mini| Fort Maubara
Die Geschichte Maubaras umfasst die historischen Ereignisse auf dem Gebiet des Reiches von Maubara bis zu den Entwicklungen im heutigen Verwaltungsamt Maubara im Nordwesten des südostasiatischen Staates Osttimor. Das Reich unter Führung eines Liurai stand etwa 100 Jahre unter niederländischer Oberhoheit und wurde erst vor 200 Jahren, wie der Großteil des heutigen Osttimors, eine portugiesische Kolonie. Die dokumentierte Geschichte ist durchgehend von inneren Machtkämpfen zwischen den verschiedenen Clans und Familien um die Vorherrschaft geprägt. Dabei nutzten die verschiedenen Kontrahenten Allianzen mit unterschiedlichen Partnern von außerhalb, so dass nationale und internationale Konflikte sich im Kleinen auch in Maubara widerspiegelten. Heute sind es die verschiedenen politischen Parteien, die über die alten Netzwerke versuchen, Wählerstimmen zu gewinnen.
Neben den Kolonialmächten beeinflussten japanische und indonesische Besatzer, chinesische Händler und Beziehungen von den Nachbarinseln im Norden bis weit nach Süden ins Innere der Insel Timor die Geschicke von Maubara. Gewalt blieb über Jahrhunderte ein fester Bestandteil der Geschichte. Nicht nur von außen, sondern auch durch die Einwohner untereinander.
Übersicht mini|Die Verwaltungsämter Maubara und Loes seit 2024
Maubara war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint unter anderem auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor (1859–1863), der im Jahre 1868 47 Reiche in der Kolonie aufführte.
Heute ist Maubara Teil der Gemeinde Liquiçá, im Nordwesten von Osttimor zwischen der Sawusee im Norden und der Ebene des Flusses Lóis im Süden. Ein Gebirgszug durchzieht das Gebiet von West nach Ost, mit dem Foho Gugleur () als höchsten Gipfel. Die Quellenlage ist unklar, ob dieser mit dem Berg Maubara gleichzusetzen ist, der in Geschichtsquellen genannt wird. Zumindest liegt auf dem Berg der Ort Lissa-Lara, der ehemalige Sitz der Herrscher Maubaras. Der Ort Maubara, der heutige Hauptort des Verwaltungsamtes Maubara, befindet sich an der Nordküste.
Das Territorium Maubaras veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Zuletzt wurde am 1. Januar 2024 vom Verwaltungsamt Maubara das Verwaltungsamt Loes abgetrennt. Maubara ist nun unterteilt in die Sucos Gugleur (Guguleur), Maubaralissa (Maubaralisa), Vatuvou (Vatubou) und Vaviquinia (Viviquinia).Direcção-Geral de Estatística: .Finanzministerium von Osttimor: Liquiça Suco Reports Zu Loes gehören die Sucos Vatuboro, Guiço und Lissadila.Jornal da República: Diploma Ministerial N°. 40/2023 de 15 de Setembro: Segunda Alteração ao Diploma Ministerial N°. 49/2016, de 30 de Setembro, que Institui em concreto as administrações de Posto Administrativo e aprova a Denominação e as Competências dos respetivos serviços locais, abgerufen am 3. Januar 2024.PNTL Liquiçá: Komandante Komandu PNTL Munisípiu Liquiçá hala′o vizita ofisiál ba Esquadra Maubara, 24. Januar 2024, abgerufen am 24. Januar 2024.
Die Einwohner von Maubara und Loes gehören mit großer Mehrheit zur Ethnie der Tokodede. Im östlichen Teil der Gemeinde Liquiçá ist ihr Anteil geringer. Als Minderheit leben sie auch im Norden der Gemeinden Ermera und Bobonaro.Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
Vor der europäischen Kolonisation gab es auf Timor keine Schrift. Es gibt aber mündliche Überlieferungen, die traditionell weitergegeben werden. Es ist auffällig, dass viele historische Ereignisse, die aus europäischen Quellen bekannt sind, gar nicht oder nur wenig Eingang in diese Überlieferungen gefunden haben. Selbst Details über die jüngste Vergangenheit, wie das Ende der portugiesischen Herrschaft auf Timor oder die folgende indonesische Besatzung (1975–1999), werden in Maubara kaum weitergegeben. Der Historiker Douglas Kammen, der zahlreiche mündliche Überlieferungen aus der Geschichte Maubaras sammelte und Interviews mit Zeitzeugen führte, sieht den Grund dafür nicht darin, „dass die Bevölkerung von Maubara sich nicht für die Vergangenheit interessiert oder nicht in der Lage war, mündliche Überlieferungen zu bewahren (obwohl dies durchaus zutreffen mag), sondern vielmehr darin, dass sie viel mehr daran interessiert ist, Positionen festzuhalten, als konkrete Taten zu schildern.“
Mythischer Ursprung Maubaras Laut der Legende des Ursprungs Maubaras stieg der erste Mensch nach einer großen Flut aus der Erde empor. Seine Zunge war behaart und er aß seine Speisen roh. Eines Tages kam ein anderer Mensch von der Insel Alor im Norden. Für ein Stück Land am Berg Maubara gab er dem Einheimischen Feuer. Seitdem kochte der erste Mensch Maubaras seine Speisen und bei ihm und seinen Nachkommen verschwanden die Haare von der Zunge.
