Kostjantyn Mykolajowytsch Schukow (, ; * 1873; † 7. März 1940 in Charkiw) war ein Architekt im Russischen Kaiserreich und der Sowjetunion, der ab 1909 im ukrainischen Charkiw tätig war. Er war Theoretiker und Vertreter des architektonischen Stils der Ukrainischen Moderne.
Leben und Wirken Schukow schloss 1897 die Moskauer Schule für Malerei, Bildhauerei und Architektur ab und lehrte anschließend drei Jahre lang an der Kunstschule in Pensa. 1899 wurde er zu einer dreimonatigen Studienreise nach Italien, Frankreich und in die Schweiz entsandt, um die zeitgenössischen europäischen Lehrmethoden in Kunst und Architektur kennenzulernen. Von 1904 bis 1910 entwarf eine Reihe von Landhäusern auf der Krim im Stil des Neoklassizismus und Modernismus.
1909 zog Schukow nach Charkiw, wo er sich intensiv mit der ukrainischen Volkskunst und Architektur auseinandersetzte. Er wurde aktives Mitglied der ukrainischen Kunst- und Architekturabteilung des Literarisch-Künstlerischen Kreises von Charkiw unter der Leitung von Serhij Wassylkiwskyj, dem unter anderem Dmytro Bahalij, Oleksandr Ginsburg, Mykola Samokysch und Serhij Tymoschenko angehörten. 1911 gewann er den Architekturwettbewerb für den Entwurf des Gebäudes der Charkiwer Kunstschule (heute Staatliche Akademie für Design und Kunst Charkiw). Das 1913 errichtete Gebäude prägte die Entwicklung der ukrainischen architektonischen Moderne. Infolge seiner Arbeit an der Kunstschule formulierte Schukow Thesen zum ukrainischen architektonischen Moderne und betonte dessen europäischen, nicht russischen Charakter. Im Auftrag der Wowtschansk-Semstwo entwarf er 1912 mehrere Schulgebäude mit dekorativer Fassaden, von denen einige während des Ersten Weltkriegs als Lazarette genutzt wurden. 1913 erhielt Schukow beim Wettbewerb für den Entwurf eines Denkmals auf dem Grab von Mykola Lyssenko in Kiew den zweiten Platz. In der Sowjetunion wurde der ukrainische architektonischen Moderne als nationalistisch und dekadent verurteilt, weshalb sich Schukow in den 1920er Jahren dem Konstruktivismus zuwandte. In diesem Stil errichtete er in Charkiw das Haus der Bildungsarbeiter mit Stahlbetonkonstruktion und klar gegliederten Formen.
Ab 1914 unterrichtete Schukow zehn Jahre lang Zeichnen und Komposition an einer Druckereischule. Von 1924 bis 1937 war er Professor am Charkiwer Kunstinstitut (heute Staatliche Akademie für Design und Kunst Charkiw), wo er Perspektive an der Fakultät für Malerei sowie architektonische Formen und Skizzengeometrie an der Fakultät für Architektur unterrichtete. Ab 1935 leitete er an derselben Hochschule die Abteilung für Architekturplanung und lehrte Grafik. Wegen seines Engagements für die ukrainische Moderne wurde er 1937 aus dem Institut entlassen.
Schukow wurde am 7. März 1940 im Alter von 67 Jahren ermordet. Unbekannte Täter erstachen ihn in einer Straßenbahn.
Werk 1911–1913: Gebäude der Realschule in Charkiw 1911–1913: Gebäude der Kunstschule in Charkiw (zusammen mit Mychajlo Piskunow) 1912: Landhaus von Kulischanskyj im Dorf Pomirky bei Charkiw (nicht erhalten) 1913: Wettbewerbsentwurf für das Grabmal von Mykola Lyssenko in Kiew (2. Platz) 1912–1914: Haus des Arztes O’Gon in Kobeljaky (nicht erhalten) 1914: Haus von Baskewytsch in Kobeljaky (nicht erhalten) 1912–1916: Semstwoschulen und Wohnhäuser in der Region Wowtschansk 1914: Museum in Wowtschansk 1925: Haus für Bildungsarbeiter in Charkiw
Publikationen (Auswahl) Украинский архитектурный стиль. (Ukrainischer Architekturstil). In: Украинскaй жизнь. 1912. Nr. 9; 1914. Nr. 1. Украинское зодчество на 5 Всероссийском съезде зодчих. (Ukrainische Architektur auf dem 5. Allrussischen Architektenkongress). In: Украинскaй жизнь. 1914. Nr. 1. Украинский модерн в архитектуре 20 века. (Ukrainische Moderne in der Architektur des 20. Jhs.), 1936.
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Ukraine) Kategorie:Russe Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Person (Charkiw) Kategorie:Geboren 1873 Kategorie:Gestorben 1940 Kategorie:Mann