Johann Faistenauer (* um 1577 in Berchtesgaden; † 18. November 1643 ebenda) war ein berchtesgadischer HofmalerJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Ferdinand 40. Propst: J. 1595–1650 , S. 19. In: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke : in drey Büchern / 3. 1595 - 1815, online unter bavarikon.de. und Kartograf,Alfred Spiegel-Schmidt: Der Maler und Kartograf Johann Faistenauer, PDF 7 Seiten, 2019, online unter heimatkundeverein-berchtesgaden.de.Laut seinen Angaben in der Einleitung forschte Alfred Spiegel-Schmidt zu Johann Faistenauer in folgenden Einrichtungen: Bayerisches Hauptstaatsarchiv in München, Salzburger Landesarchiv, Pfarrarchiv St. Andreas in Berchtesgaden sowie Gemeindearchive von Berchtesgaden und Bischofswiesen. dessen Karte „Das Landt und Frl. Stifft Berchtolsgaden, mit den anstossenden Grentzen“ bis zur Auflösung der Fürstpropstei Berchtesgaden (1803) als allseits gebräuchliche Landkarte des Berchtesgadener Landes galt.

Leben mini|hochkant 0.5|Geburts- und Wohnhaus von Faistenauer am Marktplatz Nr. 12 (2. v. li.) mini|hochkant 0.5|Georg Labermayr, Freund und Auftraggeber Faistenauers, auf der Vorderseite seines „Hirschenhauses“ rechts neben Maximilian Heinrich von Bayern Johann Faistenauer wurde 1577 oder 1578 im Haus Marktplatz Nr. 12 (s. Abb.) im Zentrum von Berchtesgaden unweit des heutigen Schlossplatzes geboren. Dieses Haus war bereits seit 1567 im Besitz seines Großvaters Peter Faistenauer, der es 1578 an Johanns Vater Hans Faistenauer übertragen hatte. Als Jugendlicher wurde Johann 1594 eines Totschlags für schuldig befunden und kam deshalb ins Gefängnis, nur um dann von dem im gleichen Jahr zum Fürstpropst über das Berchtesgadener Land gewählten Ferdinand von Bayern (1577–1650) bereits nach wenigen Wochen entlassen und stattdessen des Landes verwiesen zu werden. Wo er sich anschließend aufgehalten hat und von seinem Vater finanziell unterstützt werden musste, kann nur vermutet werden. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Vater Johanns das Haus am Marktplatz Nr. 12 erstmals 1593 veräußerte, den Verkauf jedoch 1594 wieder rückgängig machte, nur um es dann 1595 erneut zu verkaufen – diesmal endgültig an Jakob Barbier im Nachbarhaus Haus Guttmann. Es liegt nahe, dass der Verkauf mit der Verurteilung Johanns und seiner notwendigen Unterstützung in der Verbannung zusammenhing. Etwa zwei Jahre nach seiner Verurteilung folgte 1596 die fürstliche Regierung einem Gnadengesuch des Vaters. Nachdem der Regierung innerhalb einer gesetzten Dreimonatsfrist mitgeteilt wurde, an welchem Ort Johann in der Zwischenzeit gewohnt hat und dass er sich dort gegenüber den zuständigen Obrigkeiten nichts weiter hat zuschulden kommen lassen, wurde Johann wieder „die Landeshuld erteilt“ und er durfte nach Berchtesgaden zurückkehren. Da sich Johann Faistenauer bei seiner Rückkehr als „Bürger und Maler“ bezeichnete, ist zu vermuten, dass er in einer Freien Reichsstadt untergekommen war und dort die Grundlagen der Malerei erlernt hatte.

In erster Ehe mit Ursula Gräfel verbunden, wurde er 1614 Vater von Jakob. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau hatte er Ursula Scheibenstock geehelicht und wurde 1620 Vater von Maria Magdalena.

Ohne nähere Angaben zum Warum ist belegt, dass ihm 1620 „die Zahlung der Leibeigenschaft und eine Nachsteuer“ erlassen wurde. Im gleichen Jahr trat er in Berchtesgaden als Siegelzeuge beim Verkauf eines Hauses auf. Ferner ist beurkundet, dass er Vormund der Kinder des Greinswiesenlehens und deshalb dreimal vor Gericht geladen war, wo es 1625 zu einem Vergleich bei der Aufteilung von Besitz und über den Unterhalt für eines der Kinder kam.

