Die Klasse 540 der Glasgow and South Western Railway (G&SWR), auch Baltic Class bekannt, umfasste sechs leistungsstarke Tenderlokomotiven für den Schnellzugdienst mit der Achsfolge 2’C2’, die in Europa als Baltic bezeichnet wurde. Die Lokomotive wurden 1922 von Robert Whitelegg entworfen und bei der North British Locomotive Company (NBL) in Glasgow gefertigt.

Die Baureihe war die letzte, die für die G&SWR entworfen wurde, bevor die Bahngesellschaft 1923 in die London, Midland and Scottish Railway (LMS) eingegliedert wurde. Mit ihrer hohen Zugkraft und fortschrittlichen Konstruktion galten die Lokomotiven der Klasse 540 als die leistungsfähigsten, die jemals für die G&SWR gebaut wurden.

Offiziell führte die G&SWR die Bezeichnung Baltic Class in Anlehnung an die Achsfolge ein. Im Betriebsalltag waren die Maschinen jedoch unter dem Spitznamen Big Pugs bekannt.

Geschichte Die Klasse 540 basierte auf der von Whitelegg bei der London, Tilbury and Southend Railway (LT&SR) eingeführte Klasse 2100, der ersten in Großbritannien gebauten Lokomotiven mit der Baltic-Achsfolge. Die Klasse 540 war für den Schnellzugdienst auf den Strecken von Glasgow St Enoch zu den Seebädern an der Ayrshire-Küste und nach Kilmarnock vorgesehen.

Die sechs Lokomotiven mit den Fabriknummern 22886 bis 22891 wurden 1922 in den Hyde Park Works der North British Locomotive Company (NBL) in Glasgow gefertigt. Als Flaggschiff der G&SWR wurde die Baureihe von der Werbeabteilung der Bahngesellschaft gezielt in Szene gesetzt. Die offizielle Bezeichnung Baltic Class bezog sich auf die Achsfolge, die in Europa unter diesem Namen bekannt war. Im Betriebsalltag trugen die Lokomotiven jedoch den Spitznamen Big Pugs, eine umgangssprachliche Bezeichnung für bullige Tenderlokomotiven, die sich vermutlich von der stupsnasigen, kurzbeinigen Hunderasse Pug (deutsch Mops) ableitet.

Technisch überzeugten die Maschinen durch hohe Leistung und hochwertige Verarbeitung, waren jedoch auch wartungsintensiv und damit kostenintensiv im Betrieb. Nach der Eisenbahngruppierung von 1923 wurden sie von der London, Midland and Scottish Railway (LMS) übernommen und erhielten die Betriebsnummern 15400 bis 15404. Bereits 1935 und 1936 erfolgte jedoch ihre Ausmusterung, da sich eine kostspielige Kesselrevision wirtschaftlich nicht mehr rechtfertigen ließ. Es ist keine Lokomotive erhalten geblieben.

Technik

Die Heißdampf-Tenderlokomotiven besaßen die Achsfolge 2’C2’, bestehend aus drei Kuppelachsen sowie je einem führenden und einem nachlaufenden Drehgestell. Beide Drehgestelle hatten ein Seitenspiel von ±70 mm. Der Antrieb erfolgte über zwei außenliegende Zylinder, die auf die mittlere Kuppelachse wirkten. Die Steuerung war als außenliegende Walschaerts-Steuerung mit Kolbenschiebern der Bauart Allen & Simmonds ausgeführt. Die Schieber hatten einen Durchmesser von 254 mm (10 Zoll). Der Überhitzer der Bauart Robinson bestand aus 21 Elementen, mit einer gesamten Heizfläche von 23,7 m².

Die Lokomotiven waren ursprünglich in einem auffälligen Farbschema lackiert: hellgrüne Wasserkästen, ein lindengrüner Kessel und eine schwarze Rauchkammer verliehen ihnen ein markantes Erscheinungsbild. Nach der Übernahme durch die London, Midland and Scottish Railway (LMS) verloren sie diesen grünen Anstrich. Zunächst erhielten sie den Anstrich in Karminrot (Crimson Lake livery) der Midland Railway (MR), die ebenfalls 1922 in die LMS eingegliedert worden war. In späteren Jahren wurden die Maschinen in das LMS-typische Schwarz mit Zierlinien umlackiert.

Einzelnachweise

Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge 2C2 Kategorie:Schienenfahrzeug (North British Locomotive Company) 540