The Slaughterhouse ( für Der Schlachthof) ist das 30. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es trägt den Untertitel „Trax from the NPG Music Club Volume Two“ und erschien am 29. März 2004 über NPG Records ausschließlich als Download für registrierte Nutzer seiner damaligen Website. Zeitgleich veröffentlichte Prince sein 29. Studioalbum The Chocolate Invasion sowie sein drittes Livealbum C-Note.
Stilistisch ist The Slaughterhouse dem Contemporary R&B, Funk und der Popmusik zuzuordnen; inhaltlich befassen sich die Liedtexte überwiegend mit der Musikindustrie und Prince’ eigenem künstlerischen Schaffen. Als Gastmusiker wirkten unter anderem das Blechbläserquintett Hornheads, Larry Graham, Najee und der Rapper DVS mit. Eine nennenswerte Musikpromotion fand nicht statt. Da das Album nicht in offiziellen Musikcharts geführt wurde, konnte es keinen Gold- oder Platinstatus erreichen. Die mediale Resonanz fiel gering aus, und Musikkritiker bewerteten das Album überwiegend negativ.
Im Dezember 2015 wurde The Slaughterhouse beim Musikstreamingdienst Tidal als kostenpflichtiger Download veröffentlicht; seit 2018 ist es auch über weitere Streamingplattformen verfügbar. Eine Veröffentlichung auf CD oder LP erfolgte bis heute (2026) nicht.
Entstehung Die genauen Aufnahmedaten der zehn Albumtitel sind nicht vollständig bekannt; Prince nahm sie jedoch zwischen 1997 und Ende 2000 in seinem Paisley-Park-Studio in Chanhassen (Minnesota) auf. S&M Groove, ursprünglich unter dem Arbeitstitel Sado-Masochistic Groove, entstand vermutlich während der Sessions zu Newpower Soul im Jahr 1997.Clerc (2023), S. 389. Hypnoparadise nahm Prince Ende 1998 oder Anfang 1999 auf. Y Should 18x18px Do That When 18x18px Can Do This? entstand im Frühjahr 1999 parallel zu den Arbeiten an Rave Un2 the Joy Fantastic, das im November 1999 erschien. Die Bläsersätze des Quintetts Hornheads wurden am 17. Mai 1999 ergänzt. Die Stücke 2045: Radical Man, Peace und Silicon nahm Prince Ende 1999 oder Anfang 2000 auf.Clerc (2023), S. 385. Golden Parachute und The Daisy Chain spielte er im Frühjahr 2000 ein; sie waren für ein Album mit dem Arbeitstitel High vorgesehen, das er am 8. August 2000 ankündigte, jedoch nie veröffentlichte.Uptown (2004), S. 254.Clerc (2023), S. 390. Northside entstand im Frühjahr bzw. Sommer 2000,Clerc (2023), S. 387. Props ‘N’ Pounds Ende desselben Jahres.
Vor der Veröffentlichung von The Slaughterhouse im März 2004 waren alle Titel bereits über Prince’ Websites als Downloads verfügbar. Erste Ausschnitte der Stücke 2045: Radical Man und Peace stellte er am 4. März 2000 auf seiner damaligen Website NPG Online LTD.com bereit.Uptown (2004), S. 248. 2045: Radical Man erschien zudem am 26. September 2000 auf dem Soundtrack zum Film Bamboozled von Regisseur Spike Lee.Clerc (2023), S. 423.
Mit dem Start der Website NPG Music Club.com am 14. Februar 2001 veröffentlichte Prince weitere Titel schrittweise als Downloads: The Daisy Chain am 22. März,Clerc (2023), S. 386. Northside am 22. April, Props ‘N’ Pounds am 15. Mai, Y Should 18x18px Do That When 18x18px Can Do This? am 11. Juni, Hypnoparadise und S&M Groove am 7. Juli, Golden Parachute am 28. August sowie Silicon am 15. Dezember 2001.Clerc (2023), S. 392.
Am 15. Oktober 2003 kündigte Prince ein 7-CD-Set mit dem Titel The Chocolate Invasion an. Es sollte die Alben The Chocolate Invasion und The Slaughterhouse sowie die zuvor ausschließlich digital erschienenen Alben C-Note, One Nite Alone und Xpectation enthalten. Hinzu kommen sollten das bis heute (2026) unveröffentlichte Album The Glam Slam Club Mix sowie die CD The War, ein 26-minütiger Live-Track, der erstmals am 21. Juli 1998 als Download verfügbar gewesen war.Uptown (2004), S. 290. Das Projekt wurde jedoch nicht realisiert; am 4. Juli 2006 wurde die Website NPG Music Club.com ohne Vorankündigung eingestellt.Thorne (2017), S. 400.
