mini|Gustav Schwarzkopf, um 1895 mini|Gustav Schwarzkopf, um 1894 mini mini|Visitenkarte Gustav Schwarzkopf (7. November 1853 in Wien, Österreich-UngarnMatriken der jüdischen Kultusgemeinde Wien, Geburtsbuch B 1848, folio 58 – 13. November 1939 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller. Er publizierte Romane, sozialkritische Satiren und ein Theaterstück, stellte aber im fünften Lebensjahrzehnt die literarische Arbeit ein. Vier Jahre lang betreute er die literarischen Agenden des Burgtheaters. Heute ist er hauptsächlich als enger Freund von Arthur Schnitzler bekannt.
Leben Schwarzkopf kam in Wien als dritter Sohn des Handelsagenten Jacob Schwarzkopf und der Amalia Schwarzkopf, geborene März zur Welt. Älter waren die Brüder Julius (geb. und gest. 1850) und Emil (Wien, 17. September 1851 – Wien 28. Jänner 1928). Jünger waren Max (Wien 12. Juni 1857 – Wien 14. April 1928) und Rudolf (Wien 25. Mai 1861 – Meran 13. Oktober 1893). Emil betrieb ein Übersetzungsbüro, Max war Rechtsanwalt und gerichtlich beeideter Dolmetscher für acht Sprachen, Rudolf Schriftsteller.
Er begann seine Karriere als Schauspieler an deutschsprachigen Bühnen. In der Saison 1869/1870 war er am Stadttheater in Halle an der Saale. Ansonsten sind keine Bühnenaufenthalte dokumentiert. Spätestens 1884 kehrte er nach Wien zurück und begann als freier Schriftsteller zu publizieren.
Mit Adam Müller-Guttenbrunn, Julius Deininger, Albert Ilg, Carl Karlweis, Robert Hirschfeld, Peter Rummel, Edmund Wengraf und seinem Bruder Max verband er sich 1884 zu einer literarischen Gesellschaft. Diese gab in den nächsten Jahren unter dem Titel Gegen den Strom sozialkritische Flugschriften heraus. Die Verfasser wurden erst nach Jahresfrist bekanntgegeben. Gustav Schwarzkopf verfasste insgesamt fünf dieser Flugschriften.
Er verfasste vor allem satirisch-kritische Prosastudien über das gesellschaftliche Leben der Wiener Jahrhundertwende, die in Periodika wie der Wiener Allgemeinen Zeitung, der von Heinrich Friedjung herausgegeben Deutschen Wochenschrift, der Wiener Literaturzeitung „Neue Revue“ und den „Wiener Blättern“ erschienen. Diese Texte erschienen gesammelt in Buchform. Außerdem veröffentlichte er in der Zeitschrift „An der Schönen Blauen Donau“.
Schwarzkopf gehörte zu den Kaffeehausliteraten und frequentierte in Wien das Café Griensteidl. Hugo von Hofmannsthal und Schwarzkopf lernten sich circa 1890 in Bad Fusch kennen. Hofmannsthal stellte ihn in Folge Arthur Schnitzler vor, und die beiden freundeten sich diese schnell an und blieben zeitlebens enge Freunde. Schwarzkopf war auch Schnitzlers Trauzeuge bei der Hochzeit 1903 mit Olga Gussmann. Im Tagebuch von Schnitzler wird er 1057-mal erwähnt. An seinen beiden Wohnadressen Tiefer Graben 23 (1899–1913) und danach in derselben Straße auf Haus Nummer 17 lassen sich 80 respektive 311 Besuche Schnitzlers nachweisen. In der Zwischenkriegszeit, als er verarmt mit seinem jüngeren Bruder Max zusammenwohnte, stand ihm Schnitzler als Freund und Helfer bei. Die Figur des „Edmund Nürnberger“ in Schnitzlers Roman Der Weg ins Freie ist nach ihm gestaltet.
