Bolszewo (deutsch Bohlschau; ) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es gehört zur Gmina Wejherowo im Powiat Wejherowski.
Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Landschaft Pommerellen an der Bolszewka (Bohlschau), eines Nebenflusses der Reda (Rheda), etwa 28 Kilometer ostnordöstlich der Stadt Lębork (Lauenburg i. Pom.) und vier Kilometer westnordwestlich der Stadt Wejherowo (Neustadt in Westpreußen).
Geschichte mini| Dorfstraße (2016) Auf Ackerfeldern am Ufer der Bohlschau waren im 19. Jahrhundert von Landwirten mehrmals prähistorische Steinkistengräber gefunden worden, die Begräbnisurnen enthielten; zwei Gesichtsurnen, eine kleine und eine große, konnten unversehrt geborgen werden.Gottlieb Berendt: Die Pommerellischen Gesichtsurnen, Königsberg 1872, S. 30–31 (Google Books) und Tafel I, No. 23 sowie No. 24a und 24b (Google Books).Julius von Pflugk-Harttung, Hans Prutz: Geschichte des Mittelalters, Teil I, Berlin 1889, S. 16, Fig. 3 (Google Books).Abraham Lissauer: Die prähistorischen Denkmäler der Provinz Westpreussen und der angrenzenden Gebiete. W. Engelmann, Leipzig 1887, S. 111, Nr. 129 (Google Books)
Bohlschau, früher ein Gutsbezirk, in älteren Urkunden Bolischo, Bolschow, auch Bolczewo und Bulszewo genannt, war ehemals ein angestammter Wohnsitz der alten pommerschen Familie Bohlschau, deren Name schon in den Kopenhagener Wachstafeln vorkommt und die in Pommerellen begütert war; ein Familienzweig saß auf Schloss Rutzau.Franz Schultz: Das Schloss Rutzau und seine Besitzer, in: Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins, Heft 45, Danzig 1903, S. 186–210, insbesondere S. 196 (Google Books). Im 13. Jahrhundert war das Gut unter den Besitzungen des Klosters Zuckau erwähnt worden, während der Ordenszeit gehörte es zur Komturei Danzig.Franz Schultz: Geschichte der Kreise Neustadt und Putzig. Danzig 1907, S. 412–417 (pbc.gda.pl).
Um 1818 hatte das am Fluss Rheda gelegene adlige Gut Bohlschau eine lutherische Kirche, eine Wassermühle, eine Spiritusbrennerei, eine Brauerei, einen Schänker, einen Krüger und acht Handwerksbetriebe. 1832 war es Teil des Konglomerats Bohlschauer Güter mit zusammen 73 Häusern, vier Wassermühlen und einer evangelischen Mutterkirche, das zum Kreis und Patrimonialgericht Neustadt gehörte und wo jährlich drei Kram- und Viehmärkte stattfanden.
Am 26. Mai 1893 wurde der Gutsbezirk Bohlschau aufgelöst.Amtsbezirk Gossentin (Territorial.de) Er hatte aus dem Rittergut Bohlschau und den beiden Vorwerken Worle und Gossentin bestanden. Aus Grundstücken des Gutsbezirks Bohlschau und Bestandteilen benachbarter Gemeinden wurden am 29. Juli 1893 die Landgemeinden Bohlschau, Gossentin und Worle gebildet.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Danzig, No. 19, 12. Mai, Danzig 1894, S. 187–189, Bekanntmachung 307 (Google Books).
Um 1910 hatte die Landgemeinde Bohlschau ein Elektrizitätswerk, eine Spar- und Darlehenskasse, eine Zementfabrik, eine Molkerei, ein Sägewerk und eine Ziegelei.Bohlschau, Dorf, an der Bohlschau, Kreis Neustadt Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Bohlschau (meyersgaz.org) Die Preußische Portlandzementfabrik Bohlschau war am 25. September 1871 zum Zweck der Fabrikation von Portlandzement und des Betriebs sämtlicher Nebengewerbe gegründet wordenAltpreußische Monatsschrift, Band IX, Königsberg i. Pr. 1872, S. 287 (Google Books). und hatte ein Kontor in Worle, wo auch die Generalversammlungen stattfanden. Hergestellt wurden Zement und Kunststeine sowie auch Kalk und Düngemittel.C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde, der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc., Band 11a: Westpreussen, 11. Ausgabe, Nürnberg 1913, S. 110 (Google Books).
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 823,6 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Bohlschau 84 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 60 Pferde, 207 Stück Rindvieh, 35 Schafe und 374 Stück Borstenvieh hielten.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Heft 2: Provinz Westpreußen. Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Danzig. 11. Kreis Neustadt in Westpreußen. S. 36–37, Ziffer 5(Google Books).
Bis 1919 gehörte das Dorf Bohlschau zum Kreis Neustadt in Westpreußen im Regierungsbezirk Danzig in der Provinz Westpreußen im Deutschen Reich.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags, der die Verlegung des Polnischen Korridors durch westpreußisches Territorium vorsah, die Region mit dem Dorf Bohlschau an Polen abgetreten werden. Nach dem Überfall auf Polen 1939 trat das Korridor-Gebiet zum Deutschen Reich, und das bisher polnische Dorf Bolszewo wurde in Bohlschau umbenannt. Am 1. April 1944 fand zwischen der Gemeinde Bohlschau und der Stadt Neustadt ein Gebietsaustausch statt.
