Auf PMTair-Flug 241, einem regulären kambodschanischen Inlandspassagierflug der PMTair von Siem Reap nach Sihanoukville, verunglückte am 25. Juni 2007 eine Antonow An-24 (Luftfahrzeugkennzeichen XU-U4A) mit 22 Personen an Bord. Alle Insassen starben bei diesem Controlled flight into terrain am Elefantengebirge im Südwesten Kambodschas, womit der Unfall das zweittödlichste Flugzeugunglück in der Geschichte Kambodschas ist.

Die im März 2008 beendete Flugunfalluntersuchung kam zu dem Schluss, dass eine Kombination aus fragwürdigen Pilotenentscheidungen, schlechtem Wetter und schlechtem Management seitens der Fluggesellschaft zu dem Unfall geführt hat.

Hintergrund Am 25. Juni 2007 führte das Flugzeug einen Inlandsflug von Siem Reap nach Sihanoukville durch. Während Siem Reap mit dem bekannten Angkor Wat ein gut ausgebautes touristisches Ziel war und als Verteiler diente, war Sihanoukville mit seinen außergewöhnlichen Stränden ein relativ neues Ziel, sodass viele Besucher eine Zwischenlandung in Siem Reap machten, um von dort weniger populäre Destinationen innerhalb Kambodschas zu erreichen.

Die Touristenzahlen im Land stiegen sprunghaft, im Vorjahr 2006 besuchten 1,7 Mio. Menschen das Land, besonders viele Besucher kamen aus Südkorea.

PMTair war eine kleine nationale Fluggesellschaft, die neben kambodschanischen Inlandsflügen auch die Flughäfen Incheon und Busan in Südkorea bediente. Die Strecke Siem Reap - Sihanoukville war erst im Januar 2007 ins Portfolio der Fluggesellschaft aufgenommen worden.

Flugzeug Das Flugzeug, eine Antonow AN-24B, wurde 1969 im russischen Ulan-Ude gebaut und hatte die Seriennummer 99901908. Es wurde durch zwei Al-24 Turboprop-Triebwerke angetrieben. Die Maschine war im Besitz der Aquiline International Ltd. aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und wurde von der PMTair betrieben. Bis zum Tag des Unfalls hatte das Flugzeug bereits mehr als 25.000 Zyklen bestehend aus Start und dazugehöriger Landung absolviert. Es gab keine Berichte über technische Probleme.

Insassen NationalitätPassagiereBesatzungGesamtSüdkorea13013Kambodscha235Tschechien303Usbekistan011Gesamt18422 An Bord des Flugzeugs befanden sich 22 Menschen. Allerdings sind sich verschiedene Quellen nicht über die Rollen aller Insassen einig. Während Nachrichtenportale von 16 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern ausgehen, spricht der offizielle Untersuchungsbericht von 18 Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern. Unter den Passagieren befanden sich 13 Personen mit südkoreanischer sowie drei Personen mit tschechischer Staatsangehörigkeit. Die Besatzung bestand aus drei Cockpitinsassen und einer Person des Kabinenpersonals. Co-Pilot, Flugingenieur sowie das Mitglied des Kabinenpersonals waren kambodschanischer Herkunft, während der Flugkapitän usbekischer Staatsangehöriger war. Die beiden übrigen Personen, deren Rolle unklar war, waren Kambodschaner.

Flugkapitän war der 56-jährige Usbeke Nikolay Pavlenko, sein Co-Pilot der 42-jährige Uth Chan Dara aus Kambodscha. Pavlenko war in der Sowjetunion ausgebildet worden und hatte mehr als 10.000 Stunden Flugerfahrung, wovon mehr als 5000 auf die An-24 entfielen. Co-Pilot Uth Chan Dara war mit insgesamt 3520 Flugstunden etwas unerfahrener. Der Flugingenieur war der 43-jährige Kambodschaner Hean Chan Dara.

