Die erste Reise von James Cook war eine britische Entdeckungsfahrt im Auftrag der Royal Navy und der Royal Society, die von 1768 bis 1771 dauerte. Ziel der Expedition war zum einen die Beobachtung des Venustransits 1769 auf Tahiti, um astronomische Messungen für die Bestimmung des Sonnenabstands zu ermöglichen. Darüber hinaus sollte Cook im Auftrag der britischen Regierung das südliche Pazifikgebiet erkunden, insbesondere nach dem vermuteten Südkontinent Terra Australis suchen und dessen mögliche Küsten erforschen. Zu den wichtigsten Teilnehmern an Bord des umgebauten ehemaligen Kohletransporters HMS Endeavour gehörten der Naturforscher Joseph Banks mit seinem wissenschaftlichen Team und mehreren Zeichnern sowie der Astronom Charles Green, der die Beobachtung des Venustransits auf Tahiti durchführte. Während der Reise kartierte Cook erstmals umfassend die Küsten Neuseelands und der Ostküste Australiens, sammelte zahlreiche naturwissenschaftliche Erkenntnisse und beschrieb bis dahin unbekannte Tier- und Pflanzenarten. An Bord wurde unter anderem Sauerkraut zur Vorbeugung von Skorbut eingeführt, was die Gesundheit der Mannschaft förderte. Auf dem Rückweg jedoch verlor die Expedition in Batavia (heute Jakarta) viele Besatzungsmitglieder durch Tropenkrankheiten – ein schwerer persönlicher und beruflicher Rückschlag für Cook, der stets um das Wohl seiner Mannschaft bemüht war. Nach der Rückkehr veröffentlichten Banks und andere Teilnehmer Berichte und Illustrationen über die Reise, während Cooks eigenes Journal die Entdeckungen und Ereignisse dokumentierte und das Wissen über die südliche Erdhalbkugel entscheidend erweiterte. Vorgeschichte Im 18. Jahrhundert war die genaue Bestimmung der Entfernung zwischen Erde und Sonne eine der größten Herausforderungen der Astronomie. Der bevorstehende Venustransit von 1769 bot Wissenschaftlern die seltene Gelegenheit, durch gleichzeitige Beobachtungen von verschiedenen Orten der Welt aus präzise Berechnungen über das Sonnensystem anzustellen. Die Royal Society, die bedeutendste wissenschaftliche Gesellschaft Großbritanniens, erkannte die Wichtigkeit dieses Ereignisses und wandte sich mit mehreren Bitten und Eingaben an König Georg III. sowie an die Admiralität. Sie ersuchte um Unterstützung bei der Organisation und Finanzierung einer Expedition, die zu einem möglichst abgelegenen, optimalen Standort im Pazifik entsendet werden sollte, um den Transit unter idealen Bedingungen zu beobachten.Collingridge: 2002, S. 84. Parallel zu diesen wissenschaftlichen Bestrebungen spielten auch geopolitische Interessen eine maßgebliche Rolle. Die britische Admiralität sah die Expedition als Gelegenheit, nach dem sagenumwobenen, bislang unentdeckten Südkontinent, der Terra Australis Incognita, zu suchen.Mundle: 2014. S. 106. Vorbereitung mini|295x295px|Nachbau der Endeavour von 1994 mini|Kapitän James Cook, Porträt von Sir Nathaniel Dance-Holland, um 1775 Ursprünglich wurde Alexander Dalrymple, ein erfahrener Seefahrer und Geograph, als Leiter der Unternehmung in Erwägung gezogen. Dalrymble wurde jedoch ausgeschlossen da es gegen die Regularien der Navy verstieß einen Zivilisten ein Schiff seiner Majestät kommandieren zu lassen. Die Wahl fiel schließlich auf James Cook, einen fähigen Navigations- und Kartographieoffizier, der durch seine präzisen Landvermessungen in Neufundland aufgefallen war.Mundle: 2014. S. 100 ff. Auch die Suche nach einem geeigneten Schiff war mit Schwierigkeiten verbunden. Die Entscheidung fiel auf die Earl of Pembroke, einen stabilen Kohlentransporter aus Whitby, der als besonders seetüchtig und für lange Reisen geeignet galt. Das Schiff wurde für 2.800 Pfund erworben und als HMS Endeavour in Dienst gestellt. Obwohl die Endeavour relativ neu war, waren umfangreiche Vorbereitungen erforderlich, bevor sie ihre lange Reise antreten konnte. Dazu gehörten der Austausch ihrer Masten, das Anbringen einer zusätzlichen Beplankung zum Schutz ihres Rumpfes vor Schiffsbohrwürmern, sowie die Umgestaltung ihres Innenraums.Collingridge: 2002, S. 105 f. Bis Ende Juli waren alle Reparaturen und Umbauten abgeschlossen; die Kosten betrugen 5.394 Pfund.Mundle: 2014. S. 115.

