mini|Rosita Steenbeek beim Feest der Letteren 2017 Rosita Steenbeek (* 25. Mai 1957 in Utrecht, Niederlande) ist eine niederländische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin.
Seit den 1980er Jahren lebt und arbeitet sie in Rom. Ihr Werk umfasst Romane, Essays und Reiseliteratur, die häufig in Italien spielen. Mit ihrer Liebe zur Geschichte und ihrem Blick für das heutige Leben verbindet Steenbeek Vergangenheit und Gegenwart und setzt sich intensiv mit zeitgenössischen Themen auseinander.
Biografie Rosita Steenbeek ist die älteste Tochter des Renaissanceforschers und Universitätsprofessors Jan Wieger SteenbeekJaarboek van de Maatschappij der Nederlandse Letterkunde, 2006-2007, dbnl.org. und von Margreth HugenholtzMargreth (1934–2022) war die treue Begleiterin und Stütze ihrer Tochter Rosita Steenbeek, AD Amersfoort, 24. Mai 2022., Lehrerin für bildende Kunst aus einer bekannten niederländischen Pfarrersfamilie. Ihre Eltern hatten großen Einfluss auf ihre geistige Entwicklung und erscheinen in mehreren ihrer Werke. Ihre Großmutter mütterlicherseits, Rose aus Köln, deutsch-jüdischer Herkunft, inspirierte den Roman Rose. Eine Familie in Kriegszeiten (2015).
Mit dreizehn überlebte sie eine Gehirnblutung – eine Erfahrung, die ihr Weltbild prägte und sich in Themen wie Vergänglichkeit und Widerstandskraft widerspiegelt.
Studien und Leben in Rom Nach dem altsprachlichen Gymnasium studierte sie Klassische Sprachen und Theologie an der Universität Utrecht und schloss ihr Studium der Niederländischen Sprache und Literatur an der Universität Amsterdam mit einer Arbeit über Jan Wolkers' De doodshoofdvlinder (Der Totenkopfschwärmer) ab, die in der Zeitschrift Bzzlletin veröffentlicht wurde.Rosita Steenbeek: De doodshoofdvlinder gedetermineerd. Jan Wolkers' versie van de vegetatiemythe, Bzzlletin, jaargang 13, DBNL.
Nach dem Studium zog sie nach Rom, in die Nähe des Ortes, an dem Julius Caesar ermordet wurde. Ihre enge Verbindung zur Stadt reicht bis in die Schulzeit zurück, als sie Verse aus Ovids Ars amatoria übersetzte, darunter: „Wenn du ein Liebesabenteuer suchst, geh zur Portikus des Pompeius-Theaters.“ Heute lebt sie über eben dieser Portikus im Herzen Roms.
In einem Interview mit dem Corriere della Sera (1. November 2010) sagte sie: „Ovid war für mich nur ein Name, ein Lieferant lateinischer Texte; hier habe ich verstanden, dass er ein Mensch war, der nur ein wenig vor uns lebte.“
Sie schrieb für Zeitschriften wie Vrij Nederland und übersetzte Werke von Alberto Moravia, Susanna Tamaro und Pia Pera. Seit den frühen 1990er Jahren widmet sie sich ganz der Belletristik und erzählenden Prosa.
Begegnungen mit Alberto Moravia und Federico Fellini 1987 interviewte Steenbeek für Vrij NederlandRosita Steenbeek: „De Nobelprijs zullen ze me nooit geven omdat ik te veel over seks heb geschreven“, Vrij Nederland, 28. November 1987. den Schriftsteller Alberto Moravia, 1990 folgte ein ausführliches Gespräch mit Federico FelliniRosita Steenbeek: „Er zijn mannen en er zijn vrouwen. Een vondst van een groot kunstenaar“, Vrij Nederland, 28. April 1990.. Später verfasste sie Nachrufe auf beide Künstler.
Im Mai 1990 reiste sie gemeinsam mit Moravia zu der Präsentation der niederländischen Ausgabe seiner Novelle La villa di venerdì, die noch vor der italienischen Originalausgabe erschien. Während dieses Besuchs lernte Moravia ihre Familie kennen. Ein einstündiges Fernsehinterview, das Steenbeek im Rijksmuseum in Amsterdam vor Rembrandts Nachtwache führte, wurde kurz vor seinem Tod ausgestrahlt.Fernsehinterview mit Alberto Moravia, Humanistische Omroepstichting, Rijksmuseum Amsterdam, Mai 1990. Später übersetzte sie Moravias Erzählband La villa di venerdì e altri racconti sowie La donna leopardo ins Niederländische.Alberto Moravia, La villa di venerdì e altri racconti, Übers. von Rosita Steenbeek, Wereldbibliotheek, Amsterdam, 1990; La donna leopardo, Wereldbibliotheek, Amsterdam, 1991. 2010 veröffentlichte sie in De Volkskrant eine Rezension von Alberto Moravias postumem Werk I due amici.Rosita Steenbeek, De twee vrienden, De Volkskrant, 2010.
