HonestReporting (HR) ist eine international tätige, pro-israelische Organisation für Medienmonitoring, die nach eigenen Angaben „Wahrheit, Integrität und Fairness“ in der Berichterstattung über Israel fördern und „ideologische Voreingenommenheit im Journalismus und in den Medien“ bekämpfen will, soweit sie Israel betrifft. Sie entstand um das Jahr 2000 aus einem von Angehörigen der ultraorthodoxen Missions-Bewegung Aish und einem Mitarbeiter der israelischen Botschaft aufgebauten Netzwerk von Mailinglisten, mit denen Proteste gegen als „antiisraelisch“ wahrgenommene Medienbeiträge koordiniert wurden. Im Lauf der 2000er Jahre baute HonestReporting umfangreiche Verteilerlisten und Social-Media-Kanäle auf und spezialisierte sich auf koordinierte Beschwerdekampagnen gegen Redaktionen.
Kritiker ordnen HR dagegen als Teil der „Israel-Lobby“ ein, der mit „Flak“-Kampagnen, Sprachregelungen und persönlichen Angriffen auf Medienschaffende arbeite, Kündigungen insbesondere palästinensischer Journalistinnen und Journalisten befördere und wiederholt interessengeleitete Propaganda oder Desinformation verbreite.
Gründung und politische Verflechtungen
Honest Reporting (HR) wurde nach Darstellung von Aish-Autoren um 2000 gegründet von drei führenden Mitgliedern von Aish und einem Mitarbeiter der israelischen Botschaft, die mit Mailinglisten versuchen wollten, Proteste gegen „antiisraelische“ Darstellungen in der Presse zu koordinieren und sie so zu forcieren.
Die zweite Generation der Führungsriege von HR und Honest Reporting Canada (HRC) ist enger mit dem israelischen Staat als mit Aish verbunden; HRs Exekutivdirektor Gil Hoffman bezeugte auch, dass HR sich in Whatsapp-Gruppen mit der israelischen Regierung abspreche.Siehe den Videobeleg in Vergleiche
Erste Erfolge und frühes Wachstum
Als ersten von HonestReporting selbst so bezeichneten und in der Forschung beschriebenen Erfolg verzeichnete HR im November 2000 mit nach eigenen Angaben noch unter 1000 Mailinglistenmitgliedern eine Kampagne gegen den Artikel Bible Stories von Brian Sewell im London Evening Standard. Sewell hatte sich in dieser Kolumne in Palästinenser eingefühlt und die israelische Besatzungspolitik kritisiert. Dabei hatte er auch geschrieben, der Holocaust werde von Juden instrumentalisiert, um Opposition zu neutralisieren, und die Formulierung „Internationales Judentum“ verwendet. HonestReporting warf ihm vor, mit dieser Wortwahl einen von Adolf Hitler verwendeten Begriff benutzt und Lynchmorde „gerechtfertigt“ zu haben, verbreitete daraufhin einen Formbrief für Unterstützer und rief dazu auf, sich bei der Redaktion zu beschweren. Nach „Hunderten“ von Protestbriefen und -mails verteidigte der Evening Standard Sewells Recht auf Meinungsäußerung und stellte sich auch inhaltlich hinter ihn,Max Hastings in entschied sich aber doch dazu, zur Aufarbeitung eine Gegenposition von Simon Sebag Montefiore (und eine kurze abweichende Stellungnahme von William Dalrymple) zu veröffentlichen.
Bereits zweieinhalb Monate später vermeldete HonestReporting, nunmehr 12.000 Mailinglisten-Mitglieder zu haben und 25.000 Empfänger anzuzielen. Einen Monat darauf entstand in den USA mit „Middle East Media Watch“ (später „Media Watch International“) eine organisatorisch verbundene Nonprofit-Organisation, deren Direktor Sharon Tzur noch im selben Jahr von den Cleveland Jewish News zu einem der 30 einflussreichsten amerikanischen Juden gezählt wurde.
Mit wachsender Reichweite erzielte HonestReporting 2001 mehrere noch deutlichere Erfolge als noch im Vorjahr. So veranlasste die Organisation etwa die BBC, statt von einer „Ermordung von Palästinensern“ von „gezielter Tötung“ zu sprechen. Auch bei CNN führte eine Beschwerdewelle – laut HR zeitweise mehrere tausend E-Mails pro TagVergleiche – dazu, dass der Sender die Beschreibung von Gilo änderte und das Gebiet fortan als „Wohnquartier am Stadtrand Jerusalems“ bezeichnete, nicht mehr als „Siedlung“.Vergleiche auch Nach Einschätzung von Robert Fisk überschritt CNN damit endgültig die Grenze redaktioneller Stilfragen und verbreitete eine glatte Unwahrheit.
Im Folgejahr berichtete Sven Omdal aus Norwegen, die HR-Mailingliste sei inzwischen auf rund 30.000 Empfänger angewachsen und überschwemme Redaktionen aller großen US-amerikanischen und europäischen Medien mit Kritik. Noch ein Jahr später entstand mit HonestReporting Canada ein weiterer nationaler Ableger, und 2006 wurde HonestReporting in Israel als unabhängige Nonprofit-Organisation registriert. Im selben Jahr gab HR an, ihre Verteilerliste umfasse inzwischen rund 140.000 Abonnenten.Vergleiche HonestReporting Canada wurde 2019 außerdem erweitert um die Hilfsorganisation „HR Canada Charitable Organization“, an die steuerbegünstigt gespendet werden kann.
