Armin Saub (* 3. April 1939 in Saarbrücken) ist ein deutscher Maler, Graphiker und Bildhauer. Er lebt und arbeitet seit 2004 im ehemaligen Pfarrhof in Gallenbach bei Augsburg.

Leben mini|hochkant|Armin Saub im Atelier, 2014 Armin Saub wuchs in Saarbrücken als Sohn einer Schneiderin und eines Polizisten auf. Sein Großvater, ein Bergmann und Musiker, war eine wichtige Bezugsperson für ihn. Er besuchte das Gymnasium in St. Ingbert, nach dem Abitur studierte er von 1959 bis 1961 an der Werkkunstschule Saarbrücken, u. a. bei Theo Siegle, Oskar Holweck und Karl Lorenz Kunz. Zudem studiert er Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Saarbrücken, u. a. bei Schmoll gen. Eisenwerth und Béla von Brandenstein. Er schloss sein Studium in Saarbrücken mit dem Examen im Hauptfach Werken, Fachrichtung Kunst- und Werkerziehung für das Lehramt an höheren Schulen ab. Von 1961 bis 1967 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München Malerei bei Erich Glette und später bei seinem Nachfolger Georg Meistermann, dazu Radierung bei Adolf Thiermann. Bereits an der Akademie experimentierte Armin Saub mit Fotografie, Kurzfilm (Super 8) und Trickfilm.

Ab 1967 war Armin Saub als freiberuflicher Maler, Graphiker und Bildhauer in München tätig. Sein erstes Atelier befand sich unterm Dach eines alten Geschäftshauses beim Armeemuseum (heute Bayerische Staatskanzlei). Er ging zusätzlichen Beschäftigungen am Bau nach sowie in Druckereien, Motorfabriken, Autowerkstätten, bei der Post, den Stadtwerken und am Theater. In den 1970er Jahren war er immer wieder freiberuflich als Stuckbildhauer in Kirchen und Profanbauten tätig. In Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Walter Bidlingmaier entstanden dabei auch Neugestaltungen in Innenräumen und an Fassaden, z. B. die Stuckfassade am Gebäude Fallmerayerstraße 28 in München, Schwabing-West.

Seit seiner Akademiezeit ist Armin Saub die künstlerische Zusammenarbeit mit Freunden und Kollegen wichtig, anfangs mit den Studienfreunden Jannis Kumbulis und Hans-Reinhard Lehmphul. Mit diesen vereint ihn das Interesse an alter und zeitgenössischer Kunst. Gemeinsame Studienreisen führten nach London und Schottland, nach Paris und Griechenland. Es folgte die Zusammenarbeit mit Künstlergruppen, oft auch als Gründungsmitglied wie beim Kollektiv Herzogstrasse. Damit verbunden waren Arbeitsaufenthalte im In- und Ausland. Parallel dazu arbeitet Armin Saub stets auch für sich allein an den Themen, die ihn besonders interessieren, oft unter schwierigen Bedingungen in wechselnden Ateliers.

Wichtig sind für Saub die Arbeitsaufenthalte in Schweden am Bauhaus Situationiste in Drakabygget (1976–1979), in Dänemark (Kopenhagen, 1976–1979) und Silkeborg (KunstCentret Silkeborg Bad, 2003), in Italien (Atelier in Florenz, 1979–1981) und in Caldè (Lago Maggiore, 1982) sowie in Hildesheim (Atelier 1994–2001) und im Atelierhaus van Treeck in Unterkammlach bei Mindelheim (2001–2004).

Armin Saub ist verheiratet mit der Kunsthistorikerin und Restauratorin Ursula Schädler-Saub.

Werk Die Malerei von Armin Saub ist gestisch meditativ, mit abstrakten Elementen und realen Versatzstücken, deren Formensprache vielfältige vergleichende Assoziationen mit der äußeren und inneren Welt auslöst. Saub ist der Tradition des Expressionismus verbunden, vom Blauen Reiter über den Abstrakten Expressionismus u. a. der Amerikaner bis zu den Malern Asger Jorn und Emilio Vedova sowie der Münchner Gruppe SPUR. Ebenso wichtig ist ihm die alte Kunst, z. B. die mittelalterliche Skulptur, die Malerei der Italienischen Renaissance und das Gesamtkunstwerk des Barock. Er verbindet dies mit einem großen Interesse an klassischer und avantgardistischer Dichtung und Musik.

