Massimo Borghesi (* 1951 in Sansepolcro) ist ein italienischer Philosoph und Hochschullehrer.
Leben Massimo Borghesi schloss sein Studium an der Universität Perugia 1974 ab. Seine Dissertation befasste sich mit einem Aspekt des Hegelschen Denkens, insbesondere mit Hegels Verständnis der Figur Jesu Christi, vor allem in seinen sogenannten Theologische Jugendschriften, und der Entwicklung seines Denkens in späteren Jahren. Betreut wurde die Dissertation von Armando Rigobello (1929–2016). Nach einer Forschungstätigkeit an der Universität Tor Vergata wurde er als außerordentlicher Professor für Geschichte der Moralphilosophie an die Università del Salento berufen. Später lehrte er auch an der Pontificia facoltà teologica San Bonaventura, an der Päpstliche Universität Urbaniana und bis 2022 an der Universität Perugia.
Er ist Mitglied des Redaktionsausschusses mehrerer italienischer philosophischer Zeitschriften, darunter Quaderni leif, Studium, Atlantide und das Nuovo giornale di filosofia della religione.
2013 wurde ihm der Capri-San Michele-Preis und 2023 der Lucio-Colletti-Preis verliehen.Massimo Borghesi Cortile di Francesco, abgerufen am 12. November 2025
Lehre Der katholische Philosoph Massimo Borghesi beschäftigt sich vor allem mit dem grassierenden Atheismus der Gegenwart seit dem 20. Jahrhundert und dem Konzept der Säkularisierung, das in der Aufklärung seinen Anfang nahm. Er analysierte und verteidigte das Pontifikat von Papst Franziskus gegen die Angriffe jener, die ihn aufgrund angeblicher Unwissenheit und mangelnder theologischer Ausbildung für ungeeignet hielten, insbesondere im Vergleich zu seinem Vorgänger, Papst Benedikt XVI., der als einer der größten Theologen unserer Zeit gilt.
Er sah im argentinischen Papst einen tiefgründigen und gegliederten Gedanken, der vor allem auf dem Konzept der coincidentia oppositorum beruhte, einer Theorie, die vor einigen Jahrhunderten von Nikolaus von Kues entwickelt worden war; diese Polarität repräsentiert nach Borghesis Ansicht die Art und Weise, wie der 266. Papst der katholischen Kirche die Kirche selbst begreift, indem er sie zwischen zwei extreme Pole stellt, die durch das Eingreifen der göttlichen Vorsehung versöhnt werden, genau wie in der Hegelschen Lehre die Aufhebung es ermöglichte, innerhalb des historischen Prozesses die dialektischen Momente von These und Antithese zu überwinden und so die Rationalität der Wirklichkeit, selbst den Schrecken der Shoah und der Aktion T4, zu rechtfertigen. Entscheidend für die spirituelle Entwicklung von Jorge Mario Bergoglio und für die Ausarbeitung dieser Lehre – so Borghesi – war die Theorie der Polarität guardinischen Ursprungs sowie die immaterielle Begegnung mit den Schriften von Alberto Methol Ferré, Ignatius von Loyola, Gaston Fessard (1897–1978), Henry-Marie de Lubac, Amelia Podetti (1928–1979) und anderen Denkern, die sich eingehend mit der Arbeit der Kirche und dem Katholizismus auseinandersetzten.
Schriften (Auswahl) Von seinen zahlreichen theologischen Schriften wurde bisher nur ein Buch ins Deutsche übersetzt. Massimo Borghesi: Papst Franziskus: Sein Denken, seine Theologie. Übersetzt von Elisabeth-Marie Richter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2020, ISBN 978-3-534-27163-4.
Einzelnachweise
Kategorie:Philosoph (20. Jahrhundert) Kategorie:Philosoph (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Perugia) Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1951 Kategorie:Mann