Mitte Mai hatte die Admiralität Cook eine Crew von 70 Mann gewährt. Anfang August wurde die Anzahl auf 85 erhöht.Banks, Solander, Spöring, Parkinson, Buchan und ihre Bediensteten waren als Zivilisten nicht Teil der Mannschaft. Cook hatte wenig Einfluss auf die Auswahl seiner Besatzung. Unter ihnen befanden sich jedoch mehrere Männer, die Cook bereits kannte, wie beispielsweise Peter Flower und einige andere von der Grenville, darunter Isaac Smith, der Cousin von Cooks Frau. Die Offiziere zeigten großes Engagement für die Reise. Leutnant Zachary Hicks, 29 Jahre alt und bereits an Tuberkulose erkrankt, war der stellvertretende Kommandant und gab später dem ersten Stück Land, das von Australien gesichtet wurde, seinen Namen. John Gore, ein Amerikaner und dritter Leutnant, war mit 38 Jahren der älteste Offizier. Er brachte umfangreiche Erfahrungen aus zwei früheren Weltumsegelungen mit und war für seine Jagdfähigkeiten bekannt – er schoss als erster Europäer in Australien ein Känguru. Der Master Robert Molyneux und der Masters Mate Richard Pickersgill waren beide junge, aber sehr erfahrene Navigatoren, wobei Pickersgill für seine außergewöhnlichen zeichnerischen Fähigkeiten bekannt war.

Der Second Masters Mate Charles Clerke, war für seinen Humor und seine Erzählkunst bekannt und pflegte eine enge berufliche Beziehung zu Cook. William Monkhouse war als Schiffsarzt tätig, unterstützt von seinem Assistenten William Perry. Beide spielten eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Gesundheit der Besatzung. Der Segelmacher John Ravenhill war bereits in fortgeschrittenem Alter und bekannt für seinen häufigen Alkoholkonsum; er starb während der Reise eines natürlichen Todes. Das jüngste offizielle Mitglied der Besatzung war Isaac Manley, der im Alter von zwölf Jahren an der Reise teilnahm und später als letztes überlebendes Besatzungsmitglied schließlich den Rang eines Admirals erreichte.Collingridge: 2002, S. 107 ff. Neben der offiziellen Besatzung nahmen auch mehrere Zivilisten mit wissenschaftlichen und künstlerischen Fachkenntnissen als Beobachter an der Reise teil. Charles Green, der offizielle Astronom der Expedition; Joseph Banks, ein Botaniker; Daniel Solander, ein schwedischer Naturforscher; Hermann Spöring, ein weiterer Naturforscher; Sydney Parkinson, ein botanischer Illustrator aus Schottland; Alexander Buchan, ein weiterer schottischer Künstler; und vier Bedienstete.Villiers: 1967, S. 88 ff. Zu den zu Beginn der Reise geladenen Vorräten gehörten 6.000 Stück Schweinefleisch und 4.000 Stück Rindfleisch, neun Tonnen Brot, fünf Tonnen Mehl, drei Tonnen SauerkrautJames Cook nahm Sauerkraut als vorbeugende Maßnahme gegen Skorbut in die Ernährung seiner Besatzung auf. Sein hoher Vitamin-C-Gehalt und seine lange Haltbarkeit machten es zu einer wirksamen und praktischen Lösung, um die Gesundheit der Besatzung während langer Zeit auf See zu erhalten., eine Tonne Rosinen und verschiedene Mengen Käse, Salz, Erbsen, Öl, Zucker und Haferflocken. Der Alkoholvorrat bestand aus 250 Fässern Bier, 44 Fässern Brandy und 17 Fässern Rum. Zum Viehbestand gehörte eine Ziege, die bereits mit Samuel Wallis um die Welt gereist war.Beaglehole: 1968, S. 613. Für die verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen standen 2 Spiegelteleskope mit einer Brennweite von 60 cm, 2 Holzstative für die Teleskope mit äquatorialen Polachsen, ein astronomischer Quadrant mit einem Radius von 30 cm, eine astronomische Uhr, ein Messingsextant, ein Barometer, eine Kontrolluhr, 2 Thermometer, 1 Stativ für den Quadranten, eine Tauchnadel, ein Azimutkompass und ein tragbares Observatorium. Zusätzlich zu diesen Instrumenten forderte Cook mathematische und vermessungstechnische Geräte an, darunter einen Theodoliten und einen Messtisch, eine Messingwaage, einen Proportionalzirkel, Glas zum Nachzeichnen sowie Papier und Farben, um die Position des Schiffes zu bestimmen und Land zu kartografieren.Beaglehole: 1974, S. 136 f. mini|356x356px|Cooks Reiseroute

