Leonard Victor Rutgers (* 4. Januar 1964 in Amsterdam) ist ein niederländischer Archäologe und Religionshistoriker mit Schwerpunkt auf der Spätantike, der jüdischen Geschichte in der römischen Welt und dem frühen Christentum. Er ist Professor für Spätantike an der Universität Utrecht.

Leben und Werk Leonard Rutgers studierte Archäologie, Alte Geschichte und Kunstgeschichte in Amsterdam, Rom und Jerusalem sowie Judaistik in Wien. Er wurde 1992 an der Duke University mit einer Dissertation über die jüdischen Katakomben Roms promoviert.

Als Professor für Spätantike an der Universität Utrecht übte Rutgers verschiedene Verwaltungsfunktionen aus. Er leitete mehrere internationale und interdisziplinäre Forschungsprojekte, darunter The Rise of Christianity: A New Interdisciplinary Perspective, Reconfiguring Diaspora: The Transformation of the Jewish Diaspora in Late Antiquity, und Diaspora, Migration and the Sciences: A New Integrated Perspective am Netherlands Institute for Advanced Studies. Seine Forschung verbindet Archäologie, Geschichtswissenschaft, Radiokarbondatierung, Isotopenanalysen, Digital Humanities und Genetik.

Seine Arbeiten befassen sich maßgeblich mit der jüdischen Diaspora im Römischen Reich und der Archäologie des frühen Christentums, insbesondere mit den jüdischen und frühchristlichen Katakomben Roms sowie mit kulturellen Austauschprozessen der Spätantike. Durch einen interdisziplinären Ansatz, der Archäologie, naturwissenschaftliche Methoden und sozialhistorische Analysen verbindet, konnte er aufzeigen, dass die jüdischen Gemeinden im westlichen Römischen Reich tief in die umliegende pagane Gesellschaft eingebunden waren und umfassend an deren sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Dynamiken teilhatten. Rutgers führt den Aufstieg des Antijudaismus in Europa auf den Aufstieg des Christentums zurück und verortet in dieser Phase den Zeitpunkt, an dem Judentum und Christentum endgültig eigene Wege gingen. Internationale Aufmerksamkeit erfuhr seine Forschung, als Radiokarbondatierungen nahelegten, dass die jüdischen Katakomben Roms etwa ein Jahrhundert früher angelegt wurden als die frühesten christlichen. Weitere Untersuchungen, gestützt auf Isotopenanalysen in den Katakomben von San Callisto, haben gezeigt, dass die frühen Christen Roms in hohem Maße auf Fisch als wichtigste Proteinquelle angewiesen waren, was auf insgesamt bescheidene wirtschaftliche Verhältnisse hindeutet. In Zusammenarbeit mit dem Genetiker David Reich untersucht er, wie antike DNA Wanderungsbewegungen in Europa während der römischen und mittelalterlichen Zeit nachvollziehbar machen kann. Rutgers war zudem Kolumnist für die niederländische Finanzzeitung Het Financieele Dagblad (FD), und hat mehrere erfolgreiche populärwissenschaftliche Bücher über Archäologie und Alte Geschichte veröffentlicht, darunter De klassieke wereld in 52 ontdekkingen (2018) und Israel aan de Tiber (20238).

Auszeichnungen Keetje Hodshon Preis der Koninklijke Hollandsche Maatschappij der Wetenschappen für The Jews in Late Ancient Rome (1996) Korrespondierendes Mitglied der Pontificia Accademia Romana di Archeologia (seit 2015) Mitglied der Koninklijke Hollandsche Maatschappij der Wetenschappen (seit 2018) Homerus Preis des niederländischen Klassiek Verbond für De klassieke wereld in 52 ontdekkingen (2019) Forschungspreis derWerkgroep Italië Studies for Israël aan de Tiber (2024)

Publikationen The Jews in Late Ancient Rome: Evidence of Cultural Interaction in the Roman Diaspora. Brill, Leiden / New York / Köln 1995.Rezension von M. D. Goodman: Jews at Rome, in: The Classical Review, Jg. 47 (1997), S. 365–366. The Hidden Heritage of Diaspora Judaism. Peeters, Leuven 1998.Rezension von M. Pucci Ben-Zev in: Jewish History 14, 2000, S. 253–257 Subterranean Rome: In Search of the Roots of Christianity in the Catacombs of the Eternal City. Peeters, Leuven 2000.Rezension von Allen Kerkeslager in: Bryn Mawr Classical Review, Jg. 2000, Oktober-Heft (online, abgerufen am 6. Dezember 2025). Making Myths. Jews in Early Christian Identity Formation. Peeters, Leuven 2009.Rezension von Andrew S. Jacobs in AJS Review, Jg. 34 (2010), S. 416–418 De klassieke wereld in 52 ontdekkingen. Balans, Amsterdam 2018, ISBN 978-94-6003-969-0.Rezension von Atte Jongstra: Niets is sterker dan Romeins beton, in: NRC (28 June 2019). Israel aan de Tiber. Joods leven in het oude Rome. Balans, Amsterdam 2023, ISBN 978-94-6382-228-2. als Herausgeber mit Ortal-Paz Saar: Letters in the Dust: The Epigraphy and Archaeology of Medieval Jewish Cemeteries. Peeters, Leuven 2023, ISBN 978-90-429-4703-0. mit Stephan T.A.M. Mols, Sible de Blaauw: Frontiers. The Transformation and Christianization of the Roman Empire between Centre and Periphery. Proceedings of the 17th International Congress of Christian Archaeology / Acta XVII Congressus Internationalis Archaeologiae Christianae. 4 Bände, Peeters, Leuven 2024. mit Neil Christie, Robin M. Jensen, Jodi Magness: The Cambridge Encyclopaedia of Late Antique Art and Archaeology. 2 Bände, Cambridge University Press, Cambridge 2025, ISBN 978-1-107-03724-3.

Weblinks Homepage Universität Utrecht Seite bei academia.edu

Einzelnachweise

Kategorie:Christlicher Archäologe Kategorie:Historiker (Judentum) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Utrecht) Kategorie:Mitglied der Koninklijke Hollandsche Maatschappij der Wetenschappen Kategorie:Mitglied der Pontificia Accademia Romana di Archeologia Kategorie:Niederländer Kategorie:Geboren 1964 Kategorie:Mann