Der Holzwarenverleger Georg Labermayr und Faistenauer verbreiteten im August 1631, dass die Pröpste ehedem stets ein Drittel der Reichssteuern übernommen hatten. Daraufhin wurde beiden vom Gericht untersagt, dieses Gerücht weiter zu verbreiten. Als aber im Oktober 1631 zahlreiche „aufrührerische“ Bauern und Bürger verhört wurden, stellte sich bei der Gelegenheit auch heraus, dass bei geheimen Treffen Faistenauer und andere Untertanen beschlossen hatten, in Reichenhall den bayerischen Pfleger wegen der Steuer zu befragen. Für diesbezügliche Erkundungen in Reichenhall meldete sich auch Faistenauer wieder freiwillig – in Reichenhall bestätigten dann gleich mehrere Zeugen, dass sich Fürstpropst Jakob II. Pütrich (1523–1594) mit einem Drittel an besagter Steuer beteiligt hätte. Daraufhin hieß es am 24. Oktober des gleichen Jahres: Faistenauer und andere „sind zu greifen und da sie in der Güte nicht zum Gehorsam zu bringen sind, mit Schellen bei Gericht vorzuführen.“ Doch er konnte erst Ende November verhaftet und zu den Anklagepunkten befragt werden. Mit welchem Ergebnis, ist nicht dokumentiert, nur dass während dieses Verhörs verschiedene Bauern mit Labermayr als Wortführer sich bei Tag und Nacht sehr „freventlich“ verhalten hätten. 1637 Jahr haben alle Untertanen des Berchtesgadener Landes erneut erfolglos eine Eingabe gemacht, ein Viertel der Steuern erstattet zu bekommen. Der Landschaft ließ Faistenauer damals anonym einen Brief zukommen, der von einem weiteren Geheimtreffen in Bischofswiesen handelte. Doch an seiner Schrift konnte man ihn als Verfasser des Briefes erkennen. Mit welchen Folgen, ist nicht dokumentiert.

Finanziell hatte es Faistenauer nicht leicht, weswegen er sich 1638 an das Kurfürstentum Bayern wandte und von ihm die Bezuschussung einer Reise nach Altötting erbat. Auch wurde ihm auf seine Bitte hin im gleichen Jahr sowie im Jahr 1641 von der Fürstpropstei Brennholz bewilligt. Zudem sah er sich 1640/41 des Öfteren gezwungen, von säumigen Schuldnern ihm zustehende Geldsummen einzuklagen. Noch Schlimmeres drohte, als Faistenauer 1642 für eine Person gebürgt hatte, die den später geforderten Mietzins aber nicht zahlen konnte. Doch zu seinem Glück entließ das Gericht ihn aus der Bürgschaft und gab stattdessen Schuldner und Gläubiger auf, besagte Angelegenheit unter sich zu regeln.

1642 starben im Juli sein Sohn Jakob und im November seine zweite Ehefrau Ursula. Johann Faistenauer selbst starb ein Jahr später am 18. November 1643 und wurde auf dem seinerzeit einzigen und ältesten bzw. ersten Berchtesgadener Friedhof neben der Pfarrkirche beigesetzt. Von seiner Tochter Maria Magdalena ist noch beurkundet, dass sie in der Schottenkirche in Wien den Hofgoldschmied Joachim Gerlach 1651 geheiratet hat.

Trotz all der Anerkennung seiner Werke lebte Johann Faistenauer bis zuletzt in einfachen Verhältnissen als Inwohner, der an die „Bürgerschaft“ lediglich zweimal im Jahr das „Wachtgeld“ für die Nachtwächter zu zahlen hatte. Insofern irritiert auch die Bezeichnung Hofmaler, mit der Joseph Ernst von Koch-Sternfeld wie auch noch A. HelmHellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973, S. 72. Faistenauers Stand angegeben haben. Denn laut allen anderen Quellen hatte Faistenauer zwar einige Aufträge seitens seiner fürstpröpstlichen Herrschaft erhalten, hatte aber offenbar keinen auch nur irgendwie gearteten, privilegierten Status, mit dem er dem vergleichsweise kleinen Hofstaat des Berchtesgadener Landes angehörte. Vermutlich fand er aber in Berchtesgaden immerhin durchgehend Unterkunft in dem seinerzeit von seinem Vater verkauften Haus am Marktplatz Nr. 12.

Wirken Altarentwürfe, Malerei Was die Malerei im Sinne Bildender Kunst angeht, ist man bei Faistenauer zumeist auf Mutmaßungen angewiesen, die allerdings meist gut begründet sind. Tatsächlich aber ist als erste Arbeit von ihm lediglich nachweisbar, dass er 1606 einen Handwerkerauftrag für das Ausweißen der Pfarrkirche St. Andreas erhielt, wiewohl der zuvor an einen Ortsfremden gehen sollte.

