Fundidesulfovibrio putealis ist eine Bakterienart. Sie wurde in 430 Meter Tiefe im Pariser Becken gefunden und zunächst zur Gattung Desulfovibrio als Desulfovibrio putealis zugeordnet.

Merkmale Die Zellen von Fundidesulfovibrio putealis sind mittels eines polar gelegenen Flagellums beweglich. Die Zellen sind gekrümmte Stäbchen. Die Zellgröße liegt bei 0,7 × 2,3–4,1 μm.

Stoffwechsel und Wachstum Die Art Fundidesulfovibrio putealis ist streng anaerob, das Bakterium toleriert also keinen Sauerstoff. Es zeigt sowohl die Gärung und auch die Sulfatatmung als Stoffwechselwege zur Energiegewinnung. Bei der Sulfatatmung werden die folgenden Substrate als Energie- und Kohlenstoffquellen verwendet: Lactat, Pyruvat, Malat, Fumarat und Glycin. Auch Ethanol und n-Butanol kann Fundidesulfovibrio putealis mit Sulfat zu den entsprechenden Carbonsäuren (Acetat und Butansäure) oxidieren. Die organischen Verbindungen werden unvollständig zu Acetat oxidiert. Sulfit und Thiosulfat werden ebenfalls als Elektronenakzeptoren in Gegenwart von Lactat verwendet.

Wenn keine Schwefelverbindungen vorhanden sind, kann eine Gärung mit Pyruvat, Malat und Fumarat stattfinden.

Fundidesulfovibrio putealis kann auch Wasserstoff (H2) in der Gegenwart von Acetat nutzen. Hierbei wird Wasserstoff gespalten und Acetat dient als organische Kohlenstoffquelle und als Elektronendonor. Aufgrund der Spaltung von Wasserstoff wird auch die Bezeichnung Knallgasreaktion angewendet und diese Bakterien als Knallgasbakterien bezeichnet. Andere Knallgasbakterien sind z. B. Derxia gummosa, Bradyrhizobium japonicum und Hydrogenobacter thermophilus. Da Fundidesulfovibrio putealis hierbei noch die organische Säure Acetat benötigt, ist diese Atmung nicht autotroph, es handelt sich um ein chemolithoheterotropes Wachstum. Bei der verwandten Art F. butyratiphilus wurde hierbei allerdings chemolithoautotrophes Wachstum mit CO2 als Elektronenakzeptor beschrieben.

Systematik Die Bakterienart Fundidesulfovibrio putealis wurde zuerst im Januar 2005 beschrieben und zu diesem Zeitpunkt der Gattung Desulfovibrio zugeordnet (Desulfovibrio putealis). Im Jahr 2020 wurde die Art von Waite und Mitarbeitern der neu aufgestellten Gattung Fundidesulfovibrio zugeteilt. Der Gattungsname beruht auf dem lateinischen Wort "fundus", was soviel wie Boden oder Fundament bedeutet und weist auf den Fundort in 430 Meter Tiefe hin. "Sulphur" bedeutet Schwefel, "Desulfo" deutet auf den Stoffwechsel hin, wobei Schwefel reduziert wird. Der Artname F. putealis kommt auch aus dem Lateinischen und heißt soviel wie "von einem Brunnen" und weist auf den Fundort hin, die Isolation stammt aus dem Grundwasser im Pariser Becken.

Neben Fundidesulfovibrio putealis waren im Januar 2026 noch fünf weitere Arten der Gattung Fundidesulfovibrio bekannt:

Fundidesulfovibrio agrisoli Fundidesulfovibrio butyratiphilus Fundidesulfovibrio magnetotacticus Fundidesulfovibrio soli Fundidesulfovibrio terrae

Ökologie Sulfatreduzierender Bakterien wurden aus einer Vielzahl von Umgebungen isoliert, darunter Süß-, Salz- und hypersaline Gewässer oder Sedimente, sowohl aus oberirdischen als auch unterirdischen Ökosystemen. Stämme der Gattung Desulfovibrio, zu der Fundidesulfovibrio putealis zuerst gestellt wurde, wurden in solchen Lebensräumen häufig isoliert und seit Mitte der 90'ziger wurde eine große Anzahl neuer Desulfovibrio-Arten beschrieben. Fundidesulfovibrio putealis stammt aus einer unterirdischen Grundwasserprobe, woraus mehrere Stämme isoliert wurden. Es handelt sich um 430 Meter tiefem Grundwasser aus dem Pariser Becken in Frankreich. Lebewesen, die in solchen Tiefen vorkommen, werden als Endolithen bezeichnet. Diese Lebewesen sind auch von Interesse für die Astrobiologie, den solche unterirdischen Lebensräume existieren eventuell auch in ähnlicher Form auf dem Mars und möglicherweise auch auf anderen Planeten unseres Sonnensystems, selbst dort, wo die Oberfläche für flüssiges Wasser zu kalt ist.Jeffrey Bennett, Seth Shostak, Nicholas Schneider, Meredith MacGregor: Life in the Universe, 5th Edition. Princeton University Press. ISBN 978-0-691-25813-3

Die Zellen enthalten Desulfoviridin, eine dissimilatorischen Sulfit-Reduktase (dSiR). Dieses Enzym dient dazu, innerhalb der Sulfatatmung Sulfit zu H2S reduzieren. Andere dSiRs sind zum Beispiel Desulforubidin (hauptsächlich bei der Ordnung Desulfobulbaceae) und Desulfofuscidin (z. B. bei Thermodesulforhabdus der Syntrophobacteraceae).

Einzelnachweise Alexander Galushko und Jan Kuever: Fundidesulfovibrio (2020) In:

Literatur Alexander Galushko und Jan Kuever: Fundidesulfovibrio (2020) In:

Kategorie:Bakterien Kategorie:Bacteria