Armin Saub experimentiert künstlerisch mit den unterschiedlichsten Materialien und Techniken, dabei steht die Malerei jedoch stets im Mittelpunkt. Das Bild ist für Saub eine ewige Baustelle, das zu jeder Zeit seine Sprache neu finden muss. Dabei wird deutlich, dass ein Bild nie fertig ist, sondern sich in jedem Betrachter verändert. Das könnte Betrachter und Urheber im Prozess der sich immer verändert wiederholenden Entstehung eines Bildes miteinander verbinden. Das wären Bilder, die man gebrauchen kann. mini|hochkant|Armin Saub, Optimistisches Bild, 2. Versuch, 2000, Öl auf Köper, H 220 cm B 165 cm

Was ist ein Bild?

Aus einem Gespräch zwischen Armin Saub, Daniela Hammer-Tugendhat und Ivo Hammer:

Architekturbezogene Bildformate und Rauminstallationen – Fensterbilder, Türbilder, Partikelbilder

Ein Leitmotiv im Werk von Armin Saub ist die Entgrenzung des Bildes in den mehrdimensionalen Raum hinein. Durch alltägliche Beobachtungen entwickelt Saub architekturbezogene Bildformate wie Fensterbilder und Türbilder, Friesbilder und Partikelbilder. Es sind eigenständige Bilder und gleichzeitig fluktuierende Bildpartikel, die vorgegebene Raumgrenzen sprengen und damit den euklidischen Raum auflösen. Diese Rauminstallationen gehen vom Leinwandgemälde aus und kehren wieder zu diesem zurück, sie untersuchen und festigen seine Existenzberechtigung. Die Malerei der architekturbezogenen Bildformate erforscht die Möglichkeiten des realen Raums, gleichzeitig entwickelt sie im Prozess der Bildfindung ihre eigene bildimmanente Räumlichkeit.

mini|hochkant|Armin Saub, Installation mit 2 Türbildern, 1989, Mischtechnik auf Leinwand (H 214cm, B 92cm)

Weil Armin Saub von der Gewohnheit der Menschen in südlichen Ländern, jeden Abend scharenweise zum „Corso“ auf die Straßen und Plätze zu gehen, sehr beeindruckt ist, entstehen seine Fensterbild-Installationen CORSO: mini|hochkant|Armin Saub, Installation „CORSO“, 1989, Mischtechnik auf Leinwand (Bildformate je H 170 cm, Breite variierend von 20–52cm)

Auf diese urbane Identität im Zusammenleben, im Vermischen von Öffentlichem und Privatem, beziehen sich Saubs improvisierte Corso-Installationen, die Lust machen möchten an wechselseitiger Ergänzung zwischen den Bildern und den Betrachtern, die sich in diesem Bildercorso bewegen.

Arbeiten auf Papier

Armin Saub ist seit seiner Schulzeit fasziniert von den Zeichnungen Michelangelos, den Holzschnitten Dürers und den Radierungen Rembrandts. Schon damals wird Zeichnen für ihn ein Mittel der Welterkundung. Er experimentiert mit verschiedenen Techniken der Zeichnung und Druckgraphik. Ab 1978 entstehen Graphik-Mappen die sich im Zwiegespräch mit seinem Dichterfreund Oliver Behnssen parallel zu dessen Lyrik entwickeln, zudem grafische Veröf­fentlichungen in Kulturzeitschriften (SPEKTRUM, die horen, Analle u. a.). Beispielhaft sei erwähnt die 1993 erschienene Mappe „Findling“ mit Radierungen von Armin Saub und Gedichten von Oliver Behnssen genannt (u. a. in der Bibliothek des Münchner Lyrik-Kabinettshttps://www.lyrik-kabinett.de/bibliothek/bestaende).

Weder bei den grafischen Arbeiten noch bei seinen Gouache-Serien wird Armin Saub von der Absicht geleitet, Figuren zu schaffen. Das entwickelt sich im Laufe des Arbeitsprozesses durch Vereinfachungen und durch den Versuch, kontrapunktisch Summen zu ziehen. Er meint dazu: „Ich wollte immer raus aus den Strukturbildern, die Wiederholung der gestischen Aktion war mir oft zu beliebig.“ (aus den Notizbüchern von Armin Saub, um 1980) So entstehen z. B. 1979–1981 im Florentiner Atelier die „Körperbilder“ und „Horizontgänger“. In der Formerfindung hängen sie eng mit den Zeichnungen und Holzschnitten zusammen, an denen Armin Saub dort zur selben Zeit arbeitet.

