mini|Das Oreste-Gallacchi-Denkmal, Fotografie anlässlich der Einweihung 1926 Das Oreste-Gallacchi-Denkmal (italienisch Monumento Oreste Gallacchi) ist ein von Apollonio Pessina geschaffener und 1926 eingeweihter Gedenkbrunnen für den Anwalt und Politiker Oreste Gallacchi (1846–1925). Es steht in Breno, einer Ortschaft in der Gemeinde Alto Malcantone, im Schweizer Kanton Tessin.
Geschichte mini|hochkant|Oreste Gallacchi (1846–1925) Der 1846 in Breno geborene Oreste Gallacchi arbeitete hauptberuflich als Anwalt und Landwirt. 1892 war er Mitglied des zweiten Tessiner Verfassungsrates. Ab 1893 bis zu seinem Tod sass er für die Radikalliberalen im Grossen Rat, dem er 1899 und 1923 als Präsident vorstand. Als Politiker regte er zahlreiche Initiativen an, namentlich zugunsten des Ackerbaus.Celestino Trezzini: Gallacchi. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 3, S. 379 (PDF Digitalisat).Ernesto Pelloni: In morte di Oreste Gallacchi. In: Gazzetta Ticinese. 10. August 1925, S. 1 (online) Ferner war er Spiritus Rector der genossenschaftlich organisiertenGran Consiglio: Messaggio 3789: Casa comunale di Breno. 23. September 1991 (online). Sekundar- und Zeichenschule (Scuola maggiore e di disegno) in Breno, die auf sein Betreiben hin 1895 gegründet wurde. Ihr Motto «Lavoro – Morale – Studio» (Arbeit – Moral – Lernen), das bis in die frühen 2020er Jahre noch unter dem Giebel prangte, ging auf ihn zurück.Oreste Gallacchi (1846–1925). In: Gazzetta Ticinese. 8. August 1945, S. 2 (online). Bei seinem Tod vermachte er der Schule 400 Franken. Die Schule musste 1978 infolge des starken Bevölkerungsrückgangs im oberen Malcantone geschlossen werden. Seit 1992 wird das Gebäude als Gemeindehaus genutzt.Per Breno un «cuore» nuovo ma con radici nella storia. In: Giornale del Popolo. 15. Mai 1992, S. 17 (online).
Oreste Gallacchi starb am 8. August 1925 in Breno. Am 10. August wurde sein Leichnam feierlich in die Bezirkshauptstadt Lugano überführt und auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.I funerali del cons. avv. Oreste Gallacchi. In: Gazzetta Ticinese. 11. August 1925, S. 1 (online).
Kurz nach Gallacchis Tod konstituierte sich ein liberales Komitee zur Errichtung eines Denkmals zu seinen Ehren und beauftragte offenbar konkurrenzlos den 46-jährigen Bildhauer Apollonio Pessina, der fünf Jahre zuvor das Tessiner Soldatendenkmal in Bellinzona geschaffen hatte, mit der Ausführung. Das Monument wurde mit Spenden finanziert. Auf Wunsch der «Freunde des oberen Malcantone» wurde es um die Namen der beiden aus Breno gebürtigen Ingenieure Giovanni Gallacchi (Orestes älteren Bruders) und Teodoro Anastasia ergänzt, die «dem Tessin im Ausland Ehre eingebracht und sich um die Institutionen des Malcantone verdient gemacht» hatten. Im März 1926, nur sieben Monate nach Gallacchis Tod, war es bereits vollendet.Il monumento a Gallacchi. In: Gazzetta Ticinese. 13. März 1926, S. 1 (online).
Die Einweihung fand am 30. Mai 1926 statt und geriet zu einem Volksfest des liberalen Geistes. Rund hundert Automobile brachten die Gäste, die aus allen Kantonsteilen anreisten, von Lugano aus ins festlich geschmückte Bergdorf. Anwesend waren unter anderem die Staatsräte Giovanni Rossi und Cesare Mazza, die Grossräte Carlo Censi, Antonio Soldini und Americo Marazzi, der Ständerat Brenno Bertoni, die Nationalräte Alberto Vigizzi, Francesco Rusca und Antonio Galli, der Stadtpräsident von Bellinzona Arnaldo Bolla, der Stadtpräsident von Lugano Aldo Veladini und der Künstler Apollonio Pessina. Um 11:15 Uhr eröffnete Ezio Corecco, Sekretär des kantonalen liberalradikalen Komitees, den Anlass im Namen des Denkmalkomitees mit einer ersten Ansprache, in deren Verlauf er das Denkmal in die Obhut der Gemeinde Breno übergab. Giuseppe Grandi, Abgeordneter des Gemeinderats von Breno, nahm es dankend in Empfang. Sodann hielt Germano Bruni, ehemaliger Präsident des kantonalen Strafgerichts und enger Freund Oreste Gallacchis, die offizielle Festrede. Zum Schluss bedankte sich Virgilio Chiesa namens der Freunde und Bewunderer des Geehrten. In einem Festzug begab sich die Gemeinde hernach in den Kastanienhain bei der Pfarrkirche San Lorenzo, wo ein Bankett mit über 2000 Teilnehmern abgehalten wurde.L’imponente cerimonia di inaugurazione del monumento in memoria del cons. avv. Oreste Gallacchi. In: Gazzetta Ticinese. 31. Mai 1926, S. 1 f. (online).
