mini|alt=nachdenklich schauender 74-jähriger Mann mit Brille, spärlichem Haupthaar, die rechte Hand ans Kinn führend|Madhav Gadgil (2016) Madhav Dhananjaya Gadgil (; * 24. Mai 1942 in Pune; † 7. Januar 2026) war ein indischer Ökologe, Autor, Kolumnist und der Gründer des indischen Centre for Ecological Sciences. Er war Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des indischen Premierministers und Leiter des Western Ghats Ecology Expert Panel (WGEEP) von 2010, allgemein bekannt als Gadgil-Kommission.
Herkunft und Ausbildung Madhav Gadgil kam 1942 in Pune zur Welt, damals in der Bombay Province von Britisch-Indien gelegen. Seine Eltern waren Pramila und Dhananjay Ramchandra Gadgil. Sein Vater leitete das Gokhale Institute of Politics and Economics und war Verfasser eines bedeutenden nationalen Wirtschaftsprogramms (Gadgil formula). Schon als Schüler der 10. Klasse veröffentlichte Madhav Gadgil eine Serie von zehn Artikeln über Tierverhalten im Wissenschaftsmagazin Srishtidnyan. Er absolvierte dann bis 1963 ein Biologiestudium am Fergusson College der University of Pune und erwarb 1965 einen Masterabschluss in Zoologie an der University of Mumbai.
Gadgil wurde von Giles Mead, dem damaligen Kurator für Fische am Harvard Museum of Comparative Zoology, ermutigt, an die Harvard University zu gehen. Dort hörte er Vorlesungen von Edward O. Wilson, dem herausragenden Wissenschaftler für Ökologie und Evolution der Biologie in Harvard. 1969 promovierte er über mathematische Ökologie und Fischverhalten zum PhD, der Titel seiner Dissertation lautete Life History Strategies: A Theoretical Investigation. Anschließend erhielt er ein Stipendium von IBM, so konnte er seine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Harvard Computing Center fortsetzen und arbeitete gleichzeitig zwei Jahre lang als Dozent für Biologie an der Universität.
Karriere 1971 kehrte er nach Indien zurück und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Agharkar Research Institute der Maharashtra Association for Cultivation of Science in Pune. 1973 wechselte er ans Indian Institute of Science (IISc) in Bengaluru; 2004 verabschiedete er sich als Vorsitzender des Instituts in den Ruhestand. Während dieser Zeit gründete er am IISc zwei Forschungszentren, das Centre of Theoretical Studies und das Centre for Ecological Studies. Daneben war er als Gastprofessor an der Stanford University (1991) und der University of California, Berkeley (1995) tätig.
Nach seiner Pensionierung vom IISc kehrte er 2004 nach Pune zurück, um seine Zusammenarbeit mit dem Agharkar Research Institute wieder aufzunehmen, und er übernahm zeitweise den Damodar Dharmanand Kosambi-Gastlehrstuhl an der University of Goa.
1986 wurde er zum Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des indischen Premierministers ernannt, er gehörte dem Gremium bis 1990 an. In dieser Zeit beförderte er die Einrichtung des ersten Biosphärenreservats des Landes in den Nilgiri-Bergen. Von 1998 bis 2002 war er Vorsitzender des Science and Technology Advisory Panel der Global Environment Facility, einer Agentur der Vereinten Nationen. Außerdem war er Mitglied des Ausschusses für Umweltbildung des indischen National Council of Educational Research and Training (NCERT) und Mitglied des National Advisory Council. Er ist Mitglied der National Tiger Conservation Authority und Vorsitzender des Ausschusses, der den Lehrplan für Umweltbildung an Schulen entwirft. Als die indische Regierung 2010 ein Expertengremium zur Beratung der ökologischen Probleme in den Western Ghats (WGEEP) einrichtete, wurde er zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt.
Privatleben Gadgil war während seiner College-Zeit ein aktiver Sportler und hielt 1959 und 1961 die Hochsprungrekorde des Bundesstaates Maharashtra und der Pune University. Er war mit Sulochana Gadgil verheiratet, einer bekannten Meteorologin und Mathematikerin an der Harvard University, die er während seiner Zeit am Fergusson College kennengelernt hat. Das Paar hat eine Tochter, die Journalistin und Spanischlehrerin ist, und einen Sohn, der Mathematiker ist. Die Familie lebte in seiner Heimatstadt Pune. Seine Lebensgeschichte wurde in einem biografischen Buch mit dem Titel Vidnyanyatri – Dr. Madhav Gadgil festgehalten, das von A. P. Deshpande in Marathi verfasst wurde.