Im Jahr 1945 bildete Bohlschau eine Landgemeinde im Kreis Neustadt in Westpreußen im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee das Kreisgebiet. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Region mit dem Dorf wieder Teil Polens.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1780 – adliges Dorf mit 24 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer lutherischen Kirche, in dem jährlich ein Jahrmarkt stattfindetJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Band 2: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 14 (Google Books). 1818 211 Dorf, mit 29 Feuerstellen (Haushaltungen), adlige Besitzung, mit einer lutherischen Kirche; davon 132 Evangelische, 71 Katholiken und acht JudenDanziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 154–155, Ziffer 16 (Google Books).Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 141, Ziffer 3535 (Google Books). 1832 656 Bohlschauer Güter, Dorf mit 73 Häusern, vier Wassermühlen, einer evangelischen Mutterkirche, zum Kreis und Patrimonialgericht Neustadt gehörig, mit drei Kram- und ViehmärktenGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A–F, Müller, Erfurt 1835, S. 332 (Google Books). 1864 361 am 3. Dezember, GutsbezirkPreußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, Abschnitt 7. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 2–9, Ziffer 7 (Google Books). 1867 545 am 3. Dezember, Rittergut 1871 548 am 1. Dezember, Rittergut, davon 357 Evangelische und 191 Katholiken Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt, Berlin 1874. Abschnitt VIII. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 392–393, Ziffer 103 (Google Books). 1885 925 am 1. Dezember, davon 165 in der Landgemeinde (125 Evangelische, 40 Katholiken) und 760 im Gutsbezirk (354 Evangelische, 406 Katholiken)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885. Band II: Provinz Westpreußen. Berlin 1887, 11. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 56–57, Ziffer 3 (Google Books), und S. 60–61, Ziffer 58 (Google Books). 1895 491 am 2. Dezember, Landgemeinde, davon 266 Evangelische und 225 KatholikenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für die Provinz Westpreußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, Berlin 1898, 1. Regierungsbezirk Danzig, 11. Kreis Karthaus, S. 54–55, Ziffer 32 (Google Books). 1910 768 am 1. Dezember, davon 389 mit deutscher Muttersprache (298 Evangelische, 91 Katholiken), eine Person mit polnischer Muttersprache (katholisch) und 378 mit kaschubischer Muttersprache (sämtlich Katholiken)Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft II: Regierungsbezirk Danzig, S. 36–37, 10. Kreis Neustadt in Westpreußen, Ziffer 5 (Google Books).
Kirche Dorfkirche Die erste evangelische Kirche wurde 1580 gegründet und befand sich bei dem südwestlich des Dorfkerns gelegenen Vorwerk Neukrügen, an einer Stelle, an der ein vom Berg kommender Bach im Erdboden verschwindet und seinen Lauf unterirdisch fortsetzt. Die Kirche brannte ab, an ihrem Standort wurden später Münzen und Gerätschaften gefunden.Alexander Treichel: Vier Sagen, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für den Reg.-Bez. Marienwerder, Neuntes Heft, Marienwerder 1883, S. 68–70, insbesondere S. 69 (Google Books).Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 358 (Google Books). Die Kirche mit Turm war vollständig mit Schindeln gedeckt bzw. verkleidet; 1663 wurde sie durch ein Bethaus in Form eines gewöhnlichen Hauses ersetzt.A. G. H. Lambeck: Geschichte der Begründung und des Wachsthums der Reformation in Westpreußen, Lambeck, Thorn 1850, S. 167 (Google Books). (1818 hatte das Vorwerk Neukrügen eine Feuerstelle (Haushaltung) und 14 Einwohner, die sämtlich Lutheraner waren, und einen Krüger.Danziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 172–173, Ziffer 180 (Google Books). An der Chaussee bei dem Vorwerk Neukrügen war 1825 eine Zollstation,Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Danzig, No. 12, 24. März, Danzig 1825, S. 215, Bekanntmachung No. 6 (Google Books). 1875 befand sich hier ein Gast- und Chausseehaus.Oskar Brunkow: Die Wohnplätze des Deutschen Reiches, Teil I: Das Königreich Preussen; Band 3, Zweite Auflage, Berlin 1885, S. 614–615, Ziffer 29 (Google Books). Um 1860 wohnte in Neukrügen Maria Antonie Josepha von Larisch geb. Reichsgräfin von Mettich (1806–1886), Witwe aus zweiter Ehe des preußischen Generalmajors Joseph von Larisch (1777–1841).Genealogisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser auf daß Jahr 1962, 35. Jahrgang, Perthes, Gotha 1862, S. 483 (Google Books) und S. 559 (Google Books).)
Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche in Bohlschau auch von Lutheranern des Nachbarorts Neustadt besucht, da es dort noch keine evangelische Kirche gab.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 53–54 (Google Books).
Im Jahr 1857 wurde ein neues massives Kirchengebäude mit rechteckigem Grundriss, Apsis und kleinem Turm im halbgotischen Stil errichtet. Die Glocken wurden in einem separaten Glockenstuhl eingehängt. Der Gebetsraum wurde mit einer Orgel mit Pedal und 14 Registern ausgestattet.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 446 (Google Books). Als Kirchenpatron fungierte der Besitzer der ehemaligen Herrschaft Bohlschau-Gossentin-Worle.Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 44, Nr. 1 (Google Books).
Die evangelische Dorfkirche Bohlschau wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
Kirchspiel bis 1945