Der große Verhau ist ein deutscher dystopischer Science-Fiction-Film unter der Regie von Alexander Kluge. Die Uraufführung fand am 30. Juni 1971 auf der Berlinale statt. Der Filmtitel bezieht sich auf den Verhau im Sinne von „Durcheinander“ oder „Wirrwarr“.
Handlung 2034. Der irdische Kapitalismus hat sich in den Weltraum ausgedehnt. Es herrscht ein allseitiger Bürgerkrieg.
Der Ex-Raumfahrer Clark Douglas arbeitet für die Firma Joint Galactical Transports (J.G.T.). Als die J.G.T. von der Suez-Kanal-Gesellschaft aufgekauft wird, macht sich Douglas selbständig. Dazu benötigt er Konstruktionspläne der Firma, die er versucht, auf illegalem Weg zu erlangen. Schon bald wird er vom Werkschutz der Firma verfolgt.
Zwei andere Raumfahrer sabotieren Raumschiffe, um diese auszurauben.
Im Doppelsternsystem Krüger 60 leben die Menschen in Bunkern, da täglich Bombenangriffe stattfinden. Als der letzte Amerikaner in einer Friedensmission mit seiner Luxusraumyacht den Raumhafen von Krüger 60 anfliegt, wird er versehentlich oder absichtlich abgeschossen.
Kritik
Das deprimierende, intelligent gemachte Zukunftsmodell freilich wirkt auf der Leinwand halb so schlimm: Statt seine Theorie in suggestiven Spielszenen zu explizieren, verläßt sich Kluge vor allem auf die Überzeugungskraft literarischer Zwischentitel (»Der irdische Kapitalismus hat seine Samthandschuhe abgelegt«), die man am Ende des Films schon vergessen hat.
Berlinale Filme: Durch Wald und Weltall, in: DER SPIEGEL Nr. 28 vom 4. Juli 1971.
Im Frühjahr 1973 zeigte die Kölner Cinemathek den Film, nach Darstellung der Musikzeitschrift Sounds war dies seine Erstaufführung vor einem kleinen Kreis von Cineasten. Josef Amery beschrieb Der große Verhau dort als „herrlich amüsante Pop-Collage einer Weltraumfahrt mit fürchterlich verhauenen Ufos und Gestalten“, als Anti-Science-Fiction in der Art von Orion oder Enterprise, deren kindliche Zukunftsvision einen „um so ernsteren sozialistischen Touch“ habe. Sein Fazit lautete: „Zwei geistig unterentwickelte Bayern im All: Das ist ironisch und satirisch, witzig und bissig, ein tolles Polit-Raumfahrtabenteuer.“ Zugleich bedauerte er, dass dem breiten Publikum, das von einem Film mehr als „schöne“ Bilder und eine harte Story erwarte, damit eine wichtige Arbeit entgehen dürfte.
Überlieferung 2007 erschien von Alive AG eine DVD-Edition einschließlich des Kluge-Films Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte.
Literatur Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films. 720 Filme von 1902 bis 1983, München (Wilhelm Heyne Verlag) 1983, S. 227f. ISBN 3-453-01901-6
Weblinks
Berlinale Filme: Durch Wald und Weltall, in: DER SPIEGEL Nr. 28 vom 4. Juli 1971. Filmsequenz mit dem Auftritt von Amon Düül II in Der große Verhau auf youtube.com, Länge 01.35h Vollständige Filmfassung auf youtube.com
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmtitel 1971 Kategorie:Science-Fiction-Film Kategorie:Raumfahrt im Film Kategorie:Dystopie im Film