mini|Roots’ Begegnungsstätte Dignity Center in Gusch Etzion-Bethlehem

Roots – Judur – Shorashim ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Gusch Etzion im Westjordanland, deren Ziel es ist, Dialog und Vertrauen zwischen Israelis und Palästinensern als Weg zum Frieden zu fördern. Sie betreibt das einzige gemeinsame israelisch-palästinensische Begegnungszentrum im Westjordanland. Zusätzlich zur Begegnungsstätte in Gusch Etzion gibt es drei kleinere Zentren in der Schomron-Region, im Jordantal und im Umland von Hebron.

Die Wörter „roots“, „judur“ und „shorashim“ bedeuten „Wurzeln“ auf Englisch, Arabisch und Hebräisch.

Geschichte Im Januar 2014 gründeten die Friedensaktivisten Ali Abu Awwad und Shaul Judelman zusammen mit Rabbi Hanan Schlesinger und weiteren Personen die Organisation „Roots“. Ihr israelisch-palästinensisches Begegnungszentrum mit dem Namen Dignity Center entstand auf einem Grundstück von Awwads Familie nahe des Dorfs Beit Ummar im Westjordanland sowie in 200 Metern Nähe zum Einkaufspark Gush Etzion Junction. Die ersten Treffen zwischen Israelis und Palästinensern hatten bereits Wochen zuvor auf dem Grundstück stattgefunden, und im Laufe des Monats wuchs die Zahl der Teilnehmer. Im selben Jahr regte Roots die Gründung des Genfer Vereins B8 of Hope an, der Geld für Roots sammelte und später auch andere Basisinitiativen in Israel-Palästina unterstützte.

Im November 2015 setzte sich die Gruppe für die Freilassung des Sohnes eines palästinensischen Mitglieds ein. Der Junge war aufgrund der Beschuldigung verhaftet worden, einen Stein geworfen zu haben, ohne dass dafür Beweise erbracht wurden.

2019 schickten palästinensische Mitglieder einen Kondolenzbrief an die Familie von Dvir Sorek, einem jüdischen Siedler und Teilnehmer einer Roots-Dialoggruppe, der von zwei Palästinensern ermordet worden war, und verurteilten darin die gegen ihn verübte Gewalt. Roots veranstaltete auch ein Dialogtreffen zwischen Soreks Jeschiwa-Kommilitonen und palästinensischen Mitgliedern der Gruppe.

2020 sprach sich die Gruppe gegen israelische Pläne aus, Teile des Westjordanlands zu annektieren.

Nach den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Kriegs kamen die meisten Begegnungsveranstaltungen zum Erliegen und wurden nach und nach wieder aufgenommen. Die Gruppe organisierte auch virtuelle Treffen. Sie sammelte Spenden für palästinensische Familien, die durch die Gewalt israelischer Siedler ihre Lebensgrundlage verloren hatten.

Werte Roots betont, dass das Heilige Land weder ausschließlich den Juden noch ausschließlich den Palästinensern gehört, sondern dass vielmehr beide Völker zum gesamten Land vom Mittelmeer bis zum Jordan gehören: Der Titel ihrer Vortragsreisen „Two truths in one heart, two peoples in one land“ („Zwei Wahrheiten in einem Herzen, zwei Völker in einem Land“) bringt diese Idee zum Ausdruck. Roots äußert sich nicht direkt zu Fragen der israelischen Siedlungspolitik, sondern hebt hervor, dass beiden Seiten ein Leben in Würde, Freiheit, Gleichheit und Sicherheit im Land ermöglicht werden muss.

Die Organisation ist der Ansicht, dass Religion, wenn sie Teil des Problems ist, auch Teil der Lösung sein muss. Anstatt sich auf säkulare linke Juden und Palästinenser in Kernisrael zu konzentrieren, richten sich ihre Aktivitäten an die Bewohner des besetzten Westjordanlands – das sie als „Westjordanland / Judäa und Samaria“ bezeichnen –, also an jüdische Siedler, von denen die meisten religiös sind und sich als politisch rechts bezeichnen, und an Palästinenser vor Ort, von denen viele traditionelle Muslime sind. So beziehen sie Menschen mit ein, die Ansichten vertreten, die oft als Hindernis für einen Friedensprozess angesehen werden. Indem sie sie mit ihren vermeintlichen Feinden in Kontakt bringen, wollen sie alle betroffenen Parteien an Bord holen und Extremisten davon abhalten, eine friedliche und gerechte Koexistenz zu torpedieren.

Die Organisatoren von Roots haben sowohl die Anschläge vom 7. Oktober als auch die Tötung von Zivilisten durch die israelische Armee kritisiert.

