Die Presse in Frankreich ist privatwirtschaftlich organisiert. Die Eigentümer sind Privatleute und gesellschaftliche Organisationen wie Gewerkschaften und Kirchen.

Hinweis: Dieser Artikel befasst sich mit der Presse, gedruckt oder online. Die angeführten Eigentümer betreiben auch TV-Sender, über Antenne oder Kabel verbreitet, und Streaming-Dienste. Die Begriffe Rechts und Links werden hier in der üblichen politischen Bedeutung benutzt, dies beinhaltet keine Wertung.

Struktur Wie in vielen Ländern ist die französische Presselandschaft zweigeteilt: die Lokalzeitungen und die überregionale, nationale Presse. Lange Zeit waren die Lokalzeitungen hochprofitabel und Besitz eingesessener Familien, manchmal über Generationen. Die Eigentümer der überregionalen Zeitungen waren oft bereit, Defizite auszugleichen, um einen politischen oder gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen.

Geschichte Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Presselandschaft neu aufgebaut werden. Die mächtige Kommunistische Partei und ihre Gewerkschaft Confédération générale du travail gründeten die Zeitung L’Humanité, die katholische Kirche führte ihre Publikationen weiter oder gründete neue, z. B. La Croix. Weitere Zeitungen wurden gegründet oder übernommen, z. B. Le Figaro durch Serge Dassault, Le Monde durch Hubert Beuve-Méry im Auftrag der Regierung Charles de Gaulle.

Ab den 1990er Jahren änderte sich die Presselandschaft. Traditionelle Blätter machten hohe Verluste, die Eigentümer waren nicht mehr bereit oder in der Lage, diese auszugleichen. Neue Akteure erschienen. Dies waren sehr reiche Menschen, die aus persönlichen oder politischen Motiven bereit waren, viel Geld in die Presse zu investieren, z. B. Xavier Niel, Matthieu Pigasse und Pierre Bergé in Le Monde, Xavier Niel und Matthieu Pigasse in Le Nouvel Obs.

In der Lokalpresse bildeten sich Gruppen, die traditionelle Lokalzeitungen übernahmen und zu integrierten Konzernen umbauten, z. B. EBRA Mediengruppe in Ost-Frankreich oder „Groupe SIPA Ouest-France“ in West-Frankreich mit gemeinsamer Redaktion, Vertrieb und Online-Auftritt.

Konservative Eigentümer Besonders Vincent Bolloré, Daniel Křetínský und Rodolphe Saadé bauten in den 2020er Jahren neue, rechte Pressegruppen auf. Sie nehmen ganz offen Einfluss auf ihre Medien und scheuen sich auch nicht, unliebsame Journalisten zu kündigen. Sie unterstützen Parteien wie Les Républicains und Rassemblement National und zwingen ihre Publikationen, positiv über diese zu berichten und negativ über ihre Gegner. Auch Bernard Arnault hat einige Journale übernommen. Pierre-Édouard Stérin finanziert das „Périclès“-Projekt, welches rechte Bewegungen und Veröffentlichungen unterstützt, nach eigenen Aussagen ein „Inkubator rechts am politischen Spektrum“.

Publikationen dieser Eigentümer (Auswahl):

Vincent Bolloré: Capital, Femme Actuel, Geo, Harvard Business Review, Coté Sud, National Geographic, Télé Loisirs, Voici Daniel Křetínský: Marianne, L'Obs, Elle Rodolphe Saadé: La Provence, La Tribune, Le Journal du Dimanche Bernard Arnault: Les Échos, Le Parisien, Challenges, Sciences et Avenir, La Recherche

Hinweis: Einige der angeführten Journale sind internationale, mehrsprachige Produkte, z. B. Elle. Die angeführten Personen haben die französische Ausgabe übernommen.

Diskussion Die Tatsache, dass ein Großteil der Presse in den Händen einer Handvoll reicher Bürger mit meist rechter Gesinnung ist, wird von den Parteien der Linken wie Parti socialiste (Frankreich), Les Verts, La France insoumise scharf kritisiert. Auch die Parteien der Mitte wie Les Républicains, Renaissance, Mouvement démocrate befürchten, dass diese Konzentration die Meinungsfreiheit und die Demokratie beeinträchtigen kann. Rechte Parteien wie das Rassemblement National nutzen die Plattform, um ihre politischen Ideen zu propagieren. Die Eigentümer der Zeitungen argumentieren, dass ihre Medien nur das Gegengewicht gegen den linkslastigen Öffentlich-rechtlichen Rundfunk bilden.

Siehe auch Liste französischer Zeitungen

Einzelnachweise

Kategorie:Journalismus (Frankreich) Kategorie:Kapitalismus