Strategie
Wie bei den ersten Erfolgen setzt HonestReporting eine Strategie koordinierter, kampagnenartiger Medienkritik ein, die in der Kommunikationswissenschaft als „Flak“ bezeichnet wird und darauf abzielt, durch massierte Kritik Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen.Ähnlich Sut Jhally, Bathsheba Ratzkoff: Hierzu nutzt die Organisation vor allem im anglophonen Raum ihre umfangreichen Mailinglisten und später auch Social-Media-Kanäle, deren Mitglieder und Follower bei als fehlerhaft oder einseitig bewerteten Beiträgen durch massenhaft versandte Nachrichten („Mailbombing“) Druck auf Redaktionen ausüben sollen. Verstärkung erfährt dieses Vorgehen durch Medien, die HR-Kritiken regelmäßig aufgreifen, etwa die Wochenzeitung Algemeiner,Vergleiche die Jerusalem Post, der britische Telegraph oder der US-Sender Fox News. Hinzu kommen Studierende, die von HonestReporting Canada (HRC) für entsprechende Medienkritiken honoriert werden, teilweise mit Weiterveröffentlichung in wieder anderen Zeitungen.
Kurzfristig zielen solche Kampagnen darauf ab, beanstandete Formulierungen oder Inhalte zu ändern. Mittelfristig strebt HR an, Redaktionen zu einem dauerhaften Austausch mit HR zu zwingen, damit diese die HR-Perspektive auf den Nahostkonflikt in ihre Berichterstattung einbeziehen.Vergleiche (34:41 min) HonestReporting Canada benennt als Beispiele für diese HR-Perspektive explizite sprachliche Präferenzen, etwa die Ersetzung von „besetzte Gebiete“ durch „umstrittene Gebiete“, die Vermeidung der Begriffe „illegal“ und „Siedlung“ für israelische Siedlungen oder die Beschreibung von Hamas und Hezbollah als „terroristisch“ statt „militant“.Vergleiche dazu
Als erwünschter Nebeneffekt solcher Kampagnen werden auf den HR-Websites wiederholt Entlassungen von Journalistinnen und Journalisten – häufig palästinensischer Herkunft – als Erfolge hervorgehoben. Eine weitere Nebenfolge ist ein Chilling Effekt, bei dem Redaktionen Berichterstattung zu Israel/Palästina aus Angst vor Beschwerdewellen gleich ganz vermeiden.Samira Mohyeddin und Éric-Pierre Champagne in Shenaz Kermalli in
Kritik Wegen der klaren politischen Ausrichtung und der Tatsache, dass im Rahmen von HR-Kampagnen versandte Zuschriften teils von Beleidigungen bis hin zu Todesdrohungen reichen, ordnen Kritiker die Organisation nicht als Medienmonitoring-Projekt ein, sondern als der „Israel-Lobby“ zurechenbare Gruppe, die durch Belästigungs- und Hasskampagnen eine adäquate Darstellung des Nahostkonflikts in den Medien verhindern wolle.Zum Beispiel
Ein Teil der HR-Kritiken wird als gerechtfertigt eingestuft, andere hingegen als interessegeleitete Propaganda oder Desinformation bewertet.Zum Beispiel So übte HR beispielsweise wiederholt Druck aus, wenn eine Zeitung die palästinensischen Gebiete als „Palästina“ bezeichnete.Vergleiche zum Beispiel Die Organisation führt zudem eine eigene Rubrik zu „Pallywood“,Vergleiche zu einzelnen Meldungen einer durch Forschung und von Faktencheckern als Verschwörungstheorie eingeordneten Darstellung. Im Kontext des Gazakriegs ab 2023 veröffentlichte HR Beiträge, in denen der Hunger in Gaza bestritten wurde,Vergleiche was ebenfalls vielfach als Desinformation eingeordnet wurde.Zum Beispiel
Besonders stark rezipiert wurde im selben Kontext, als HR ohne belastbare BelegeZum einzigen Indiz – einem Video, auf dem einer der Journalisten angeblich mit einer Granate spielte (siehe ) – vergleiche die Frage aufwarf, ob vier Fotojournalisten, die frühe Bilder des Terrorangriff vom 7. Oktober aufgenommen hatten, „im Voraus“ von dem Angriff gewusst haben könnten.Vergleiche Führende israelische Politiker wie Benjamin Netanjahu und Benny Gantz griffen diese Darstellung auf; Danny Danon kündigte an, die Journalisten würden „eliminiert“ werden.Vergleiche Die New York Times bezeichnete den unbelegten Vorwurf als „leichtsinnig“, da er die Betroffenen gefährde.Vergleiche Über einen der Journalisten, Hassan Eslaieh, veröffentlichte HR in den folgenden Monaten noch acht weitere Beiträge. Nachdem die IDF Eslaieh im April 2025 bei einem Angriff auf das Nasser-Krankenhaus getötet hatten,Vergleiche erklärten sie, er sei „ein als Journalist getarnter Terrorist“ gewesen; diese Darstellung wurde anschließend auch von mehreren israelischen Medien übernommen.Zum Beispiel Shenaz Kermalli in
Literatur
Weblinks honestreporting.com honestreporting.ca
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Medienkritik Kategorie:Zionistische Organisation Kategorie:Interessenverband Kategorie:Verbandsgründung 2000