Gestaltung des Covers Wie bereits bei The Chocolate Invasion verantwortete der Artdirector Sam Jennings die Covergestaltung. Er arbeitete von 1998 bis 2007 mit Prince zusammen, zunächst als Webmaster seiner Websites, später auch als Artdirector für Albumcover, darunter Xpectation (2003), Musicology (2004), 3121 (2006) und Planet Earth (2007).
Das von Jennings bereits 2003 entworfene Artwork zu The Slaughterhouse wurde jedoch erst im Dezember 2015 veröffentlicht, als das Album beim Musikstreamingdienst Tidal verfügbar gemacht wurde. Über die Gestaltung erklärte Jennings, sie enthalte Charakterzeichnungen der Modedesignerin Debbie McGuan und greife den visuellen Stil der Website NPG Music Club.com aus dem Jahr 2001 auf. McGuan entwarf zwischen 1993 und 2007 wiederholt Bühnen- und Alltagsoutfits für Prince. Jennings wurde zudem als Executive Producer des Albums geführt, da er an der Auswahl von Titel und Titelliste beteiligt war.Website von Sam Jennings, Informationen zum Albumcover
Musik und Liedtexte Musikalisch ist das Album den Genres Contemporary R&B, Funk und Pop zuzuordnen. Die Liedtexte thematisieren überwiegend die Musikindustrie sowie Prince’ eigenes musikalisches Schaffen. Als Gastmusiker wirken das Blechbläserquintett Hornheads, Larry Graham, Najee und der Rapper DVS (* 1980 als David Max Schwartz in New York) mit, der in den Jahren 2000 und 2001 gelegentlich mit Prince zusammenarbeitete. Neben seinem charakteristischen Falsett setzt Prince auch tiefere Stimmlagen ein; vereinzelt nutzt er zudem Sprechgesang. Silicon Der Opener ist eine spannungsgeladene, kantige Funkkomposition mit einem rhythmisch komplexen, pulsierenden Drumcomputer-Pattern im Vordergrund. Das reduzierte Arrangement umfasst zudem einen tieffrequenten Bass sowie wenige, metallisch klingende Synthesizerklänge. Der Liedtext beginnt mit der Zeile „Welcome to the slaughterhouse“ und unterstreicht die insgesamt düstere Atmosphäre des Stücks. Prince trägt den Text überwiegend im Sprechgesang vor und propagiert darin eine vegane Ernährung als Bestandteil eines als „geheiligt“ dargestellten Lebensstils. So heißt es unter anderem: „Du kannst wetten, dass sie in Babylon chillen und darüber nachdenken, wie sie das Proton spalten können. Während du all das blutige Hähnchen und die toten Garnelen isst, einen Milchshake von McDonald’s und ein Filet Mignon“. Später warnt er vor gesundheitlichen Folgen des Fleischkonsums und formuliert dies unter anderem mit den Worten: „Lass das Blut in Ruhe! Weißt du denn nicht, dass abgestorbenes Blut Interferone zerstört? Dadurch wird das Immunsystem geschwächt, und jedes bekannte Virus kann sich aktivieren und eindringen“. Die erste Strophe von Silicon ist identisch mit Prince’ zweitem Rap in The Greatest Romance Ever Sold (Adam & Eve Remix) aus dem Jahr 1999.Uptown (2004), S. 444–445. S&M Groove Der Funk-/Dance-Titel ist experimentell und unkonventionell angelegt und wird von einem unerbittlichen Drumcomputer-Beat getragen. Prince’ Stimme ist stark verfremdet und wirkt maschinenartig. Der Liedtext weist keinen inhaltlichen Bezug zum Sadomasochismus auf, sondern thematisiert Prince’ Selbstinszenierung als Rockstar. Er erklärt darin, er werde „weiter rocken und grooven, auf meine ganz eigene Art“, verweist auf seinen Kleidungsstil („meine Klamotten sind der Hammer“) und formuliert selbstbewusst: Wenn er dem Schöpfer begegne, werde dieser „nach dem Namen meines Schneiders fragen“. Die abschließende Aussage „Dieser Groove ist sadomasochistisch“ fungiert dabei als metaphorische Selbstbeschreibung. Wiederholt verwendet Prince zudem die Zeile „Freaks werden dazu abrocken“.Uptown (2004), S. 441. Y Should 18x18px Do That When 18x18px Can Do This? Prince rappt über einen schnellen, treibenden und stark perkussiven Beat; ein jazziges Bläserarrangement ergänzt die Rhythmusstruktur. Der Track enthält zudem ein wiederkehrendes Sample aus Family Affair (1971) von Sly & the Family Stone. Inhaltlich stellt