Der Eremo di Santa Maria a Castello oder Emero di Fossalupara, seit 2024 auch Santuario di Santa Maria a Castello, ist eine Burgruine aus dem 8. Jahrhundert in Castel San Giorgio in der italienischen Region Kampanien. Um 1300 wurde daraus eine Einsiedelei. Das Gebäude steht auf dem Sant’Apollinare-Hügel, ca. 270 Meter ü.N.N. im Ortsteil Trivio, zwischen Codola Vecchia und dem Baronspalast von Paterno und gehört der Kirchengemeinde San Biagio in Lanzara.

Geschichte miniatur|links|Reste des Castello di Fractanova Vermutlich war das Gelände vor der Burg bereits um das 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr. besiedelt. Eine Reihe von archäologischen Fundstücken, insbesondere Terrakotta-Keramik und Bronzemünzen, sowie die Reste alter Gebäudemauern, die heute noch sichtbar sind, stützen die Annahme, dass an dieser Stelle „ein Heiligtum aus vorrömischer Zeit, das vermutlich dem Gott Mercurius geweiht war“, gestanden sein muss. Die dokumentarischen Quellen, wie die Inventarliste des Heiligtums der Gottesmutter in Nocera Superiore aus dem 8. Jahrhundert, bezeugen außerdem, dass auf der Anhöhe von Sant’Appolinare eine alte Stadt lag, die Fractanova genannt wurde und propter peccatum ipsus (dt.: wegen seiner Sünde) bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Es wird allgemein angenommen, dass Fractanova von einigen Bewohnern von Pompeji gegründet wurde, die dem Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr. entkommen waren. Dennoch ermöglichten kürzliche archäologische Funde die Datierung der Ursprünge der Stadt auf die vorrömische Zeit.

Das Castello di Fossalupara wurde zwischen 758 und 786 auf Geheiß des Herzogs Arichis II. erbaut, der das Tal von Sanseverino durch mit einem komplexen System von Befestigungen ausrüsten ließ, um Benevent vor einer möglichen Invasion der Franken und vor den Überfällen der Sarazenen zu schützen. In diesem Verteidigungsnetz hatte die Burg von Lanzara eine bedeutende strategische Funktion, da sie über der Via Popilia lag, der einzigen Zugangsstraße zum Gebiet von Benevent in der Nähe Nadelöhrs namens Passo dell’Orco. Der Bau der Burg war bereits um 794 beendet und man sollte glauben, dass „der Herzog Arichis II. gleichzeitig mit dem Bau der Burg eine Kapelle zu Ehren von Papst Gregor des Großen errichten ließ“. Dennoch lässt sich die erste urkundliche Erwähnung auf eine Schenkungsurkunde von 990 zurückführen, in dem eine ecclesia vocabulum sancte Marie, que edificata est in eodem loco apus monte propinquo ipso castello (dt.: eine Kirche namens der Heiligen Maria, die am selben Ort auf diesem Berg in der Nähe dieser Burg errichtet ist). In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts verlor die Festung ihre strategische Bedeutung, wurde aufgegeben und im November 1081 schenkte sie Roger I. Sanseverino den Benediktinermönchen der Abtei Cava de’ Tirreni.

Um 1300 fiel die Burg auf Geheiß von Karl II. von Neapel unter den Schutz der Humiliatenbrüder der Mutter des Herrn, die auch „weiße Priester“ genannt wurden, die auf den Resten der vorhergehenden Burg eine Einsiedelei errichteten und sie 1586 mit dem Bau der Foresteria antica (dt.: altes Gästehaus) erweiterten. Den Humiliaten traten 1631 die basilianischen Mönche bei: 1653 beherbergte die Einsiedelei damals nur noch drei Mönche, darunter zwei Priester. Die Kirche wurde daraufhin per Dekret des Erzbischofs vom 10. Juni 1653 geschlossen und mit einem weiteren Dekret vom 6. April 1654 wurde das Kloster mit der Kirche und den Pfründen der Kirchengemeinde San Biagio in Lanzara zugeordnet.

1947 entdeckte der römische Künstler Canale, als er die Kirche der Einsiedelei besuchte, ein Fresko von 1300, auf dem eine Madonna mit Kind abgebildet ist und das von anderen, jüngeren Malereien verdeckt war; nach Restaurierungsarbeiten wurde dieses Fresko 1950 endgültig ans Licht gebracht.

Am 10. Juli 2024 wurde die Einsiedelei zu einem Heiligtum erhoben. Kurz zuvor wurde die Gregor-Kapelle restauriert und wiedereröffnet.

Beschreibung Außenbereich Die Burg ist mit einer hohen und dicken Mauer im langobardischen Stil umgeben und beherrscht die Hochebene von Sant’Appolinare. Von ihrem höchsten Punkt aus kann man ein weitläufiges Panorama bewundern: auf der Nordseite vom Sarnotal schweift er nach Neapel bis zum Vesuv und zur Insel Ischia; auf der Westseite von der Stadt Nocera Inferiore bis zur Bergkette der Monti Lattari; auf der Südseite zur Stadt Cava de’ Tirreni und zum Monte S. Adiutore; auf der Ostseite zur Universität Salerno und der Bergkette der Monti Calvanico.

