mini|Hans Hagerup Krag (1829–1907), Foto ca. 1900 Hans Hagerup Krag (* 9. August 1829 in Grong (Trøndelag); † 8. Mai 1907 in Kristiania (Oslo)) war ein norwegischer Artillerieoffizier und Straßenbauingenieur und zwischen 1874 und 1903 Straßenbaudirektor in Norwegen. Seit 1852 war er in der Staatlichen Straßenbehörde (Statens vegvesen) beschäftigt, in der er über 50 Berufsjahre verbrachte. Seine größten Projekte waren die Verbindungen zwischen Gudbrandsdalen und Sogn og Fjordane, der Haukelivegen, der Geirangervegen und der Gamle Strynefjellsvegen. Krag war Mitbegründer des Norwegischen Touristenvereins und Vorstand der Polytechnischen Vereinigung. Ihm ist die Erschließung des Holmenkollen und Voksenkollen bei Oslo zu verdanken, wo er außerdem auch eine Kapelle und ein Hospiz errichten ließ. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde ihm auf dem Aussichtspunkt Kragstøtten am Voksenkollen eine lebensgroße Statue errichtet.

Leben und Werk

Eltern und Geschwister

Hans Hagerup Krag entstammt der aus Trøndelag gebürtigen norwegischen Familie Krag. Er war das dritte von sechs Kindern des Pfarrers in Grong und Propst in Namdalen Hans Peter Schnitler Krag (1794–1855) und der Hermana Thomine Rognebye (1798–1878). Der Vater wechselte als Pfarrer 1830 nach Vågå im Gudbrandsdalen, 1841 nach Fredrikshald und schließlich 1848 nach Eidsvoll. Er war ein hervorragender Prediger und kümmerte sich persönlich um den Unterricht in den Volksschulen seiner Gemeinden. „Unermüdliche, aufopferungsvolle Arbeit“ leistete er auch für die Erwachsenenbildung und die Fortbildung der Lehrer.

Die Eltern waren sehr großzügig gegenüber bedürftigen Gemeindemitgliedern, obwohl sie sich das eigentlich nicht leisten konnten. Sie häuften Schulden an, die sie noch jahrelang abtragen mussten. Als ein Freund die Eltern ermahnte, sie sollten an das Erbe ihrer Kinder denken, soll Frau Krag geantwortet haben: „Können wir unseren Kindern ein besseres Erbe hinterlassen als den Segen der Armen?“

Hans Hagerups Geschwister hießen: Thomas Peter (* 1821), Peter Rasmus (* 1825), Maren Oline (* 1834), Ole Herman Johannes (* 1837) und Hanna Hermana Balthazara (* 1841). Peter Rasmus Krag wurde Militäringenieur und Parlamentsabgeordneter und Vater u. a. der beiden Literaten Thomas Peter Krag und Vilhelm Krag. Ole Krag diente als Oberst und Feldzeugmeister und erfand das Krag-Jørgensen-Gewehr mit einem fünf Schuss umfassenden Magazin.

Ausbildung mini|Hans Hagerup Krag, ca. 1870 Hans Hagerup Krag verbrachte seine Kindheit im Gudbrandsdalen. Er war 13 Jahre alt, als seine Familie nach Fredrikshald zog, wo er in Folge die städtische Lateinschule besuchte. Laut seinen eigenen Erinnerungen – die er als über 70-Jähriger verfasste – war er kein guter Schüler und er beschrieb sich selbst als dumm, faul, uninteressiert und unwissend.

Er muss sich aber doch interessiert haben, für eine technische Ausbildung, die in Norwegen bis zu den 1870er Jahren nur an der Militärschule (Krigsskolen) in Kristiania möglich war. Danach wurde er 1849 Offizier und 1852 legte er an der Militärhochschule (Den militære høiskole) das Examen im Ingenieurfach ab, und zwar als Jahrgangsbester.

Im selben Jahr 1852 begann der 23-jährige Leutnant der Artillerie Hans Hagerup Krag seine Tätigkeit bei der Statens vegvesen, der norwegischen Staatlichen Straßenbehörde; zunächst als Volontär, eine Stelle, die ihm sein älterer Bruder Peter Rasmus verschafft hatte. Später wurde Krag zum Hauptmann befördert, bis er 1866, als er Büroleiter in der Straßenbehörde wurde, den Militärdienst quittierte.

