Stella Nikiforova (; geboren am 29. Juli 1939 in Antwerpen als Kugelman, später Vladimirovna) ist eine russische Holocaustüberlebende und Zeitzeugin. Als Kind wurde sie zusammen mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo ihre Mutter ermordet wurde. Durch die Solidarität und Unterstützung der anderen Häftlingsfrauen kann sie als Mädchen die Konzentrationslager-Haft überleben.

Leben und Wirken Stella Kugelman ward als Kind spanischer Juden in Antwerpen geboren. Ihre Mutter, Rosa Kugelman (geb. Klionsky, 10. April 1904), war Pianistin. Ihr Vater, Louis Gustave (geb. 27. Februar 1907), stammte aus Spanien und war nach der Niederlage der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg mit seiner Familie ins belgische Exil geflohen. Nach der Besetzung Belgiens durch das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1941 schlossen sich ihre Eltern der belgischen Widerstandsbewegung an. Im Dezember 1943 wurden sie verhaftet. Stella, damals vier Jahre alt, wurde gemeinsam mit ihren Eltern zunächst in ein Gestapo-Gefängnis und anschließend in das Durchgangslager Mechelen gebracht. Von dort aus wurde Louis Gustave nach Buchenwald deportiert, während Rosa Kugelman und Stella in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht wurden.

Kurz nach ihrer Ankunft im Konzentrationslager Ravensbrück erfuhr die vierjährige Stella, dass ihre Mutter ermordet wurde.

„Was Ravensbrück für meine Mutter bedeutet hätte, kann ich nicht sagen. Aber in mein Leben hat Ravensbrück wie die schrecklichste Waffe eingegriffen, die mir alles genommen hat, was mir an Wertvollem nahestand und was ich am meisten geliebt habe. Ich wurde nämlich mit nicht ganz fünf Jahren Waise. Solange ich mich erinnern kann, lebte ich immer in der Hoffnung, meinen Vater zu finden. Und wären nicht die Frauen aus Ravensbrück gewesen, hätte ich ihn niemals gefunden.“

Im Frühjahr 1945 wurde Stella Nikiforova gemeinsam mit anderen Kindern vor dem Vorrücken der Roten Armee auf einen sogenannten Todesmarsch geschickt. Die Russin Olimpiada Tscherkassova kümmerte sich um die Kinder. Über Polen gelangte die Gruppe in die Sowjetunion, wo Nikiforova in Briansk in ein Kinderheim gebracht wurde. Sie lebte zehn Jahre in dem Heim.

Mit 16 Jahren erhielt sie den Namen Stella Vladimirovna sowie eine neue Geburtsurkunde. 1961 nahm sie in Moskau an einem Treffen ehemaliger Ravensbrück-Häftlinge teil und lernte dort Erika Buchmann kennen, die ihre Mutter gekannt hatte und ihr half, Kontakt zu belgischen Überlebenden aufzunehmen. Dank dieser Unterstützung konnte Stella 1962 nach zwanzig Jahren Trennung ihren Vater wiederfinden und ihn schließlich wiedersehen.

Am 10. Dezember 1964 heirateten Arkadi Nikiforov, Sohn von Antonia Nikiforova, einer Ärztin, die ebenfalls im KZ Ravensbrück inhaftiert war, und Stella Kugelman. Das Paar bekam zwei Kinder. In der Folgezeit engagierten sich Antonina und Stella Nikiforova gemeinsam als Zeitzeuginnen der NS-Verfolgung.

Im Jahr 2017 übergab Stella Nikiforova der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück ihre persönliche Sammlung, die zahlreiche lagerzeitliche Briefe sowie Korrespondenzen mit verschiedenen Überlebenden des KZ Ravensbrück enthält. Stella Nikiforova lebt in St. Petersburg.

Literatur Ramona Saavedra Santis: Im Auftrag der Erinnerung. Antonina Nikiforova und das Ravensbrück-Gedächtnis. Metropol 2013, ISBN 978-3-86331-105-6. Katja S. Baumgärtner: Antonina Nikiforova und „Stella“: Weshalb filmten die sowjetischen Kameras diese Hochzeit?. In: Das Konzentrationslager Ravensbrück im Film: Gender, Imagination und Memorialisierung. Metropol, 2022, ISBN 978-3-86331-629-7. S. 241–243.

Weblinks Nachgeschichte – Gespräche mit Angehörigen der zweiten und dritten Generation: Stella Nikiforova. Zeitzeuginnen-Gespräch durch die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, via YouTube einsehbar Oral History Interview mit Stella Nikiforova in der Datenbank der UHC Shoah Foundation von 1996

Einzelnachweise

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