Émilienne d’Alençon, geborene Émilienne André (* 17. Juli 1870 in Paris, Frankreich; † 15. Februar 1945 in Monte-Carlo, MonacoGénéalogie de Emilienne D'ALENCON. geneastar.org, abgerufen am 19. Oktober 2025) war eine französische Tänzerin, Schauspielerin und Kurtisane. miniatur|Émilienne d’Alençon
Biografie mini|Ankündigung von Emilienne d'Alençona Auftritte im Folies Bergère, Lithografie von Jules Chéret, 1893
Émilienne d’Alençon, genannt „Mimi“, wurde als Tochter einer Concierge geboren und wuchs, mit zwei älteren Brüdern, in bescheidenen Verhältnissen auf. In der Wohnung in der Pariser Rue des Martyrs, lebte die Familie so beengt, dass die Tochter sich mit ihrer Mutter ein Bett teilen musste.Véronique Proust: Emilienne d’Alençon une des trois grâces. (französisch) Europexplo.com, abgerufen am 19. Oktober 2025
Karriere als Künstlerin Im Alter von 15 Jahren fiel die hübsche Émilienne Charles Desteuque auf, der als Journalist der Zeitschrift Gil Blas bereits Louise Weber entdeckt hatte. Sie stellte sich bei Abel Tarride vor, der zwar von ihrer Schönheit sowie ihrer Erscheinung sehr beeindruckt war, jedoch ihre unvollständige Schulbildung bemängelte. Nachdem sie sich durch Orthographie und Grammatikkurse fortgebildet hatte, nahm er sie in seine Truppe auf und engagierte sie als Soubrette für eine Frankreich-Tournee.Orne. Elle porte comme patronyme le nom de la ville : qui est Émilienne d'Alençon ? (französisch, vom 24. August 2022) actu.fr, abgerufen am 19. Oktober 2025
In Paris trat sie 1898 im Cirque d’Été in einer Nummer mit dressierten Kaninchen auf. In den Stücken Paris Boulevards und Vénus d’Arles, debütierte sie in Paris. 1891 erschien sie in der Revue Que d’eau Que d’eau und trat 1892 als Schlangentänzerin auf.
Zwischen 1889 und 1892 ist sie die Geliebte des Herzogs Jacques d’Uzès, der dafür sorgt, dass sie sich in Etikette und französischer Literatur fortbildet. Er hätte sie gern geheiratet, was jedoch am Widerstand seiner Familie scheiterte.
In den Folies Bergère war sie in dem Stück La Belle et la Bête zu sehen. Ein Plakat von Henri de Toulouse-Lautrec zeigt sie bei den Generalproben für das Stück. In London war sie in dem Ballett-Stück The Red Slippers 1901 zu sehen und spielte zusammen mit der Schauspielerin Julie Seale in Paris, im Olympia-Theater. Émilienne d’Alençon tanzte u. a. auch in dem Stück Faust und Grand Ballet Féerie. mini|Auch als Fotomodell war Émilienne d’Alençon sehr gefragt. Aufnahme von „Nadar“
Erfolge als Kurtisane Als eine der gefragtesten Kurtisanen der Belle Époque, stand Émilienne d’Alençon in direkter Konkurrenz zu La Belle Otéro (1868–1965) und Liane de Pougy (1869–1950), die ebenfalls in Paris ihren Lebensmittelpunkt hatten. Die drei Demi-mondaines teilten sich unter anderem einen ihrer reichsten, royalen Gönner: den belgischen König Leopold II.
Als Kurtisane sollen auch Kaiser Wilhelm II., der britische Kronprinz (und spätere König) Eduard VII. und der französische Politiker Jacques Hennessy gezählt haben.
Privat liebte Émilienne d’Alençon auch Frauen, ihr werden Liebesbeziehungen mit Valtesse de la Bigne, La Goulue und Renée Vivien nachgesagt. Um ihre (1901 geborene) Tochter Marthe, deren Vater der Pariser Komödiant Émile Duard (1862–1941) war, kümmerte sie sich nicht.
Späte Jahre 1906 gab d’Alençon ihren Abschied von der Bühne und investierte in Pferderennen. Dabei achtete sie stets auf ihr Äußeres und zählte zu den Ersten, die die Hüte der damals noch unbekannten Coco Chanel trugen. Sie kaufte einen Rennstall und heiratete den Jockey Percy Woodland.
1918 erschien ihre Gedichtsammlung Sous la masque.Émilienne d’Alençon: Sous le masque. (französisch) Wikisource, abgerufen am 19. Oktober 2025
D’Alençon brachte sich durch ihre Spielleidenschaft und ihre Vorliebe für Opium in finanzielle Schwierigkeiten und verkaufte einen Teil ihrer Habe über das Auktionshaus Hôtel Drouot. Émilienne d’Alençon starb mit Mitte 70 in Monte-Carlo.
Obwohl sie sich nie um ihre Tochter Marthe gekümmert hatte, sorgte diese dafür, dass die Überreste ihrer Mutter seit 1951 auf dem Cimetière des Batignolles in Paris ruhen.
Veröffentlichung 1918: Sous la masque (Gedichte)
Darstellung in Filmen 2009: Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft, Spielfilm, Anne Fontaine 2012, Belles de nuit ou la fin d'une époque, Dokumentarfilm von Carole WronaBelles de nuit ou la fin d'une époque. IMDb, abgerufen am 19. Oktober 2025
Literatur Brygida M. Ochaim, Claudia Balk: Varieté-Tänzerinnen um 1900. Vom Sinnenrausch zur Tanzmoderne, Ausstellung des Deutschen Theatermuseums München 23. Oktober 1998 – 17. Januar 1999., Stroemfeld, Frankfurt/M. 1998, ISBN 3-87877-745-0
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