Befehle

Am 30. Juli erteilten die Admiralität James Cook die als geheim eingestuften Instruktionen. Cook sollte um Kap Horn nach King George's Island (Tahiti) segeln, um den Venusdurchgang zu beobachten. Sobald er, einige Wochen vor dem Durchgang, zur Vorbereitung in Tahiti angekommen war, sollte er vorhandene Navigationsvermessungen nutzen und freundschaftliche, aber vorsichtige Beziehungen zu den Inselbewohnern aufbauen. Sollte er nicht in Tahiti an Land gehen können, sollte er einen anderen geeigneten Ort innerhalb der angegebenen Koordinaten für die astronomische Beobachtung finden. Zusätzliche Anweisungen konzentrierten sich auf die Suche nach einem möglichen südlichen Kontinent. Nach Abschluss der Beobachtungen auf Tahiti sollte Cook nach Süden bis zum 40. Breitengrad segeln und nach dem Kontinent suchen; sollte er ihn nicht finden, sollte er zwischen dem 35. und 40. Breitengrad weiter nach Westen segeln, bis er ihn entweder entdecken oder Neuseeland erreichen würde. Wenn ein neuer Kontinent gefunden wurde, sollte Cook dessen Küste erkunden und kartografieren, wissenschaftliche Daten über natürliche Ressourcen und Einwohner sammeln und ihn im Namen der britischen Krone in Besitz nehmen. Im negativen Falle, das heißt, wenn der Kontinent nicht aufgefunden wurde, sollte er Neuseeland gründlich erkunden und kartografieren und anschließend nach England zurückkehren. Alle bedeutenden neu entdeckten Inseln sollten kartografiert und, ggf., für Großbritannien in Besitz genommen werden.Beaglehole: 1974, S. 147 ff. Aufbruch

Am 26. August 1768 stach die Endeavour von Plymouth aus mit Ziel Richtung Madeira in See. Am 12. September erreichte die Endeavour Funchal, nahm 3032 Gallonen (13.783 Liter) Wein an Bord und stach eine Woche später wieder in See. Am 25. Oktober feierten die Männer die Überquerung des Äquators und erreichten am 13. November Rio de Janeiro.Beaglehole: 1974, S. 153 ff. Bei der Ankunft der Endeavour im Hafen von Rio de Janeiro wurde Leutnant Hicks an Land geschickt, um die Ankunft des Schiffes anzukündigen, einen Lotsen anzufordern und den Vizekönig darüber zu informieren, dass das Schiff die für seine Reise notwendigen Vorräte benötigte. Cook nutzte die günstigen Wetterbedingungen und ging vor Anker, ohne auf die Rückkehr von Hicks zu warten. Hicks wurde vom Vizekönig gemäß den örtlichen Gepflogenheiten festgehalten, durfte aber schließlich zum Schiff zurückkehren. Die folgenden Interaktionen waren von strengen Kontrollen geprägt, niemand außer Cook durfte an Land gehen. Cook musste Vorräte über lokale Zwischenhändler gegen eine Gebühr kaufen, und die Bitten der Forscher, für naturkundliche Sammlungen an Land zu gehen, wurden abgelehnt. Cook wurde ständig von einem portugiesischen Offizier begleitet, der angeblich zu seiner Unterstützung da war, aber in Wirklichkeit als Aufpasser fungierte. Cook gelang es schließlich, die benötigten Vorräte zu beschaffen, indem er bewachte Boote an Land schickte, war jedoch frustriert über die Vorzugsbehandlung eines spanischen Kriegsschiffs im Hafen, dessen Offiziere keinen solchen Beschränkungen unterlagen. Nach mehreren Verzögerungen, darunter der Unfalltod eines Besatzungsmitglieds und das Verfangen des Ankers an einem Felsen, verließ die Endeavour schließlich am 7. Dezember Brasilien.Kitson: 2007, S. 101–107.