Vermächtnis mini|Das Biospärenreservat Nilgiris mini|Das Dorf Poombarai in den Westghats. Einer der wichtigsten Beiträge von Gadgil ist sein Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz in Indien. Seine frühen Forschungen in den 1980er Jahren trugen dazu bei, dass die Nilgiri-Berge als erstes Biosphärenreservat Indiens ausgewiesen wurden.
Madhav Gadgil erwarb sich große Verdienste durch die Einführung quantitativer Untersuchungen der Ökologie und des Verhaltens von Tieren in Indien sowie die Einbeziehung des Menschen als wesentlichem Bestandteil von Ökosystemen. Gadgil ist bekannt für seine umfangreichen Forschungen in den Bereichen Populationsbiologie, Naturschutzbiologie, Humanökologie und Ökologische Geschichte. Seine Forschungen wurden in über 250 wissenschaftlichen Artikeln dokumentiert, die in verschiedenen Fachzeitschriften und Magazinen veröffentlicht wurden.
Von 1999 bis 2004 erschien von ihm eine zweiwöchentliche Kolumne über Naturgeschichte in The Hindu. Auch in der in Pune erscheinenden Marathi-Tageszeitung Sakal schrieb er eine monatliche Kolumne.
Er trug als Mitglied des Entwurfsausschusses zur Formulierung des Gesetzes über die biologische Vielfalt 2002 bei und das von ihm erstellte Handbuch für die Volksregister zur biologischen Vielfalt wurde von der Nationalen Behörde für biologische Vielfalt angenommen. Auf lokaler Ebene war er an der Erstellung eines Biodiversitätsinventars beteiligt.
Auszeichnungen (Auswahl) mini|Madhav Gadgil und Col. Ashwin Baindur bei einem Wikidata-Workshop in Pune (2017) 1981: Padma Shri 1986: Shanti-Swarup-Bhatnagar-Preis (Science and Technology) 1990: Vikram Sarabhai Award 1991: Foreign Associate der US National Academy of Sciences 1993: PEW Scholars Award in Conservation and the Environment 2001: Ehrenmitglied der British Ecological Society 2001: Ehrenmitglied der Ecological Society of America 2002: Harvard Centennial Medal 2003: Volvo Environment Prize 2006: Padma Bhushan 2007: H. K. Firodia award 2010: Fellow der Association for Tropical Biology and Conservation (ATBC) 2014: Georgescu-Roegen Award 2015: Tyler Prize for Environmental Achievement 2021: Benennung der in Kerala entdeckten Baumart Elaeocarpus gadgiliiManoharan, M.A., Prabhukumar, K.M., Arjun, S.K., Jose, S. and Veerankutty, S., 2021. Elaeocarpus gadgilii (Elaeocarpaceae), a new species from Western Ghats (India). Phytotaxa, 489(1), pp.87-93. 2024 Champions of the Earth Zahlreiche Fellowships darunter der Indian National Science Academy (INSA), der Indian Academy of Sciences (IAS), der National Academy of Sciences, India (NASI), der Third World Academy of Sciences (TWAS), und eine National Environment Fellowship des indischen Umwelt- und Forstministeriums.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Madhav Gadgil (2013), Science, democracy and ecology in India. Nehru Memorial Museum & Library ISBN 978-81-87614-76-0
Literatur
Krushnamegh Kunte, Utkarsh Ghate und K. A. Subramanian: Madhav Gadgil (1942–2026): A pioneering Indian ecologist’s legacy of biodiversity conservation and human coexistence. In: PNAS. Band 123, Nr. 24, 2026, e2611387123, doi:10.1073/pnas.2611387123.
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Einzelnachweise
Kategorie:Ökologe Kategorie:Absolvent der Harvard University Kategorie:Träger des Padma Bhushan Kategorie:Träger des Padma Shri Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Inder Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann