Die Synagoge in Bad Bentheim bestand bis 1938 in der Wilhelmstraße 7 in Bad Bentheim.
Geschichte Um 1845 erwarb die jüdische Gemeinde Bad Bentheims ein Wohnhaus in der Wilhelmstraße 7, das zuvor dem Schuster Hartmann gehört hatte und richtete es zu einer Synagoge mit angeschlossener Lehrer- und Schulwohnung her. Die Umbaukosten beliefen sich auf rund 700 Gulden. Die Einweihung des neuen Gotteshauses fand im Jahr 1853 statt. Die Synagoge bildete über Jahrzehnte den religiösen Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde der Obergrafschaft. Sie war zugleich Schul- und Gemeindezentrum, in dem der Lehrer, der auch als Vorbeter fungierte, unterrichtete und wohnte.Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 190–191
Zerstörung Während der Novemberpogrome 1938 drangen am späten Abend des 9. November 1938 Angehörige der SA und weitere Beteiligte in die Synagoge ein, verwüsteten den Innenraum und zerstörten die Einrichtung. Ritualgegenstände und Gebetbücher wurden auf die Straße geworfen und dort teilweise verbrannt. Da sich die Synagoge in dichter Wohnbebauung befand, wurde auf eine Brandstiftung verzichtet, um ein Übergreifen der Flammen auf Nachbarhäuser zu vermeiden. Am Folgetag setzten Schüler der Mittelschule die Zerstörungen fort. Das Gebäude blieb äußerlich zunächst erhalten, verlor aber seine Funktion als Gotteshaus.Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 192 Im November 1938 wurde der jüdische Grundstückseigner gezwungen das Grundstück der Stadt ohne Gegenleistung zu übereignen.Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 192 Ein Teil der Ritualgegenstände konnten gerettet und 1949 der jüdischen Gemeinde von Hannover übergeben werden.Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 194
Baubeschreibung Das Gebäude der Synagoge war ein kleines, giebelständiges Haus. Die straßenseitige Giebelfassade besaß eine mittig angeordnete Eingangstür, flankiert von zwei gleich großen Fenstern mit kleinteiliger Verglasung. Über dem Eingang befand sich ein ovales Fassadenelement. Der hoch ausgeführte Giebel wies im oberen Bereich ein kleines, zentrales Dachfenster auf. Die Synagoge war damit äußerlich ein schlichtes Gebäude, das sich in die enge Straßenzeile der Altstadt einfügte.Die Baubeschreibung ist von der Rekonstruktionsansicht auf der Gedenktafel in Bad Bentheim abgeleitet.
Nach 1945 und Gedenken Nach 1938 wurde das Gebäude abgetragen. In der Synagogenstiege wurde 1985 ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Zerstörung der Bentheimer Synagoge am 9./10. November 1938 aufgestellt. Der Stein zeigt einen stilisierten Baum mit einem neu austreibenden Zweig und trägt die Inschrift „Nicht sterb ich, nein, ich lebe!“.
Neben dem Mahnmal ist eine Gedenktafel in eine Mauer eingelassen, die an die frühere jüdische Gemeinde Bentheims und an die Zerstörung ihrer Synagoge am 9./10. November 1938 erinnert.
Siehe auch Liste der im Deutschen Reich von 1933 bis 1945 zerstörten Synagogen
Weblinks Bad Bentheim – Jüdische Gemeinden in Niedersachsen Reichspogromnacht 1938 – Bad Bentheim Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge – Bad Bentheim Synagoge Bad Bentheim – Wilhelmstraße auf Jewish Places
Einzelnachweise
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