Meko (rotinesisch), auch me’o, ist ein aus meist neun hängenden Buckelgongs und einer hölzernen Bechertrommel labu bestehendes Musikensemble auf der zu den Kleinen Sundainseln gehörenden indonesischen Insel Roti. Mehrere Musiker, die zwei oder drei Gongs (aus Eisen meko besik, aus Messing meko lilok) unterschiedlicher Tonhöhen schlagen, produzieren zusammen eine aus verzahnten rhythmischen Mustern bestehende Melodie, mit der sie im Freien Tänze begleiten. Meko ist eine lokale und relativ spät, vielleicht Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführte Form der in Südostasien weit verbreiteten Buckelgongensembles, zu denen auch die auf Java und Bali bekannten gamelan gehören. Das Gong-Trommel-Ensemble stellt auf Roti neben dem Spiel der Bambusröhrenzither sasando die zweite traditionelle Musikgattung dar und symbolisiert Elemente der überlieferten Gesellschaftsordnung.

Als meko werden neben dem Ensemble auch einzelne Buckelgongs im Gongspiel (meko lalanggak esa), ein heute seltenes Xylophon (meko ai oder meko o) und ein praktisch verschwundenes Metallophon bezeichnet.

Herkunft mini|Javanische Buckelgongreihe bonang im indonesischen Kulturinstitut ISBI in Bandung Im 1. Jahrhundert n. Chr. begann in Südostasien der indische Kultureinfluss mit der Gründung des Staatenbundes Funan auf dem Festland. Zugleich nahm im 1. Jahrtausend der Seehandel zwischen China, Südostasien, Indien und Arabien zu. Abgesehen von Musikinstrumenten aus Bambus (wie der Maultrommel genggong und Bambusröhrenzithern wie guntang und kolitong), die zu einer altmalaiischen Überlieferung gehören, lassen sich viele Instrumente im Malaiischen Archipel auf eine arabisch-indische oder auf eine chinesische Herkunft zurückführen.

Bronzegongs gehen vermutlich auf einen chinesischen Ursprung zurück. Die ältesten Formen von Gongs sind seit der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. im Südwesten Chinas nachweisbare Kesselgongs (chinesisch tonggu, „Bronzetrommel“), die nach einem Fundort im Norden Vietnams auch Dong-Son-Trommeln genannt werden. Der älteste, um 200 v. Chr. datierte Flachgong wurde ebenfalls im Süden Chinas gefunden. Die meisten chinesischen Gongtypen (lu) sind Flachgongs, auch alle am Angkor Wat in Kambodscha im 12. Jahrhundert entstandenen Reliefabbildungen von hängenden Gongs, während auf den Malaiischen Inseln die Buckelgongs überwiegen. Ein wahrscheinlich im 2. Jahrhundert entstandener und der Dong-Son-Kultur zugeschriebener Kesselgong besitzt eine eingravierte Szene, die einem Musiker zwischen jeweils sechs senkrecht aufgehängten kreisrunden Gegenständen auf beiden Seiten zeigt, auf die er mit einem Stock in jeder Hand schlägt und die Gretel Schwörer-Kohl (1995) als die mutmaßlich früheste Darstellung von Buckelgongs interpretiert.Gretel Schwörer-Kohl: Gong und Gongspiele. VI. Geschichte, 2016

Funde aus Wracks von Schiffen, die zwischen dem 9. und 17. Jahrhundert am Seehandel zwischen den Malaiischen Inseln beteiligt waren, belegen die Verwendung von Flachgongs ab dem 9. Jahrhundert, während ab dem 13. Jahrhundert überwiegend Buckelgongs als Handelsgut befördert wurden.Arsenio Nicolas: Gongs, Bells, and Cymbals: The Archaeological Record in Maritime Asia. From the Ninth to the Seventeenth Centuries. In: Yearbook for Traditional Music, Band 41, 2009, S. 62–93, hier S. 62f Abbildungen an Hindutempeln auf der Insel Java aus dem 13. bis 15. Jahrhundert lassen zwei Typen von Buckelgongs erkennen: 1) zwei Gongs, die gegenüber an den Enden einer waagrecht vor dem Spieler liegenden Stange befestigt sind und mit Stöcken in beiden Händen geschlagen werden (reyong, Form einer Sanduhrtrommel). 2) ein einzelner Gong, der senkrecht aufgehängt ist oder an einer Schnur in der Hand gehalten wird.Arsenio Nicolas: Gongs in Java, 13th to 16th Century: A Survey of Temple Bas-reliefs, Inscriptions and Literary Texts. Vortrag beim 12th Borobudur Writers and Cultural Festival Universitas Negeri Malang, East Java, Indonesia, 23.–27. November 2023, S. 142

