Die Serie der Monatsbilder ist eine 12-teilige Serie des deutschen Barockkünstlers Joachim von Sandrart. Sie umfasst eine allegorische Darstellung der 12 Monate, die typische Berufe, Motive und Handlungen darstellt. Aktuell wird die gesamte Serie ausgestellt in der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim.
Die Werke wurden zwischen 1641 und 1643 für den Auftraggeber Kurfürst Maximilian I. für das Alte Schloss Schleißheim angefertigt, wo sie mit sechs weiteren Werken, dem Tag und der Nacht sowie den Vier Winden, ausgestellt wurden.
Umfang der Serie
Übersicht und Datierung Monat dargestellte Figur Vordergrund Hintergrund DatierungJanuaralter MannStillleben mit Brot, Schinken und BuchWinterlandschaft mit Schnepfenjagd1642FebruarKochKüchentisch mit Fleisch, Geflügel und Gerätenfeiernde Gesellschaft1642MärzFischer bzw. FischhändlerStillleben mit Fischen und SchalentierenMeer mit Schiff und Sturm1642Apriljunger Mann -geteilter Hintergrund: Bauernhof und Schlosspark1643Maijunge FrauBlumenVischhaus des Münchner Hofgartens mit Zwillings-Putten1641–1643Junialter SchafschererSchaf (Tiermalerei)Berglandschaft mit Wollfärberei1642Julijunge Bäuerin -Landschaft mit Falkenjagd und Heuernte1642Augustalter Bauer -Berglandschaft mit erntenden Bauern1641–1643Septemberjunge MarktverkäuferinStillleben mit Obst und GemüseWaldlandschaft mit Hirschjagd1641–1643OktoberBacchus mit Gefährten -geteilter Hintergrund: Weinzubereitung und Bauernfest1641–1643Novemberjunger JägerWindhundHerbstlandschaft mit Wildschweinjagd und dem Schloss Stockau1643Dezemberalte FrauVanitas-StillebenTisch mit Steinbock-Sternzeichen1642 Einzelne Datierungen Januar, März, Juni, November, Dezember Februar, April, Mai, Juli, August, September, Oktober
Trivia Das Geschlechterverhältnis der Figuren (m-w) beträgt 8-4. Das Verhältnis des Alters der Figuren (jugendlich – mittleres Alter – fortgeschrittenes Alter) beträgt 5-3-4. Die Hälfte der Figuren baut einen Blickkontakt zum Betrachter auf.
Auftraggeberschaft und Ausstellungshistorie Entstanden ist die Serie im Auftrag des damaligen Kurfürsten Maximilian I., nachdem Sandrart diesen 1641 in München porträtiert hatte. Insgesamt fertigte Sandrart 18 Gemälde für den Kurfürsten an, die die zwölf Monate, den Tag und die Nacht sowie die vier Winde zeigen. Die Bilderserie der zwölf Monate ist laut der Fachliteratur innerhalb von zwei Jahren angefertigt worden. Heute befinden sich noch 14 der ursprünglich 18 Bilder in Schleißheim. Die vier fehlenden Winde wurden 1869 in Augsburg versteigert, dadurch ist ihr aktueller Standort unbekannt.
Ursprünglich waren die Werke für den Hauptsaal bzw. Fest- und Speisesaal des alten Schloss Schleißheim vorgesehen, wo sie auch um 1715 schriftlich erfasst wurden. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte erfolgten jedoch mehrere Änderungen bezüglich der Hängung der Bilder. Zunächst wurden sie innerhalb des 18. Jahrhunderts im Inventar des neuen Schlosses Schleißheim entdeckt, dort zierten sie das Audienzzimmer des Kurfürsten. Um 1780 wurden die Monate in die Schleißheimer Hofgarten-Galerie verlegt, wo sie bis 1836 hingen. Anschließend wurde die Serie in der Alten Pinakothek ausgestellt, bis sie 1870 wieder in Schleißheim angekommen war und dort in der großen Galerie des neuen Schlosses ausgestellt wurde. Dort kann man sie bis heute sehen.
An ihrem ursprünglich vorgesehenen Ort im alten Schloss ersetzten die 18 Gemälde eine Serie antiker Kaiser, die passend zum Portrait von Kaiser Ferdinand II. und seiner Gemahlin nach dem Schwedeneinfall den Saal zierten.