Beschreibung Das Denkmal steht an der Piazza Franscini neben dem Gebäude der von Gallacchi mitgegründeten Sekundar- und Zeichenschule, das heute als Gemeindehaus (Casa comunale) dient.
Pessina führte formal den 1923 mit dem Rinaldo-Simen-Denkmal von Giuseppe Foglia im Tessin eingeführten Typus des horizontalen, exedraartigen Denkmals fort. Der Unterbau besteht aus einer halbkreisförmigen, dreistufigen Freitreppe mit radial verlegtem Pflaster. Seitlich begrenzen niedrige Brüstungen die Anlage. Als zentrales Element fungiert eine breite Rückwand, zu deren Füssen ein halbrundes Brunnenbecken steht. In ihrer Mitte steht ein zylindrischer Pfeiler, auf dem eine Bronzeplatte mit folgender Inschrift angebracht ist:
Zwei divergierende Röhren speisen das Becken mit Wasser. Auf dem Pfeiler ruht eine als überlebensgrosses Brustbild ausgearbeitete Bronzebüste Gallacchis. Seitlich sind zwei allegorische Bronzereliefs eingelassen, die links die Landwirtschaft (Agricoltura) und das Sparen (Risparmio), rechts die Bildung (Educazione) und die Künste (Arti) darstellen. Unter den Reliefs stehen die Namen der ebenfalls aus Breno stammenden Ingenieure Giovanni Gallacchi («ING. GIOV. GALLACCHI 1840–1916») und Teodoro Anastasia («ING. TEOD. ANASTASIA 1843–1892»).
Bedeutung Das Denkmal geht in seiner Intention über ein reines Verdienstdenkmal hinaus. Durch den Einbezug weiterer berühmter Söhne Brenos dient es auch als Gemeindedenkmal. Nicht zuletzt manifestiert es aber auch den umfassenden politisch-ideologischen Machtanspruch der Liberalen im Kanton Tessin, die seit ihrer Machtübernahme im Nachgang des Tessiner Putsches von 1890 kontinuierlich Denkmäler für hervorragende Repräsentanten errichten liessen. Dieses Programm beschränkte sich nicht auf die Städte Locarno (Pioda-Denkmal 1897), Lugano (Carlo-Battaglini-Denkmal 1921), Bellinzona (Rinaldo-Simen-Denkmal 1923) und Mendrisio (Luigi-Lavizzari-Denkmal 1900) oder grössere Gemeinden wie Biasca (Ambrogio-Bertoni-Denkmal 1899) oder Chiasso (Costantino-Bernasconi-Denkmal 1913), sondern drang von Anfang an auch in die entlegensten Täler vor, so die Leventina (Stefano-Franscini-Denkmal 1896), das Bleniotal (Plinio-Bolla-Denkmal 1898) und das Muggiotal (Emilio-Bossi-Denkmal 1931). Bei den Geehrten handelte es sich dabei mindestens um Staatsräte, zumeist hatten sie auch nationale Ämter innegehabt. Dass nun Oreste Gallacchi, der lediglich im Kantonsparlament gesessen hatte, ein derart imposantes Denkmal gewidmet wurde, stiess bei den anderen Parteien auf Unverständnis. Die katholisch-konservative Presse ignorierte es weitgehend. Das Parteiblatt der Sozialisten Libera Stampa schrieb anlässlich der Einweihung:
Siehe auch Liste von Denkmälern im Kanton Tessin
Literatur L’imponente cerimonia di inaugurazione del monumento in memoria del cons. avv. Oreste Gallacchi. In: Gazzetta Ticinese. 31. Mai 1926, S. 1 f. (online). Il monumento a Oreste Gallacchi. In: Libera Stampa. 31. Mai 1926, S. 3 (online).
Weblinks
Fotografien der Denkmaleinweihung 1926 auf lanostrastoria.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Denkmal in der Schweiz Kategorie:Alto Malcantone Kategorie:Bronzeskulptur (Schweiz) Kategorie:Skulptur (1926)