Später entstanden daraus Buckelgongreihen wie bonang auf Java und die auf einem Relief am Angkor Wat aus dem 16. Jahrhundert abgebildeten Buckelgongkreise wie khong wong yai in Thailand. Die heutigen indonesischen Buckelgongreihen bildeten sich in den letzten Jahrhunderten allmählich durch Vergrößerung älterer Instrumente mit nur wenigen Buckelgongs heraus. Als eines der ältesten gamelan gilt das vermutlich während des Majapahit-Reichs Ende des 15. / Anfang des 16. Jahrhunderts eingeführte gamelan monggang, das unter anderem aus vier bonang-ähnlichen Buckelgongreihen mit jeweils drei Gongs und zwei großen hängenden gong ageng bestand.Margaret J. Kartomi, Maria Mendonça: Gamelan. I: South-east Asia. 1. History. In: Grove Music Online, 2001 Ein heutiges bonang besteht aus zwölf Buckelgongs in zwei Reihen.Bonang. In: Grove Music Online, 13. Januar 2015

Außer auf Java sind liegende Buckelgongreihen unter anderem in der balinesischen Musik (trompong), in der Musik von Lombok, auf Sumatra (keromong, ogung), auf Borneo (kulintangan, sopogandangan, bandai), auf zentralen Inseln der Molukken (totobuang) und im Süden der Philippinen (kulintang) verbreitet. Zu den vertikal an einer Kordel in einem Gestell hängenden oder in der Hand gehaltenen Buckelgongs gehören auf Java und Bali der tief klingende gong ageng, der gong suwukanGong suwukan (knobbed gong). (Abbildung) The Metropolitan Museum of Art und der kleinere kempul, der eine Oktave höher als der suwukan klingt.Jaap Kunst: Music in Java. Its History, its Theory and its Technique. 3. Auflage herausgegeben von Ernst L. Heins. Band 1. Martinus Nijhoff, Den Haag 1973, S. 149

Melodieinstrumente aus mehreren aufgereiht hängenden Gongs sind selten. Außerhalb der Malaiischen Inseln mit den meko vergleichbar sind das aus mehreren Flachgongs bestehende chinesische Gongspiel yunluo und dessen ulla genannte Entsprechung in Korea. Des Weiteren ähnlich ist das seltene indische Schlagplattenspiel srimandal aus Reihen von runden Messingplatten, das aber typologisch nicht zu den Gong-Instrumenten (indonesisch pencon) gehört.

mini|Rotinesischer Musiker mit einer Bambusröhrenzither sasando Vor der Einführung von Gongs in die Musik von Roti vermutlich Anfang des 19. JahrhundertsChristopher Basile, 1998, S. 800 gab es Xylophone mit neun Klangplatten aus Holz (meko ai) oder gespaltenem Bambus (meko o), die über einem hölzernen Trog liegen. Solche Trogxylophone sind von Myanmar (pattala), Thailand (ranat ek), Kambodscha (roneat ek), Sumatra (kalondang mit 7 Klangplatten bei den Batak), Java (gambang kayu mit 16 Klangplatten), Bali (rindik mit 11 Bambusröhren) bis in den Süden der Philippinen (kulintang a kayo) in Südostasien verbreitet. Die meisten Trogxylophone sind kunstvoll beschnitzt und bemalt. Auf der nördlich benachbarten Insel Flores wurde ein sehr einfaches, letor oder geko genanntes Xylophon gespielt, dessen Klangstäbe auf zwei dünnen Baumstämmen ruhten.Jaap Kunst: Music and Dance in the Outer Provinces. In: Tropenmuseum, University of Amsterdam (Hrsg.): Jaap Kunst. Indonesian music and dances. Traditional music and its interaction with the West. A compilation of articles (1934–1952) originally published in Dutch. Amsterdam 1994, S. 187 Vorläufer des heute seltenen meko ai wurden wahrscheinlich vor langer Zeit von Händlern aus Flores oder Java nach Roti gebracht. Agastya Rama Listya (2018) vermutet, dass die Bambusröhrenzither sasando, das heutige Nationalinstrument der Inselbewohner, später als das Xylophon eingeführt wurde und die Stimmung ihrer älteren Version sasando gong mit etwa zehn Saiten von dessen Klangplatten übernahm.Agastya Rama Listya, 2018, S. 150 Es gibt auch die gegenteilige Vermutung, wonach zuerst die Röhrenzither eingeführt worden sei. Die frühesten idiophonen Perkussionsinstrumente auf der Insel Roti waren klingende flache Steinplatten (Lithophone) und die kokosnussgroßen harten Fruchtschalen der Lontarpalme.

In den mündlichen Überlieferungen der Rotinesen gelten die ersten Gongs auf der Insel aus Bronze oder Messing als durch einheimische Könige und andere bedeutende Persönlichkeiten importiert. Vier namentlich genannte lokale Könige aus unterschiedlichen Gegenden (nusak, traditionelle Kulturregion) auf der Insel sollen um 1730 nach Batavia (heute Jakarta) gesegelt sein, um sich fortzubilden und später, zum Christentum bekehrt, mit ihrem Wissen – über Reisanbau, Rinderzucht, Fischfang, Musik und Eisenverarbeitung – zurückzukehren. Historisch belegt ist die Eröffnung der ersten Schule auf Roti im Jahr 1732.Die ersten Lehrer um diese Zeit waren von der niederländischen Kolonialverwaltung gesandte Ambonesen. Vgl. Michelle Carnegie: Living with difference in rural Indonesia: What can be learned for national and regional political agendas? In: Journal of Southeast Asian Studies, Band 41, Nr. 3, Oktober 2010, S. 449–481, hier S. 459 Ob nach der Rückkehr dieser Könige die Herstellung von Gongs auf Roti begann, lässt sich historisch nicht nachweisen. Archäologisch gesichert ist dafür die Verbreitung von Kesselgongs („Bronzetrommeln“) des Dong-Son-Typs ab 1730 über Südostasien. Einige dieser Kesselgongs wurden auch auf Roti und auf den anderen Kleinen Sundainseln gefunden.Terry E. Miller, Sean Williams: Waves of Cultural Influence. In: Terry E. Miller, Sean Williams (Hrsg.): The Garland Encyclopedia of World Music. Band 4: Southeast Asia. Garland, New York / London 1998, S. 58

Nach der anderen Geschichtsbetrachtung führten fremde Händler die Gongs ein. Die Händler im Gebiet der Kleinen Sundainseln stammten aus Java, Makassar (Südsulawesi) oder Sumbawa und tauschten die Gongs gegen Palmwein (air tuak), Schildkrötenpanzer und Honig. Arabische Händler waren vor allem an bestimmten Pferden von Roti interessiert. Rotinesische Musiker kauften nach und nach Messinggongs, bis ein spielbares Set zusammengekommen war. Diese Messinggongs dienten anfangs als Vorbild für die inseleigene Produktion von Eisengongs (meko besik). Javanische Bronzegongs wurden seit dem 16. Jahrhundert auf andere Inseln exportiert. Sie waren nicht primär wegen ihres Materials, sondern vor allem wegen ihrer magischen Fähigkeiten, die ihnen durch den Prozess des Schmiedens zugesprochen wurde, von hohem Wert. Auf Roti und Nachbarinseln konnte ein Set aus Bronzegongs ähnlich wie einzelne Kesselgongs wohlhabenden Familien als Mitgift dienen. Gewöhnliche Musiker auf Roti verwendeten Messinggongs.Agastya Rama Listya, 2018, S. 151–154

Lokal gefertigte Eisengongs sind auf den Kleinen Sundainseln üblicherweise ein kostengünstiger Ersatz für importierte Bronze- oder Messinggongs. So werden Eisengongs etwa auf der Insel Sumba aus eingeschmolzenem Alteisen geschmiedet und auf benachbarte Inseln verkauft.Jill Forshee: Culture and Customs of Indonesia. Greenwood Press, Westport (Connecticut) / London 2006, S. 192 Laut einer späten Datierung begann die Herstellung von Eisengongs auf Roti erst in den 1930er Jahren. Die niederländischen Kolonialherren sandten Ende des 19. Jahrhunderts einen Rotinesen nach Jakarta, um die Herstellung von Waffen zu erlernen. Dessen Nachkommen übernahmen die Kunst der Eisenschmiede und setzten die Familientradition fort. Zwei oder drei Schmiede aus Roti sollen in den 1930er Jahren von einem chinesischen Geschäftsmann in Kupang (Westtimor) zur Herstellung von Gongs angestellt worden sein. Einer von ihnen kehrte nach einiger Zeit nach Roti zurück, um in einem Dorf im Nordwesten der Insel sein Handwerk fortzuführen. Dessen Nachkommen stellen bis heute Eisengongs her. Während der von 1942 bis 1945 dauernden japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Bronze- und Messinggongs beschlagnahmt. Nach dem Krieg wurde daher die Produktion von Eisengongs verstärkt.Agastya Rama Listya, 2018, S. 153–156

Ursprungsmythen mini|Xylophon mit Klangplatten aus gespaltenem Bambus von Zentralsulawesi. In einem nachgebauten traditionellen Haus (rumah adat) im Taman Mini Indonesia Indah ausgestellt