Anordnung der Bilder im Saal laut Fachliteratur Zwölf Monate: an der Längsseite zwischen den Türen Zwei Tageszeiten: als Supraporten über den Portalen zum Garten/Hof Vier Winde: neben den Tageszeiten in den beiden Nischen über den Fenstern
Einzelbeschreibung und Deutung Januar Bildbeschreibung Eingeleitet wird die Serie mit dem Bild eines alten Mannes, der zentral im Werk sitzt und zum Betrachter blickt. Er ist nach rechts gedreht und streckt seine Arme aus, um sich an dem am Bildrand zu sehenden Kamin zu wärmen. In der linken unteren Bildecke befindet sich ein kleiner Beistelltisch, das darauf liegende Essen sowie ein Zettel bilden ein Stillleben im Werk und werden dadurch zum Beiwerk. Durch die Falten auf seiner Stirn und den langen, grauen Bart wird das Alter der Figur sichtbar. Er trägt einen langen, blau-grünen Mantel sowie eine Pelzmütze. Am rechten Bildrand sind die Flammen des Kaminfeuers zu erkennen, über dem Kamin hängt ein Bündel getrocknetes Gemüse. Ein Kontrast zu dieser Wärme entsteht durch die linke Bildhälfte des Hintergrunds; hinter dem Mann ist eine offene Tür zu sehen, durch sie hindurch erhält der Betrachter einen Blick auf die kalte Jahreszeit sowie einige Jäger, die sich gerade auf Schnepfenjagd befinden. Über dem Türrahmen ist das Sternzeichen Wassermann nur schwer zu erkennen.
Deutung der Allegorie Der Januar stellt sich dem Bild des Dezembers gegenüber: Während der Dezember noch das Jahr beendet, leitet der Januar das neue Jahr ein. Aus astrologischer Sicht verkörpert das Sternzeichen Wassermann die ersten Anzeichen des nahenden Frühlings. Schrittweise bewegt sich der Mensch aus der kalten Jahreszeit in die wärmere Jahreshälfte. Sichtbar wird dies in der Körperhaltung der Figur, indem der alte Mann seinen Rücken zur offenen Tür, somit dem Winter, richtet und seine Hände zum Wärme spendenden Feuer seines Kamins hebt. Der alte Mann muss sich noch etwas gedulden, bis der Frühling eintrifft und endgültig die kalte Jahreszeit beendet.
In der Fachliteratur wird die These vertreten, dass der Künstler bei der Anfertigung des Werks Inspiration von dem bereits bestehenden Werk „Winter“ von Hendrick Bloemaert, hinsichtlich Typus, Gewand und Stellung, genommen hatte. Auch lässt sich ein Vergleich zu Bloemaerts Darstellung des Plato, im Werk „Plato von Diogenes verhöhnt“ finden; in ihrer Aufmachung erscheint Sandrarts Figur des alten Mannes nahezu identisch zu jener bei Bloemaerts, obschon die Werke nicht das gleiche Bildthema präsentieren. Auch die Raumgestaltung in beiden Gemälden ähnelt sich sichtbar.
Februar Bildbeschreibung Der Protagonist des Werks ist der opulente und stark beschäftigte Koch, die Verkörperung des Februars. Vor ihm befindet sich ein vollbepackter, mit verschiedenen Fleischprodukten beladener Tisch, der zum einen seine untere Körperhälfte verdeckt und zugleich den größten Teil der linken Bildhälfte einnimmt. Das gerupfte Geflügel und die großen Fleischstücke türmen sich, wodurch der Tisch kaum noch zu erkennen ist. Unter dem Berg an Zutaten lässt sich am mittleren unteren Bildrand noch ein Küchenwerkzeug erahnen. Der Vordergrund als Stillleben dient auch hier als Beiwerk zur primär dargestellten Szene. Zentral im Werk ist der Koch in seiner rot-weißen Arbeitskleidung zu sehen, leicht nach hinten geneigt hält er eine Geflügelpastete in den Händen und blickt zum Betrachter. Auffällig ist die gesamte runde Komposition des Kochs. Die hinter der Figur zu erkennende Wand zeigt am linken Bildrand einen offenen Kamin, über dessen Feuer bereits weiteres Geflügel geröstet wird. Mittig über der Figur lassen sich zwei Fische an der Wand erahnen, die das Sternzeichen Fische repräsentieren. Zum rechten Bildrand ergibt sich ein Türbogen, durch den eine festlich feiernde Gemeinschaft zu sehen ist, für die der Koch das Festmahl zubereitet.