Grafik und gesellschaftliches Engagement

Das gesellschaftliche Engagement von Armin Saub zeigt sich in seinen Plakaten „Gegen die Folter“ für Amnesty International. Ab 1979 experimentiert er mit verschiedenen Techniken und Ausdrucksformen um die unsägliche Brutalität der Folter künstlerisch zu vermitteln. Keine naturalistische Illustration dieser Schrecken, aber zeichenhafte Umsetzung mit heftigem Farbauftrag, Collage und Decollage, Applikationen. Kein ausgewogenes Layout, keine professionelle Schrift, sondern Improvisation als Signal der Ohnmacht und Auflehnung. Die Plakate werden zu verschiedenen Anlässen in Florenz und München ausgestellt, z. B. im Theater rechts der Isar, und einige davon in der Zeitschrift „die horen“ 30. Jg., 3. Quartal 1985 publiziert. mini|hochkant|Armin Saub, Contro la tortura / Gegen die Folter, Plakat für Amnesty International Italien, Gouache/Papier, 1979, (H 82,5cm, B 56cm)

Armin Saubs Graphikmappe „Der Mann in der Stechuhr“ erscheint 1988 mit dem gleichnamigen Gedicht von Oliver Behnssen vom rundum kontrollierten Arbeiter, dessen Leben dem Rhythmus der Stechuhr untergeordnet ist. Sie wird im Haus der Bayern SPD am Oberanger in München präsentiert. Saubs zeichenhafte Foliografien evozieren immer wieder mit anthropomorphen Formen, Zifferblättern und Ziffern den Menschen, der ganz von der allgegenwärtigen Stechuhr in Besitz genommen wird. Die Graphiken sind oft düster und brutal – Oliver Behnssen sprach von der Düsternis Goyas – aber sie enthalten auch witzige und überraschende Elemente.

Dreidimensionale Objekte: Grabsteine, „Bildstöcke“ und bemalte Möbel

Armin Saub arbeitet immer wieder auch als Bildhauer. In den 1980er Jahren entstehen Grabsteine für den jung verstorbenen Freund Wolfgang Tümptner und für Saubs Eltern, die mit erzählerischen Reliefs überzogen sind und damit ausdrucksstark das Leben dieser geliebten Menschen evozieren. Oft bringt Armin Saub für seine dreidimensionalen Objekte ungewöhnliche Materialien und Findlinge zusammen, wie bei den „Bildstöcken“ die im Wald gesammelten bizarren Holzreste, aus denen er vielfüßige Wesen entstehen lässt, die kugelförmige Drahtgebilde tragen, bespannt mit bunten Stoffresten und Stecknadeln – Erinnerungen an die Arbeit seiner Mutter als Schneiderin und an alte Kleidungsstücke als Lebensbegleiter. Der Titel ist eine Hommage an die bayerische Kulturlandschaft mit ihrer religiösen Tradition von meist steinernen Bildstöcken am Wegrand. Schon als Student sammelt Armin Saub Sperrmüllmöbel. Was die Gesellschaft wegwirft, will er wieder benutzbar machen und dabei die Geschichte dieser Gegenstände erkennbar lassen. „Ich richte diese geschundenen Möbel durch Malerei wieder auf“ meint Armin Saub. In behutsamer und handwerklich sorgfältiger Arbeit werden die Oberflächen geschliffen, grundiert und dann mit Wasserfarbe, Bleistift, Kohlestift und Wachskreide bemalt, abschließend fixiert und lackiert. Aus Müll werden kostbare Möbel, deren Sitze und Stuhlbeine, Gehäuse und Türen Projektionsflächen für biomorphe und räumliche Gebilde bieten, im Dialog mit ihrer ursprünglichen Funktion und ihrer Geschichte. Siehe , siehe

Mitbegründer und Mitglied von Künstlergruppen „Der Münchner Maler Armin Saub gehört der mittlerweile ehrwürdigen Generation der Münchner Gruppenmalerei an.“

Ab 1973 entstehen erste Rauminstallationen und Kleinplastiken zum Thema „Mann – Frau“ von Armin Saub zusammen mit dem Bildhauer Walter Bidlingmaier. Armin Saub ist interessiert an Bidlingmaiers sensiblen Interpretationen der menschlichen Figur, Bidlingmaier wiederum schätzt an dem jüngeren Künstlerkollegen die unkonventionelle Kreativität und Erfindungslust, frei von allen akademischen Fesseln. Es entsteht ein intensiver schöpferischer Dialog, der zu gemeinsamen künstlerischen Arbeiten führt, z. B. die gemeinsame Installation „Trennkammer“, Haus der Kunst München, Herbstsalon 1973, und die Installation „Planquadrat Frau“, ebenda 1974.