zum Beispiel auch Bei Online-Recherchen etwa durch potenzielle Arbeitgeber erschienen die CM-Dossiers der derart negativ markierten Personen dann unter den ersten Suchergebnissen,Konkretes Beispiel: zusammengruppiert mit Dossiers einer Reihe bekannter Rassisten, die bei CM ebenfalls verzeichnet sind.

Silencing-Effekte

Gelistete Personen erhalten von CM zum einen die Option, sich öffentlich für ihr Handeln zu entschuldigen und künftig davon abzuschwören. Danach würden sie angeblich anonymisiert mit nur noch dieser Entschuldigung als „Ex-Canarys“ auf der Seite gelistet.Vergleiche allerdings Manche zumindest scheinen authentisch zu sein, vergleiche

Zum anderen geschehe Silencing bereits durch die entstellende Darstellung ihrer Positionen und Äußerungen auf der Website,Zu diesem Aspekt vergleiche auch wodurch unsichtbar werde, was diese Person ursprünglich und eigentlich gemeint habe („Obfuscating“, „Vernebeln“).Konkretes Beispiel:

Einflößen von Furcht

CM teile Auszüge aus Dossiers regelmäßig über ihre Social-Media-Kanäle, oft noch verstärkt durch Einsatz einer Hundepfeifen-Politik – also mit Verwendung von Formulierungen wie „Terrorsympathisant“ oder „will Israel zerstören!“. Diese wirkten auf die Follower als Reizwörter. CM-Follower multiplizierten sie daher entweder über ihre eigenen Kanäle oder wendeten sich direkt an die gelisteten Personen, was am Ende zu einer Überschwemmung mit bis zu mehreren hundert Hassnachrichten führen könneKonkretes Beispiel: (Committee on Academic Freedom: „Twitter-Trolling-Kampagnen“).Ebenso Studierende sähen daher bereits vor einer Listung bei CM von palästinasolidarischem Engagement ab aus Furcht davor, von CM oder CM-Followern in den Fokus genommen zu werden.

Nutzung durch Behörden

Nicht von Fox erwähnt, aber jeweils sicher belegt ist außerdem, dass nicht nur typische Follower auf CM-Dossiers reagieren, sondern auch das US-amerikanische FBI, das CM beim Erheben des Verdachts von „Terrorsympathie“ berücksichtigt. Die Betreiber von CM weisen das FBI über Social Media auch öffentlich auf Profile hin. die israelischen Grenzbehörden, die bei CM gelisteten Personen die Einreise nach Israel verwehren. E. Tendayi Achiume, die UN-Sonderberichterstatterin für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, urteilte, dies und die Tatsache, dass Canary Mission überdurchschnittlich häufig arabischstämmige Menschen ins Visier nehme,Zu diesem Aspekt vergleiche auch Ähnlich auch verstoße beides gegen diverse Grundsätze wie den der Nicht-Diskriminierung oder das Recht auf freie Rede.Vergleiche ab 2025 auch weitere US-amerikanische Behörden, die basierend auf Canary Mission Studierenden Visa entzogen. Nachdem die US-Behörde ICE dies zunächst abgestritten hatte, bezeugte Peter Hatch, stellvertretender Direktor des Geheimdienstbüros von Homeland Security, vor Gericht, ein sogenanntes „Tiger-Team“ zusammengestellt zu haben, das mithilfe von CM und einer verwandten Liste von Betar Profile palästinasolidarischer Demonstranten erstellte, die man potentiell deportieren könnte. CM erweiterte in diesem Zusammenhang ihre Personenkategorien um „Foreign Nationals“. Die Extremismusforscherin Hannah Gais (Southern Poverty Law Center) fasste nach einer Analyse von US-Gerichtsprozessen zusammen, Abgeordnete und rechtsgerichtete Denkfabriken „beriefen sich inzwischen regelmäßig auf Canary Mission, dessen Mitarbeiter in Israel leben, und behandelten es als maßgebliche Quelle für angeblichen Antisemitismus an amerikanischen Universitäten.“Ähnlich

Gesellschaftliche Debatte

Zu den Fürsprechern von Canary Mission gehört Daniel Pipes, der argumentierte, man habe ein Recht auf faktenbasierte Informationen darüber, wer jemandes Gegner seien; zudem signalisiere das Projekt Studierenden, dass „Angriffe auf Israel eine ernste Sache“ seien. Auch die Israel on Campus Coalition lobte das Projekt, da es „stark von Antisemitismus und BDS-Aktivismus abschrecke“; ähnlich erklärte Michael Leven, einer der wenigen bekannten Großspender an das Projekt,Zu weiteren siehe es deshalb zu unterstützen, weil er hoffe, dass es dabei helfe, „Antisemiten zu identifizieren“.

Die zahlreichen Kritiker von Canary Mission dagegen bezeichnen die Website als Blacklisting-ProjektZum Beispiel à la McCarthy.Zum Beispiel Wissenschaftler sprechen von „verleumderischen Rufmorden“ und argumentieren, das Projekt zerstöre Karrieren durch Diskreditierung aus politischen Motiven.Ähnlich Kenneth S. Stern und einige pro-israelische Studierendengruppen argumentieren außerdem aus pro-israelischer Perspektive, Canary Mission sei letztlich hinderlich für das Ziel, die BDS-Bewegung zu bekämpfen.

Literatur

Weblinks

canarymission.org (Fünfteiliger Podcast über Canary Mission)

Einzelnachweise

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