Ehe und Kinder mini|Krags Wohnhaus, Professor Dahls gate 25, mit der Familie des Vorbesitzers, etwa 1863–1883 Am 30. Oktober 1861 heiratete der junge Beamte Hans Hagerup Krag in der Sankt-Petri-Kirche in Stavanger die 14 Jahre jüngere Anna Marie Petersen (* 17. August 1843; † 6. Juni 1919), die Tochter des Großhändlers Fredrik Petersen (1803–1885) und der Johanna Christine Christensen (1808–1878) und Schwester des Theologieprofessors Fredrik Petersen. Die Schwiegermutter war Dänin und ihre kulturellen Interessen prägten das Familienleben, während der sehr wohlhabende, aus Stavanger gebürtige Schwiegervater seine Geschäftstätigkeit schon 1858 nach Schweden verlegt hatte.

Über seine Ehefrau kam Hans Hagerup Krag zu einem beträchtlichen Vermögen. „Die Erbschaft trug dazu bei, dass die Familie einen Lebensstil führen konnte, den sie sich sonst kaum hätte leisten können. Der erhöhte Lebensstandard war günstig für die Pflege der Kontakte, die Krag in seiner Amtszeit benötigte, stand jedoch im Widerspruch zu den Werten, die er aus seinem Elternhaus mitgebracht hatte.“

In den frühen 1860er Jahren wohnte das Ehepaar Krag in Bergen. Der kurz nach der Hochzeit geborene Sohn Johannes starb nach wenigen Monaten. Die Volkszählungen von 1865 und 1875 nennen als Wohnort der Familie Hægdehougen in Frogner (damals Vestre Aker, später nach Kristiania eingemeindet). In Vestre Aker wurden auch die beiden Kinder getauft, Sohn Hjalmar (* 2. Juli 1867) und Tochter Hanna (* 25. September 1870). Ab der Volkszählung 1885 war die Familie Krag in Kristiania in der Professor Dahls gate 25 gemeldet.

Statens vegvesen mini|Christian Vilhelm Bergh (links) und Hans Hagerup Krag (rechts) im Rollenwagen, der speziell als Fahrzeug für Gebirgsstraßen erfunden wurde, aber sich nicht bewährte. Foto vor 1873. In den 1850er Jahren veränderten technische Neuerungen wie Dampfschiffe und Eisenbahnen, aber auch eine starke Beanspruchung der Straßen, das Verkehrsaufkommen in Norwegen. 1846 wurde die Zuständigkeit für das staatliche Straßenwesen vom Justizministerium auf das neu geschaffene Innenministerium übertragen, wo eine eigene Straßenbauabteilung eingerichtet wurde, in der ab 1852 Christian Vilhelm Bergh (1814–1873) die Stellung eines „Straßenassistenten“ innehatte.

1864 wurde die Straßenbauabteilung des Ministeriums zu einem eigenständigen Amt (Vegdirektorat) umgewandelt und Bergh wurde dessen erster Direktor (Veidirektør). 1885 wechselte die Zuständigkeit für das Amt zum neu geschaffenen Arbeitsministerium und seitdem war die Straßendirektion außerhalb des Ministeriums angesiedelt. Sie trägt heute den Namen Statens vegvesen und ist seit 1946 dem Verkehrsministerium unterstellt.

Durch das Straßenverkehrsgesetz von 1851 wurden die Straßenbaukompetenzen neu verteilt. Planung und Bau der Gemeindestraßen wurden den Kommunen übertragen; den Bezirksverwaltungen (Ämtern) verblieb die Obsorge für das höherrangige Straßennetz, wobei fallweise die Zentralverwaltung in Kristiania Vorschüsse leistete oder Zuschüsse gewährte.

In der Geschichte des Norwegischen Straßenbaus wird die Zeit von 1850 bis 1912 als „Chaussée-Periode“ bezeichnet, in der man bewußt Fahrwege mit geringer Steigung errichtete und dafür längere Wege um die Hügel herum in Kauf nahm. Die Ljabru-Chaussée wurde mit einer maximalen Steigung von 1:20 und einer Straßenbreite von 10 Ellen (ca. 6,25 m) errichtet. Außerdem wurde die Straße in den Hang hinein gelegt, um möglichst wenig Erde ausheben zu müssen. „Das Ideal war nicht mehr, dass die Straßen in geraden Linien verliefen, sondern sich sanft dem Gelände anpassten. Die Straßenränder sollten nicht mehr mit einer mehrere Meter hohen Mauerkante markiert werden, sondern mit gemauerten, befestigten Böschungen.“ Sowohl Christian Vilhelm Bergh als auch sein Amtsnachfolger Hans Hagerup Krag waren überzeugte Vertreter dieser neuen Bauweise.

