mini|Asserballe Kirke (2022) Asserballe Kirke ist die evangelisch-lutherische Kirche der dänischen Ortschaft Asserballe (deutsch: Atzerballig) auf der Insel Alsen in Nordschleswig. Die ursprünglich einschiffige romanische Saalkirche wurde im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Kreuzkirche erweitert. Zu ihrem Kirchspiel, dem Asserballe Sogn, gehören außer dem Dorf Asserballe Siedlungen in Asserballeskov und Kettingskov sowie ein Dutzend Einzelgehöfte.Vgl. Pontoppidan Thyssen: Dansk præste og sognehistorie (wie unter Literatur), S. 697.

Baugeschichte mini|Das Kirchspiel Asserballe (rot) Die Kirche liegt auf einem 56 m hohen Hügel in der Mitte des Ortes.Raben, Gamle Minder fra Asserballe sogn II, S. 5. In romanischer Zeit (um 1100 bis 1250) wurde sie als Feldsteinkirche mit Schiff und Chor errichtet.Adriansen/Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 23. Bei ihrer Erbauung war sie die wohl kleinste Kirche auf AlsenThede, Asserballe Kirke (wie unter Weblinks) und war nach unsicherer Überlieferung vielleicht dem heiligen Clemens gewidmet,Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2441. der im mittelalterlichen Dänemark als Schutzpatron der Seefahrer und beliebter Heiliger galt.Finn Magnussen: Tillæg om Höjtidsbauner, Offerbaal, Nödild og Ilddyrkelse, især i Norden, in: Tidsskrift for Nordisk oldkyndighed 2 (1829), S. 238–348, hier S. 258. (online)

Chor und Kirchenschiff sind durch einen Chorbogen voneinander getrennt. Das Kirchenschiff wurde 1716 nach Westen verlängert. 1741 wurde bei der Restaurierung ein nördliches und 1867 anstelle des Waffenhauses ein südliches Querschiff angebaut, so dass der Grundriss der Kirche kreuzförmig wurde. Ein Glockenstapel und ein Dachreiter, die 1569 erwähnt wurden, existieren heute nicht mehr.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2443. Der Haupteingang wurde 1867 von der Südseite in den nördlichen Kreuzarm verlegt. Die Sakristei wurde 1874 im Osten hinter dem Chor angebaut.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2445.

Türen, Fensterrahmen und Giebelluken der Kirche sind im Farbton „Asserballe-Blau“ gestrichen, einem mit Schwarz-Beimischung zu einem nicht zu dunklen Graublau abgetönten Ultramarin. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als das seit 1826 synthetisch herstellbare Ultramarin Modefarbe geworden war, wurde seine graublaue Variante in Asserballe ortsbildprägend. Auch die Fensterrahmen des Pastorenhofs von Asserballe sind teilweise in dieser Farbe gestrichen.Malene Freksen: Asserballe-blå, in: Asserballe Sogns Kirkeblad, Sept./Okt./Nov. 2008, S. 1f. onlineRaben, Minder fra Asserballe sogn, S. 48 („Asserballeblaat“).

Die Kirche, deren baulicher Zustand in der Neuzeit mehrfach beklagt wurde, wurde 1714/1719, 1739/1741, 1867 und 1939/1940 umfassend restauriert; bei der letztgenannten Restaurierung wurden im Innern die Emporen entfernt. An der Nordwestseite des Friedhofs, der die Kirche umgibt, befindet sich eine Gedenkmauer für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne der Gemeinde.Adriansen/Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 28.

Ausstattung mini|Inneres mit Kanzel, Altar und Taufstein Ältester Einrichtungsgegenstand ist ein spätgotisches Chorbogenkruzifix, das heute an der Nordwand hängt. Das Korpus stammt aus der Zeit von ca. 1450–1475, während der Kreuzesstamm mit den vier Evangelisten-Symbolen in Vierpassfeldern von ca. 1525 datiert. Die heutige Farbfassung wurde 1914 von Restaurator Wilhelm Jensen aus Garding aufgelegt. Der Gekreuzigte weist hinsichtlich seiner Haltung und der turbanartigen Dornenkrone auffällige Parallelen zum Kruzifix in der Kirche von Bedsted und zum Triumphkreuz in der Lübecker Katharinenkirche auf. Unterschiede im Detail, z. B. im Gesichtsausdruck des Gekreuzigten, lassen jedoch eher eine gemeinsame Vorlage als eine gemeinsame Werkstatt vermuten. Die steinerne Taufe mit glatter, zylindrischer Kumme entspricht vom Aussehen jener in der Kirche von Hjordkær und datiert wie jene aus dem frühen 16. Jahrhundert.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2446, 2448f.

