Das Internationale Geographentreffen von La Sarraz war eine einmalige Zusammenkunft europäischer Geographen, die vom 4. bis 9. August 1947 im Schloss La Sarraz in der Schweiz stattfand. Es gilt als bedeutender Meilenstein für den Wiederaufbau der wissenschaftlichen Zusammenarbeit in der Geographie nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hintergrund und Bedeutung Initiiert durch Schweizer Hochschulgeographen, insbesondere Walther Staub aus Bern, stellte dieses Treffen die erste internationale Zusammenkunft von Geographen nach Kriegsende dar. Staub spielte eine zentrale Rolle in der Vorbereitung und Organisation des Treffens gemeinsam mit Fritz Jaeger (Basel).Walther Staub 1886–1966, S. 287: Zusammen mit [Henri] Lagotala stiftete er 1939 den Cercle de La Sarraz, eine freie Geographenvereinigung, die auf Einladung von Frau Hélène de Mandrot auf Schloss La Sarraz tagen durfte. Im August 1947 kam dort eine kleine internationale Zusammenkunft zustande. Eine entscheidende Rolle spielte auch die vielseitig interessierte Schlossherrin Hélène de Mandrot, die ihr Schloss La Sarraz als Veranstaltungsort und Unterkunft zur Verfügung stellte.

Das Treffen diente dem Abbau von Ressentiments und förderte den Austausch über wissenschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen in den beteiligten Ländern. Die Veranstaltung symbolisierte den Neustart der europäischen Kooperation im Fachgebiet und die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft durch gemeinsame wissenschaftliche Arbeit.

Teilnehmer und Ablauf Die Teilnehmer kamen aus mehreren europäischen Ländern und trafen sich im geistvollen Ambiente des Schlosses La Sarraz. An dem Treffen nahmen Geographen aus der Schweiz, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland teil. Zu den Teilnehmern aus der Schweiz gehörten Walther Staub (Bern), Charles Burky (Genf), Heinrich Gutersohn (Zürich), Fritz Jaeger (Basel) und Henri Onde (Lausanne). Aus Österreich kam Hans Kinzl (Innsbruck), aus Großbritannien Alan Grant Ogilvie (Edinburgh), aus Frankreich Maurice Pardé (Grenoble), aus Italien Aldo Sestini (Florenz) und Antonio Renato Toniolo (Bologna) sowie aus Deutschland Carl Troll (Bonn). Die Teilnehmer diskutierten wissenschaftliche Fortschritte, Herausforderungen und unternahmen Exkursionen ins Umland.

Neben offiziellen Berichten wurden wissenschaftliche Probleme diskutiert und Exkursionen in die umliegende Region unternommen.

Resolution Das Ergebnis der Besprechungen war die Annahme einer Resolution, die der Internationalen Geographischen Union in Louvain übersandt wurde.S. 268: Die wesentlichen Punkte der Resolution des internationalen Geographentreffens in La Sarraz 1947 umfassen die Einladung deutscher und österreichischer Geographen zum Internationalen Geographenkongress 1948 in Lissabon [der auf 1949 verlegt wurde], wobei aufgrund der damaligen politischen Lage Vertreter aus den vier Besatzungszonen Deutschlands vorgeschlagen wurden. Vorgeschlagene Wissenschaftler waren unter anderem Prof. Dr. Hans Bobek (französische Zone), Prof. Dr. Wilhelm Credner (amerikanische Zone), Prof. Dr. Carl Troll (britische Zone), Prof. Dr. Walter Behrmann (sowjetische Zone) sowie ergänzend Prof. Dr. Hermann Lautensach. Weiterhin beinhaltete die Resolution die Förderung des internationalen Austauschs wissenschaftlicher Publikationen, insbesondere durch die Verteilung offizieller Regierungsveröffentlichungen an Universitäten, sowie die Förderung persönlicher Kontakte zwischen Geographen verschiedener Länder. Schliesslich wurde der Einsatz für eine Vertretung des UGI-Komitees innerhalb der UNESCO befürwortet. Diese Resolution wurde am 9. August 1947 im Namen der in La Sarraz versammelten Geographen von Charles Burky (Universität Genf) unterzeichnet.

Literatur

Heinz Balmer: Walther Staub 1886–1966. In Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 146, 1966, S. 287. Heinrich Gutersohn: Internationales Geographentreffen vom 4.–9. August 1947 in La Sarraz.Die Organisation des Treffens lag in den Händen der Herren W. Staub (Bern) und F. Jaeger (Basel); weiter nahmen teil: Ch[arles] Burky (Genf), H. Gutersohn (Zürich), H. Kinzl (Innsbruck), A. G. Ogilvie (Edinburgh), H[enri] Onde (Lausanne), M. Pardé (Grenoble), A[ldo] Sestini (Florenz), R. Toniolo (Bologna) und C. Troll (Bonn). Wenn auch die Zahl der Teilnehmer aus naheliegenden Gründen beschränkt bleiben musste, so traten wir doch mit dem Bewusstsein zusammen, erstmals nach dem Kriege wieder in kleinem Kreise jenen freundschaftlichen Kontakt aufzunehmen, ohne den wissenschaftliche Arbeit undenkbar ist. Dass von allem Anfang an eine herzliche Kollegialität uns alle verband, war neben den eigentlichen Arbeiten wohl das erfreulichste Ergebnis der Tagung. In: Geographica Helvetica, 2, 1947, 4. S. 268–269. Das internationale Geographentreffen von La SarrazCharles Burky zeigte "in seiner Schlußrede die Bedeutung der Geographie für den Aufbau einer kunftigen Weltfriedensorganisation auf." . In: Erdkunde, 1, 1947, H. 4/6, S. 208–209.

Einzelnachweise

Kategorie:Wissenschaftliche Tagung (Geographie) Kategorie:Veranstaltung 1947 Kategorie:Veranstaltung im Kanton Waadt Kategorie:La Sarraz