Bleicherde (auch Walk[er]erde, Fullererde, Füllerde, Vollerde, Seifenerde oder BleicherleimKarl Günther Ludovici, Eröffnete Akademie der Kaufleute, oder vollständiges Kaufmanns-Lexicon, Band 5, Leipzig 1756, S. 610) ist der Sammelbegriff für ein Gemenge aus verschiedenen quellfähigen Schichtsilikaten aus der Gruppe der Smektite, welche zu den Tonmineralen gehören. Hauptbestandteil ist das Montmorillonit.
Verwendung
Historisch wurde Bleicherde wegen der hohen Fettabsorption in der Tuchproduktion – ähnlich wie Seife – eingesetzt, um Wolle von Lanolin zu befreien und die Verfilzung der Fasern zu fördern.
Bleicherden werden hauptsächlich als Adsorptionsmittel bei der Raffination von Speiseöl (Entfärbung, Reinigung und Stabilisierung) eingesetzt.Brockhaus ABC Chemie, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1965, S. 187.
In der Lebensmittelindustrie werden Bleicherden zur Schönung von Wein, Most und Saft, zur Bierstabilisierung und zur Reinigung von Zuckersaft und -sirup verwendet, in der Papierindustrie als Pigment und Farbentwickler.
Bleicherde dient auch als Bindemittel für Fett bzw. Öl auf Wasser.
Zur Abtrennung von Farbstoffen, Hydroperoxiden oder Schwermetallen wird bei 90 °C Bleicherde (Aluminiumsilikat) zugesetzt, oft in Kombination mit Aktivkohle.
Im 18. Jahrhundert wurde Bleicherde vor allem in Sachsen (z. B. Colditz, Schwarzenberg, Grimma, Leipzig) abgebaut sowie in der damaligen Mark Brandenburg im Raum Frankfurt (Oder). Im 19. Jahrhundert sind Vorkommen bei Weilburg, Aachen und Roßwein sowie in Schlesien und der Steiermark abgebaut worden.
Fördermengen Der Großteil der globalen Abbaumengen entfiel 2019 und 2020 auf die USA. Eine Übersicht bietet die folgende Tabelle.
Land 2019U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2021: CLAYS. 2020U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2022: CLAYS. (in Tonnen) 37.000 34.000 6.000 730.000 110.000 110.000 117.000 117.000 626.000 590.000 20.000 60.000 1.920.000 1.980.000 Andere Länder 344.000 313.000 Gesamt 3.180.000 3.930.000
Siehe auch Bleichen Kaolin Lavaerde
Literatur
K. Jasmund, G. Lagaly, Tonminerale und Tone, Steinkopff Verlag, Darmstadt, (1993).
Einzelnachweise
Kategorie:Hilfsmittel (Textilveredelung) Kategorie:Farbmittel Kategorie:Lebensmittelzusatzstoff Kategorie:Schichtsilikate (Strunz)