mini|Tokodede-Familie aus Maubara im Álbum Fontoura, vor dem Zweiten Weltkrieg
Die Nachkommen teilten sich in mehrere Clanhäuser (uma) auf. Die angesehensten dieser Häuser waren Ikolau, Kaisave und Raelete. Sie lagen benachbart in den Bergen Maubaras. Kein Clan hatte die Oberhoheit, sodass Mord und Diebstahl alltäglich waren.
Douglas Kammen zeigt auf einer Landkarte im Südwesten des Sucos Maubaralissa die Orte Lauwana (etwa an der Stelle des Ortes Darulema), Ikolau (entweder Laklema oder der Ort östlich davon) und Kaisave (etwa bei Vatuguili). Ikolau und Kaisave waren die Namen führender Clans in Maubara. Es ist möglich, dass die Orte ihrer Stammsitze alternativ den Clannamen tragen. Andere Quellen zur Verwendung dieser als Ortsnamen sind derzeit nicht aufzufinden. Im Südwesten von Maubaralissa soll der Ort Tirisvo (Titivisou) liegen. Einer Legende nach soll hier ein Wasserbüffel, geschlachtet worden sein, der den Namen „Maubara“ trug und so zum Namensgeber des Landes wurde. Der Ort Raelete befindet sich etwas weiter östlich in Vatuvou oder Lissadila. Definitiv nicht korrekt ist auf der Karte Kammens die Lage der Orte Dair und Liquiçá.Landkarte des Sucos Gugleur mit der Lage von Dair.
Eines Tages trafen in Maubara drei königliche Brüder aus dem Reich von Suai und Camenaça ein, das in der Überlieferung Suai Loro (das Zentrum des damaligen Reiches) genannt wird. Sie wurden von den Anführern von Ikolau und Kaisave empfangen. In einigen Versionen der Legende führt ein Mann namens Besi Mona Kaimona die Einwohner aus Maubara. Man bereitete den Besuchern weißen Palmwein, doch diese tranken den Palmwein, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Die Menschen aus Maubara waren darüber entsetzt und fragten sich, ob die Besucher gute Männer oder Teufel seien. Die drei Adligen schämten sich daraufhin. Sie wollten ihr gutes Wesen beweisen und schlugen vor, einen Eid zu schwören. Sie forderten ihre Gastgeber auf, Blätter vom Ai-Hanek-Baum an einem Ort namens Rito Luli E Meta zu holen. Die Clanführer von Ikolau und Kaisave nahmen je ein Blatt und das dritte Blatt erhielten die drei Besucher. Sie falteten die Blätter zu kleinen Schalen und füllten sie mit Palmwein. Man vereinbarte, dass jener, dessen Schale sich beim Trinken zu einem goldenen Medaillon verwandeln würde, zum Sieger erklärt werden würde. Dann tranken die Männer den Palmwein. Die Schalen der Clanchefs verwandelten sich in silberne Medaillons, während die Schale der drei Brüder zum goldenen Medaillon wurde. Die Clanchefs von Ikolau und Kaisave erklärten daraufhin: „Nun habt ihr drei gewonnen. Wir unterstellen euch unser Volk, damit ihr es führt.“
mini|Dom Gaspar Correia da Silva Nunes (1952–1975) und sein Gefolge
Sie teilten das Gebiet von Maubara unter den drei Brüdern auf. Manu Muno, der älteste Bruder erhielt den Titel „Recete“ (nach einigen Quellen vom , der „siebte König“) und ließ sich in Vatuvou nieder, der sich gut für Landwirtschaft und Viehzucht eignete. Manu Tela, der zweite Bruder, erhielt den Titel „Repreto“ (von , der „schwarze König“) und nahm seinen Sitz in Gugleur auf dem Berg Maubara. Mau Mori, der jüngste Bruder, wurde zum rituellen Führer ernannt, womit er zuständig für die Herstellung von Palmwein und Kunsthandwerk an zwei Orten an der Küste. Er ließ sich in Manukati Lauwana nieder, einer Anhöhe auf dem Gebirgszug Maubaras, einige