mini|Roger Shimomura (2009) Roger Yutaka Shimomura (* 26. Juni 1939 in Seattle, Washington) ist ein US-amerikanischer Maler, Grafiker, Performancekünstler, Hochschullehrer und Sammler. Als Angehöriger der dritten japanisch-amerikanischen Generation (Sansei) wurde er insbesondere durch Werke bekannt, in denen er die Bildsprache der Pop-Art mit Elementen traditioneller japanischer Ukiyo-e-Holzschnitte, Comicfiguren und anderen Symbolen der Popkultur verbindet. Ein wiederkehrendes Hauptthema seines Œuvres ist die Darstellung von Stereotypisierung und Rassismus in den Vereinigten Staaten sowie die Geschichte seiner Familie, die während des Zweiten Weltkriegs im Puyallup Assembly Center und im Minidoka-Internierungslager inhaftiert war.
Leben Roger Shimomura wurde 1939 in Seattle geboren. Seine Großeltern waren Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA eingewandert. Nach dem Erlass der Executive Order 9066 wurde seine Familie 1942 zunächst in das Puyallup Assembly Center in Washington und später in das Internierungslager Minidoka im Süden Idahos gebracht. Seine Schwester Carolyn wurde im Lager geboren und starb im Alter von zwei Jahren an Meningitis. Diese Erfahrungen bilden eine wesentliche Grundlage für Roger Shimomuras späteres künstlerisches Werk, unter anderem für die Serien Diary (1980) und An American Diary (2002–2003), für die er auf die Tagebücher seiner Großmutter Toku Shimomura zurückgriff. Toku Shimomura war eine angesehene Hebamme in Seattle und brachte über 1000 Kinder zur Welt, darunter auch ihren Enkel Roger. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Seattle zurück, wo sein Vater bei der Joseph Hart Pharmacy arbeitete. Shimomura besuchte die Garfield High School und schloss 1961 ein Studium im Fach Grafikdesign an der University of Washington ab. Er war verpflichtet, am Reserve Officers’ Training Corps (ROTC) teilzunehmen, welches er als Distinguished Military Graduate abschloss. Von 1962 bis 1964 diente er in der Artillerie der US-Armee (First Cavalry Division) in Korea und in Fort Lewis, Washington.
Nach dem Militärdienst arbeitete Roger Shimomura drei Jahre als Grafiker, unter anderem für den Polynesian Pavilion auf der Weltausstellung 1964 in New York. Da er mit der Arbeit im kommerziellen Design unzufrieden war, belegte er Malereikurse an der University of Washington. Beeindruckt von den Einflüssen der nordkalifornischen Funk Art sowie der Bay Area Figurative School fand er zu einer Verbindung von Malerei und Pop-Ikonografie in seiner Bildsprache. An der Syracuse University erwarb Shimomura 1969 den Master of Fine Arts. Während dieser Zeit beschäftigte er sich zusätzlich mit Film und Performancekunst und begann systematisch, Alltagsobjekte zu sammeln, darunter Werbung aus Karton, Disney-Memorabilia aus der Vorkriegszeit und alte Coca-Cola-Automaten. Von 1969 bis 2004 war Roger Shimomura Professor für Kunst an der University of Kansas in Lawrence. In dieser Zeit entwickelte er sein künstlerisches Werk weiter und wurde mehrfach ausgezeichnet. So wurde er 1994 zum Distinguished Professor ernannt und 2006 als Distinguished Alumnus der University of Washington geehrt.
Roger Shimomura spendete zahlreiche Materialien zu seiner Familiengeschichte an Institutionen der Smithsonian Institution, darunter die Tagebücher seiner Großmutter. Seine große Sammlung von Objekten zu rassistischen Darstellungen und Stereotypen übergab er 2008 dem Wing Luke Museum in Seattle. Zudem übergab er Werke und Dokumente zur Internierung an das National Museum of American History und an das Archives of American Art.
Werk Seit den frühen 1970er Jahren nutzte Roger Shimomura Elemente der Ukiyo-e-Holzschnitttradition, kombiniert mit der Ästhetik der Pop-Art. 1971 entstand Oriental Masterpiece #1, in dem er traditionelle japanische Motive – u. a. den Fuji, eine Kurtisane und eine Teufelsfigur – in einem comicartigen Stil miteinander verband. Mit der Serie Minidoka (1978–1979) thematisierte Shimomura erstmals in größerem Umfang Erfahrungen aus dem Internierungslager. Spätere Arbeiten wie Minidoka on My Mind (2006–2010) griffen das Thema noch direkter und in großformatiger, ungeschönter Darstellung der Lagerbedingungen auf. In den Tagebuchserien Diary (1980) und An American Diary (2002–2003) integrierte er Auszüge aus den Tagebüchern seiner Großmutter Toku. Zwischen 1985 und 1987 entstand die Performance-Reihe Seven Kabuki Plays, die auf Gedichten, Liedern und Erzählungen seiner Großmutter basiert. Im Laufe der 1980er und 1990er Jahre baute Shimomura zunehmend Elemente aus Comics, Disney-Figuren, Film- und Popikonen in seine Arbeiten ein. Durch diese kulturellen Mash-ups hinterfragte er wiederholt rassistische Stereotype und die Wahrnehmung asiatisch-amerikanischer Identität in den USA.
In der Serie American Knockoff (2006–2013) befasste er sich mit den Erscheinungsbildern asiatischstämmiger Amerikaner und den ihnen von anderen zugeschriebenen Eigenschaften. Das Gemälde An American in Disguise zeigt ihn selbst in einem Kimono über einem Superman-T-Shirt. Das Bild Not Pearl Harbor (2012) stellte stereotype Darstellungen von Japanern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs mit Vorurteilen gegenüber Personen aus dem Nahen Osten nach dem 11. September 2001 gegenüber.
Weblinks
Densho Encyclopedia Densho Digital Archive Smithsonian American Art Museum The University of Kansas Whitney Museum of American Art Roger Shimomura : an American diary
Einzelnachweise
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