Prince seine musikalischen Fähigkeiten heraus und kritisiert Musiker, die keine Instrumente beherrschen und stattdessen auf Computermusik zurückgreifen. In einer Textpassage äußert er, man könne das Musikgeschäft erst verstehen, wenn man „vor 70.000 Menschen“ auftrete, und richtet diese Aussage in provokativer Sprache an jüngere Künstler. Daneben nennt er in positivem Zusammenhang mehrere Personen aus seinem Umfeld und der Musik- und Medienbranche, darunter seinen damaligen Rechtsanwalt L. Londell McMillan (* 1966), die damalige MTV-Moderatorin Ananda Lewis (* 1973; † 2025), Chaka Khan, Chuck D, Doug E. Fresh, Mary J. Blige, Spike Lee sowie The New Power Generation. Die auf The Slaughterhouse enthaltene Fassung von Y Should 18x18px Do That When 18x18px Can Do This? unterscheidet sich geringfügig von der am 11. Juni 2001 online veröffentlichten Version; dabei wird die Verwendung des N-Worts durch eine leichte Überlagerung mit Bläserklängen abgeschwächt.Uptown (2004), S. 441–442. Golden Parachute Das ruhige, entspannte R&B-Stück verbindet einen funky Groove mit Jazz-Einflüssen. Die überwiegend instrumentale Anlage dient als Grundlage für melodische Variationen und ornamentale Einwürfe, darunter Improvisationen auf der Querflöte, gedämpfte Trompetenpassagen, Harfenverzierungen, Wah-Wah-Gitarren-Licks sowie jazzige Gitarrenläufe. Der sparsam gehaltene Liedtext kritisiert den sogenannten „goldenen Fallschirm“, also Vertragsklauseln, die Führungskräften hohe Abfindungen oder Boni bei ihrem Ausscheiden zusichern. Prince singt unter anderem: „Hier sind 50 Millionen Dollar, die deine Entlassung begleiten. Halt einfach die Klappe und sprich nie über den Plan, die Seele des Menschen zu erobern und zu kontrollieren“. Inhaltlich bezieht sich der Text auf die Entlassung von Clive Davis bei Arista Records im Mai 2000, bei dem Prince 1999 und 2000 selbst unter Vertrag stand und sich mit Davis überwarf. Gegenüber der am 28. August 2001 veröffentlichten Fassung enthält Golden Parachute auf The Slaughterhouse zu Beginn eine zusätzliche Trompetenpassage von Najee, ist ansonsten jedoch identisch.Uptown (2004), S. 443. Hypnoparadise Der beschwingte, temporeiche Titel gilt als einer der herausragenden ausschließlich online veröffentlichten Songs von Prince. Zentrales Gestaltungselement ist ein eingängiger, tranceartig wirkender Refrain. Der spirituell geprägte Liedtext kreist um die Frage „Bin ich im Himmel oder im Hypnoparadise?“ und beschreibt eine weibliche oder geistartige Figur, die dem Erzähler in Momenten der Verzweiflung Beistand leistet. „Hypnoparadise“ wird dabei als metaphorische Chiffre für ein vorbestimmtes Schicksal oder einen Zustand innerer Erlösung verwendet. Props ‘N’ Pounds Die Melodie des verspielten Midtempo-Funkstücks weist stilistische Anklänge an den für Prince typischen LM-1-Drumcomputer-Sound der Mitte bis späten 1980er Jahre auf. Im Liedtext kritisiert Prince unter anderem Safer-Sex-Praktiken, die er als moralisch problematisch darstellt. Das Intro enthält ein Sample des damaligen MTV-Moderators Kurt Loder, der sich anerkennend über Prince äußert. Gegen Ende des Songs ist Loder erneut zu hören, wenn er Prince als „einen der besten Live-Performer überhaupt“ sowie als „großartigen Musiker“ mit der „richtigen Herangehensweise“ beschreibt. Northside Der funkige Midtempo-Titel ist von einer Bläserbegleitung geprägt. Im Vergleich zu anderen Prince-Kompositionen weist Northside eine eher reduzierte melodische und rhythmische Struktur auf. Der Song vermittelt klanglich den Eindruck einer Liveaufnahme und verwendet echtes Schlagzeug, Bassgitarre sowie markante Bläsereinsätze von Najee, der zwischen 2000 und 2002 mit Prince zusammenarbeitete. Der Liedtext, in dem Prince ankündigt, „wir haben etwas Verrücktes für dich“, thematisiert vor allem die Energie und Bedeutung von Livemusik im Norden von Minneapolis, dem Stadtteil, in dem Prince aufwuchs.Uptown (2004), S. 483. Peacemini|Larry Graham, 2011