Gemeinsam mit Karlweis verfasste er eine Dramatisierung der eigenen gleichnamigen Novelle Eine Geldheirat – Schauspiel in vier Akten, uraufgeführt in Dresden am 4. Juli 1891. Weitere Inszenierungen hatten am Theater am Franzensplatz in Graz am 3. September 1891 und in Berlin am Lessingtheater am 10. Oktober 1891 Premiere.
Nachdem Hermann Bahr am 21. Dezember 1893 bei der Deutschen Zeitung gekündigt hatte, würde Schwarzkopf sein Nachfolger. Hier schrieb er bis zum 24. Juli 1894 Beiträge und Theaterkritiken.
Später arbeitete er auch für die von Bahr im Kulturteil geleitete Wochenschrift Die Zeit und die von Felix Salten 1899 sechs Monate lange publizierte Wiener Allgemeine Rundschau.
mini|Schwarzkopf, Karlweis: Eine Geldheirat, Reclams Universal-Bibliothek, 2908mini|2. Geburtstag von Heinrich Schnitzler im Wurstelprater, 9. August 1904. Hinten: Paul Marx und Schwarzkopf, vorne: Olga Schnitzler, Henriette Tallian mit Heinrich, Arthur SchnitzlerNicht nur als Theaterdichter und Theaterkritiker engagierte er sich für die Bühnen. Im September 1896 wurde er Mitglied des Theaterausschusses des Raimundtheaters. Von Anfang März 1913 bis Ende Jänner 1918 war er in der Direktion Hugo Thimig „Artistischer Beirat“ am Wiener Burgtheater.
Ein Nachlass von Schwarzkopf ist nicht überliefert. Die an ihn gerichteten Briefe von Hofmannsthal und Schnitzler sind im Nachlass Schnitzlers in der Cambridge University Library überliefert. Schnitzler selbst lieh die an Hofmannsthal 1929 (dieser war gerade gestorben) für dessen Witwe aus. Schwarzkopf überlebte Schnitzler und war in den Nachlassbestimmungen als Berater für den Sohn und Alleinerben Heinrich Schnitzler eingesetzt. Ihm dürfte er auch die Briefe Arthurs überantwortet haben.
Werke mini|Gustav Schwarzkopf: Der Magier, Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 4957, unterschiedliche Umschläge
Selbständige Veröffentlichungen Die Bilanz der Ehe. Novellistische Studien. Dresden: Heinrich Minden (3. Auflage August 1894) Band 1: Passiva (Mai 1885) 2., durchgesehene Auflage, September 1885, online. Eine Geldheirat Verrechnet Vermittelte Liebe Aus Dankbarkeit Eine glänzende Partie Eine Liebesheirat Band 2: Dubiosa (1886), 2. Auflage im gleichen Jahr, online Großmütterchen Die Heirat eines Genies Philemon und Baucis Zwei Frauen-Schicksale Erstdruck: In: Deutsche Wochenschrift, Nr. 2, 10. Jänner 1886. Nachdruck in: Bukowinaer Rundschau, 7. Februar 1886, online. Eine Mesalliance Der Prinz-Gemahl Erstdruck: In: Deutsche Wochenschrift, Nr. 37, 13. September 1885 Durch die Zeitung Beiträge zu Gegen den Strom (1884–1892), Autorschaft erst nach einem Jahr bekannt gegeben: 4. Heft: Der Roman, bei dem man sich langweilt, online 6. und 7. Heft: Nach der Schablone. Das Vorrecht der Frau (1886), online 12. Heft: Der Leitfaden der Reclame (Januar 1887), online 19. Heft: Raubbau (November 1888), online 24. Heft: Consequenter