mini|Bahnhof Tschistyje Prudy Tschistyje Prudy (; übersetzt „Saubere Teiche“, prußisch Tolmingkaims, deutsch Tollmingkehmen bzw. 1938–1945 Tollmingen, litauisch Tolminkiemis) ist ein Dorf mit etwa 400 Einwohnern in der Oblast Kaliningrad. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Nesterow im Rajon Nesterow.

Geographische Lage Der Ort befindet sich nordwestlich der Rominter Heide unweit der Grenzen zu Litauen und Polen. Der prußische Name beschreibt die Lage des Ortes: weit entfernt – am Wasser – Dorf. Bis zum nordöstlich gelegenen Nachbarort Iljinskoje (Kassuben) sind es neun, bis zum südlich gelegenen Krasnolessje (Rominten) sieben Kilometer.

Bis 1945 befand sich hier der Knotenpunkt der Eisenbahnstrecken Gumbinnen–Szittkehmen/Wehrkirchen–Goldap und Goldap–Stallupönen/Ebenrode. Es existiert nur noch die stillgelegte Strecke von Krasnolessje nach Nesterow.

Ortsname Der russische Name Tschistyje Prudy, zu deutsch „Saubere Teiche“, war zunächst eigentlich dem Ort Nassawen, russisch dann Lessistoje, zugedacht und bezog sich auf die beiden Nassawer Seen.

Geschichte mini|Gemeindeamt Tschistyje Prudy Der Überlieferung nach gründete ein Mann namens Tolmein oder Talmin das „Dorf am Wasser“, als dessen Gründungsjahr das Jahr 1539 gilt. Der Ort gehörte zum Landkreis Goldap, zwischenzeitlich von 1818 bis 1841 zum Landkreis Stallupönen, im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Die einstige Domäne wurde um 1820 aufgeteilt und verkauft. Infolgedessen gab es in Tollmingkehmen – anders als im Umland – keinen Großgrundbesitz, sondern bäuerliche Betriebe und vier kleine Güter.Christian Schulz: Ein Klavier für das Gebietskomitee. Russen und Deutsche in Tollmingkehmen, Ostpreußen. In: Adrian von Arburg u. a. (Hrsg.): Als die Deutschen weg waren. Was nach der Vertreibung geschah: Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2007, S. 221–282, hier S. 230.

In dem Kirch- und Amtsdorf lebten 1910 318 Einwohner, im Jahre 1933 waren es 437 und 1939 noch 395.

Infolge des Zweiten Weltkriegs kam der Ort 1945 zur Sowjetunion. Im November 1946 waren fast alle Deutschen vertrieben, das Dorf hatte 225 russische und 15 deutsche Einwohner. Die Ländereien der vertriebenen Deutschen wurden dem Sowchos Nr. 19 zugeschlagen.Christian Schulz: Ein Klavier für das Gebietskomitee. Russen und Deutsche in Tollmingkehmen, Ostpreußen. In: Adrian von Arburg u. a. (Hrsg.): Als die Deutschen weg waren. Was nach der Vertreibung geschah: Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2007, S. 221–282, hier S. 255. Im Jahr 1947 erhielt der Ort den russischen Namen Tschistyje Prudy und wurde gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Nesterow.Formal durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad) Von 2008 bis 2018 war Tschistyje Prudy Sitz einer Landgemeinde. Von 2019 bis 2021 gehörte der Ort zum Stadtkreis Nesterow und seither zum Munizipalkreis Nesterow.

