Sneh Bhargava (; * 23. Juni 1930 in Indien) ist eine indische Radiologin und Hochschullehrerin. Sie ist emeritierte Professorin der Radiologie am All India Institute of Medical Sciences (AIIMS) in Neu-Delhi und war 1958 eine der ersten Radiologinnen Indiens. Mit 95 Jahren ist sie Indiens älteste Autorin.
Leben und Werk Bhargava ist die Tochter von Yudhister Lal Taneja und Pyar Taneja. Ihr Vater war Beamter und wurde nach Jhelum und später nach Ferozepur versetzt, als in Rawalpindi und Lahore Unruhen ausbrachen. Ihm wurde die Verantwortung für den Aufbau des Flüchtlingslagers in der Grenzstadt Ferozepur übertragen. Bhargava begleitete ihren Vater regelmäßig in das Lager und war für die Desinfektion des Lagergeländes und die Versorgung mit Lebensmitteln zuständig. Sie begann 1948 ein Medizinstudium am Lady Hardinge Medical College, einer medizinischen Hochschule für Frauen. 1955 ging sie für ihre Facharztausbildung in diagnostischer Radiologie an der Westminster Medical School (heute Imperial College School of Medicine) nach London, wo sie die einzige Studentin in der Radiologieabteilung des Westminster Hospital war.
Nach ihrer Rückkehr nach Indien erhielt sie den Titel Diplomate of Medical Radiology (DMRD) vom Royal College of Physicians and Surgeons. Sie erhielt eine Anstellung als Assistenzradiologin am Irwin Hospital (heute Lok Nayak Krankenhaus (LNJP)). Zu dieser Zeit wurde das AIIMS gegründet, und Bhargava wurde dort Assistenzprofessorin in der Radiologie. Das Fachgebiet der Radiologie war in den 1950er Jahren nicht populär, und nur wenige Mediziner spezialisierten sich darauf. Es gab jedoch keine Nachtdienste und man konnte ein geregeltes Familienleben führen. Die Radiologie war eine reine Bearbeitungsstelle und wurde bald das Epizentrum für Diagnose und Behandlung. Bhargava wurde später Professorin und Leiterin der Abteilung für Radiologie. Sie war maßgeblich an der Entwicklung des postgradualen medizinischen Ausbildungsprogramms der Abteilung beteiligt und setzte sich für die Festlegung von Standards für die radiologische Ausbildung in ganz Indien ein. Zudem befürwortete sie die Anschaffung des ersten CT-Scanners und Ultraschallgeräts für das AIIMS, wodurch neue Wege der medizinischen Versorgung für Patienten aus der Region sowie aus Nepal, Bangladesch und Sri Lanka eröffnet wurden.
Die Ernennung von Bhargava zur Direktorin des AIIMS im Jahr 1984 war aufgrund ihres Geschlechts umstritten. Premierministerin Indira Gandhi hatte das Ernennungsschreiben zwar unterzeichnet, aber es musste noch formell vom autonomen Leitungsgremium des AIIMS bestätigt werden. Am 31. Oktober 1984 wurde Gandhi am Morgen von zwei Leibwächtern angeschossen und ins AIIMS eingeliefert. Am 31. Oktober um 9 Uhr morgens fand gerade die Sitzung statt, in der die Ernennung bestätigt werden sollte, als die Premierministerin in der Notaufnahme lag. Man versuchte, die ermordete Premierministerin wiederzubeleben. Die offizielle Bekanntgabe ihres Todes sollte bis zur Ankunft ihrer Familie in Delhi hinausgezögert werden. So mussten die Ärzte die nächsten vier Stunden die Farce aufrechterhalten, Gandhis Leben zu retten, obwohl sie bereits tot eingeliefert worden war. Nachdem die nationale Trauerzeit beendet war und Rajiv Gandhi das Amt des Premierministers übernommen hatte, gehörte die Ernennung von Bhargava zu den ersten Akten, die er bearbeitete. Damit wurde sie die erste und bisher einzige Frau an der Spitze des AIIMS. Darüber hinaus ist sie die zweite indische Frau, die sich als Radiologin qualifizierte.1984 wurde sie als erste und bis 2025 einzige Frau Direktorin des AIIMS.
Als erste Direktorin des AIIMS fungierte Bhargava auch als Vorsitzende des Verwaltungsrats. Während ihrer 30-jährigen Laufbahn am AIIMS trug sie zum Aufbau der Abteilungen für Neuroradiologie, kardiovaskuläre Radiologie, Onkoradiologie, Kinderradiologie und interventionelle Radiologie bei. Sie gründete außerdem das Zentrum für medizinische Ausbildung und Technologie am AIIMS, das Medizinstudierenden Informationen zur Didaktik in der Medizin bietet. Darüber hinaus war sie Teil des Teams, das das National Medical Journal of India gründete. Bhargava war Präsidentin der Indian Radiology and Imaging Association (IRIA) und war Vorsitzende mehrerer Ausschüsse des Medical Council of India.
Bhargava arbeitete nach ihrer Pensionierung bis zu ihrem 90. Lebensjahr in Vollzeit am Sitaram Bhartia Institute of Science & Research in New Delhi, bis sie aufgrund von COVID-19 gezwungen war, zu Hause zu bleiben.
Auszeichnungen (Auswahl) 1991: Padma Shri Millennium Award 2000 der IRIA
Veröffentlichungen (Auswahl) THE WOMAN WHO RAN AIIMS: The Memoirs of a Medical Pioneer. Juggernaut, 2025, ISBN 978-9353457235.
Weblinks Youtube Video: Tejasvini: Interaction with Sneha Bhargava (englisch)
Einzelnachweise
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