Die Altartafel im Akanthus-Barock wurde um 1719 angefertigt, und zwar laut Inschriften, die man 1907 bei einer Restaurierung entdeckte, von Ernst Günter Lund, einem Bildhauer in Sønderborg, und seinem Gesellen Hans Ebesen. Die Malerei im Hauptfeld ist mit „I. H. Jacobsen“ signiert und zeigt eine Abendmahlsszene. Darüber befindet sich ein ovales Aufsatzbild mit einer Kreuzigung und auf der Predella stehen die Einsetzungsworte des Abendmahls in dänischer Sprache.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2447f. Die Kanzel wurde 1745/46 von Hans Christian Snedker aus Hundslev geliefert, von dem auch der Altar in der Kirche von Ketting stammt. Die fünf Rundbogen-Felder des aus Eichenholz gefertigten Kanzelkorbs sind ohne Abbildungen.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2450.

Im Dach des nördlichen Kreuzarms befindet sich ein Glockenstuhl. Die dort angebrachte Glocke wurde 1677 von Claus Asmussen aus Husum gegossen, wie die in Versalien geschriebene Glockeninschrift bezeugt. Das Votivschiff der Kirche ist eine Fregatte mit der Aufschrift „1781, Fortuna, Peter P. F.“Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2451.

Ein reich bestickter Klingelbeutel von 1715 befindet sich heute im Museum Schloss Sonderburg. Er wurde 1715 von Margrethe Thomsen, der Ehefrau des Pastors Johannes Thomsen, geschenkt und besitzt eine schwere, versilberte Messingglocke mit der Inschrift: „M. T. 1715. / Hierbey ermuntert man die / Christen mit zutheilen / Den armen etwas auch zur / hülff in aller eilen“.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2450f.

Orgel mini|Spieltisch der Furtwängler-Orgel mini|Prospekt der Furtwängler-Orgel Die Orgel (I/P/9) befindet sich auf einem Podest am Westende der Kirche und wurde 1878 vom Orgelbauunternehmen Philipp Furtwängler & Söhne aus Hannover gebaut. 1949 erfolgte eine Generalüberholung und Umdisponierung durch Marcussen & Søn; dabei wurden vermutlich ein Bordun 16′ und eine Streicherstimme entfernt, um Quintatøn 2′ und die Mixtur einzubauen. Außerdem erhielten sämtliche Registerzüge mit Ausnahme der „Pedal-Koppel“ neue, dänische Beschriftungen. Die Disposition lautet seitdem: Manual C–f3 1. Principal 8′ 2. Gedakt 8′ 3. Octav 4′ 4. Gedaktfløjte 4′ 5. Quint ′ 6. Quintatøn 2′ 7. Mixtur III Pedal C–d1 8. Subbas 16′ 9. Gedakt 8′ Koppeln: Pedalkoppel (als Registerzug) Traktur: mechanische Schleifladen

Der Orgelprospekt von 1878 wird von drei Pfeifenfeldern mit Rundbögen gebildet. Darunter befinden sich drei Schrifttafeln, die von Lehrern der Danebod Højskole in Fynshav angefertigt und bei der Kirchenrestaurierung 1939–1940 angebracht wurden: Links eine Tafel mit dem Christusmonogramm samt Alpha und Omega, rechts eine Tafel mit dem Nomen sacrum IHS; unter dem Hauptfeld ist eine Tafel mit der ersten Strophe eines Kirchenlieds von N. F. S. Grundtvig angebracht:Adriansen/Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 25.

Dänischer Originaltext Lovsynger Herren, min Mund og mit Indre! Sjungende Hjerte, tag Aanden i Favn! Tonerne spille, som Stjernerne tindre trindt om Jehovas højhellige Navn! Deutsche Übersetzung Lobsinge dem Herren, mein Mund und mein Inn’res! Auf, singendes Herz, auf, den Geist zu umarmen! Die Töne erklingen gleich Sternen, die funkeln, geschart um Jehovas hochheiligen Namen!

