Glenmutchkin Railway ist eine satirische Erzählung von William Edmonstoune Aytoun über eine fiktionale Eisenbahngesellschaft, die während der großen Eisenbahnmanie im 19. Jahrhundert spielt. mini|William Aytoun

Geschichte

Die große Eisenbahnmanie Die große Eisenbahnmanie (The Great Railway Mania) war eine finanzielle Blase in den 1830/40er Jahren, in der unzählige Eisenbahnlinien in Großbritannien gegründet wurde, von denen die meisten entweder nie realisiert wurden oder bald wieder eingestellt wurden mangels Rentabilität. Auslöser war die erfolgreiche Eröffnung der Stockton and Darlington Railway im Jahr 1825. Danach hob das britische Parlament Vorschriften auf, die die Gründung von Eisenbahnlinien reglementierten. Das Ergebnis war ein Boom an neu gegründeten Linien, deren Hauptzweck meist darin lag, Aktien auszugeben und das Kapital einzustreichen.

Inhalt der Erzählung

Die Eisenbahnlinie Glenmutchkin ist ein fiktiver Ort in Schottland, erfunden von den Protagonisten Augustus Dunshunner und Robert McCorkindale. Der Ort soll nahe der Westküste der Highlands liegen, reich an Fischgewässern sein und eine Whisky-Destillerie haben. Bonnie Prince Charlie soll hier eine Schlacht gegen Macgrugar of Glengrugar, ebenfalls eine fiktive Person, und seinen Clan geschlagen haben. Die Eisenbahnlinie sollte das Tal von Glenmutchkin durchqueren und dem Transport von Tieren und Menschen dienen. Glenmutchkin wurde als eine der größten Viehzuchtstationen in den Highlands dargestellt. Um die neue Linie seien mehr als 200.000 Acres Land für die Viehzucht verfügbar, man könnte mit 4 Mio. Tieren jährlich für den Transport in den Süden rechen. Außerdem sei das Tal ein reicher Fischgrund und man könne viele Touristen erwarten, weil es auch reich an historischen Denkmälern sei. In dem Tal lägen reiche Vorkommen von Quarz, Porphyr, Feldspat, Malachit, Mangan und Basalt, die auch mit der Bahn transportiert werden könnten. Die Eisenbahnlinie würde 12 Meilen lang sein und könnte in 6 Monaten gebaut werden. Man benötige keine Viadukte und nur vier Tunnel. Man unterstütze das Sonntagsreiseverbot und die evangelikale Sekte, die dies predigte. Die Mitglieder des Direktoriums wie Tavish M’Tavish of Invertavish waren, bis auf die Gründer, frei erfunden. Nach Veröffentlichung des Verkaufs-Prospekts wurden einige Tausend Aktien in kurzer Zeit verkauft.

Leerverkauf In dieser Satire ist auch eine der ersten Berichte über einen Leerverkauf enthalten. Die Protagonisten vermuteten, dass jemand auf Baisse spekuliert und stellten fest, dass es sich um Samuel Sawley, einen der Direktoren der Gesellschaft selbst, handelte. Er hat Verträge abgeschlossen, Aktien in Zukunft zu einem festen Preis, niedriger als der aktuelle, zu verkaufen. Dunshunner und McCorkindale begannen, alle verfügbaren Aktien aufzukaufen und es gelang ihnen, fast alle zu erwerben. Dadurch stieg der Kurs gewaltig an. Als Sawleys Verträge fällig wurden, konnte er die Aktien nicht liefern. Sawley wandte sich an die Protagonisten und gestand, dass er spekuliert hatte: “No!–the devil tempted me, and I oversold!” (Nein! – Der Teufel hat mich verführt, und ich habe zu leer verkauft!). Er musste schließlich 15.000 Pfund bezahlen, um seine Verträge erfüllen zu können und war ruiniert, da kurz danach die Gesellschaft bankrottging und seine Aktien wertlos waren.

Rezeption Die meisten der fehlgeschlagenen Eisenbahnprojekte in den 1840er Jahren sind heute vergessen, die Glenmutchkin Railway ist in Erinnerung geblieben. Die Satire von William E. Aytoun ist noch im 21. Jahrhundert populär. Enthalten ist auch eine Spitze gegen die seriöse Wirtschaftsliteratur, einer der Protagonisten hat kurz zuvor Adam Smiths Wealth of Nations gelesen und will nun seine Kenntnisse anwenden. Der Reiz liegt darin, dass der Autor in Ich-Form demonstriert, wie man auf einen offensichtlichen Schwindel hereinfallen kann, wenn nur genug andere vorausgehen.

Literatur

William E. Aytoun: How we got up the Glenmutchkin Railway, and how we got out of it Blackwood’s Edinburgh Magazine, October 1845, Online William Quinn, John D. Turner: Boom and Bust – A Global History of Financial Bubbles Cambridge University Press 2021, ISBN 978-1-108-43165-1

Einzelnachweise

Kategorie:Erzählung Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Englisch)