Moravia und Fellini blieben für sie wichtige künstlerische und menschliche Bezugspunkte, die ihr literarisches und persönliches Schaffen nachhaltig beeinflusst haben.
Hauptwerke
Die letzte Frau (De laatste vrouw, 1994) Steenbeeks Debütroman, der ins Italienische (Marsilio Editori, Venedig) und ins Deutsche (Amman Verlag, Zürich) übersetzt wurde, ist ein Schlüsselroman, mit dem Schlüssel gleich mitgeliefert. Das Motto stammt von einer Bemerkung Federico Fellinis: „Schreibst du auch diesen berühmten Satz an den Anfang deines Buches: ‚Wer die wahren Namen der Hauptfiguren errät, bekommt drei Exemplare gratis'?“ In der Figur des Schriftstellers erkennt man Alberto Moravia, in der des Filmregisseurs Fellini selbst; Marcello Mastroianni tritt in einer Nebenrolle auf.
Der Roman erregte die Aufmerksamkeit italienischer Kritikerinnen wie Adele Cambria, die in Il Giorno schrieb: „In der Nachfolge von Goethe, Daudet, Stendhal und vielen anderen greift Rosita Steenbeek die mythische Gestalt des Reisenden aus dem Norden auf, der vom Mittelmeerraum angezogen wird – aber zum ersten Mal ist dieser Reisende eine Frau.“Adele Cambria, „Il ‚romanzo-verità' della bella Steenbeek“, Il Giorno, 2. April 1997.
Der Roman wurde in mehrere Sprachen übersetzt und auf der Leipziger Buchmesse präsentiert, wo Steenbeek eine Lesung hielt. In der deutschen Presse fand das Buch positive Resonanz, etwa in Die Welt und im Sonntagsblatt, wo es u. a. von Jochen Schimmang besprochen wurde.Jochen Schimmang, „Jenseits vom Tratsch“, Das Sonntagsblatt – Evangelische Wochenzeitung für Bayern, 15. November 1996; „Die letzte Frau“, Die Welt, 1996.
Etruskische Schatten (Schimmenrijk, 1999) Der Roman spielt in der Welt der Etrusker und folgt Lisa, einer niederländischen Bildhauerin, die nach dem rätselhaften Tod ihres Geliebten, des Etruskologen Lorenzo, nach der Wahrheit sucht. Im Zentrum steht die Frage, wie man nach dem Verlust geliebter Menschen weiterleben kann.
Das Buch wurde von Sperling & Kupfer ins Italienische und vom Kabel Verlag ins Deutsche übersetzt und auf der Internationalen Buchmesse in Turin vorgestellt, als die niederländische Literatur Ehrengast war. La Repubblica bezeichnete es als „eine mythologische Fiktion, die in den etruskischen Nekropolen von Tarquinia spielt.“Mario Baudino, «Il regno delle ombre», La Repubblica, 2001.
Steenbeek war zu Gast in der italienischen Fernsehsendung Harem von Catherine Spaak, wo sie über die Etrusker und ihre Lebensfreude im Angesicht des Todes sprach.Harem, Rai Tre, Interview mit Catherine Spaak, 2001.
Anderes Licht (Ander licht, 2009) Der historische Roman ist der niederländischen Malerin Alida Withoos (17. Jahrhundert) gewidmet, die von ihrem Vater Matthias Withoos das Malen lernte und von einer Reise nach Rom träumte – für Frauen damals unerreichbar. Ihr Geliebter Caspar van Wittel ging dorthin und wurde als Gaspare Vanvitelli berühmt. In Alidas Blumenbildern spiegelt sich ihre Sehnsucht nach der Ewigen Stadt. Sie begegnet der Naturforscherin und Malerin Maria Sibylla Merian, die sie inspiriert, ihren eigenen künstlerischen Weg zu gehen. Der Roman spielt zwischen den Niederlanden und Rom und schildert das ungestüme Leben der Bentvueghels, einer Bruderschaft niederländischer und flämischer Künstler in Rom.