Tätigkeit vor dem 7. Oktober 2023 Roots organisierte Treffen zwischen Israelis und Palästinensern, die in der Westbank in unmittelbarer Nachbarschaft leben, um sie miteinander ins Gespräch zu bringen. Zu den Veranstaltungen gehörten monatliche Treffen zwischen israelischen und palästinensischen Familien, eine Frauengruppe, zweiwöchentliche Aktivitäten für Schulkinder, Fotografie-Workshops, Sommercamps, interreligiöse Bildung und Begegnung sowie gemeinschaftliches Fastenbrechen, beispielsweise durch gemeinsame Iftar-Mahlzeiten. Andere Programme konzentrierten sich auf Spracherwerb und kulturellen Austausch. Fast alle Veranstaltungen in der Region Gusch Etzion / Bethlehem / Hebron fanden im Dignity Center statt. Die drei anderen Begegnungszentren von Roots führten in kleinerem Umfang ähnliche Programme durch.

Jährlich statteten im Durchschnitt 50 Gruppen, die eine Mechina (israelisches Vorbereitungsprogramm für den Militärdienst) durchliefen, Roots einen Besuch ab. Für die meisten Teilnehmer war es das erste Mal, dass sie Palästinenser trafen oder mit ihnen sprachen. Darüber hinaus besuchten jedes Jahr 200 bis 300 Gruppen aus Israel und der ganzen Welt Roots, darunter Studentengruppen, interreligiöse Gruppen und Parlamentsabgeordnete.

Über die Aktivitäten in der Begegnungsstätte hinaus besuchten Mitglieder von Roots sowohl israelische als auch palästinensische Opfer von Gewalt, halfen palästinensischen Bauern, Zugang zu ihrem Ackerland in der Nähe israelischer Siedlungen zu erhalten, und führten gemeinsame Wohltätigkeitsaktionen durch, darunter Blutspendeaktionen. Die Gruppe veranstaltete auch einen jährlichen „Run for Reconciliation“ („Versöhnungslauf“). Sie baute Kontakte zu politischen, geistlichen und pädagogischen Leitern in der Gegend von Gusch Etzion und im Jordantal auf, um der Gewalt Einhalt zu gebieten, die von deren Gemeinschaftsmitgliedern verübt wurde.

Tätigkeit seit dem 7. Oktober 2023 Gruppentreffen und andere Veranstaltungen wurden nach den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 für mehrere Monate ausgesetzt, da sowohl auf israelischer als auch auf palästinensischer Seite Wut, Schmerz und Angst herrschten und die Bewegungsfreiheit für Palästinenser massiv eingeschränkt wurde. Dennoch hielten die Mitarbeiter den Kontakt zu den Teilnehmern aufrecht. Zunächst konzentrierte sich Roots auf humanitäre Bedürfnisse und unterstützte vertriebene Israelis aus dem Norden des Landes sowie örtliche Palästinenser, von denen viele durch den Entzug ihrer Arbeitserlaubnis durch Israel ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Roots setzte sich auch gegen die zunehmenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung, gegen Gewalt von Siedlern gegenüber Palästinensern und gegen die Beschlagnahmung palästinensischen Landes ein. Darüber hinaus veranstaltete die Organisation innerhalb beider Bevölkerungsgruppen Gesprächsrunden zur Versöhnung und bot Trauma-Workshops an. Erste Programme zum persönlichen Austausch mit israelischen und palästinensischen Erwachsenen sowie Besuche durch Mechina-Gruppen wurden im Frühjahr 2024 wieder abgehalten, während die erste israelisch-palästinensische Kinderveranstaltung im Sommer 2024 stattfand. Regelmäßige Begegnungsprogramme von Israelis und Palästinensern wurden 2025 wieder aufgenommen. Seit Beginn des Krieges widmet Roots sich aber auch verstärkt getrennten Programmen für Palästinenser und Israelis.

Derzeit führt die Universität Haifa eine wissenschaftliche Untersuchung zum Begegnungsprogramm von Roots für israelische und palästinensische Sekundarschüler im Westjordanland durch, welches sieben Jahre lang lief. Ziel ist es, herauszufinden, welche Faktoren zu einer Veränderung von Einstellungen beitragen, und diese Erkenntnisse in Lehrerausbildung und Lehrpläne einfließen zu lassen, um Friedensförderung zu unterstützen.

Internationale Tätigkeit Roots veranstaltet Vortragsreisen in Amerika und Europa sowie Zoom-Meetings für Interessierte auf der ganzen Welt. Die Partnerorganisation von Roots, Atidna International, setzt sich in den USA dafür ein, jüdische und arabische bzw. israelische und palästinensische Studenten für Dialog- und Friedensinitiativen an Hochschulen zusammenzubringen.

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Kategorie:Israelisch-palästinensische Verständigung Kategorie:Organisation der Friedensbewegung Kategorie:Organisation (Westjordanland) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2014