Pastorengeschichte mini|Pastorenporträts in der Sakristei (Ausschnitt) (links: Sabroe, Poulsen, Bang; rechts: Müller) Die Pastorenreihe von Asserballe beginnt mit Claus (Niels) Iversøn (Amtszeit 1538–1554), der noch als katholischer Priester nach Asserballe kam und dann zur lutherischen Lehre überging. Auf ihn folgten u. a. drei Angehörige der Pastorenfamilie Rhode, darunter Steen Poulsen Rhode (Amtszeit 1653–1679). Als polnische Soldaten im Zweiten Nordischen Krieg 1658/1660 Asserballe heimsuchten, beschuldigten sie Rhode, Schätze versteckt zu haben. Damit sie den Pastorenhof ungehindert plündern konnten, bohrten sie ein Loch in einen Baum, stopften Rhodes Bart hinein und schlugen dann einen großen Nagel in das Loch, so dass Rhode hilflos in der Kälte ausharren musste, während sein Haus ausgeraubt wurde. Augustinus Meldal (Amtszeit 1792–1802), der anschließend nach Lysabild ging, fand den Pastorenhof von Asserballe baufällig vor und ließ ihn ausbessern. Sein Nachfolger Thomas Mathias Sabroe (Amtszeit 1802–1809) blieb durch seine bissigen Kommentare im Sterberegister im Gedächtnis, so schrieb er mehrere Todesfälle dem Hang der Bevölkerung zu, bei Erkrankungen anstelle eines ausgebildeten Arztes lieber den Naturheiler Johan Mattiassen zu Rate zu ziehen.Für den Abschnitt bis hier vgl. Pontoppidan Thyssen: Dansk præste og sognehistorie (wie unter Literatur), S. 697f. Auch sonst zeigte sich Sabroe als strenger Richter seiner Gemeinde, z. B. bemerkte er bei einer Ende 1807 verstorbenen 46-jährigen Bäuerin, aus dem Dänischen übersetzt: „Eine böse und zänkische Frau, die ihre Stiefkinder mit Härte und ihr eigenes Kind mit Verwöhnung misshandelte und sie alle von der Schule fernhielt. Zum Glück für diese und die Welt wollte sie nicht zulassen, dass ihr Mann den ordentlichen Arzt rief“. In der unmittelbar folgenden Sterbeeintragung einer 69-jährigen Gastwirtsfrau lautet Sabroes Kommentar: „Der Mann verbat sich eine Leichenpredigt. Er konnte sich wohl ausrechnen, dass es keine Lobrede geworden wäre.“Vgl. Asserballe Sogn, Hovedministerialbog 1776–1814, S. 82 (online)

Pastor Sigvard Poulsen (Amtszeit 1834–1847) ließ 1834 den heutigen Pastorenhof von Asserballe erbauen.Adriansen/Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 29. Sein Nachfolger Hans Peter Schlaikier aus Broager (Amtszeit 1847–1849) wurde während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung wegen seiner prodeutschen Einstellung suspendiert und ging nach Thüringen, wo er das Lehrerseminar Hildburghausen leitete und zuletzt Oberschulrat in Meiningen war. Von 1850 bis 1863 war Frederik Ludvig Bang Pastor in Asserballe.Pontoppidan Thyssen: Dansk præste og sognehistorie (wie unter Literatur), S. 698f. Bischof Jørgen Hansen aus Egen lobte in seinen Visitationsberichten besonders dessen „geniale“ und biblische Predigten, von denen einige sogar gedruckt sind.F. L. Bang: Fire festprædikener i 1851 [d. h. „Vier Festpredigten 1851“], Kopenhagen 1852 Pastor Bang war der Vater des bekannten dänischen Schriftstellers Herman Bang, und dieser berichtete später in seinem Roman Das weiße Haus (dän. Det hvide hus, 1898, damit ist der Pastorenhof von Asserballe gemeint) über seine Kindheit. Darin heißt es: „Du weißes Haus, wie eine jauchzende Schar kommen deine Erinnerungen“Herman Bang: Das weiße Haus. Das graue Haus. Zwei Romane. Aus dem Dänischen von Walter Boehlich. Insel Verlag: Frankfurt am Main und Leipzig 2. Aufl. 2016, ISBN 978-3-458-34956-3, S. 23.; dazu gehören z. B. die Weihnachtsfeste, an denen auch die örtlichen Kätnerfrauen zum Pastorenhof kamen, um sich mit Kaffee und Kandis beschenken zu lassen,Bang, Das weiße Haus (wie zuvor), S. 33f. oder Nächte, bei denen die Pastoren der Umgebung in Asserballe zusammenkamen, um L’Hombre zu spielen, manchmal bis zum Morgengrauen, und das letzte Spiel fand dann bei Sonnenaufgang auf dem Rasen statt.Bang, Das weiße Haus (wie zuvor), S. 127f. Wegen einer zunehmenden psychischen Erkrankung ließ sich Pastor Frederik Bang 1863 von Asserballe nach Horsens versetzen, und als sich sein geistiger Zustand weiter verschlechterte, folgte 1872 eine erneute Umsetzung in die kleine Pfarrei Tersløse bei Sorø.herman-bang.de: Asserballe Dort musste Herman Bang bei seiner eigenen Konfirmation den Vater von der Kanzel holen, als dieser plötzlich zusammenhanglos das Sprichwort „Das alte Weib und die Katze stritten sich um den Brei“ auszulegen begann. 1875 verstarb Frederik Bang in Tersløse.herman-bang.de: Tersløse