Flugverlauf PMTair-Flug 241 verließ den Flughafen Siem Reap um 10:01 Uhr lokaler Zeit. Co-Pilot Dara steuerte das Flugzeug, während Flugkapitän Pavlenko die kontrollierenden Aufgaben übernahm. Per Telefon hatte die Besatzung von der Flugsicherung Wetterdaten erhalten, nach welchen es nördlich von Sihanoukville bewölkt war und regnete. Später erhielt Flug 241 die Freigabe, auf direktem Weg nach Sihanoukville zu fliegen.

Als die Hälfte des Fluges absolviert war, begann das Flugzeug nach links vom Kurs abzuweichen. Möglicherweise war dies eine bewusste Entscheidung der Piloten, um schlechtes Wetter zu umfliegen, jedoch wurde dies der Flugsicherung nicht mitgeteilt. Der Fluglotse bemerkte die Abweichung zwar, entschied sich aber, die Cockpitbesatzung nicht darauf anzusprechen.

Um 10:36 Uhr nahm Flug 241 Kontakt mit der Flugsicherung in Sihanoukville auf, um Wetterinformationen zu erfragen. Danach erbat die Besatzung vom Centerlotsen in Phnom Penh auf 8000 Fuß (2400 m) zu sinken, was gestattet wurde. Um 10:42 Uhr wurde der Flug an die Flugsicherungsstation in Sihanoukville weitergereicht.

Als der Flug sich dem Flughafen Sihanoukville weiter genähert hatte, erbaten die Piloten die Freigabe, auf 3000 Fuß (910 m) zu sinken, was gestattet wurde. Um 10:46 Uhr sank das Flugzeug so tief, dass es nicht mehr vom Radar erfasst werden konnte. Die Kommunikation mit der Flugsicherung verlief weiterhin normal.

Um 10:47 Uhr erbat die Besatzung des Flugs 241 noch weiter auf 2000 Fuß (610 m) sinken zu dürfen. Nachdem der Fluglotse sich vergewissert hatte, dass die Besatzung Sichtkontakt zum Boden hatte und keine technischen Probleme bestanden, erlaubte er das weitere Sinken. Nun mussten die Piloten auf Sicht fliegen, da der Flughafen damals weder mit Radarüberwachung noch Navigationshilfen wie ILS, VOR oder DME ausgestattet war. Um 10:48 Uhr bestätigten die Piloten, die Sinkfreigabe erhalten zu haben. Dies war die letzte aufgezeichnete Kommunikation.

Rettungsmaßnahmen Um 10:50 Uhr, fünf Minuten vor der geplanten Landung auf dem Flughafen Sihanoukville, brach die Verbindung zum Flugzeug ab. Das Flugzeug wurde nun in einem von dichtem Dschungel dominierten Gebiet vermisst. Es wurde umgehend eine Suchmannschaft bestehend aus über 1000 Soldaten und Polizisten zusammengestellt. Jedoch behinderten schlechtes Wetter und unzugängliches Gelände die Such- und Rettungsarbeiten massiv.

Angehörige der südkoreanischen Passagiere sowie südkoreanische Offizielle reisten umgehend nach Kambodscha. Trotz geringer Aussichten Überlebende zu finden, lobte der kambodschanische Premierminister Hun Sen eine Belohnung von 5000 US-Dollar für denjenigen aus, der die Absturzstelle ausfindig machen könne.

Am zweiten Tag der Suche wurde nach dem Abklingen eines heftigen Regenschauers ein militärischer Suchhubschrauber ausgesandt, allerdings konnte auch dieser keine neuen Erkenntnisse zur Absturzstelle liefern. In der Folge bat der Premierminister die Vereinigten Staaten um Hilfe, in der Hoffnung deren hochauflösende Satelliten könnten den Unglücksort finden. Die USA traten der Suchmission bei. Später konnte das Wrack von Flug 241 dann an der Flanke des Berges Phnom Damrey (Elefantengebirge) auf einer Höhe von 810 m auf dem Rücken liegend ausfindig gemacht werden. Es gab keine Überlebenden.