Realismus. Bühne und Publicum (1892), online Durch scharfe Gläser. Satiren. Dresden: Heinrich Minden (Ende September 1886, vordatiert auf 1887), online Nach der Schablone Erstdruck in Gegen den Strom Ein Clavierconcert Erstdruck: Ein Klavierkonzert. Humoreske. In: Deutsche Wochenschrift, Nr. 9, März 1885 Eine Künstlerbiographie Zwischen Leben und Tod Erstdruck: Zwischen Tod und Leben, In: Deutsche Wochenschrift, Nr. 41, 12. Oktober 1884 Der neue Asmodi Die Naive Aus der Handschrift Die Freunde Erstdruck: Deutsche Wochenschrift, Nachdruck: Teplitz-Schönauer Anzeiger, Jg. 25, Probe-Nummer, 28. Februar 1885, S. 1–3, online Ein Recept. Erstdruck: Wiener Allgemeine Zeitung, 13. Mai 1884, online Ihre Memoiren Durch das Loos Aus der Theaterschule Das Testament eines Sonderlings Lebenskünstler. Ein Sittenbild Dresden: Heinrich Minden, 1888 Moderne Typen. Stuttgart: A Bonz, [Februar/März] 1890, online (mit C. Karlweis): Eine Geldheirat. Schauspiel in vier Aufzügen. Leipzig: Reclam o. J. (= 1891) (= Reclams Universal-Bibliothek Nr. 2908), online. Bühnendruck: Berlin : F. Bloch 1891 Schlimme Geschichten. Freilichtbilder aus dem Bühnenleben. Dresden, Leipzig: Heinrich Minden, September 1894, vordatiert auf 1895. Rezension von Karl Kraus in der Wochenschrift Zeit Recepte. Satiren. Dresden und Leipzig: Carl Reißner, [September] 1896, online. Recepte Das Gastspiel Ein neues Gesetz Erstdruck: Ein neues Gesetz. Novelle. In: Wiener Liebesgaben. Zum Besten der Wiener Freiwilligen Rettungs-Gesellschaft. Wien, Merlin 1892, online. Arbeit Das Normal-Bauernstück Erstdruck in: Deutsche Zeitung, 10. Juni 1893, S. 1–3. Auszug: Das Normal-Bauernstück. Die Protzen-Mudei vom Trottelhof. Oberbayerisches Volksstück mit Gesang und Tanz. Nr. 27, 12. Juli 1896, online. Eine neue Gründung Mondlicht Eine Diagnose Ein Sieg des Idealismus Die Reconnaissance-Visite Brautbesuche Ein Sieger Der Magier und andere Satiren und Skizzen. Leipzig: Reclam, 1907 (= Reclams Universal-Bibliothek Nr. 4957). Der Magier Überschätzt Inszenierung Frauengespräche Das Gerücht Eine vollkommene Frau Ein Gespräch Erstdruck: Die Zeit, Nr. 319, 10. November 1900, S. 95, online Wie wird man eine Individualität? Das Notwendigste Geschäftsgeheimnisse Die Klippe Wandlungen
Feuilletons und Aufsätze Es folgen Texte, die nicht in Buchausgaben aufgenommen sind bzw. deren Nachdruck derzeit nicht belegt ist. Vergeltung. Novelle. In: Der Frauenfeind, Jg. 1, H. 1, Dezember 1886 Ein Kunstfreund. In: Allgemeine Kunst-Chronik, Teil: Allgemeine Literatur-Chronik, Nr. 5, 29. Jänner 1887, S. 133–133, online. Die Klippe. In: Extrapost, 9. Februar 1891, online Erneut: Die Wage, Jg. 7, H. 16, [Mitte] April 1904 Drei Träume. In: Österreichischer Arbeiterkalender für das Jahr 1895 Der Mann der Diva. In: Moderne Kunst. Illustrierte Zeitschrift mit Kunstbeilagen, H. 11–13, 1894 Frauen-Gespräche. In: Frankfurter Zeitung, Nr. 295. Erstes Morgenblatt (24. Oktober 1897), online. (Nachdruck Prager Tagblatt) Die letzte Fee. (Ein Märchen). In: Bukowinaer Post, 29. Jänner 1891, online. Standesgemäß. In: Widmungen zur Feier des siebzigsten Geburtstages Ferdinand von Saar’s. Wien, Wiener Verlag 1903