Deutung der Allegorie Die Darstellung von aufgetürmten Fleisch sowie Köchen in rustikaler Umgebung war bereits vor Sandrart vorhanden, wichtig hierbei ist das Werk von Pieter Aertsen. Er malte zahlreiche Werke, in denen Fleisch bzw. andere Lebensmittel eine Rolle spielen, was sich eventuell auch auf weitere Werke der Serie wie den September ausgewirkt hat. Für die Allegorie des Februars ist aber das Werk „The Fat Kitchen. An Allegory“ am relevantesten. Beide Werke umfassen das Thema der „fetten Küch“, der fleischhaltigen Zeit vor dem 40-tägigem Fasten des Christentums. In Aertens Werk lässt sich eine Art Übergang dieser Zeiten feststellen: der Tisch mit aufgereihtem Essen im Vordergrund ist auf der rechten Seite mit Fleisch und Käse beladen, im Verlauf nach links wird dieser durch ein langes, hängendes Fleischteil mittig geteilt. Links von dieser Teilung ist nun weder Fleisch noch Käse zu sehen, stattdessen liegt dort nun Obst und Gemüse sowie Fisch. Dieser Übergang von der fetten Zeit zur Fastenzeit lässt sich bei Sandrart in der Folge vom Februar zum März beobachten. Auf den rundlichen, herzlichen Koch in seiner warmen Küche folgt der schmalere, mit kantigen Gesichtszügen dargestellte Verkäufer, umgeben von leblosen Fischfang und dunklen Mauern.
März Bildbeschreibung Der März greift das Thema des Essens vom vorherigen Monat auf und führt dieses weiter. Im Vordergrund befindet sich ein reichlich gefüllter Tisch mit allerlei frischem Fisch, Krabben und Muscheln, die als Stillleben das Beiwerk des Werkes bilden. Die Darstellung der Fischwaren erfolgt mit vielen Details, sodass es gar ein eigenes Werk sein könnte. Das Beiwerk nimmt rund 40 % des Bildes ein, wodurch der Fischer als Halbfigur dargestellt wird. Der Fischer als zentrales Bildobjekt blickt auf seine Ware hinunter, in seinem Mund steckt eine Tabakspfeife und seine linke Hand ist in seinen Mantel gesteckt. Rechts von der Figur hängen weitere Fische, wobei diese bereits getrocknet wurden. An der Mitte des oberen Bildrandes lässt sich gerade das Sternzeichen Widder ausmachen, das in späteren Reproduktionen besser zu erkennen ist. Zum linken Bildrand aufschwingend ist ein Torbogen, der den Blick zum Hintergrund öffnet. In diesem befindet sich ein Schiff auf stürmischer See, mit hohen Wellen und dunklen Wolken, aus denen sich ein Blitz zum Schiff bahnt und dieses zu kentern droht. Die Dramatik im Hintergrund steht im Kontrast zum alltäglichen Gefühl und den leblosen Fischen des Vorder- und Mittelgrunds.
Deutung der Allegorie In seiner Bedeutung folgt der März direkt auf den Februar, indem er die Fastenzeit bzw. die magere Zeit repräsentiert. Auf den reich gefüllten Tisch mit Fleisch folgt die Darstellung des magereren Fisch, auf die Wärme der Küche und der festlichen Stimmung folgt der kalt-feuchte Fischstand eines gewöhnlichen Marktplatzes. Die Euphorie der im Hintergrund gezeigten Feier des Februars wird nun ersetzt durch die dramatische Szene eines Schiffes auf stürmischer See. Auch die Figuren selbst zeigen diesen Kontrast auf. Wo noch der Koch alle Hände voll zu tun hat und sich besonders aktiv in seiner Tätigkeit zeigt, sieht man den Fischverkäufer ruhig wenn nicht gar träge in seiner Tätigkeit am Markt. Im Sinne der antiken Temperamentenlehre könnte man die Figur des März als Phlegmatiker kategorisieren, nur gilt dieses Persönlichkeitsmodell heutzutage als überholt, ebenso wie das repräsentierte Sternbild Widder nicht zu der kategorischen Einordnung als Phlegmatiker passt. Vielmehr sind die Werke des Februars und des März ein Zusammenspiel, die den Wechsel der fetten Zeit auf die magere Zeit anhand mehrerer Kontraste darzustellen.
Übersicht der Kontraste zwischen den Allegorien Februar und März Fleisch und Fisch opulenter und schmaler Körperbau der Männer warme Küche und kalter Marktstand aktiver Koch und passiver Verkäufer festliche Gemeinschaft und fast untergehendes Schiff
April Bildbeschreibung