Flugunfalluntersuchung Das Aircraft Accident Investigation Committee (Komitee für Flugunfalluntersuchungen) des Landes wurde mit den Absturzermittlungen betraut. Russische Ermittler des Interstate Aviation Committee (IAC) sollten bei der Auswertung des Flugdatenschreibers sowie des Stimmenrekorders unterstützen. Später gab das IAC allerdings bekannt, dass beide Aufzeichnungsinstrumente für die Ermittlungen unbrauchbar waren, da sie keine Daten des Unglücksfluges enthielten. So konnten sich die Ermittler lediglich auf Flugsicherungs- und Radardaten berufen.

Untersuchungen der Absturzstelle zeigten, dass es zwei separate Trümmerfelder gab. Die meisten Strukturen des Flugzeugs konnten im Haupttrümmerfeld ausgemacht werden, die rechte Tragfläche sowie das rechte Höhenleitwerk wurden etwa 500 m entfernt vom übrigen Wrack gefunden. Aus der Untersuchung der Lage der Wrackteile konnten die Ermittler schließen, dass die rechte Tragfläche und das rechte Höhenleitwerk zuerst mit den Bäumen kollidiert waren, wodurch das Flugzeug seinen Auftrieb und seine Steuerbarkeit verlor und 500 m (1660 Fuß) weiter vollständig in den Dschungel stürzte. Das Flugzeug zerschellte beim Aufprall nicht, die Strukturen blieben zu einem großen Teil intakt. Mit einer Ausnahme wurden alle Leichen innerhalb des Flugzeugrumpfs gefunden.

Bei der Untersuchung der Kommunikation zwischen Flugsicherung und Besatzung konnten keine Hinweise gefunden werden, alles verlief normal. Die einzige Auffälligkeit, die die Ermittler zutage förderten, war die Tatsache, dass der Großteil der Kommunikation in Khmer anstatt in Englisch stattfand. Dies war zwar an sich nichts Ungewöhnliches, der usbekische Kapitän von Flug 241 sprach allerdings selbst kein Khmer. Aufgrund des ausgefallenen Stimmenrekorders konnten die Ermittler jedoch nicht nachvollziehen, ob Co-Pilot Dara die Kommunikation für seinen Kapitän übersetzte.

Die Prüfung der Radaraufzeichnungen bestätigte den Ermittlern, dass das Flugzeug tatsächlich nach links vom Kurs abgekommen war. Dies rechneten sie den Wetterbedingungen zu. Satellitendaten zeigen, dass das Gebiet zum Zeitpunkt des Unglücks großräumig bewölkt war. Schließlich drang das Flugzeug im Sinkflug in die Wolken vor, wodurch die Sicht und Orientierung weiter erschwert wurden. Laut den Ermittlern setzten die Piloten den Sinkflug trotz Unkenntnis über ihre genaue Position fort. 50 km entfernt vom Zielflughafen stürzte die Antonow schließlich ab.

Im März 2008 schlossen die kambodschanischen Ermittler ihre Arbeit ab. Als Unfallursache wurde eine Kombination aus den folgenden drei Faktoren angegeben: Die Piloten entschieden sich, durch bergiges Gelände zu fliegen, obwohl sie sich ihrer genauen Position nicht sicher waren Die Piloten setzten den Sinkflug trotz schlechter Wetterbedingungen und geringer Sichtweite fort Schlechtes Management von Seiten der Fluggesellschaft PMTair

Folgen Unmittelbar nach dem Unfall ordneten südkoreanische Behörden eine Sicherheitsüberprüfung von PMTair sowie sechs weiteren ausländischen Fluggesellschaften an. Dabei handelte es sich um Dalavia, Garuda Indonesia, Iran Air, Royal Khmer Airlines, Sakhalinsk Airlines und Vladivostok Air. Kambodschanische Behörden verboten der PMTair später die Durchführung sämtlicher Inlandsflüge. Erst nach der Veröffentlichung des Berichts der Flugunfalluntersuchung wurde das Verbot aufgehoben. PMTair stellte den Betrieb 2008 ein.

2011 entschied ein südkoreanisches Gericht zugunsten der Familien von elf der Todesopfer. PMTair wurde zu einer Zahlung von insgesamt 3,2 Mrd. Won verurteilt.

Einzelnachweise

Kategorie:Flugunfall 2007 Kategorie:Flugunfall in Kambodscha Kategorie:Antonow An-24