An der Schönen Blauen Donau Das höhere Niveau, H. 5., 15. März 1886 Großmütterchen. Proverbe, H. 13, 15. Juli 1886 – H. 14, 1. August 1886
Deutsche Wochenschrift (Hrsg. Heinrich Friedjung) Eine glänzende Partie. Novellistische Studie, Schluss: Nr. 36, 7. September 1884 Georges Ohnet’s „Lise Fleuron“, Nr. 38 (Zweite Auflage), 21. September 1884 Surrogate, Nr. 48, 30. November 1884 Die Freunde Allerlei Konzessionen, Nr. 2, 11. Jänner 1885 Emile Zola’s „Germinal“, Nr. 13, 29. März 1885 Die Geschichte eines Genies. Eine Skizze, Nr. 16, April 1885 Ein Jubilar. Nr. 28, 12. Juli 1885 Eine idyllische Ehe. Skizze, Nr. 43, 25. Oktober 1885 Ein idealistischer und ein realistischer Roman, Nr. 4, 24. Jänner 1885 Ein Strohmann, Nr. 8, 21. Februar 1886 [Buchbesprechung], Nr. 9, 7. März 1886 Drei Träume, Nr. 14, 4. April 1886 Eine Künstler-Biographie. Humoreske, Nr. 19, 2. Mai 1886 Ewig, Nr. 31, 1. August 1886 Falsche Veilchen, Nr. 40, 3. Oktober 1886 Einkehr, Nr. 44, 31. Oktober 1886 und Nr. 45, 7. November 1886
Moderne Dichtung Liebe? Eine Studie. In: Moderne Dichtung, Jänner 1890 Die Familie Selicke. In: Moderne Dichtung, April 1890
Neue musikalische Presse Wiener Theater (Fulda, „Kameraden“, Werther, „Kriegsplan“). Nr. 4, 27. Jänner 1895 [Feuilleton]. Weihnachtsnummer 1896 Leitfaden für Kritiker. Weihnachtsnummer 1897
Neue Revue Liebe. Miniaturbilder aus der Zeit, Nr. 36, 22. August 1894. Ein nützliches Buch, 6. Jg., Nr. 18, 1. Mai 1895. Papierene Liebe, 6. Jg., Nr. 37, 11. September 1895. Moderne Literatur, 6. Jg., Nr. 42, 16. Oktober 1895. Die Frau im Hause, 6. Jg., Nr. 45, 6. November 1895. [Besprechung von Pankrazius Graunzer], 7. Jg., Nr. 11, 11. März 1896. Frauenkrieg, Jg. 8, Nr. 3, 15. Jänner 1897. Die italienische Gastspielgesellschaft, H. 17, 23. April 1897 Standesgemäß, Jg. 8, Nr. 52, 24. Dezember 1897.
Österreichische Rundschau Wildes „Intentionen“, Bd. 5, H. 58, Dezember 1905, S. 271–273, online „Zur Kritik der Weiblichkeit“, Bd. 6, H. 66, 1906, S. 32–34 „Inszenierung“, Bd. 6, H. 76, April 1906, S. 478–483. „Seelenliebe“, Bd. 8, H. 94, 1906, S. 115–116. [Rezension des Buchs von Hermine Lecomte du Noüy]
Die Wage Überschätzt. Jg. 3, Nr. 3, [15.?] Januar 1900 Theoretiker. Jg. 3, Nr. 35, [24.?] August 1900 Wie wird man eine Individualität, Jg. 6, Nr. 51, [Ende] Dezember 1903
Wiener Allgemeine Zeitung Ein sociales Clearing-House. 9. November 1884, online. Ein Narr des Glücks, 14. August 1885, online. Sein Bild, 9. Februar 1890, online
Wiener Bilder Eine vollkommene Frau. Jg. 1, Nr. 4, 2. Februar 1895, online. Aus der Handschrift. Humoreske, Jg. 5, Nr. 8, 25. Februar 1900, online
Die Zeit. Wiener Wochenschrift