Mitarbeiter von Christian Vilhelm Bergh mini|Projekt eines Rollenwagens, der für norwegische Gebirgsstraßen eingesetzt werden sollte Über zwanzig Jahre (1852–1873) war Krag der engste Mitarbeiter Berghs in der Straßenbaudirektion und der junge Beamte hatte Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu zeigen. Krag arbeitete insbesondere an den geplanten Straßen von Gudbrandsdalen nach Sunnmøre, Nordfjord und Sogn, und 1859 legte er einen Plan für den weiteren Straßenausbau vor, den er später als Straßendirektor selbst umsetzen sollte. Anfang der 1860er Jahre bereitete er den Bau der Straße über den Haukelifjell vor und bewies damit seine „großen Fähigkeiten im Bereich der Systematisierung“.

Kurz nach seiner Beförderung zum Veidirektør 1864 wurde Bergh krank und vom Dienst freigestellt. Als sein Vertreter ernannt werden sollte, „fiel die Wahl ganz natürlich auf Krag“. Als Bergh im nächsten Jahr wiederkehrte, wurde Krag 1866 zum Büroleiter im Straßenbauamt befördert.

Hans Hagerup Krag behandelte und sprach von Bergh immer mit Hochachtung. „Dennoch war Krag nicht Berghs bevorzugter Kandidat für seine Nachfolge. […] Möglicherweise hing dies mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen.“

Straßenbaudirektor mini|Norwegische Straße von Dalen nach Vinje mit Stabbesteinene, 1880–1900 Nach Berghs Tod wurde Krag 1874 zum Straßenbaudirektor ernannt. Er war sich der Herausforderungen, die ihm das Gelände, die Bodenverhältnisse und das knappe Budget des Landes stellten, bewusst. Er errichtete meist schmale Straßen, oft mit Ausweichstellen, aber er machte keine Abstriche bei der Forderung nach sanften Steigungen und der Trassenführung. Sein Spruch „Lieber eine armselige Straße als gar keine Straße“ (Heller en tarvelig vei enn ingen vei) ist von ihm in Erinnerung geblieben. Spätere Generationen könnten die Straßen verbreitern, wenn es der Verkehr und die Wirtschaftlichkeit erfordern würden.

1863 hatte Krag auf einer Studienreise in die Schweiz deren Hochgebirgsstraßen studiert, die er bewunderte, aber nicht imitierte. Während die Alpenstraßen viele steile Kurven hatten, reduzierte Krag in Norwegen die Zahl der Kurven und hielt zwischen ihnen größere Abstände ein. Seine Steigungen überstiegen selten 10 Prozent, „was den Pferden Kraft und später den Autos PS sparte.“

Auf der Studienreise lernte Krag auch die Nachteile einer dezentralen Straßenverwaltung kennen, und als dieses Thema einige Jahre später auf die politische Tagesordnung kam, trat er mit guten Argumenten gegen die Dezentralisierung auf. „Im Zusammenhang mit dem Straßenbau kann Krag als Mann der Provinzen charakterisiert werden. Er war bestrebt, das Land zusammenzubinden und auf diese Weise zu einem verstärkten Handel zwischen den Regionen beizutragen.“ Seine Straßen verbanden West- und Ostnorwegen und reichten bis zu den Bahnhöfen und Fährstationen. Bei der Festlegung des Straßenverlaufs ließ er sich von lokalen und wirtschaftlichen Sonderinteressen nicht beeinflussen, sondern bestand unnachgiebig auf den übergeordneten Notwendigkeiten, worüber so manche Anekdote existiert.

Arbeitsstil mini|Norwegische Straße entlang des Eidfjord mit Tunnel und Stabbesteinene, 1883–1889 Kein anderer Straßenbaudirektor wurde so sehr mit seiner Behörde identifiziert wie Hans Hagerup Krag, und dies nicht nur wegen seiner langen Amtszeit, sondern vor allem durch seine starke Persönlichkeit: „Sein Auftreten und seine Energie sind legendär.“ „Mit seinem Auftreten und seinem farbenfrohen Führungsstil ist Krag als Generaldirektor für Straßenwesen mit großem ‚G‘ in Erinnerung geblieben.“ „Denn über Krag kann man mit Fug und Recht sagen, dass er einer der bekanntesten Männer des Landes war, und es gibt nicht viele Orte in Norwegen, an denen seine Tätigkeit keine Spuren hinterlassen hat.“ „Mit großer körperlicher Kraft, einer seltenen Ausdauer und einer lebhaften Fantasie in Verbindung mit einem umfassenden Interesse für die unterschiedlichsten Dinge konnte er sowohl in seinem Amt als auch darüber hinaus unermüdlich für das arbeiten, was er für richtig und angemessen hielt.“