Da der in ärmlichen Lebensverhältnissen lebende Faistenauer bekanntermaßen gut befreundet mit dem so reichen wie „kunstsinnigen“ Holzwarenverleger Georg Labermayr war, kann davon ausgegangen werden, dass er von ihm um 1610 auch den Auftrag erhielt, dessen sogenanntes „Hirschenhaus“Berchtesgaden, Hirschenhaus <Marktplatz>, Webseite im Bavarikon, online unter bavarikon.de. am Marktplatz innen wie außen mit Renaissancemalereien zu versehen – womit Georg Labermayr zudem der einzige im Berchtesgadener Land war, dessen Privathaus im 17. Jahrhundert Freskomalereien aufwies. Bis heute davon erhalten ist auf der Rückseite des Gebäudes Faistenauers Lüftlmalerei, die sechs Fenster umrandet. Sie zeigt Szenen mit Affen, die stellvertretend satirisch die damaligen Zustände am fürstpröpstlichen Hof aufs Korn nehmen.Alfred Spiegel-Schmidt: Der Marktplatz in Berchtesgaden. PDF 11 Seiten, 2011, online unter heimatkundeverein-berchtesgaden.de.

Kirchenrechnungen des Pfarrarchivs Marzoll besagen, dass Faistenauer 1625 für einen ersten Entwurf des Hochaltars der Pfarrkirche St. Valentin 1 Gulden und 30 Kreuzer erhalten hat sowie am 4. und 5. Januar 1626 weitere 180 Gulden (dazu noch jeweils 2 Taler für seine Ehefrau und Tochter) für die endgültige Fassung des Hochaltars. Dazu kamen noch 15 Gulden für seine Entwürfe der von Hans Waldburger ausgearbeiteten Statuen, die den Altar ergänzten. Während der Altar ersetzt wurde, steht in der Kirche noch heute am Chorbogen rechts die namensgebende Figur des St. Valentin.

Da er in den fürstpröpstlichen Hofratsprotokollen mehrfach wegen diesbezüglicher Honorarforderungen bzw. einer ersten Bittschrift vom Februar 1628 genannt wurde, ist davon auszugehen, dass er auch den Marienaltar der Berchtesgadener Pfarrkirche St. Andreas entworfen und farbig gefasst hat. Sein Honorar dafür erhielt er dann im Juni 1628.

Als letzte bekannte Arbeit überhaupt gilt derzeit seine Bemalung der Rückseite des bereits im Absatz darüber erwähnten Marienaltars, die er 1642 vornahm. Offenbar stand der Altar seinerzeit nicht wie heute mit der Rückseite nahe der Wand, sondern frei im Chorraum. Das Hauptbild mit der Kreuzigung des Heiligen Andreas zeigt bei den Kriegsknechten auch zwei Männer in schwarzer Tracht, wie sie um 1640 in Berchtesgaden üblich war – der eine rechts unten dürfte laut Alfred Spiegel-Schmidt Abraham Hölzl als Stifter des Bildes, der andere in der Mitte den Maler selbst darstellen. Dazu noch ein Schriftband mit sinngemäßer Inschrift: „St. Andreas, der Bruder des Petrus und der Jünger von Johannes dem Täufer. Von ihm findest Du bei Joh. im 1., 6., 11. Kapitel, bei Lukas im 5., 6. Kapitel und bei Matth. im 4. Kapitel. Er hat in Skythien, Achaia und anderswo gepredigt und ist letztlich von dem Hauptmann des Königs der Edissener gefangen und gekreuzigt worden. Am Kreuz soll er zwei Tage gelebt und viele Menschen bekehrt haben.“Siehe Abb. unter :Datei:Johann-Faistenauer Ausschnitt-Altarrueckseite-Pfarrkirche-BGD-2.jpg, online unter commons.wikimedia.org

Darüber hinaus werden Johann Faistenauer aber auch noch die undatierten und nicht mehr vorhandenen Freskomalereien einer Sonnenuhr und eines Stiftswappens über den Schlossarkaden zugeschrieben, die ein Kupferstich von Georg Matthäus Vischer (1628–1696) aus dem Jahr 1664 zeigt. Dies mit der Begründung, Faistenauer sei seinerzeit der einzige Maler in der Region gewesen, der für diese Arbeit infrage kam.

Kartografie