Rose. Eine Familie in Kriegszeiten (Rose. Een familie in oorlogstijd, 2015) Der historische Roman beruht auf dem Leben von Steenbeeks Großmutter Rose und ihrer deutsch-jüdischen Familie in den 1920er und 1930er Jahren sowie während des Zweiten Weltkriegs. 1929 verliebt sich Rose in Heidelberg in einen niederländischen Pfarrer. In den 1930er Jahren flieht ihre Familie aus Deutschland vor dem NS-Regime nach New York, São Paulo, Kanada und Jerusalem. Viele Verwandte, die in Deutschland blieben oder in die Niederlande flohen, wurden ermordet. Das Buch verbindet Liebe, Verlust und Überleben vor dem Hintergrund von Krieg und Verfolgung und spielt in Deutschland und den Niederlanden. Nach dem Roman wurde 2017 eine Dokumentation gedreht.Rose. Eine Familie in Kriegszeiten, Dokumentarfilm, RTV Rijnmond, 2017.
Julia, die rebellische Kaisertochter (Julia, vrijgevochten keizersdochter, 2022) Dieser historische Roman ist Julia, dem einzigen Kind des Kaisers Augustus, gewidmet. Steenbeek zeichnet das Leben dieser gebildeten und unabhängigen Frau nach, die lange Zeit aus der Geschichte „ausgelöscht“ war, und erweckt sie durch historische Forschung, die Dichtung ihrer Zeitgenossen und Besuche der mit ihrem Schicksal verbundenen Orte zu neuem Leben, etwa im Haus des Augustus auf dem Palatin, wo sie geboren wurde, und in der Villa Giulia auf der Insel Ventotene, wohin sie verbannt wurde.
Auf antiken Wegen. Eine Pilgerreise (Over antieke wegen. Een pelgrimage, 2025) Nach dem Tod ihrer Mutter unternimmt Rosita Steenbeek eine Fahrradreise von Rom nach Mykene, entlang der antiken Via Appia – einer Route, die einst den Weg der Kaisertochter Julia nachzeichnete. Die körperliche Reise wird zugleich zu einer spirituellen Suche: Die antike Welt erscheint noch immer lebendig – wie die Gegenwart der Mutter.
Gesellschaftliches Engagement und Ethik
Auf Einladung der CPNB, der niederländischen Stiftung zur Förderung des Buches, schrieb Rosita Steenbeek 2017 den Essay Heb uw vijanden lief (Liebe deine Feinde) über Mitgefühl, in dem sie auch einen Besuch auf der Insel Lampedusa schildert. Der Text fand große Beachtung und erreichte die niederländische Bestsellerliste.Heb uw vijanden lief, Bestseller 60, 2017. Sie beteiligte sich zudem am Sammelband Moderne Devoties. Frauen über den Glauben, in dem Autorinnen verschiedener Religionen über ihren Glauben reflektieren. In Wie is mijn naaste? (Wer ist mein Nächster?, 2018) widmete sich Steenbeek der Welt von Flüchtlingen und Helfern, nachdem sie längere Zeit in einem syrischen Lager im Libanon verbracht hatte. In einem Interview mit dem Volkskrant Magazine sagte sie, sie wolle „die Flüchtlingskrise den Lesern näherbringen, sie mit ins Zelt nehmen“.Rosita Steenbeek wil de vluchtelingencrisis dichterbij brengen: „Ik wil de lezers meenemen de tent in“, Volkskrant Magazine, 21. September 2018. Auch Droomland Italië. Van Aleppo naar Turijn (Traumland Italien, 2022) behandelt das Thema Migration und Solidarität. 2023 wirkte sie an der niederländischen Fernsehserie Viva l'Umanità! über die zunehmende Abschottung Europas mit.Viva l'Umanità!, NPO Start, 2023. In Interviews mit Amnesty International sprach sie über das Leben von Flüchtlingen und das Gefühl des Fremdseins.Ik voel me goed in de rol van vreemdeling, Amnesty International Nederland, 2023. Sie berichtete in Trouw über ihre Eindrücke aus Israel und Gaza.Gaza? Daar moet je niet over schrijven, zei mijn zus, Trouw, 6. Juni 2021. Für das internationale Projekt Because I Am a Girl reiste sie nach Malawi und schrieb über die Lebensbedingungen junger Mädchen.
Öffentliche Auftritte und Gedenkaktivitäten
Rosita Steenbeek tritt regelmäßig als Rednerin bei Konferenzen und öffentlichen Veranstaltungen auf, bei denen sie über ethische Fragen, die Flüchtlingskrise, die Rolle der Frau und gesellschaftliche Verantwortung spricht. Nach der Veröffentlichung von Rose. Eine Familie in Kriegszeiten wurde sie häufig zu Gedenkfeiern des Zweiten Weltkriegs eingeladen. 2017 sprach sie beim Gedenken an das Bombardement von Rotterdam, das ihre Mutter als Kind erlebte.Schrijfster herdenkt het bombardement op Rotterdam, AD, 13. Mai 2017.