Kilometer vom Foho Maubara entfernt. Die Brüder wurden die „Loro Liurai“ genannt, die „Sonnenherrscher“. Eine andere Quelle gibt an, dass die Brüder den Herrschertitel eines „coronel“ erhielten. Unter den portugiesischen Kolonialherren war es üblich, den lokalen Herrschern entsprechend ihrer Wichtigkeit militärische Ränge zu verleihen. „Oberst“ () war der Titel für einen Liurai. Die Clans von Ikolau und Kaisave ernannten dann drei untergebene Führer (später „lieutenant“ beziehungsweise „letnan“ genannt), die die Sonnenherrscher unterstützen sollten: einen aus dem heutigen Lissadila, einen aus Vatuboro und einen aus dem Küstenort Dair. In einer anderen Version werden vier Oberstleutnants () aus Mau-Ubo (Mahubo) und den Kemak-Reichen von Deribate (Diruwati), Atsabe und Leimea (Leimean) als untergeordnete Herrscher aufgeführt.
Schließlich wurde den beiden Clans von ihren neuen Herrschern auferlegt, Streitfälle zu schlichten. Die entsprechende Prozedur erhielt den Namen „Taki Hae Koir Hae“. Auch Geburten und Todesfälle sollten den Herrschern gemeldet werden. In anderen Versionen wurde den Clans von Ikolau, Kaisave und Raelete richterliche Funktionen übertragen sowie die Überwachung der Amtseinführung des höchsten Herrschers in Gugleur, wo der mittlere Bruder und seine Nachkommen lebten.
Es wird darüber spekuliert, dass die Legende auf einem historischen Kern beruht. So könnten nach der Niederlage des Reiches von Wehale und seines Verbündeten Suai-Camenaça gegen die Portugiesen 1641 Adlige nach Maubara gezogen sein. Dies würde auch die Ableitung der Herrschertitel von portugiesischen Bezeichnungen logisch machen. Dies steht allerdings im Widerspruch mit der Angabe der Erzähler, dass die Ereignisse vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert stattfanden. Legenden, die von Fremden berichten, die zum Herrscher werden, sind ein weitverbreitetes Element im östlichen Teil des Malaiischen Archipels. In der Aufteilung der Macht auf die drei Brüder und der Wahl von Vatuvou und Gugleur als Stammsitze scheint sich eine territoriale Trennung innerhalb Maubaras schon damals erkennen zu lassen. Sie spiegelt eine Rivalität zwischen den beiden Machtzentren wider, die über die Jahrhunderte bis zum Ende der indonesischen Besatzung immer wieder aufbrach.
Alltägliches Leben mini|Bergwald in Vaupu (Vatuboro)
Die traditionellen Hütten in Maubara sind einfach und bestehen aus Holzpfosten und Querbalken, die Wände aus flachgedrücktem Bambus oder zusammengebundenen oder geflochtenen Palmwedeln, das Dach aus Stroh. Im Stil entsprechen sie jenen des „Bobonaro-Typs“ (siehe Architektur Osttimors). Je nach Größe der Siedlung gab es ein oder mehrere Hütten auf hohen Holzpfählen, in denen Lebensmittel untergebracht wurden. Die kleinen Dörfer befanden sich, wie oft heute noch, auf den oberen Lagen der dicht bewaldeten Berge, in der Nähe von Quellen oder anderen Plätzen mit Wasserzugang. Befestigungsanlagen, wie in anderen Teilen Timors, sind aus Maubara nicht bekannt. Die Lage auf den Bergen half bei der Verteidigung gegen Feinde. Nur wenige Ortschaften liegen in den Tälern. Lissadila, im Tal des Lóis, war wahrscheinlich ein wichtiger Posten für den Handel entlang des Flusssystems des Lóis. Dair und Vatuboro an der Küste waren vermutlich bereits vor der Kolonialzeit Handelshäfen, wo Schiffe von außerhalb Timors anlegten.