Amtsbezirk Tollmingkehmen (Tollmingen) 1874–1945 Von 1874 bis 1945 war Tollmingkehmen Namensgeber und Verwaltungssitz eines Amtsbezirks, den am 18. März 1874 14 Landgemeinden bzw. Gutsbezirke bildetenRolf Jehke, Amtsbezirk Tollmingkehmen/Tollmingen: Name (bis 1938) Name (1938–1946) Russischer Name Bemerkungen Landgemeinden: Deeden Deeden -- Jessatschen Grimbach -- Kaszeleken,ab 1936 Kaseleken Neumagdeburg -- Kiaunen Rodenheim -- Kubillen Nordenfeld -- Martischken -- -- 1928 in die neue Landgemeinde Ballupönen (ab 1938 Wittigshöfen) eingemeindet Motzkuhnen Motzken -- Oszeningken,ab 1936 Oscheningken Pfalzrode Karpinskoje Tollmingkehmen Tollmingen Tschistyje Prudy Werxnen Grünhügel -- Gutsbezirke: Ballupönen Wittigshöfen Dubowaja Roschtscha ab 1928 Landgemeinde Kublischken -- Wetrjak 1928 nach Kiaunen eingemeindet Samonienen Reiterhof Dokutschajewo 1928 in die Landgemeinde Tollmingkehmen eingemeindet Tollmingkehmen -- -- 1928 in die Landgemeinde Tollmingkehmen eingemeindet Am 25. Juli 1939 wurde der Amtsbezirk Tollmingkehmen – wie ein Jahr zuvor bereits das Amtsdorf – in „Amtsbezirk Tollmingen“ umbenannt. Zu ihm gehörten per 1. Januar 1945 die zehn Gemeinden: Deeden, Grimbach, Grünhügel, Motzken, Neumagdeburg, Nordenfeld, Pfalzrode (Karpinskoje), Rodenheim (Wetrjak) Tollmingen (Tschistyje Prudy) und Wittigshöfen (Dubowa Roschtscha), von denen nur noch fünf als in Russland „Siedlungen“ (possjolok) genannte Ort existieren.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Tschistyje Prudy 1947–2008 Der Dorfsowjet Tschistyje Prudy (ru. Чисторпудненский сельский Совет) wurde im Juni 1947 im Rajon Nesterow eingerichtet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gemäß Erlass sollte sein Sitz im ehemaligen Nassawen sein; vor Ort wurde er aber in Tollmingkehmen/Tollmingen eingerichtet, was sich (vermutlich) auch auf den geografischen Zuschnitt des Dorfsowjets auswirkte.Vermutlich wurden (annähernd) die beiden Dorfsowjets Kalinino und Tschistyje Prudy miteinander vertauscht. Im Jahr 1954 wurde der Dorfsowjet Krasnolessje an Tschistyje Prudy angeschlossen.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad) Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Tschistyje Prudy (ru. Чисторпудненский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Tschistyje Prudy übernommen.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Bulawino (Булавино) Uszupönen/Uschupönen, 1938–1945: Grundfeld Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Dmitrijewka (Дмитриевка) Iszlaudszen, 1938–1945: Schönheide Der Ort wurde 1947 (in Dimitrijewka) umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Krasnolessenski. Dokutschajewo (Докучаево) Samonienen, 1938–1945: Reiterhof Der Ort wurde 1950 umbenannt. Dubowaja Roschtscha (Дубовая Роща) Ballupönen, 1938–1945: Wittigshöfen Der Ort wurde 1947 (zunächst in Dobroljubowo) umbenannt. Karpinskoje (Карпинское) Oszeningken/Oscheningken, 1938–1945: Pfalzrode Der Ort wurde 1950 umbenannt. Er verlagerte sich an die Ortsstelle Pöwgallen/Pöwen. Kolzewoje (Кольцевое) Budszedehlen/BudschedehlenVermutlich, wenn überhaupt, nur der Ortsteil von Budszedehlen/Salzburgerhütte östlich der Rominte, 1938–1945: Salzburgerhütte Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Korsunskoje (Корсунское) Martischken, 1938–1945: Langenacker Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Krasnolessje (Краснолесье) Groß Rominten, 1938–1945: Hardteck Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Krasnolessenski. Krasny Log (Красный Лог) Pallädszen/Pallädschen, 1938–1945: Frankeneck Der Ort wurde 1950 umbenannt und 1997 aus dem Ortsregister gestrichen. Mitschurinskoje (Мичуринское) Schackeln Der Ort wurde 1950 umbenannt. Oserki (Озерки) Warnen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Petrowskoje (Петровское) Klein Jodupp, 1938–1945: Kleinschelden Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Krasnolessenski. Er wurde vor 1975 verlassen. Prochladnoje (Прохладное) Schuiken, 1938–1945: Spechtsboden Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Krasnolessenski. Er wurde vor 1975 verlassen. Raduschnoje (Радужное) Jagdhaus Rominten Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Krasnolessenski. Er wurde vor 1988 verlassen. Retschiza (Речица) Matzutkehmen, 1938–1945: Matzhausen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Sadowoje (Садовое) Elluschönen, 1938–1945: Ellern Der Ort wurde vor 1975 umbenannt. Simonowo (Симоново) Eckertsberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Krasnolessenski. Er wurde vor 1975 verlassen. Sosnowka (Сосновка) Szeldkehmen/Scheldkehmen, 1938–1945: Schelden Der Ort wurde 1947 umbenannt und lag zunächst im Dorfsowjet Krasnolessenski. Stepnoje (Степное) Waldaukadel Der Ort wurde 1950 umbenannt und 1997 aus dem Ortsregister gestrichen.Nachdem er schon im Ortsverzeichnis mit Stand von 1988 nicht mehr auftauchte. Swetloje (Светлое) Langkischken, 1938–1945: Langenwasser Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Tichwino (Тихвино) Pickeln Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Tjumenskoje (Тюменское) Serguhnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Tokarewka (Токаревка) Makunischken, 1938–1945: Hohenwaldeck Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Krasnolessenski. Tschistyje Prudy (Чистые Пруды) Tollmingkehmen, 1938–1945: Tollmingen Verwaltungssitz Wetrjak (Ветряк) Kiaunen, 1938–1945: Rodenheim Der Ort wurde im Kaliningrader Ortsverzeichnis von 1976 mit dem ehemaligen deutschen Ort Kiaunen identifiziert. Zumindest die heutige Ortslage ist aber unklar. Wyssokoje (Высокое) Didszullen/Didschullen, 1938–1945: Schwadenfeld Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.