Innenräume Die Burg hat „einen rechteckigen Grundriss mit quadratischen Ecktürmen“. Das Hauptgebäude hat zwei Stockwerke: Im Erdgeschoss liegen vier große Räume und der kleine Innenhof mit Zisterne, das Heiligtum Santa Maria della Grazia mit drei Altären, Sakristei und Glockenturm. Das Obergeschoss hat drei weitere Räume und verschiedene Terrassen. Es gibt außerdem ein Untergeschoss mit weiteren vier Räumen. Vor dem Eingang zur Einsiedelei gibt es ein weiteres Gebäude namens „Gästehaus“; es hat zwei Räume im Erdgeschoss, eine weitere Zisterne, einen Ankleideraum und einen kleinen Innenhof mit einer Treppe, die zu den beiden Räumen im Obergeschoss führt, einem Speisesaal und einer Küche.

Kirche Santa Maria della Grazia miniatur|Fresko der Madonna auf dem Thron mit Kind „Die Kirche, die 2015 restauriert wurde, hat einen rechteckigen Grundriss und eine Decke mit polyzentrischem Tonnengewölbe. An den Seitenwänden befinden sich zwei Stuckaltäre nach barockem Geschmack mit je einer Stufe davor. Barock sind auch die gesamten Verzierungen mit vorspringenden Rahmen und Voluten. Der Bodenbelag besteht aus neapolitanischen Fliesen in weißem, blauem und braunem Majolika. Auf dem Hauptaltar findet sich in einer Nische aus dem 19. Jahrhundert das Fresko aus dem 14. Jahrhundert mit dem Bildnis der Madonna del Castello, sitzend auf einem Sessel mit dem himmlischen Kind in den Armen. Das Äußere der Kirche ist einfach gehalten: Sie hat ein rechteckiges Steinportal in der Mitte; der Putz an der Hauptfassade ist glatt und die Seitenfassade besitzt Reibeputz. Das Fachwerkdach besteht aus einem Tonnengewölbe, der Dachfirst mit Schlussstein hat eine erhabene, kubische Form (aus dem Jahr 1904) und trägt das Kreuz mit dreilappigen Enden. An die Kirche ist der Glockenturm mit quadratischem Grundriss angebaut; seine Mauern bestehen aus hartem Tuffstein aus Nola.“

Einzelnachweise und Bemerkungen Gennaro Orlando: Storia di Nocera dei Pagani. Neapel 1884. S. 162. Aniello Grimaldi: Memorie storiche sul santuario di S. Maria a Castello. Salerno 1967. S. 21–22. Aniello Grimaldi: Memorie storiche sul santuario di S. Maria a Castello. Salerno 1967. S. 23. Aniello Grimaldi: Memorie storiche sul santuario di S. Maria a Castello. Salerno 1967. S. 12. Angela Corolla, Rosa Fiorillo, Gianluca Santangelo: Dinamiche insediative nell’area di Nuceria tra tardo antico e alto medioevo: prime considerazioni sul ruolo del castello in Carlo Ebanista, Marcello Rotili: La Campania fra tarda antichità e alto medioevo. Ricerche di archeologia del territorio. Tavolario, Cimitile 2009. S. 33. Erste urkundliche Erwähnung der Burg siehe Ulla Westerbergh (Herausgeberin): Chronicon salernitanum: a critical edition with studies on literary and historical sources and on language. Almqvist & Wiksell, Stockholm 1956. S. 146. Giovanni Vitolo: Da Apudmontem a Roccapiemonte. Il castrum come elemento di organizzazione territoriale in Rassegna Storica Salernitana. III/2 (1986). S. 136.

Angela Corolla, Rosa Fiorillo, Gianluca Santangelo: Dinamiche insediative nell’area di Nuceria tra tardo antico e alto medioevo: prime considerazioni sul ruolo del castello in Carlo Ebanista, Marcello Rotili: La Campania fra tarda antichità e alto medioevo. Ricerche di archeologia del territorio. Tavolario, Cimitile 2009. S. 33–34.

Die Einrichtung des Gästehauses ist in dem Text auf einer Steinplatte dokumentiert, die man heute noch sehen kann: «Frusteria ista F. G. D. Petrus G: 1586». Aniello Grimaldi: Memorie storiche sul santuario di S. Maria a Castello. Salerno 1967. S. 42. Aniello Grimaldi: Memorie storiche sul santuario di S. Maria a Castello. Salerno 1967. S. 36–37.

Quellen Aniello Grimaldi: Memorie storiche sul santuario di S. Maria a Castello. Salerno 1967. Paolo de Rosa: Il castrum di Lanzara e l’antica via Popilia in Rassegna Storica dei Comuni. Band III. Nr. 1 (August–September 1971). S. 73–76. Giovanni Vitolo: Da Apudmontem a Roccapiemonte. Il castrum come elemento di organizzazione territoriale in Rassegna Storica Salernitana. Band III. Nr. 2 (1986). S. 129–142. Angela Corolla, Rosa Fiorillo, Gianluca Santangelo: Dinamiche insediative nell’area di Nuceria tra tardo antico e alto medioevo: prime considerazioni sul ruolo del castello in Carlo Ebanista, Marcello Rotilli (Herausgeber): La Campania fra tarda antichità e alto medioevo. Ricerche di archeologia del territorio. Tavolario, Cimitile 2009. S. 23–38.

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