Der im Jahr 1950 umbenannte Ort Jemeljanowka (Schackummen/Eichkamp), der zunächst ebenfalls in den Tschistoprudnenski selski Sowet eingeordnet worden war, kam dann (vor 1975) aber zum Dorfsowjet Kalininski selski Sowet.

Landgemeinde Tschistyje Prudy 2008–2018 mini|Lage der Landgemeinde Tschistoprudnenskoje selskoje posselenije im Rajon Nesterow Die Landgemeinde Tschistyje Prudy (ru. Чистопрудненское сельское поселение) wurde im Jahr 2008 im Rajon Nesterow eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 258 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования ‹Нестеровский городской округ›» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 258: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Nesterow“) Zu ihr gehörten 19 Siedlungen, die vorher den Dorfbezirken Kalinino und Tschistyje Prudy angehörten. Im Jahr 2018 wurde die Gemeinde aufgelöst und deren Siedlungen in den neu gebildeten Stadtkreis Nesterow einbezogen.

Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name Borowikowo (Боровиково) Szinkuhnen (Schenkenhagen) Oserki (Озерки) Warnen Dmitrijewka (Дмитриевка) Iszlaudszen (Schönheide) Pugatschowo (Пугачево) Groß Schwentischken (Schanzenort) Dokutschajewo (Докучаево) Samonienen (Reiterhof) Sadowoje (Садовое) Elluschönen (Ellern) Dubowaja Roschtscha (Дубовая Роща) Ballupönen (Wittigshöfen) Snamenka (Знаменка) Leegen Iljinskoje (Ильинское) Kassuben Sosnowka (Сосновка) Szeldkehmen (Schelden) Kalinino (Калинино) Mehlkehmen (Birkenmühle) Tokarewka (Токаревка) Makunischken (Hohenwaldeck) Karpinskoje (Карпинское) Pöwgallen (Pöwen) Uwarowo (Уварово) Ribbenischken (Ribbenau) Krasnolessje (Краснолесье) (Groß) Rominten (Hardteck) Tschistyje Prudy (Чистые Пруды) Tollmingkehmen (Tollmingen) Lessistoje (Лесистое) Nassawen Wetrjak (Ветряк) Mitschurinskoje (Мичуринское) Schackeln

Kirche mini|Die ehemalige Kirche in Tschistyje Prudy, heute „Christian-Donalitius-Museum“ mini|Das Kircheninnere Kirchengebäude Die evangelische Kirche von Tollmingkehmen wurde 1589 erbaut und 1682 erneuert. Im Jahre 1759 erfolgte ein Nachfolgeneubau aus Feldsteinen und Ziegeln. Bis 1856 wurden hier Gottesdienste in litauischer Sprache gehalten, danach in Deutsch.